Packendes Gigantenduell! Starkes Italien wirft Mitfavorit Belgien raus

München - Was für ein atemloses Spektakel! Italien hat Belgien im zweiten Viertelfinale der Europameisterschaft 2020 nach einem mitreißenden Gigantentreffen dank eines 2:1 (2:1)-Sieges aus dem Turnier geworfen und ist ins Halbfinale eingezogen.

Der Jubel währte nur kurz: Leonardo Bonuccis (v.-r.) Treffer für Italien zählte wegen einer doppelten Abseitsstellung berechtigterweise nicht.
Der Jubel währte nur kurz: Leonardo Bonuccis (v.-r.) Treffer für Italien zählte wegen einer doppelten Abseitsstellung berechtigterweise nicht.  © dpa/Matthias Schrader/Pool AP

Die Tore vor 12.985 Zuschauern in der Allianz Arena erzielten Nicolo Barella zum 1:0 (31. Minute), Lorenzo Insigne zum 2:0 für Italien (44.) und Romelu Lukaku per Foulelfmeter zum 1:2 für die Red Devils (45.).

Belgiens Coach Roberto Martinez nahm nach dem 1:0-Sieg im Achtelfinale gegen Portugal nur einen Wechsel vor. Der quirlige Youngster Jeremy Doku ersetzte Kapitän Eden Hazard (Oberschenkelprobleme, nicht im Kader).

Italiens Trainer Roberto Mancini stellte nach dem 2:1-Erfolg gegen Österreich hingegen zweimal um. Kapitän Giorgio Chiellini kehrte nach ausgestandener Oberschenkelverletzung zurück, zudem rückte Federico Chiesa in die erste Elf. Dafür mussten Francesco Acerbi und Domenico Berardi (beide Bank) weichen.

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Die neuformierte Azzurri-Abwehr wurde direkt von Sturmbulle Lukaku geprüft, der Chiellini aussteigen ließ, doch Gianluigi Donnarumma war zur Stelle (2.). Auch davon abgesehen legten beide Mannschaften ohne Abtastphase munter los und versuchten, ihre herausragenden Offensivreihen einzusetzen, weshalb sich eine interessante Partie entwickelte.

Mit der nächsten Aktion ging die Squadra Azzurra vermeintlich in Führung - doch Chiellini und auch sein Innenverteidiger-Kollege Leonardo Bonucci hatten nach einem Freistoß von Insigne in zwei Situationen hintereinander im Abseits gestanden, weshalb der Treffer zu Recht nicht zählte (14.).

Belgiens Startelf für das EM-Viertelfinale gegen Italien

Italiens Anfangsformation für das EM-Viertelfinale gegen Belgien

Nicolo Barella und Lorenzo Insigne schießen Italien gegen Belgien in Führung

Dieses Tor zählte! Nicolo Barella (r.) schießt nach einer starken Aktion zum 1:0 für Italien ein.
Dieses Tor zählte! Nicolo Barella (r.) schießt nach einer starken Aktion zum 1:0 für Italien ein.  © dpa/Stuart Franklin/Pool Getty

Anschließend musste erneut Donnarumma eingreifen und einen wuchtigen 16-Meter-Schuss von Kevin De Bruyne mit einer exzellenten Parade zur Ecke abwehren (22.). Nachfolgend tauchte der seit dem 1. Juli vereinslose Weltklasse-Keeper auch bei einem Schlenzer von Lukaku ab und parierte wieder stark (25.).

Auf der anderen Seite packte Thibaut Courtois bei einem abgefälschten Schuss von Chiesa sicher zu (26.) und Insigne zirkelte die Kugel nur Sekunden danach hauchzart über das Gehäuse (27.).

Ein paar Minuten später zählte das nächste Tor dann endlich. Belgiens zentraler Abwehrspieler Jan Vertonghen klärte am eigenen Strafraum unter Druck in die Füße von Marco Verratti, der schnell schaltete und Barella bediente.

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Der Star von Inter Mailand ließ Jan Vermaelen und Thorgan Hazard mit einer schnellen Körpertäuschung ganz alt aussehen und zog in einer fließenden Bewegung aus acht Metern halbrechter Position wuchtig und platziert in die linke Ecke ab - Courtois war chancenlos, 1:0 für Italien (31.)!

Die Azzurri blieben auch weiterhin am Drücker. So verfehlte Chiesa den Kasten nur knapp (41.), ehe Mancinis Mannen nachlegten. Wirbelwind Insigne ließ Youri Tielemans mit einem Schlenker aussteigen, zog von der linken Seite in die Mitte und schlenzte die Kugel aus gut 20 Metern in die rechte obere Ecke - 2:0 für Italien (44.)!

Ein Traumtor: Lorenzo Insigne (l.) legt per 20-Meter-Schlenzer das 2:0 für die Squadra Azzurra nach.
Ein Traumtor: Lorenzo Insigne (l.) legt per 20-Meter-Schlenzer das 2:0 für die Squadra Azzurra nach.  © dpa/Federico Gambarini

Romelu Lukaku verkürzt für Belgien und lässt Großchance zum 2:2 liegen

Romelu Lukaku (links neben dem Ball) verlädt Italiens Keeper Gianluigi Donnarumma (r.) kurz vor der Pause mit seinem Elfmeter und verwandelt zum 1:2 aus belgischer Sicht.
Romelu Lukaku (links neben dem Ball) verlädt Italiens Keeper Gianluigi Donnarumma (r.) kurz vor der Pause mit seinem Elfmeter und verwandelt zum 1:2 aus belgischer Sicht.  © dpa/Federico Gambarini

Eine dumme Aktion brachte die Red Devils aber zurück ins Spiel. Giovanni Di Lorenzo schubste Doku im Strafraum, weshalb Schiedsrichter Slavko Vincic auf den Punkt zeigte - eine nachvollziehbare, aber nicht gänzlich unumstrittene Entscheidung.

Die hatte auch nach VAR-Überprüfung bestand, weshalb Lukaku antrat, Donnarumma mit seinem Schuss in die Mitte verlud und zum 1:2 aus belgischer Sicht traf (45.)!

Kurz darauf war in dieser spektakulären Begegnung auf höchstem Niveau Pause. Technisch, taktisch, hinsichtlich der individuellen Klasse und des Tempos wurde den Zuschauern hier ein mitreißendes Gigantenduell geboten, in dem viele Akteure eine sehr gute Tagesform erwischten. Gerade Italien begeisterte und war das überlegene Team, das verdient mit der Führung in die Kabine ging.

Auch im zweiten Durchgang waren beide Teams weiter griffig und angriffsfreudig. Die nächste sehr gute Chance vergab dabei Lukaku.

Der aufdrehende Doku passte in die Gasse auf De Bruyne, der quer für den Sturmtank von Inter Mailand legte, der allerdings aus wenigen Metern Leonardo Spinazzolas Oberschenkel anschoss und diese Top-Möglichkeit ausließ (61.).

Nacer Chadli und Leonardo Spinazzola müssen verletzt ausgewechselt werden

Der bei dieser EM groß auftrumpfende italienische Linksverteidiger Leonardo Spinazzola (3.v.l.) droht nun lange auszufallen, hat sich möglicherweise einen Achillessehnenriss zugezogen.
Der bei dieser EM groß auftrumpfende italienische Linksverteidiger Leonardo Spinazzola (3.v.l.) droht nun lange auszufallen, hat sich möglicherweise einen Achillessehnenriss zugezogen.  © dpa/Federico Gambarini
Italien bejubelte einen 2:1-Sieg gegen Mitfavorit Belgien und den Einzug in die Runde der letzten Vier.
Italien bejubelte einen 2:1-Sieg gegen Mitfavorit Belgien und den Einzug in die Runde der letzten Vier.  © dpa/Matthias Schrader/Pool AP

Der italienische Retter verpasste auf der Gegenseite das 3:1, als er eine Insigne-Flanke volley links am Kasten vorbeischoss (66.). Dann wiederum bediente der wenige Augenblicke zuvor eingewechselte Nacer Chadli in die Mitte, wo Lukaku und Hazard den Ausgleich liegen ließen (70.).

Die intensive Partie wogte nun hin und her, war extrem spannend. In der Schlussviertelstunde trübten zwei Verletzungen das sportlich positive Bild.

Erst musste Chadli wieder raus, dann stoppte Spinazzola ohne gegnerische Einwirkung ab, weinte auf dem Feld und musste mit einer Trage vom Platz gebracht werden. Der so stark aufspielende Linksverteidiger droht nun längerfristig auszufallen.

Ganz am Ende drückten die Red Devils nochmal, doch Flügelflitzer Doku zirkelte knapp vorbei (84.), ansonsten verteidigte die leidenschaftliche Azzurri-Abwehr hervorragend und bejubelte mit dem Abpfiff den knappen, aber verdienten Sieg euphorisch.

Für die strahlenden Squadra Azzurra geht es nun am Dienstag (21 Uhr) gegen Spanien weiter, das sich im ersten Viertelfinale mit 3:1 nach Elfmeterschießen gegen die Schweiz durchgesetzt hatte.

Titelfoto: dpa/Matthias Schrader/Pool AP

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