Gulacsi von RB Leipzig trifft beim EM-Gruppenfinale auf Deutschland: "Werden alles versuchen!"

Budapest/Leipzig - Immer wieder schweiften die Blicke des gigantischen Peter Gulacsi (31) über die Tribünen des Budapester EM-Vergnügungsparks. Nach seiner nächsten Gala-Vorstellung bei dieser Fußball-Endrunde suchte der überwältigte ungarische Nationaltorhüter die Nähe zu seiner Familie. "Mein erster Gedanke war: Dass wir so etwas zusammen erleben dürfen", meinte der Schlussmann des Bundesligisten RB Leipzig nach dem überraschenden 1:1 (0:1) am Samstag gegen Weltmeister Frankreich, das die Magyaren im Turnier hält.

Peter Gulacsi (31) beim Abschlusstraining vor dem EM-Spiel gegen Portugal: Der Torhüter freut sich, nach einem Jahr voller Geisterspiele wieder vor Publikum spielen zu können.
Peter Gulacsi (31) beim Abschlusstraining vor dem EM-Spiel gegen Portugal: Der Torhüter freut sich, nach einem Jahr voller Geisterspiele wieder vor Publikum spielen zu können.  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Gulacsi wächst nochmal über sich hinaus. Das ist bei seinen bisherigen Leistungen für RB und das Nationalteam sowie einer Körpergröße von 1,91 Meter schwer genug.

Der 31-Jährige entwickelt bei dieser Fußball-EM aber einen für den Co-Gastgeber überlebensnotwendigen Nervfaktor - ob es nun gegen Cristiano Ronaldo (36) oder gegen Kylian Mbappé (22) geht. Gelingt das auch gegen Thomas Müller (31)?

Mehr als 55.000 Fans in der Puskas Arena bejubelten Gulacsi, der gegen Frankreich nur von Antoine Griezmann überwunden wurde. "Ich bin unglaublich stolz. Nach einem Jahr oft mit Geisterspielen so ein Spiel zu erleben, das ist toll", sagte der Torwart.

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Eine galaktische Leistung von Gulacsi wird auch im Gruppenfinale gegen Deutschland am Mittwoch (21 Uhr/ZDF und MagentaTV) in München nötig sein, sonst ist die Endrunde für die Ungarn beendet. Nach nur einem Punkt bisher müssen sie gewinnen.

Ungarische Nationalmannschaft muss in München mit weniger Fans auskommen

Ungarns Torhüter Peter Gulacsi (im schwarzen Trikot) und Ungarns Torschütze Attila Fiola (31, 2.v.l.)freuen sich nach dem 1-1 Unentschieden gegen Frankreich.
Ungarns Torhüter Peter Gulacsi (im schwarzen Trikot) und Ungarns Torschütze Attila Fiola (31, 2.v.l.)freuen sich nach dem 1-1 Unentschieden gegen Frankreich.  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

"Gulacsi ist einer der besten Torhüter in Europa. Ich denke, dass es da normal ist, dass er solche Leistungen wie heute oder gegen Portugal zeigt", sagte Nationaltrainer Marco Rossi (56), der seinen Ersatzkapitän auf einem Level mit DFB-Keeper Manuel Neuer (35) sieht. "Mit seinen Paraden war er für uns entscheidend."

Attila Fiola (31) hatte die Puskas Arena mit seinem Führungstor gegen Frankreich in ein Tollhaus verwandelt. Dieser Riesenpush von den heimischen Rängen wird den Ungarn in München allerdings fehlen. Sie müssen diese Leidenschaft nun aus sich selbst schöpfen.

"Man muss wirklich stolz auf die Jungs sein. Sie sind die Hauptdarsteller und haben den Fans eine besondere Adrenalinbombe an Emotionen gegeben, sodass jeder einen fantastischen Tag hatte", sagte Rossi.

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Sein Kapitän Adam Szalai (33) vom FSV Mainz 05 allerdings erlebte einen unglücklichen Tag, da er nach einem Treffer am Kopf schon in der ersten Halbzeit in der Kabine bleiben musste und anschließend ins Krankenhaus zur Untersuchung musste. Nach eingehenden Untersuchungen bestehe die Hoffnung, dass der Stürmer gegen Deutschland einsatzbereit sei, teilte der Verband am Sonntag mit.

Gulacsi & Co., die nach dem Schlusspfiff ihre Liebsten herzten und mit ihnen posierten, kämpften aber für den Mainzer mit. Wer hätte gedacht, dass Ungarn ein echtes Gruppenfinale bekommt?

Ungarn-Coach Marco Rossi über EM-Gruppenfinale: "Versuchen alles, um bestes Ergebnis zu erzielen!"

Fühlt sich bei der EM wie ein Kind in einem Freizeitpark: Ungarns Nationaltrainer Marco Rossi (56).
Fühlt sich bei der EM wie ein Kind in einem Freizeitpark: Ungarns Nationaltrainer Marco Rossi (56).  © Mikko Stig/Lehtikuva/dpa

"Ich bin nicht dumm und arrogant. Ich sage nicht, dass wir nach München fahren und gewinnen", meinte Rossi, dessen Sohn Simone auf der Tribüne ob des Punktgewinns seines Vaters vollkommen aus dem Häuschen war.

"Ich sage, dass wir nach München fahren und alles versuchen werden, um das beste Ergebnis zu erzielen."

Das wird schwer genug gegen eine deutsche Mannschaft, die nach dem 4:2 gegen Portugal in der EM richtig angekommen ist.

Mit ihrer Hingabe könnten die Ungarn ihre spielerischen Schwächen aber etwas wettmachen und es Joachim Löws Team sehr schwer machen. "Wir wollen in München gewinnen und weiterkommen", verkündete Roland Sallai (24) vom SC Freiburg selbstbewusst.

Und Rossi meinte ganz verspielt: "Ich bin hier und fühle mich wie ein Kind, das einen Freizeitpark besucht und die Fahrgeschäfte ausprobieren will."

Titelfoto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

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