Sensation! Starkes Tschechien wirft die Niederlande völlig überraschend raus

Budapest - Wer hätte das gedacht? Tschechien hat bei der Europameisterschaft 2020 für eine große Überraschung gesorgt, den klaren Favoriten Niederlande im Achtelfinale mit 2:0 (0:0) besiegt und ist in die Runde der letzten Acht eingezogen.

Matthijs de Ligt schlich nach seinem Platzverweis vom Feld. Die Unterzahl ließ die Partie endgültig zugunsten der Tschechen kippen.
Matthijs de Ligt schlich nach seinem Platzverweis vom Feld. Die Unterzahl ließ die Partie endgültig zugunsten der Tschechen kippen.  © dpa/Pa/PA Wire

Die Tore für den Underdog vor rund 55.000 Zuschauern in der Puskas Arena erzielten Tomas Holes zum 1:0 (68. Minute) und Patrik Schick zum 2:0 (80.). Zudem sah Oranje-Abwehrchef Matthijs de Ligt wegen eines Handspiels als letzter Mann die Rote Karte (55.).

Bondscoach Frank de Boer nahm nach dem 3:0-Erfolg im letzten Gruppenspiel gegen Nordmazedonien nur einen Wechsel vor: Marten de Roon ersetzte Ryan Gravenberch (Bank).

Tschechiens Trainer Jaroslav Silhavy stellte nach dem 0:1 gegen England dreimal um. Pavel Kaderabek von der TSG 1899 Hoffenheim, Petr Sevcik und Antonin Barak spielten für Jan Boril, Jakub Jankto (beide Bank) und den verletzten Vladimir Darida von Hertha BSC (nicht im Kader).

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Die Elftal und die Gäste lieferten sich zu Beginn ein Duell auf Augenhöhe, in dem Holes mit einem 25-Meter-Versuch die erste Chance hatte, doch der Profi von Slavia Prag zielte zu hoch (2.). Auf der anderen Seite tauchte Oranje mehrfach gefährlich vorm Gehäuse von Tomas Vaclik auf, kam allerdings noch nicht entscheidend zum Abschluss.

Die Tschechen hatten bei der nächsten Aktion Pech. Denn Kapitän Tomas Soucek traf eine Flanke von Sevcik mit dem Kopf in Bedrängnis nicht voll (22.).

Startelf der Niederlande für das EM-Achtelfinale gegen Tschechien

Tschechiens Anfangsformation für das EM-Achtelfinale gegen die Niederlande

Niederlande findet gegen wehrhaftes Tschechien keine Lösungen!

Ein Sinnbild: Donyell Malen (l.) ist einmal durchgebrochen, wird aber in letzter Sekunde noch von Tschechiens Keeper Tomas Vaclik gestoppt.
Ein Sinnbild: Donyell Malen (l.) ist einmal durchgebrochen, wird aber in letzter Sekunde noch von Tschechiens Keeper Tomas Vaclik gestoppt.  © dpa/Pa/PA Wire

Beeindruckend war, dass die Gäste das überfallartige Umschaltspiel der Niederländer gar nicht erst aufkommen ließen, weshalb sich eine intensive, aber höhepunktarme Begegnung entwickelte.

Silhavys Truppe machte die Räume eng, zog die Manndeckung voll durch, warf sich leidenschaftlich in die Zweikämpfe, agierte als echte, laufstarke Einheit, setzte nach vorne regelmäßig Nadelstiche und machte der Elftal das Leben richtig schwer.

So hatte Deutschlands östliches Nachbarland die nächste Gelegenheit: Lukas Masopust lief auf die Kette zu und bediente im perfekten Moment Barak, der abschloss, doch de Ligt fälschte die Kugel in letzter Sekunde mit einer Monstergrätsche noch entscheidend zur Ecke ab (38.).

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Oranje mühte sich weiter, konnte sich gegen die vielbeinige Abwehr allerdings keine Chancen erspielen - und wenn doch, befand sich ein Akteur in Abseitsposition oder Vaclik klärte eine flache Hereingabe gekonnt. Einen Schuss aufs Tor musste er im gesamten ersten Abschnitt nicht abwehren, weshalb es zur Pause beim torlosen Unentschieden blieb.

Im zweiten Durchgang nahm die Partie Fahrt auf. Donyell Malen tankte sich endlich mal gegen mehrere Tschechen durch, tauchte frei vor Vaclik auf, wollten diesen rechts umkurven, doch der Schlussmann des FC Sevilla warf sich dazwischen, packte zu und machte die Top-Gelegenheit zunichte (51.)!

Matthijs de Ligt sieht Rot, Tomas Holes und Patrik Schick schießen Tschechien ins Viertelfinale

Tomas Holes (2.v.l.) köpft aus drei Metern zum 1:0 für Tschechien ein.
Tomas Holes (2.v.l.) köpft aus drei Metern zum 1:0 für Tschechien ein.  © dpa/Robert Michael/dpa-Zentralbild
Bayer Leverkusens Torjäger Patrik Schick (l.) dreht nach seinem Treffer zum 2:0 zum Jubeln ab.
Bayer Leverkusens Torjäger Patrik Schick (l.) dreht nach seinem Treffer zum 2:0 zum Jubeln ab.  © dpa/Robert Michael/dpa-Zentralbild

Dann schwächten sich die Niederländer selbst: de Ligt stolperte und klärte vor dem durchbrechenden Schick im Fallen mit der Hand. Erst gab es nur Freistoß, doch dann sah sich Schiedsrichter Sergei Karasev die Szene in der Review Area nochmal an - und zückte verständlicherweise die Rote Karte (55.)!

Nun kippte das Duell endgültig. Denzel Dumfries blockte einen Schlenzer in die lange Ecke von Kaderabek aufmerksam und mit starkem Ausfallschritt (64.), ehe das erste Tor fiel.

Barak brachte einen Freistoß nahe der Eckfahne von rechts mit viel Schnitt auf den zweiten Pfosten, wo sich Tomas Kalas gegen Georginio Wijnaldum durchsetzte und per Kopf querlegte. Holes stand am ersten Pfosten völlig frei und durfte aus drei Metern in die rechte Ecke einnicken - 1:0 für den Außenseiter (68.)!

Der machte auch weiterhin Druck, doch Tomas Soucek und Masopust (78.) scheiterten mit ihren zu harmlosen Abschlüssen an Keeper Maarten Stekelenburg, bevor die Entscheidung fiel: Holes setzte sich auf der linken Seite klasse mit Tempo und Wucht durch, bediente Schick, der vor Daley Blind am Ball war und aus sieben Metern in die kurze Ecke einschoss - 2:0 für Tschechien (80.)!

Grenzenloser Jubel bei Slavia Prags Tomas Holes (v.): Tschechien steht auch dank seinem Tor im EM-Viertelfinale!
Grenzenloser Jubel bei Slavia Prags Tomas Holes (v.): Tschechien steht auch dank seinem Tor im EM-Viertelfinale!  © dpa/Robert Michael/dpa-Zentralbild

Diesen Vorsprung verteidigte man konzentriert und durfte am Ende über einen Mega-Coup jubeln. Nun geht es für den überraschenden Sieger am 3. Juli (18 Uhr) gegen Dänemark weiter.

Titelfoto: dpa/Robert Michael/dpa-Zentralbild

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