Irres Eigentor und acht Buden! Spanien wirft Kroatien in Mega-Spiel aus EM

Kopenhagen (Dänemark) - Was für ein packender Schlagabtausch! Spanien steht nach einem verrückten Spiel im Viertelfinale der Europameisterschaft. Die Furia Roja und der bissige Vizeweltmeister aus Kroatien lieferten sich im Achtelfinale ein unvergessliches Duell mit acht Treffern. Nach Verlängerung stand ein 5:3 (5:3/3:3/1:1)-Sieg zu Buche.

Álvaro Morata schoss sich den Frust von der Seele. Das Tor des Stürmers zum 4:3 in der Verlängerung gegen Kroatien war sehenswert.
Álvaro Morata schoss sich den Frust von der Seele. Das Tor des Stürmers zum 4:3 in der Verlängerung gegen Kroatien war sehenswert.  © Jonathan Nackstrand/Pool AFP/AP/dpa

Im Telia Parken brachte Spaniens Pedri die Kroaten mit einem kuriosen Eigentor mit 1:0 in Führung (20. Minute), ehe Pablo Sarabia zum 1:1 ausglich (38.). César Azpilicueta köpfte die Furia Roja im zweiten Durchgang mit 2:1 verdient in Front (57.), Ferrán Torres erhöhte auf 3:1 (77.). Dann wurde es wild: Mislav Oršić ließ Kroatien hoffen (2:3, 85.), Mario Pašalić netzte spät gar zur Verlängerung (90.+2).

Álvaro Morata (4:3, 100.) und Mikel Oyarzabal (5:3, 103.) sorgten letztlich dafür, dass der Favorit nach einer spannenden Zugabe eine Runde weiter ist.

Nach dem 5:0-Erfolg gegen die Slowakei nahm Spanien-Trainer Luis Enrique zwei Wechsel in der Startaufstellung vor: Jordi Alba und Gerard Moreno mussten auf der Bank Platz nehmen, José Luis Gayá und Ferrán Torres durften im Gegenzug mitwirken.

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Auch sein Gegenüber, Zlatko Dalić, schraubte im Vergleich zum 3:1-Sieg Kroatiens gegen Schottland an seiner ersten Elf. Für Dejan Lovren (Sperre) und den an Covid-19 erkrankten Ivan Perišić standen Duje Ćaleta-Car sowie Ante Rebić auf dem Rasen.

An der im Vorfeld erwarteten Rollenverteilung wollte die Enrique-Truppe gegen Rebić und Co. von Beginn an keinerlei Zweifel aufkommen lassen. Spanien nistete sich entsprechend früh in der Hälfte der Kroaten ein, einen ersten gefährlichen Flugball in die heiße Zone konnte der Keeper des Vizeweltmeisters, Dominik Livaković, aber ohne erkennbare Probleme entschärfen (2.).

Auch beim Kopfball von Azpilicueta ließ der Torhüter des Außenseiters kurz darauf nichts anbrennen (9.).

Startaufstellung Spaniens im EM-Achtelfinale gegen Kroatien

Startelf Kroatiens gegen Spanien im Achtelfinale der EM

Slapstick-Eigentor von Pedri schockt Spanien, Pablo Sarabia liefert die Antwort in Halbzeit eins

Verdient! Pablo Sarabia war für Spanien zur Stelle und glich in der 38. Minute der ersten Halbzeit gegen Kroatien zum 1:1 aus.
Verdient! Pablo Sarabia war für Spanien zur Stelle und glich in der 38. Minute der ersten Halbzeit gegen Kroatien zum 1:1 aus.  © Jonathan Nackstrand/Pool AFP/AP/dpa

Im Anschluss bekamen die Zuschauer in Dänemark und am TV reinen Einbahnstraßenfußball zu sehen.

Sarabia scheiterte nach einem Zuspiel von Morata am Außennetz (13.), Koke vergab nur knappe drei Minuten später die bis dato mit Abstand beste Chance der Partie. Nach einem feinen Pass von Pedri tauchte der Atlético-Spieler viel zu frei vor Livaković auf, scheiterte dann aber an diesem (16.).

Von den Kroaten war in der Anfangsviertelstunde nichts zu sehen - und dennoch lagen Luka Modrić und seine Teamkollegen plötzlich sogar in Front!

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Wirklich viel zur absolut überraschenden Führung beigetragen hatte die Elf von Dalić allerdings nicht, denn die Spanier hatten sich völlig ohne jegliche Bedrängnis das bislang wohl kurioseste Eigentor der laufenden Europameisterschaft eingeschenkt.

Pedri wollte aus dem Mittelfeld einen Rückpass zu Keeper Unai Simón spielen, der aber nicht vollends bei der Sache war, das scharf gespielte Leder über seinen Fuß gleiten ließ und nur noch zusehen konnte, wie es zum 0:1 über die Linie rollte (20.).

Die Furia Roja war nach dem Nackenschlag spürbar geschockt, die Kroaten witterten mit der Führung im Rücken die große Chance, wollten sofort nachlegen. Ein Schuss von Mateo Kovačić segelte allerdings über die Querlatte (26.).

César Azpilicueta und Ferrán Torres schießen Spanien auf Kurs in Richtung Viertelfinale

César Azpilicueta (r.) köpfte die spanische Nationalmannschaft gegen Kroatien im Achtelfinale der EM mit 2:1 in Führung.
César Azpilicueta (r.) köpfte die spanische Nationalmannschaft gegen Kroatien im Achtelfinale der EM mit 2:1 in Führung.  © Wolfgang Rattay/Pool Reuters/AP/dpa

Mit zunehmender Dauer übernahmen die Spanier wieder das Kommando und konnten sich noch im ersten Durchgang für die Anstrengungen belohnen.

Einen scharfen Abschluss Gayás konnte Livaković parieren, jedoch nur nach vorne und somit in den Sechzehner. Am Nachschuss von Sarabia war er zwar dran, aber letztlich doch machtlos - 1:1 (38.).

Mit dem Remis ging es in die Pause.

Nach einem eher unrunden Start beider Teams in den zweiten Durchgang, bei dem die Kroaten früher anliefen, Spanien jedoch weiter das Sagen hatte, dauerte es ein wenig, ehe es wieder laut wurde.

Der Pegel im Rund konnte sich in der 57. Minute dann aber hören lassen. Kein Wunder, denn nach einer butterweichen Torres-Flanke von der linken Grundlinie war Azpilicueta in der Mitte zur Stelle, setzte sich gegen Ćaleta-Car im Kopfballduell durch und drückte den Ball zum 2:1 in die Maschen.

Im Anschluss tat sich der Vizeweltmeister, dem gegen das spanische Spiel über weite Strecken die Mittel fehlte, trotz des vorhandenen Willens weiterhin sichtlich schwer.

Nahezu aus dem Nichts hätte Joško Gvardiol trotz der spielerischen Nachteile dennoch fast den Ausgleich erzielt. Der beim Eigentor noch richtig schlecht aussehende Simón machte seinen Patzer allerdings wieder gut, parierte stark rechts unten (67.).

Statt des Ausgleichs fiel zehn Minuten später am anderen Ende des Feldes die vermeintliche Vorentscheidung. Torres setzte sich im Zweikampf gegen den schwach agierenden Gvardiol durch, Livaković konnte nichts mehr tun - 3:1 (77.).

Mislav Oršić und Mario Pašalić lassen Kroatien spät hoffen - Spanien nach Verlängerung im Viertelfinale

Mislav Oršić (2.v.l.) ließ Kroatien mit seinem 2:3-Anschlusstreffer kurz vor Schluss hoffen. Wenig später ging es in die Verlängerung.
Mislav Oršić (2.v.l.) ließ Kroatien mit seinem 2:3-Anschlusstreffer kurz vor Schluss hoffen. Wenig später ging es in die Verlängerung.  © Wolfgang Rattay/Pool Reuters/AP/dpa

Als in der Folge alles bereits so aussah, als sei die Messe gelesen, kamen die Kroaten nochmal zurück.

Oršić nutzte zunächst ein im Strafraum der Spanier entstandenes Chaos aus, drückte den Ball aus wenigen Metern knapp über die Linie zum 2:3 (85.), in der Nachspielzeit stand Pašalić nach einer Flanke von Oršić richtig und sorgte mit seinem Kopfball für die sensationelle Verlängerung (90.+2) in einem inzwischen absolut packenden Schlagabtausch.

Die Visiere waren nun endgültig hochgeklappt, es ging hin und her. Andrej Kramarić hatte das 4:3 auf dem Fuß, scheiterte aus sieben Meter zentraler Position jedoch an Simón (96.). Auf der Gegenseite wurde Dani Olmo in letzter Sekunden gerade noch von Domagoj Vida geblockt (97.). Was für ein Spiel!

Die besseren Argumente im weiteren Verlauf hatten dann aber die Spanier. Josip Brekalo verschätzte sich bei einer Flanke, Morata ließ sich die Chance nicht nehmen und jagte die Kugel mit allem Frust, der sich angestaut haben dürfte, zum 4:3 ins Netz (100.). Der Schlusspunkt gehörte dann Oyarzabal, der beim achten Treffer des Tages nach einer Hereingabe Olmos eiskalt blieb und für die 5:3-Entscheidung sorgte (103.).

Während das Turnier für Kroatien nach dem Achtelfinale beendet ist, wartet auf die Spanier sehr wahrscheinlich ein vorgezogenes Finale. Sollte sich Frankreich am heutigen Montag (21 Uhr) gegen die Schweiz durchsetzen, kommt es im Viertelfinale am kommenden Freitag (18 Uhr) in St. Petersburg zum direkten Schlagabtausch. Ein Traum für alle Fans.

Titelfoto: Jonathan Nackstrand/Pool AFP/AP/dpa

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