UEFA-Beschluss: Münchner Arena darf bei EM nicht in Regenbogen-Farben leuchten!

München - Das EM-Stadion in München wird beim Gruppenfinale der deutschen Nationalmannschaft gegen Ungarn an diesem Mittwoch (21 Uhr) nicht in Regenbogenfarben als Zeichen für Toleranz und Gleichstellung erstrahlen.

Das Münchner Stadion darf beim EM-Spiel der Nationalmannschaft gegen Ungarn am Mittwoch nicht in Regenbogen-Farben beleuchtet werden.
Das Münchner Stadion darf beim EM-Spiel der Nationalmannschaft gegen Ungarn am Mittwoch nicht in Regenbogen-Farben beleuchtet werden.  © Tobias Hase/dpa

Die Europäische Fußball-Union (UEFA) lehnte einen Antrag des Münchner Oberbürgermeisters Dieter Reiter (63, SPD) am Dienstag entsprechend ab.

Die UEFA sei "aufgrund ihrer Statuten eine politisch und religiös neutrale Organisation. Angesichts des politischen Kontextes dieser speziellen Anfrage - eine Botschaft, die auf eine Entscheidung des ungarischen Parlaments abzielt - muss die UEFA diese Anfrage ablehnen", teilte der Dachverband offiziell mit. Zuerst hatte Bild darüber berichtet.

Die Arena wird daher wie vorgesehen in den Farben der UEFA und der teilnehmenden Nationen leuchten. Der Dachverband habe der Stadt München aber vorgeschlagen, das Stadion entweder am 28. Juni - dem Christopher Street Liberation Day - oder zwischen dem 3. und 9. Juli, der Christopher Street Day Woche in München, mit den Regenbogenfarben zu beleuchten.

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Angesichts der UEFA-Absage wollen zumindest andere deutsche Stadionbetreiber Zeichen setzen. So sollen wohl die Arenen in Frankfurt am Main und Köln am Mittwoch während der EM-Partie der deutschen Mannschaft gegen Ungarn bunt erstrahlen.

"Wenn München am Mittwoch nicht darf, dann müssen eben die anderen Stadien im Land Farbe bekennen. Auf jetzt, Kollegen in der Liga", twitterte Eintracht Frankfurts Vorstandssprecher Axel Hellmann (49) Der Klub-Boss kündigte an: "Der Deutsche Bank Park schaltet zum Spiel gegen Ungarn den Regenbogen an. Das Waldstadion bleibt bunt."

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter wollte weithin sichtbares Signal für Werteverständnis

Der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (63, SPD) wollte mit der Beleuchtung ein klares Zeichen setzen. Daraus wird nichts.
Der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (63, SPD) wollte mit der Beleuchtung ein klares Zeichen setzen. Daraus wird nichts.  © Alexander Hassenstein/Getty/DFB/dpa

Ähnliches ist in Köln geplant, wie ein Sprecher der Kölner Sportstätten dem WDR bestätigte.

Hintergrund des Protestes ist ein Gesetz, das die Informationsrechte von Jugendlichen in Hinblick auf Homosexualität und Transsexualität einschränkt und das erst am vergangenen Dienstag vom ungarischen Parlament gebilligt wurde.

Das Gesetz gilt als besonderes Anliegen von Ministerpräsident Viktor Orban (58). Entsprechend laut war die Forderung nach einem klaren Zeichen bei der EM 2020 in Deutschland geworden.

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Münchens Oberbürgermeister Reiter hatte sich in einem Schreiben an die UEFA und den Deutschen Fußball-Bund für eine Ausnahmegenehmigung stark gemacht, um "ein weithin sichtbares Signal für unser gemeinsames Werteverständnis" zu senden.

In Ungarn war dieser Münchner Vorstoß aus Deutschland nicht sonderlich gut angekommen.

"Für die linke Münchner Stadtführung haben wir wiederum die Botschaft: die Politik hat auf dem Fußballplatz nichts zu suchen. Weder in brauner noch in roter noch in regenbogenfarbener Verpackung", schrieb die regierungsnahe Budapester Tageszeitung Magyar Nemzet am Dienstag.

Update, 11.18 Uhr: ProSieben mit Regenbogen-Logo

Der TV-Sender ProSieben setzt am Mittwoch mit einem Logo in Regenbogenfarben ein Zeichen für Toleranz.

Das teilte der Sender auf Twitter mit.

Update, 12.25 Uhr: Alexander Dobrindt distanziert sich von UEFA-Beschluss

Der Beschluss der Europäischen Fußball-Union wird nur bedingt gut aufgenommen.

CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt (51) hat sich von der UEFA-Entscheidung distanziert, dass das EM-Stadion in München am Mittwochabend nicht in Regenbogenfarben erstrahlen darf - und zudem gegen die AfD gefeuert.

Update, 13.50 Uhr: Auch Augsburger Stadion leuchtet am Mittwoch bunt

Anders als die Münchner Arena wird das Augsburger Fußballstadion am Mittwochabend in Regenbogenfarben erleuchtet.

"Wir nutzen unsere Stadionbeleuchtung immer wieder, um auf wichtige gesellschaftliche Themen aufmerksam zu machen", sagte Michael Ströll, Geschäftsführer des FC Augsburg, am Dienstag. "Wenn die UEFA ein solch selbstverständliches und wichtiges Zeichen in München im Rahmen des EM-Spiels nicht zulässt, dann wollen wir dies gerne tun und freuen uns, unsere schöne Fassade in bunten Farben erleuchten zu lassen."

Die Europäische Fußball-Union hat dies in München untersagt - die Stadt wollte ein buntes Stadion als Protest gegen die ungarische Regierung und deren schwulen- und lesbenfeindliche Politik.

Am Mittwochabend (21 Uhr) spielt Deutschland sein drittes Vorrundenspiel der Europameisterschaft just gegen die Auswahl aus Ungarn. Vor Augsburg hatten bereits andere Städte wie Berlin, Köln, Frankfurt und Wolfsburg angekündigt, die Stadien in Regenbogenfarben zu bestrahlen.

Update, 14.33 Uhr: Ungarn begrüßt UEFA-Entscheid zu EM-Arena ohne Regenbogenfarben

Ungarns Außenminister Peter Szijjarto begrüßt die Entscheidung der UEFA,"sich nicht für eine politischen Provokation gegenüber Ungarn einspannen zu lassen".
Ungarns Außenminister Peter Szijjarto begrüßt die Entscheidung der UEFA,"sich nicht für eine politischen Provokation gegenüber Ungarn einspannen zu lassen".  © Marcus Brandt/dpa/Pool/dpa

Ungarn hat die Entscheidung der UEFA begrüßt, die Beleuchtung des Münchener EM-Stadions in Regenbogenfarben nicht zuzulassen.

Die Europäische Fußball-Union habe "die richtige Entscheidung getroffen", sagte Außenminister Peter Szijjarto am Dienstag am Rande eines EU-Ministertreffens in Luxemburg vor ungarischen Journalisten. "Man hat entschieden, sich nicht für eine politischen Provokation gegenüber Ungarn einspannen zu lassen", fügte er hinzu.

Die UEFA hatte kurz zuvor einen entsprechenden Antrag des Münchner Oberbürgermeisters Dieter Reiter (SPD) abgelehnt. Die Münchener Arena hätte demnach beim Gruppenfinale der deutschen Nationalmannschaft gegen Ungarn am Mittwoch in Regenbogenfarben erstrahlen sollen. Die Farben stehen als Zeichen für Toleranz und Gleichstellung.

Die UEFA hatte dies abgelehnt und sich dabei auf ihre Statuten als "politisch und religiös neutrale Organisation" berufen. Die Anfrage der Münchener Stadtratsfraktionen sei in einem "politischen Kontext" erfolgt, der mit einer Botschaft einhergehe, die "auf eine Entscheidung des ungarischen Parlaments abzielt". Szijjarto sagte, die UEFA-Verantwortlichen hätten "ihren nüchternen Verstand bewahrt".

Ungarn spielt am Mittwoch in der Münchener Arena in seinem letzten Gruppenspiel der Fußball-EM gegen Deutschland. Entsprechend laut war in Deutschland die Forderung nach einem klaren Zeichen geworden.

Update, 15 Uhr: Münchens OB Reiter kritisiert UEFA-Entscheidung: "Beschämend"

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter empfindet auch das Verhalten des DFB als "sehr enttäuschend". (Archiv)
Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter empfindet auch das Verhalten des DFB als "sehr enttäuschend". (Archiv)  © Sven Hoppe/dpa

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hat die Entscheidung der Europäischen Fußball-Union, das Münchner EM-Stadion nicht in Regenbogenfarben erleuchten zu lassen, scharf kritisiert.

"Ich finde es beschämend, dass die UEFA uns hier in München verbietet, ein Zeichen für Weltoffenheit, für Toleranz, für Respekt und für Solidarität zu den vielen Menschen der LGBT-Community abzugeben", sagte Reiter am Dienstag in München.

Er empfinde es zudem als "sehr enttäuschend, dass der Deutsche Fußball-Bund sich nicht in der Lage sah oder sich nicht in der Lage sehen wollte, hier dieses Ergebnis zu beeinflussen". Den Gegenvorschlag, die Münchner Arena an einem anderen Tag entsprechend zu beleuchten, bezeichnete Reiter als "aus meiner Sicht lächerlich".

Stattdessen solle am Spieltag das Münchner Rathaus mit Regenbogenflaggen geschmückt werden und das Windrad in unmittelbarer Nähe der Arena in Regenbogenfarben beleuchtet werden.

Die UEFA hatte zuvor entschieden, dass das EM-Stadion beim Gruppenfinale der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Ungarn an diesem Mittwoch nicht in Regenbogenfarben als Zeichen für Toleranz und Gleichstellung erstrahlen darf. Die UEFA lehnte einen entsprechenden Antrag von Reiter ab.

Titelfoto: Tobias Hase/dpa

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