Vor der WM 2022: Amnesty sieht bei Sicherheitsfirmen in Katar "teilweise Zwangsarbeit"!

Doha/Berlin - Erneut schwere Anschuldigungen vor der Weltmeisterschaft 2022! Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International wirft privaten Sicherheitsfirmen im WM-Gastgeberland Katar die Ausbeutung von Arbeitsmigranten vor.

Amnesty International wirft mehreren Firmen im WM-Land Katar Ausbeutung und Zwangsarbeit vor.
Amnesty International wirft mehreren Firmen im WM-Land Katar Ausbeutung und Zwangsarbeit vor.  © Christian Charisius/dpa

Diese seien "schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen" ausgesetzt, die "teilweise Zwangsarbeit" entsprächen, teilte Amnesty am Mittwoch mit. So hätten Arbeiter gegen ihren Willen und unter Androhung von Strafen Arbeit verrichten müssen.

"Manche von ihnen mussten bis zu 84 Wochenstunden arbeiten - und das mit dem Wissen der katarischen Regierung", kritisierte die Menschenrechtsorganisation.

Amnesty beruft sich für den neuen Bericht auf Gespräche mit Personal von acht Sicherheitsfirmen. Darin beklagen Mitarbeiter, ihnen würden freie Tage und Urlaub vorenthalten.

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"Wir arbeiten von Januar bis Januar, von Sonntag bis Sonntag, kein freier Tag", zitiert die Organisation einen Wachmann aus Uganda. Anderen Mitarbeitern sei der Lohn gekürzt worden, wenn sie wegen Krankheit nicht arbeiten konnten.

Katar hält sich laut Amnesty International nicht an die eigenen Gesetze

Schon zum Bau der WM-Stadien hatte Amnesty International dem Gastgeberland Katar Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen.
Schon zum Bau der WM-Stadien hatte Amnesty International dem Gastgeberland Katar Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen.  © Hassan Ammar/AP/dpa

Mindestens drei Firmen hätten Sicherheitspersonal an WM-Projekte und Veranstaltungen des Weltverbandes FIFA ausgeliehen, hieß es. Auch hier seien einige der Wachmänner Zwangsarbeit ausgesetzt gewesen.

"Unsere Erkenntnisse zeigen erneut, dass die katarische Regierung nicht ernsthaft darum bemüht ist, ihre eigenen Gesetze umzusetzen und diejenigen zur Rechenschaft zu ziehen, die sie brechen", erklärte die Amnesty-Expertin für den Nahen Osten, Katja Müller-Fahlbusch.

Dem reichen Emirat werden immer wieder die Ausbeutung von Arbeitsmigranten und andere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Katars Regierung weist die Vorwürfe zurück und führt dabei Reformen an.

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So sei das Kafala-System abgebaut worden. Dieses bindet ausländische Arbeiter fest an einen einheimischen Bürgen wie einen Arbeitgeber und öffnet Ausbeutung häufig Tür und Tor. In Katar können Migranten laut Gesetz ohne Zustimmung ihres Arbeitgebers ausreisen oder den Job wechseln.

Menschenrechtler kritisieren, offiziell sei das Kafala-System sei zwar abgeschafft, "de facto" aber noch da.

Die Weltmeisterschaft 2022 beginnt am 21. November und geht bis zum 18. Dezember. Als Reaktion auf Menschenrechtsverletzungen waren in den vergangenen Monaten immer wieder Rufe nach einem Boykott laut geworden.

Titelfoto: Christian Charisius/dpa

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