Olaf Scholz kritisiert Prämien für DFB-Frauen, Bierhoff kontert: "Kläre ihn besser auf"

Frankfurt am Main - Gleiche Prämien für Männer und Frauen? Ein Tweet von Olaf Scholz (64, SPD) befeuerte erneut die Gehaltsdebatte im Frauenfußball. Doch der Bundeskanzler erntete nicht nur Zustimmung.

Oliver Bierhoff (54) antwortete auf den Tweet von Olaf Scholz (64, SPD).
Oliver Bierhoff (54) antwortete auf den Tweet von Olaf Scholz (64, SPD).  © Daniel Löb/dpa

Am Dienstagabend twitterte der 64-jährige SPD-Politiker: "Wir haben 2022. Frauen und Männer sollten gleich bezahlt werden. Das gilt auch für den Sport, besonders für Nationalmannschaften. Spanien hat da die Nase vorn."

DFB-Teammanager Oliver Bierhoff (54) reagierte anschließend im ARD-Interview auf die Forderung und zeigte sich leicht irritiert: "Mich wundert jetzt ein bisschen die Aussage, ich lade ihn aber gerne mal ein und kläre ihn ein bisschen besser über die Zahlen auf."

Zwar wolle der 54-jährige Ex-Stürmer die derzeitige Entwicklung weiter vorantreiben, doch Deutschland zahle bereits eine "Rekordprämie", während die Spanier zwar "angeblich egual pay" haben, es sich dabei allerdings lediglich um die prozentualen Anteile handle.

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Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg (54) unterstützte ihren DFB-Kollegen daraufhin gegenüber der Bild-Zeitung: "Zur Wahrheit gehört auch, dass die Vermarktungserlöse von Männern und Frauen, aus denen sich auch die Turnierprämien ergeben, extrem weit auseinanderliegen. Das ist leider noch Fakt", so die 54-Jährige.

Olaf Scholz (64, SPD) hat sich im Netz für die Gleichbehandlung von Männern und Frauen in der Nationalmannschaft ausgesprochen.
Olaf Scholz (64, SPD) hat sich im Netz für die Gleichbehandlung von Männern und Frauen in der Nationalmannschaft ausgesprochen.  © Tobias SCHWARZ / AFP

Bundeskanzler Olaf Scholz forderte auf Twitter gleiche Bezahlung für Männer und Frauen im Sport

Alexandra Popp und Lena Lattwein äußerten sich zum Tweet von Olaf Scholz

Die Nationalspielerinnen Alexandra Popp (31, l.) und Lena Lattwein (22, r.) verdienen bei der Europameisterschaft weniger als ihre männlichen Kollegen.
Die Nationalspielerinnen Alexandra Popp (31, l.) und Lena Lattwein (22, r.) verdienen bei der Europameisterschaft weniger als ihre männlichen Kollegen.  © DAMIEN MEYER / AFP, Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Auch Nationalangreiferin Alexandra Popp (31) verwies im Zuge der Diskussion auf den höheren Umsatz beim Männerfußball. "Man muss sagen, wir nehmen nicht dieselben Summen ein wie die Männer. Aber wenn ich sehe, wie sich unsere Einschaltquoten entwickeln, dann geht es in eine sehr gute Richtung."

Durch die immer noch großen Unterschiede beim Sponsoring, den TV-Rechten und den Ticketpreisen werden bei den Männern deutlich höhere Prämien an die Verbände ausgeschüttet, was sich wiederum auf die Boni der Spielerinnen auswirkt.

So würden die DFB-Frauen beim Gewinn der laufenden Europameisterschaft 60.000 Euro pro Kopf erhalten, während die männlichen Profis im Vorjahr jeweils 400.000 Euro bekommen hätten.

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"Es ist immer einfach, so was zu sagen, ohne die Einblicke zu haben, wie die Bezahlungen zustande kommen. Das ist auch völlig verständlich", sagte Mittelfeldkickerin Lena Lattwein (22) vom VfL Wolfsburg am Donnerstag in London zum Tweet des Bundeskanzlers.

Sogar in der Kabine sei das Kanzler-Gezwitscher kurz Thema gewesen, da die Aussage "einfach sehr überraschend" kam. "Für uns ist dieser Tweet auf keinen Fall negativ, das wirkt sich ja eher positiv aus", erklärte die 22-Jährige.

Titelfoto: Daniel Löb/dpa, Screenshot/Twitter/Bundeskanzler

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