"Alte Dame" am Boden? Juventus-Vorstand tritt zurück!

Turin - Tiefe Krise beim italienischen Rekordmeister Juventus Turin! Der Gesamtvorstand um Klubchef Andrea Agnelli (46) ist zurückgetreten.

Andrea Agnelli (46) hat sein Amt am Montagabend niedergelegt.
Andrea Agnelli (46) hat sein Amt am Montagabend niedergelegt.  © Salvatore Di Nolfi/KEYSTONE/dpa

Eine Viertelmilliarde Euro Verlust, Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und jetzt auch noch der Vorstand-Paukenschlag.

Die seit Wochen schwelenden Probleme eskalierten am späten Montagabend, als Klubchef Agnelli und dessen Stellvertreter Pavel Nedved (50) aus der Verantwortung flüchteten.

In der Folge stürzte die Juve-Aktie an der Mailänder Börse ab. Der Handel mit dem Wertpapier, das nur noch wenige Cent wert ist, wurde am Dienstag sogar vorübergehend ausgesetzt.

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Zum Krisenmanager wurde eilig Gianluca Ferrero (59) berufen. Der Wirtschaftsprüfer und Unternehmer soll auf Agnelli folgen. "Ferrero verfügt über die Erfahrung, die Fähigkeiten und eine Leidenschaft für den Verein", hieß es am Dienstag vonseiten der Holding-Gesellschaft der Agnelli-Familie (Excor), die Juve kontrolliert.

Zum neuen Generaldirektor wurde Maurizio Scanavino (49) ernannt. Er ist Geschäftsführer der Verlagsgruppe GEDI, die ebenfalls zum Agnelli-Imperium gehört.

Andrea Agnelli und Pavel Nedved droht ein Prozess

Auch Klub-Legende Pavel Nedved (50, r.) drohen juristische Konsequenzen.
Auch Klub-Legende Pavel Nedved (50, r.) drohen juristische Konsequenzen.  © OZAN KOSE/AFP

Die neuen Chefs müssen den Trümmerhaufen beseitigen, den Agnelli hinterlassen hat. Juristisch wie wirtschaftlich steht die "Alte Dame" vor einer ungewissen Zukunft.

"Wir erleben einen heiklen Moment, der Zusammenhalt hat versagt", schrieb Agnelli in seiner Rücktrittserklärung: "Es ist besser, einem neuen Führungsteam die Chance zu geben, das Spiel zu wenden."

Ob das gelingen kann, erscheint offen. Ende Oktober hatte die Turiner Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen wegen mutmaßlicher Bilanzfälschung und Unregelmäßigkeiten bei Spielertransfers abgeschlossen.

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16 Angeklagten droht ein Prozess, inklusive Agnelli und Nedved. Finanziell ist der Verein schwer angeschlagen, im zurückliegenden Geschäftsjahr machte Juve 254 Millionen Euro Verlust.

Agnelli hatte das Minus stets mit der Corona-Pandemie erklärt. Die großen finanziellen Probleme gelten auch als Grund dafür, dass Juventus bis zuletzt mit Real Madrid und dem FC Barcelona an der Gründung einer Super League als Konkurrenz zur Champions League der UEFA festhielt.

Auch sportlich läuft es bei Juventus Turin nicht optimal

Manuel Locatelli (24) bei der Niederlage gegen den FC Paris Saint-Germain in der Champions League.
Manuel Locatelli (24) bei der Niederlage gegen den FC Paris Saint-Germain in der Champions League.  © Filippo MONTEFORTE/AFP

Erst vor wenigen Wochen untermauerte Agnelli seine Absichten in einem Schreiben an die Aktionäre. Danach allerdings verschob Juventus die Versammlung der Teilhaber zweimal.

Der Streit um die Super League hatte zum Zerwürfnis zwischen den alten Freunden Aleksander Ceferin (55) und Agnelli geführt. "In meinen Augen existiert dieser Mann nicht mehr", hatte Ceferin, Patenonkel einer Agnelli-Tochter, gesagt.

Ob Juventus unter der neuen Führung Anhänger der Super-League-Idee bleibt, die im April 2021 nach nur 48 Stunden vorerst gescheitert war, ist offen. Seit Juli beschäftigt sich der Europäische Gerichtshof mit dem Projekt.

Sportlich sind die Turiner, die unter Agnelli neun Meisterschaften in Folge holten und zweimal das Finale der Champions League erreichten, derzeit alles andere als super.

In der Königsklasse ist Juve in der Gruppenphase gescheitert, in der Serie A liegt Turin zehn Punkte hinter Spitzenreiter SSC Neapel.

Titelfoto: OZAN KOSE/AFP, FILIPPO MONTEFORTE/AFP

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