England: Vier Fußball-Ligen spielen wegen Coronavirus nicht, eine schon! Trainer findet es "dämlich"

England - Warum nur? Das fragen sich einige Trainer der fünften englischen Spielklasse National League. Denn dort rollt der Fußball noch - obwohl die vier anderen Profiligen um die Premier League den Betrieb wegen des Coronavirus eingestellt haben!

Ein einzelner Fan sitzt beim Spiel am Samstag zwischen Notts County und Eastleigh FC (4:0) auf der Tribüne des Meadow Lane Stadions.
Ein einzelner Fan sitzt beim Spiel am Samstag zwischen Notts County und Eastleigh FC (4:0) auf der Tribüne des Meadow Lane Stadions.  © Mike Egerton/PA Wire/dpa

Wenig verwunderlich, dass das bei vielen Verantwortlichen auf Unverständnis stößt. So sagte John Pemberton, Trainer vom Tabellen-19. Chesterfield FC gegenüber der "BBC": "Wir müssen uns nicht in diese Lage bringen und haben es trotzdem gemacht. Das ist dämlich."

Denn er musste mit seiner Mannschaft am Samstag mehr als 370 Kilometer reisen, um dort das Liga-Match bei Dover Athletic (1:1) zu spielen. 

Pemberton erklärte seine Aussage: "Wir alle haben Familie. Ich habe einen 81 Jahre alten Vater, der alleine lebt und ich kann ihn jetzt nicht sehen, weil wir nicht wissen, wo wir stehen."

Der ehemalige Premier-League-Profi fügte hinzu: "Wir haben Spieler, die junge Familien, junge Kinder, Eltern und Großeltern haben." 

Pemberton sagte klipp und klar: "Das hat nichts mit gesundem Menschenverstand zu tun, diese Partie heute zu spielen."

Zumal Chesterfield-Verteidiger Haydn Hollis sich häusliche Quarantäne begeben habe, weil er sich, wie auch einige andere Spieler "nicht gut gefühlt" habe, wie sein Coach verdeutlicht. 

Trainerkollege Alan Devonshire springt John Pemberton zur Seite: "Es geht um Menschenleben"!

Ohnehin gab es auch in der National League an diesem Wochenende mehrere Absagen. Insgesamt konnten nur sechs von zwölf Begegnungen ausgetragen werden. Die anderen Partien wurden allesamt wegen Bedenken bezüglich des Coronavirus abgesagt.

Pemberton bekam Unterstützung von seinem Trainerkollegen Alan Devonshire, der den Tabellen-22. Maidenhead United coacht. Er sagte "BBC Berkshire": "Es geht nicht um Fußball, es geht um das Wohlergehen von Menschen. Wir sind in einer schwierigen Lage, niemand weiß wirklich etwas darüber."

Er fügte hinzu: "Es ist weltweit und Menschen sterben die ganze Zeit daran. Fußball bedeutet gar nichts." Devonshire verdeutlichte noch einmal: "Es geht um Menschenleben. Was ist wichtiger? Meine Mutter ist 88, ich bin krank vor Sorge, dass sie sich irgendwo ansteckt."

Seine Familie und er würden jeden Tag bei ihr nach dem Rechten gucken. Er fürchtet, dass einer von ihnen sie ansteckt. Wie sollte man damit leben?

Eastleigh-Coach Ben Strevens hält es ebenfalls "für die falsche Entscheidung", den Spielbetrieb fortzusetzen, wie er "BBC Solent Sport" sagte. Er hoffe, dass man nicht länger spielen werde, fügte er noch hinzu. Denn: "Es wird schlimmer werden."

Liga-Boss Michael Tattersall äußerte sich in einem Statement wie folgt: "Unsere Gedanken sind bei den Spielern und den Mitarbeitern unserer Klubs, die in häuslicher Quarantäne sind oder anderweitig vom Coronavirus betroffen sind."

Er beendete seine kurzen Ausführungen mit: "Die National League prüft weiterhin, ob die Saison fortgesetzt wird." Alles andere als eine Spielpause wäre aufgrund der aktuellen Entwicklungen unverantwortlich.

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Titelfoto: Mike Egerton/PA Wire/dpa

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