Jupp Heynckes zum Corona-Tod von Lorenzo Sanz: "Feiner Mann" mit "edler Gesinnung"

Deutschland - Jupp Heynckes (74) zeigt sich tief betroffen vom Tod von Lorenzo Sanz, mit dem er 1997/98 Champions-League-Sieger wurde.

Jupp Heynckes hat sich zu Wort gemeldet.
Jupp Heynckes hat sich zu Wort gemeldet.  © Peter Kneffel/dpa

Damals war Heynckes Trainer von Real Madrid und Sanz der Präsident der Königlichen. Letzterer infizierte sich mit dem Coronavirus und verstarb am Samstag.

Deshalb ließ es sich Heynckes nicht nehmen, im "Kicker" einen Nachruf zu schreiben. 

Dort hieß es, dass er am Samstagabend von einem spanischen Freund die Nachricht erhielt, dass Sanz gestorben sei: "Auch ihn hat das Coronavirus das Leben gekostet. Schon am Mittwoch war mir mitgeteilt worden, dass es dem früheren Präsidenten von Real Madrid sehr schlecht ging, nachdem er sich mit der Covid-19-Krankheit angesteckt hatte."

Ihn hätte "hohes Fieber befallen, doch zunächst wollte er kein Krankenbett belegen, weil er sagte, für andere Patienten sei die intensive medizinische Versorgung dringlicher."

So eine große Geste stand sinnbildlich für Sanz: "Diese edle Gesinnung zeichnete diesen feinen Mann aus. Lorenzo Sanz war eine imposante Persönlichkeit, mit dem ich mich als Real-Trainer in der Saison 1997/98 intensiv austauschte. Wir hatten eine großartige Beziehung von Präsident zu Trainer und von Mensch zu Mensch. Am Ende der Spielzeit durften wir uns gemeinsam über den Gewinn der Champions League freuen. 32 Jahre hatte Real auf diesen Titel warten müssen."

Ein ganz persönliches Beispiel für die menschlichen Qualitäten von Sanz nannte Heynckes auch gleich: "Nach dem Finale in Amsterdam und der Rückkehr nach Madrid wurde meine Frau plötzlich sehr krank. Schon eine Stunde nach ihrer Einlieferung in die Klinik saß der Präsident Sanz mit seiner Frau an ihrem Krankenbett. Senora Sanz bot meiner Frau sogar an, die ganze Nacht im Krankenzimmer zu verbringen. Was für eine menschliche Geste! Was für eine noble Familie!"

Jupp Heynckes richtet Appell an alle

Jupp Heynckes und Lorenzo Sanz haben eine gemeinsame Vergangenheit.
Jupp Heynckes und Lorenzo Sanz haben eine gemeinsame Vergangenheit.  © Gustavo_Cuevas/epa efe/dpa

Der Sohn, Fernando, gehörte damals zum Spielerkader der Königlichen: "Der Junge verhielt sich vorbildlich, wie jeder andere Real-Profi, ohne jeden Anspruch auf Sonderrechte. Seinen Status als Präsidentensohn wollte er nie für sich ausnutzen, obwohl er zwei hervorragende Innenverteidiger, Fernando Hierro und Manolo Sanchis, vor sich hatte. Als im damaligen Halbfinale gegen Borussia Dortmund jeweils einer von beiden Stammspielern ausfiel, ersetzte sie Fernando problemlos."

Daher habe er diese Zeit "mit der Familie Sanz in bester Erinnerung. Deshalb hat mich diese Todesnachricht so sehr getroffen. Mein Mitgefühl gilt Frau Sanz, ihren Kindern, der gesamten Familie. Ich trauere mit ihnen."

Die aktuelle Krise geht an Heynckes nicht spurlos vorbei: "Da auch in Spanien und Portugal, wo ich als Trainer lange Jahre tätig war, diese Pandemie in besonders erschreckendem Ausmaß wütet, spüre ich eine ungemeine persönliche Betroffenheit."

Er fügte hinzu: "Wahnsinnig bedrückend wirkt sich aus, dass die Familien ihre Liebsten in ihren letzten Stunden nicht begleiten und sich nicht von ihnen verabschieden können. Wir sind bei ihnen. Es ist eine weltweite Tragödie."

Heynckes richtete einen Appell an alle: "Und deshalb - auch an dieser Stelle noch einmal - die Bitte: Halten Sie sich an die Regeln! Bleiben Sie zu Hause!"

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Titelfoto: Gustavo_Cuevas/epa efe/dpa

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