Schiedsrichter gibt Rote Karte, nun bekommt er Morddrohungen

London (Großbritannien) - Eine Fehlentscheidung im Fußball kann dramatische Folgen haben: Weil er in der englischen Premier League eine umstrittene Rote Karte gezeigt hat, bekommt die Familie eines Referees nun Hassbotschaften und Drohungen.

Der Unparteiische Mike Dean (52, M.) pfeift schon seit 21 Jahren in der Premier League, nun will er am kommenden Wochenende mal einen Spieltag aussetzen.
Der Unparteiische Mike Dean (52, M.) pfeift schon seit 21 Jahren in der Premier League, nun will er am kommenden Wochenende mal einen Spieltag aussetzen.  © Carl Recine/PA Wire/dpa

Es war die siebte Minute der Nachspielzeit in der Partie zwischen den beiden englischen Erstligisten FC Fulham und West Ham United am vergangenen Samstag, es stand 0:0, und das Spiel war im Grunde schon vorbei - doch dann zückte Schiedsrichter Mike Dean (52) den roten Karton!

Damit schickte er nicht nur den West-Ham-Mittelfeldspieler Tomas Soucek (25) vom Platz, sondern löste auch eine hitzige Debatte aus. Denn nur wenige schienen mit der Entscheidung des Unparteiischen einverstanden zu sein.

Wofür zeigte er überhaupt Rot? Soucek hatte seinen Gegenspieler Aleksandar Mitrovic (26) mit dem Ellbogen im Gesicht getroffen. Klingt nach einem klaren Foul, in der Szene sah das Ganze aber eher wie ein unglückliches Versehen und nicht nach einer absichtlichen Tätigkeit aus.

Der Referee hatte es zunächst gar nicht mitbekommen, sah sich auf Anraten des Video-Schiedsrichters hin die Szene aber nochmal an und sprach dann den Platzverweis aus. West-Ham-Trainer David Moyes nannte die Entscheidung gegenüber BBC "peinlich", denn "es war für jeden klar, dass es nur ein Versehen war."

Und tatsächlich: Am heutigen Montag hat der englische Fußball-Verband die Rote Karte gegen Tomas Soucek zurückgezogen. Doch die Fehlentscheidung von Mike Dean hat trotzdem noch weitreichende Folgen.

Referee bittet nach Drohungen gegen seine Familie um eine Pause

Auch erfahrene Unparteiische wie Mike Dean treffen mal falsche Entscheidungen, ob mit oder ohne die Hilfe des Video-Schiedsrichters.
Auch erfahrene Unparteiische wie Mike Dean treffen mal falsche Entscheidungen, ob mit oder ohne die Hilfe des Video-Schiedsrichters.  © Neil Hall/PA Wire/dpa

Wie britische Medien berichten, hat der 52-jährige Schiedsrichter die Polizei darüber informiert, dass er nach der Partie über soziale Netzwerke Hassbotschaften und sogar Morddrohungen gegen sich und seine Familie erhalten hat.

Die Polizei ermittelt nun, wer hinter den Online-Belästigungen steckt. Derweil nannte der Chef des englischen Referee-Verbandes, Mike Riley (56), solche Drohungen "vollkommen inakzeptabel".

Der betroffene Mike Dean wird nun zwar am Dienstag eine Partie im FA-Cup pfeifen, am kommenden Wochenende wird er aber bei keiner Partie in der Premier League auf dem Platz stehen. Um diese Dienstpause soll er selbst gebeten haben.

Unglücklicherweise hatte er vor der Roten Karte gegen West Ham erst am vergangenen Dienstag schon einen umstrittenen Platzverweis ausgesprochen, und zwar gegen Jan Bednarek (24) von Southampton. Doch auch diese Entscheidung wurde zwei Tage nach dem Spiel widerrufen.

Nach zwei Fehlentscheidungen in einer Woche und Drohungen vieler englischer Fußballfans bekommt Mike Dean nun also erstmal eine Pause.

Titelfoto: Carl Recine/PA Wire/dpa

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