Gert Zimmermann: Große Trauer um eine Reporter-Legende

Dresden - Nie war er um ein Wort, einen flotten Spruch verlegen. Seine Zunge war so schnell wie der Fußball, den er über alles liebte. Seit gestern ist Sportreporter und Ex-Dynamo-Stadionsprecher Gert Zimmermann (69) verstummt (TAG24 berichtete). 

Untrennbar mit dem Fußball verbunden: Sportreporter Gert Zimmermann 2014.
Untrennbar mit dem Fußball verbunden: Sportreporter Gert Zimmermann 2014.  © Lutz Hentschel

"Zimmi", wie ihn seine Fans liebevoll nannten, verlor den monatelangen Zweikampf gegen den Krebs. Er starb nach einem dreiwöchigen Krankenhaus-Aufenthalt in seinem Briesnitzer Zuhause.

Mit einem Volontariat bei Radio Dresden begann Ende der 60er-Jahre Zimmis Sportreporter-Karriere - angesteckt von den Kommentaren des DDR-Kultreporters Heinz Florian Oertel. 

Doch als er ein Parteiabzeichen anstecken sollte, kellnerte er lieber im Interhotel und berichtete "nebenbei" für die Tageszeitung "Die Union" über Dynamo

Nach der Wende wurde der Dresdner bei "MDR 1 - Radio Sachsen" erst Sportreporter, dann Sportchef. 28 Jahre lang blieb er dem Heimatsender treu.

Sportgrößen trauern um Dresdner Sportreporter-Legende

Nach dem FDGB-Pokalfinale 1982: Während Hans Uwe Pilz auf den Schultern von Ralf Minge sitzt, wird er von Gert Zimmermann interviewt.
Nach dem FDGB-Pokalfinale 1982: Während Hans Uwe Pilz auf den Schultern von Ralf Minge sitzt, wird er von Gert Zimmermann interviewt.  © Marion Gröning

"Zimmi berichtete über viele sächsische Fußballvereine. 

Doch Dynamo Dresden war seine große Liebe. Flitterwochen wechselten sich mit herben Enttäuschungen ab. Und Gert Zimmermann war stets mittendrin. Schönreden war eben nicht sein Ding", erinnert sich MDR-Sportchefin Almut Rudel (58).

Ex-Dynamo "Dixie" Dörner (69): "Zimmi war immer mit Dynamo verbunden, auch noch mit uns bei den Alten Herren. Es ist ein großer Verlust für die Fußballgemeinschaft." 

Dynamo-Präsident Holger Scholze (48) hatte in den letzten Wochen noch oft mit ihm telefoniert. "Die Nachricht hat mich tief getroffen. Zimmi war streitbar, aber immer authentisch." 

Scholze weiter: "Die Gespräche mit ihm haben mich sehr bereichert."

In den letzten Wochen enger Kontakt mit Reiner Calmund

Das Foto stammt vom 28.4.90, als Zimmi vorm 6:1 gegen den FC Berlin im Mittelkreis einen "Sitzstreik" vorm Spiel durchführte. Die Dynamo-Fans hatten vorher wegen der schlechten Leistungen der Mannschaft eine Protestaktion angekündigt.
Das Foto stammt vom 28.4.90, als Zimmi vorm 6:1 gegen den FC Berlin im Mittelkreis einen "Sitzstreik" vorm Spiel durchführte. Die Dynamo-Fans hatten vorher wegen der schlechten Leistungen der Mannschaft eine Protestaktion angekündigt.  © Archiv Dresdner Fußball-Museum/Joachim Thoß

Betroffen äußert sich auch Fußball-Funktionär Reiner Calmund (71): "Zimmermann war ein absoluter Fußballfachmann und eingefleischter Dynamo-Fan, er hat mich geschätzte 250-mal interviewt. Er hat die größte und wichtigste Dynamo-Biografie geschrieben." 

Calmund hielt engen Kontakt zu ihm. "Er hat sich vor einigen Wochen noch nach meiner Magenverkleinerung erkundigt. Da hatte er schon ein paar harte Eingriffe hinter sich. Aber er klang optimistisch und positiv."

"Ich bin unendlich traurig. Ich weiß gar nicht, wie es ohne Zimmi in Dresden weitergehen soll", sagt sein Freund und Kollege, der Kabarettist Tom Pauls (61). 

"Zimmi schaute immer mit einem lachenden Auge auf den Sport und die Welt. Zu seinem 50. Geburtstag hat er mir ein Pferd aufgeschwatzt, weil er sich doch auch für den Rennverein engagierte."

Titelfoto: Archiv Dresdner Fußball-Museum/Joachim Thoß, Lutz Hentschel

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