Marko Marins Reise geht weiter: "Deutscher Messi" trifft auf alte Bekannte aus der Bundesliga

Budapest - Es ist der zwölfte Verein im zehnten Land für den ehemals "deutschen Messi" Marko Marin (32). Der 16-malige Nationalspieler wechselt zum ungarischen Rekordmeister Ferencvárosi TC aus Budapest.

2012 wechselte Marko Marin (32) nach England zum FC Chelsea. Viele Chancen erhielt der dribbelstarke Mittelfeldspieler nicht.
2012 wechselte Marko Marin (32) nach England zum FC Chelsea. Viele Chancen erhielt der dribbelstarke Mittelfeldspieler nicht.  © Kerim Okten/EPA/dpa

Der 32-Jährige wechselt ablösefrei in die ungarische Hauptstadt, nachdem sein Vertrag bei al-Ahli Dschidda im Juli ausgelaufen war. Bei dem saudi-arabischen Verein spielte der im heutigen Bosnien geborene Mittelfeldspieler seit dem Wintertransferfenster 2020, wurde allerdings ein Jahr später für rund vier Monate zu al-Raed verliehen.

Bei seinem Wechsel von Roter Stern Belgrad zum saudischen Vertreter flossen noch 2,25 Millionen Euro Ablöse, nun durfte sich der quirlige Dribbler seine nächste Station frei aussuchen und entschied sich am Samstag für die grün-weißen Hauptstädter. Er unterschrieb für ein Jahr mit der Option auf eine weitere Saison.

In der Groupama Aréna trifft der Ex-Spieler vom SV Werder Bremen und Borussia Mönchengladbach auf mehrere altbekannte Gesichter aus der Bundesliga.

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So wird die Mannschaft von der Donau seit dem Sommer vom ehemaligen Borussia-Dortmund-Coach Peter Stöger (55) trainiert. Der Österreicher war zuvor auch für den 1. FC Köln auf der Bank aktiv. Außerdem wird der Klub von Tamás Hajnal (40) als Sportdirektor betreut. Der Ungar war im deutschen Oberhaus für zahlreiche Teams im Einsatz, so z. B. für den VfB Stuttgart, den Karlsruher SC und den BVB.

Marin will bei Ferencváros an seine Zeit in Belgrad anknüpfen

Seine Zeit in Belgrad hat der Deutsche in guter Erinnerung. 2018 konnte der Verein den späteren CL-Sieger FC Liverpool 2:0 besiegen.
Seine Zeit in Belgrad hat der Deutsche in guter Erinnerung. 2018 konnte der Verein den späteren CL-Sieger FC Liverpool 2:0 besiegen.  © Darko Vojinovic/AP/dpa

Durch den Sportdirektor des 32-fachen ungarischen Meisters kam auch der Kontakt zustande, wie Marin in einem Transfermarkt.de-Interview verrät. Der frühere Spielmacher mit 59 Länderspielen (7 Treffer) und 149 Bundesligapartien (17 Tore) auf dem Buckel überzeugte den Deutschen mit jugoslawischen Wurzeln.

"Ich finde, Ferencváros ist eine spannende Aufgabe. Ich habe mitbekommen, dass die Fans hier super sind. Im kleineren Stadion – wenn man den Vergleich zu Deutschland zieht – geht es stimmungsvoll zu. Darauf hatte ich Lust", sagte Marin dem Portal.

Er sieht vor allem Parallelen zu seiner Zeit in Belgrad, als die Qualität der Liga ähnlich war und man als Favorit in die meisten Spiele ging. In der serbischen Metropole erlebte der Rechtsfuß sowas wie seinen zweiten Frühling.

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Beim Sieger des Europapokals der Landesmeister von 1991 gelangen dem Edeltechniker elf Treffer und 24 Vorlagen in 58 Partien. Schon zuvor in Griechenland bei Olympiakos Piräus zeigte seine Formkurve nach oben (59 Spiele, 12 Tore, 10 Assists).

Der holprige Werdegang des Bundesliga-Shootingstars

Unter anderem in Anderlecht wollte der "deutsche Messi" wieder Fuß fassen. Leider war er zu dieser Zeit oft verletzt.
Unter anderem in Anderlecht wollte der "deutsche Messi" wieder Fuß fassen. Leider war er zu dieser Zeit oft verletzt.  © BELGA PHOTO LAURIE DIEFFEMBACQ

Davor durchlebte der Wirbelwind eine lange fußballerische Leidenszeit. Nach seinem Durchbruch 2007 im Dress der Borussia aus Mönchengladbach wechselte der als "deutscher Messi" gefeierte Kicker für die damalige Bremer-Rekordablöse von 8,2 Millionen Euro an die Weser.

Trotz vieler guter Ansätze begann seine Entwicklung schon hier zu stagnieren. Auch wenn er 2010 sogar deutscher WM-Teilnehmer beim Turnier in Südafrika wurde, fehlte der ganz große Sprung. 2012 konnte ihn der SV Werder dennoch ohne signifikanten finanziellen Verlust an den FC Chelsea verkaufen.

In London lebte sich Marin, der mit Mitte Zwanzig gerade ins beste Fußballalter kam, nie wirklich ein und wurde relativ schnell ein Teil der sogenannten "loan army" der Blues – also jener Gruppe von Kickern, die zwar Chelsea gehören, aber ständig verliehen werden.

So spielte der 1,70 m große Ex-Bremer unter anderem für AC Florenz, den FC Sevilla, den RSC Anderlecht und Trabzonspor, bevor der englische Klub ihn 2016 fest an Piräus verkaufte.

Gemischte Gefühle und Blick in die Zukunft

Mittlerweile steht bei der Vereinssuche des Weltenbummlers die Familie im Vordergrund, nicht mehr nur sportliche oder finanzielle Aspekte.

"Es musste in diesem Sommer sportlich passen, aber zusätzlich auch eine Stadt oder ein Umfeld sein, in dem wir uns alle als Familie wohlfühlen. Was ich in den vergangenen Tagen in Budapest erlebt habe: Das ist wirklich eine super Stadt! Wenn man ein wenig Zeit hier verbringt, erkennt man das sehr schnell. Das hat auch eine Rolle gespielt", sagt Marin.

Aber auch den Wechsel nach Saudi-Arabien hat seine Familie unterstützt. Über seine vorherigen Stationen hat er gemischte Gefühle. Er habe schnell erkannt, dass es für Chelsea nicht reicht. Die Zeiten in Anderlecht und Florenz waren von Verletzungen geprägt und haben den Fußballer enttäuscht.

Am meisten beeindruckt haben den ehemaligen Nationalspieler seine zwei Jahre in Belgrad: "Das ist seit klein auf mein Verein gewesen. Mein Vater war ein riesiger Fan von Roter Stern Belgrad, das habe ich so mitgenommen."

Titelfoto: Kerim Okten/EPA/dpa

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