Nächste große Verstärkung: Regionalliga-Aufsteiger schnappt sich Ex-Nationalstürmer!

Greifswald - Der nächste Transfercoup! Der Greifswalder FC rüstet nach dem Aufstieg in die Regionalliga Nordost weiter kräftig auf und hat sich die Dienste von Abu Bakarr Kargbo (29) gesichert. Zuvor war der Vertrag des Stürmers beim Berliner Athletik Klub 07 war nicht verlängert worden, weshalb der ehemalige Nationalstürmer von Sierra Leone nun ablösefrei zum GFC wechseln konnte.

Abu Bakarr Kargbo (29, l.) ist die nächste Verstärkung für den Greifswalder FC.
Abu Bakarr Kargbo (29, l.) ist die nächste Verstärkung für den Greifswalder FC.  © Picture Point/Gabor Krieg

Der hatte in diesem Sommer schon zehn weitere Neuzugänge vorgestellt.

Tom Weilandt (30, VfL Bochum), Guido Kocer (33, Bandirmaspor), Matti Kamenz (23, FSV Zwickau), Niclas Kubitz (21, VfB Auerbach), Aleksandar Bilbija (24, Tennis Borussia Berlin), Daniel Eidtner, Pascal Schmedemann (beide 22, beide Hannover 96 II), Maksym Kowal (31, VfB Germania Halberstadt), Moritz Rosenberg (20, FC Hansa Rostock II) und Jonas Banouas (18, FC Rot-Weiß Wolgast) dürften dafür sorgen, dass der Verein von der Ostseeküste nichts mit dem Abstieg zu tun haben wird.

Nun kann man sich mit Kargbo auch noch auf einen waschechten Torjäger freuen, der in 228 Viertliga-Einsätzen 83 Treffer erzielt und 31 direkte Vorlagen gegeben hat. Allerdings hat das Muskelpaket zwei durchwachsene Spielzeiten hinter sich.

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Beim BAK war er zuletzt nicht immer gesetzt und hatte von Ende Juli 2021 bis Anfang April 2022 in der Liga eine lange Durststrecke.

Das verwunderte allerdings nicht, denn nachdem er zur Saison 2020/21 zu Kickers Offenbach gewechselt war, zog sich Kargbo einen Kreuzbandriss zu und kam erst am Saisonende zweimal als Joker zum Zug (ein Tor), bevor er zum BAK zurückkehrte und dort erst mal wieder in seinen Rhythmus finden musste.

Abu Bakarr Kargbo ist der bereits elfte Neuzugang des Greifswalder FC

Abu Bakarr Kargbo wurde mit Marc-Andre ter Stegen und Mario Götze U17-Europameister

Deutschlands U17 feierte 2009 den Europameister-Titel. Abu Bakarr Kargbo (r.) war mittendrin. Von links nach rechts: Gerrit Nauber, Yunus Malli, Mario Götze, Marvin Plattenhardt, Manuel Janzer, Matthias Zimmermann, Marc-Andre ter Stegen, Reinhold Yabo, Niko Opper, Shkodran Mustafi und Robert Labus hießen seine damaligen DFB-Teamkollegen.
Deutschlands U17 feierte 2009 den Europameister-Titel. Abu Bakarr Kargbo (r.) war mittendrin. Von links nach rechts: Gerrit Nauber, Yunus Malli, Mario Götze, Marvin Plattenhardt, Manuel Janzer, Matthias Zimmermann, Marc-Andre ter Stegen, Reinhold Yabo, Niko Opper, Shkodran Mustafi und Robert Labus hießen seine damaligen DFB-Teamkollegen.  © IMAGO/photoarena/Eisenhuth

Für die Athleten war er zuvor bereits von Ende Januar 2018 bis Anfang Juni 2020 aktiv gewesen. Länger stand er im Männerbereich bei keinem anderen Verein unter Vertrag.

Bayer 04 Leverkusen II, Stoke City U23 (England), SC Austria Lustenau (Österreich), BSV Schwarz-Weiß Rehden, SV Rödinghausen, FC Viktoria 1889 Berlin, der 1,83 Meter große Kraftprotz versuchte sich bei vielen Klubs in den Profifußball zu arbeiten.

Das sollte ihm nicht gelingen, was bei seinen Schwächen aber auch nicht verwundert. Kargbo ist nicht besonders schnell und verliert Sprintduelle deshalb regelmäßig. Dazu verspringen ihm wegen seiner mäßigen Technik immer wieder Bälle, auch in Zweikämpfen und Kopfballduellen ist er oft nur zweiter Sieger.

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Darüber hinaus wirkt er immer wieder gar nicht richtig ins Spiel seiner Mannschaft eingebunden, bis er plötzlich im Strafraum zuschlägt und den Ball - wie auch immer - über die Linie befördert.

Das wurde schon bei Hertha BSC deutlich, wo er von 2005 bis 2012 ausgebildet wurde und sich dort so sehr in den Fokus schoss, dass er von der U15 bis zur U20 deutscher Junioren-Nationalspieler war und 2009 an der Seite von Marc-Andre ter Stegen, Mario Götze und Marvin Plattenhardt (alle 30) den U17-Europameister-Titel feiern durfte.

Doch der Schritt in den Männerbereich fiel Kargbo schwer.

Abu Bakarr Kargbo tat sich in seinen ersten Männerjahren bei Hertha BSC II schwer

Abu Bakarr Kargbo (29, r.) hat für den Berliner Athletik Klub in 99 Einsätzen 43 Tore erzielt und 13 Vorlagen gegeben.
Abu Bakarr Kargbo (29, r.) hat für den Berliner Athletik Klub in 99 Einsätzen 43 Tore erzielt und 13 Vorlagen gegeben.  © Picture Point/Kerstin Dölitzsch

Bei Hertha II war er im Mittelsturm gesetzt, wurde von späteren Profis wie Nico Schulz (29), Marvin Knoll (31), Alfredo Morales (32), Fabian Holland (32), John Anthony Brooks (29), Fanol Perdedaj (30) und Routinier Andreas "Zecke" Neuendorf (47) regelmäßig mit guten Zuspielen gefüttert, war mit dem Tempo und der Intensität jedoch noch erkennbar überfordert.

So traf er für Herthas U23 lediglich fünfmal in 52 Einsätzen und gab fünf Assists. Daher verließ er die Alte Dame im Sommer 2012 ohne Profieinsatz und kehrte erst fünf Jahre später wieder in die Hauptstadt zurück.

Zwar noch immer mit seinen bekannten Schwächen, aber sichtlich gereift, weshalb man Kargbo nach den schwierigen ersten Jahren im Herrenbereich längst bedenkenlos attestieren kann, ein guter Regionalliga-Stürmer zu sein.

Denn er bindet mit seiner physischen Wucht Gegenspieler, schafft Freiräume, stolpert die Kugel notfalls über die Linie und hat immer wieder Spiele, in denen er überragt.

Für Greifswald und Trainer Roland Kroos (62), Vater von Toni (32) und Felix (31), dürfte er mit seiner Routine ein echter Gewinn sein und den abgewanderten Torjäger Peterson Appiah (25, aktuell erfolgreicher Probespieler bei der VSG Altglienicke) sowie Velimir Jovanovic (34, Karriereende) ersetzen.

Titelfoto: Picture Point/Kerstin Dölitzsch

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