Co-Trainer Tobias Schweinsteiger: Mehr als nur "Schweinis" Bruder

Nürnberg - Mit einer schwarzen Mütze auf dem Kopf und vor der Brust verschränkten Armen steht Tobias Schweinsteiger (38) in Höhe des Strafraums und beobachtet auf dem Rasen das Aufwärmprogramm der Nürnberger Fußballprofis.

Der Nürnberger Co-Trainer Tobias Schweinsteiger (38) geht nach der Partie gegen Erzgebirge Aue über den Rasen.
Der Nürnberger Co-Trainer Tobias Schweinsteiger (38) geht nach der Partie gegen Erzgebirge Aue über den Rasen.  © Timm Schamberger/dpa

Chefcoach Robert Klauß hält sich in dieser Phase vor dem Spiel in der Nähe der Trainerbank auf und verfolgt das Aufwärmen seiner Spieler aus der Distanz.

Diese Szene ergab sich zuletzt vor einer Woche beim Jahresabschluss gegen Erzgebirge Aue, den der fränkische Zweitligist mit 1:0 gewann.

Schweinsteiger (38), der ältere Bruder des 2014er-Weltmeisters Bastian Schweinsteiger (36), ist seit diesem Sommer Assistenzcoach in Nürnberg.

"Ich habe ihn bewusst ausgewählt, weil ich ihn sehr mag und sehr schätze, weil unsere Idee von Fußball sehr ähnlich ist, auch unsere Idee, wie wir Trainingseinheiten gestalten", äußerte Chef Klauß über seinen Co.

Tobias Schweinsteiger war in der vergangenen Saison neben Dirk Bremser noch Assistent beim Hamburger SV unter Dieter Hecking. Hecking ist mittlerweile Sportvorstand beim "Club". Er hatte aber wenig Einfluss auf die Verpflichtung. Entscheidend seien die Gespräche mit Klauß gewesen, berichtete Schweinsteiger vor einiger Zeit bei einer Medienrunde.

Beim "Club" kümmert er sich unter anderem um die Individualanalyse und die Weiterentwicklung der Spieler. Er darf Teile der Einheiten selbstständig leiten.

"Robert lässt uns viel Einfluss nehmen, uns viel machen", berichtete Schweinsteiger über die Zusammenarbeit.

Schweinsteiger unterstützt Robert Klauß beim 1. FC Nürnberg

Fussballtrainer Tobias Schweinsteiger sitzt auf dem Podium des Internationalen Trainer-Kongresses 2018 vom Bund Deutscher Fussball-Lehrer in Dresden.
Fussballtrainer Tobias Schweinsteiger sitzt auf dem Podium des Internationalen Trainer-Kongresses 2018 vom Bund Deutscher Fussball-Lehrer in Dresden.  © Oliver Killig/dpa-Zentralbild/dpa

"Ich binde beide Co-Trainer viel in meine Übungen ein und lasse sie teilhaben", sagte Klauß über Schweinsteiger und Frank Steinmetz. "Am Ende treffe ich aber die Entscheidungen. Sie können aber immer wieder intervenieren und Vorschläge machen."

Klauß möchte, dass seine Spieler verschiedene Einflüsse erhalten. "Mir ist als Cheftrainer wichtig, dass die Jungs auch andere Stimmen, andere Ansprachen hören", sagte der 36-Jährige.

Schweinsteiger hat als Co-Trainer schon Erfahrungen gesammelt, etwa beim HSV oder im Nachwuchs des FC Bayern München. Beim FC Juniors OÖ in Österreich arbeitete er sogar als Chef. In die Rolle als Boss will er "sicher irgendwann" wieder zurück, sagte er: "Cheftrainer ist in meinem Kopf drin."

Tobias Schweinsteiger hat eine spannende Vita, nicht nur wegen der Verwandtschaft mit dem berühmten Bruder Bastian. Schweinsteiger, also der Tobias, wurde bei den Ski-Junioren dreimal deutscher Vizemeister. Von 1998 bis 2002 konzentrierte er sich sogar voll auf das Skifahren und spielte in dieser Zeit kaum noch Fußball.

Während Bruder Bastian 2002 bei den Profis des FC Bayern debütierte und danach eine Karriere von Weltformat hinlegte, beendete Tobias im selben Jahr seine Alpin-Karriere wieder. Er fuhr zu oft nur noch hinterher und widmete sich wieder dem runden Leder. "Ich weiß, warum der Basti weitergekommen ist als ich", sagte er einmal.

Diese vier Jahre ohne Fußball fehlten Tobias Schweinsteiger in seiner Entwicklung. So lauteten seine Karrierestationen bis zum Laufbahnende 2015 unter anderem nur FC Falke Markt Schwaben, FC Ismaning, VfB Lübeck und FC Bayern II.

Tobias Schweinsteiger befindet sich nun mit einem Star wie Miroslav Klose, der 2014 mit Bastian Schweinsteiger Weltmeister wurde, in der Ausbildung zum Fußballlehrer. So einiges läuft in Corona-Zeiten online ab.

Im kommenden Jahr kann Schweinsteiger den Abschluss machen - und danach auch selber Profiteams als Cheftrainer betreuen.

Titelfoto: Timm Schamberger/dpa

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