"MACH DEN ENKE UND WIRF DICH VOR DEN ZUG": Fußballer lesen Hass-Kommentare aus dem Netz vor - das ist der Grund

Berlin - Es reicht! Fußballer beginnen nun, sich gegen anonym verbreiteten Hass und Hetze im Netz und in den sozialen Netzwerken stark zu machen - auf eine ganz spezielle Art und Weise.

Bastian Oczipka (32, r.) muss sich im Internet häufig schlimme Dinge "anhören". Er ist dabei kein Einzelfall.
Bastian Oczipka (32, r.) muss sich im Internet häufig schlimme Dinge "anhören". Er ist dabei kein Einzelfall.  © Matthias Balk/dpa

"Auf dass du eines Tages depressiv, unglücklich und schmerzhaft den Löffel abgibst."

Wir lassen solche Sätze erst einmal sacken.

Und nun: Es sind Worte, die einem nah gehen. Das Problem von Hass und Hetze in den Sphären des Internets gibt es nicht erst seit gestern.

Und dennoch scheint das Thema aktueller und akuter denn je.

Was sich insbesondere Personen des öffentlichen Lebens zuhauf auf ihren Social-Media-Kanälen durchlesen müssen, macht betroffen.

Auch oder gerade Profi-Fußballer werden häufig Opfer von anonymer Hetze. Sie bieten nicht zuletzt durch ihren Bekanntheitsgrad und das große öffentliche Interesse eine große Angriffsfläche.

Nun haben sich zahlreiche Fußballer gemeinsam mit Berater Volker Struth (54) und dessen Firma aufgemacht, dieses Thema auf die Agenda und in die Köpfe der Menschen zu bringen.

Dayot Upamecano, Toni Kroos, Ron-Robert Zieler: Hass schlägt allen entgegen

Auch Weltmeister Toni Kroos (31) muss häufig schlimmste Beleidigungen über sich ergehen lassen.
Auch Weltmeister Toni Kroos (31) muss häufig schlimmste Beleidigungen über sich ergehen lassen.  © Uwe Anspach/dpa

In einem knapp zweiminütigen Video lesen Kicker wie Real-Madrid-Profi Toni Kroos (31), Schalkes Mark Uth (29) oder Kölns Ron-Robert Zieler (32) einige "Highlights" aus den PNs und Kommentarspalten ihrer Kanäle vor.

Sie lesen das vor, was ihnen täglich gegen den Kopf geworfen /geschrieben wird, halten der Gesellschaft entsprechend einen Spiegel vor. Schonungslos.

Bastian Oczipka (32) vom FC Schalke 04 ist derjenige, welcher depressiv und unglücklich den Löffel abgeben soll. Der Noch-Leipziger und Bald-Münchner Dayot Upamecano (22) liest: "Ich hoffe du stirbst. Du scheiß Afrikaner. scheiß Bastard".

Und als sei das nicht genug, werden auch Drohungen gegen Nahestehende und Familie ausgesprochen.

"wir wissen wo ihr wohnt... eure kids zur kita gehen.." (Rechtschreibung übernommen) liest der ehemalige Nationalkeeper Ron-Robert Zieler vor. Und auch: "MACH DEN ENKE UND WIRF DICH VOR DEN ZUG"

Es sind schwere Zeilen. Allerdings wohl auch ein Zeichen, dass es in einer solchen Deutlichkeit braucht.

Gerade Ron-Robert Zieler merkt in Hinblick auf das Video und die Kampagne an, welch schwere Thematik dies für ihn ist: "Diesen Hass noch einmal bewusst vorzulesen, war eine Überwindung für mich. Aber ich hoffe, damit für dieses Thema zu sensibilisieren."

Berater Volker Struth arbeitete mit den Spielern und einer Kölner Agentur an der Kampagne

Berater Volker Struth (54).
Berater Volker Struth (54).  © Christian Charisius/dpa

"Was sich einige Menschen hinter anonymen Profilen erlauben, ist weit unter der Gürtellinie, manchmal sogar im strafrechtlichen Bereich", schlägt Toni Kroos in die gleiche Kerbe.

Für Mitinitiator Volker Struth war inzwischen ein Punkt erreicht, an dem es so nicht weitergehen darf: "Das Thema Cybermobbing ist zu einem gravierenden Problem unserer heutigen Gesellschaft geworden. Und es kann jeden treffen, ganz gleich aus welcher Gesellschaftsschicht er kommt, ob er arm oder reich ist, jung oder alt, männlich oder weiblich", so der 49-Jährige.

Gemeinsam mit einer Kölner Agentur bastelte er an der Kampagne. Unter dem Hashtag #UniteAgainstHate wollen sie gegen diese Hass-Dimensionen vorgehen.

Hier das #UniteAgainstHate-Video

Es bleibt zu hoffen, dass es etwas bewirkt.

Dass menschenverachtenden Kommentare wie "Ich stech Dich ab!!!", "I hope you die", "Drecksbastard", "Du dämlicher Hurensohn" usw. verschwinden.

Titelfoto: Screenshot/Twitter DAZN

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