1. FC Köln in der Bundesliga-Vorschau: Folgt auf den Absturz der Aufbruch?

Endlich geht es wieder los! Am kommenden Wochenende startet die Bundesliga in die neue Saison. In der TAG24-Analyse werden alle 18 Klubs genau unter die Lupe genommen.

Köln – Bescheidene Ziele beim traditionsreichen 1. FC Köln: Auch in der kommenden Saison geht es für das Team nur um den Klassenerhalt in der Bundesliga. Das dürfte trotz neuer Offensiv-Power ein eher schwieriges Unterfangen werden.

Sebastian Andersson ist der Top-Transfer des 1. FC Köln

Erst am Dienstag (15. September) verpflichtete der 1. FC Köln mit Sebastian Andersson (29) einen neuen Stürmer. Der Schwede kam vom Ligarivalen 1. FC Union Berlin mit der Referenz von zwölf Saisontoren. Er ist der Ersatz für Leistungsträger Jhon Cordoba (27).

Im System des FC wird Andersson die Rolle des einzigen Angreifers und Zielspielers einnehmen. Der 29-Jährige kann Bälle gut behaupten und ist zweikampfstark. Dank seines guten Kopfballspiels ist er auch eine Waffe bei hohen Bällen und erhöht die Torgefahr bei Flanken und Standards.

Für den Transfer sprach sicher auch seine Bundesligaerfahrung. Zudem schwächt Köln damit auch einen Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt.

Bereits am Mittwoch nahm der neue Stürmer erstmals am Mannschaftstraining seines neuen Teams teil. Nach dem Abgang von Cordoba ist er derzeit der einzige fitte Mittelstürmer im Kader und könnte daher im Heimspiel gegen die TSG 1899 Hoffenheim direkt zum Einsatz kommen.

Sebastian Andersson (29) soll die Kölner Offensive verstärken.
Sebastian Andersson (29) soll die Kölner Offensive verstärken.  © Soeren Stache/zb/dpa

Ron-Robert Zieler und Ondrej Duda sind weitere Neuzugänge des 1. FC Köln

Mitte August war die einjährige Leihe von Torwart Ron-Robert Zieler (31) zurück in seine Geburtsstadt perfekt. Der Weltmeister von 2014 kommt als Ersatz für Thomas Kessler (34) und soll als Nummer zwei Druck auf Stammtorhüter Timo Horn (27) ausüben.

Danach mussten die FC-Fans lange Zeit auf weitere Neuzugänge warten. Die teuren Transfers des Sommers 2019, ein aufgeblähter Kader und fehlende Einnahmen durch die Corona-Krise schränkten den Handlungsspielraum der Geißböcke zunächst ein. 

Die angestrebte Verpflichtung von Paderborns Streli Mamba (26) platzte noch nach dem Medizincheck. Erst der Verkauf von Cordoba beschleunigte die Bemühungen von FC-Sportdirektor Horst Heldt (50). 

Neben Andersson wurde auch der Slowake Ondrej Duda (25) von Hertha BSC verpflichtet. Der 25-Jährige ist als offensiver Mittelfeldspieler eingeplant und übernimmt damit eine Rolle, die zuletzt Mark Uth (28) ausgefüllt hatte. Vom Neuzugang erhofft sich Köln neben Toren und Assists auch gefährliche Standards.

Vierter Neuer soll der Grieche Dimitrios Limnios (22) von PAOK Saloniki werden. Im Weg steht eigentlich nur noch dessen Corona-Erkrankung, die allerdings weitgehend symptomfrei verläuft. Erst nach zwei negativen Tests kann der Flügelspieler nach Deutschland reisen und den Medizincheck absolvieren. Sein erster Einsatz ist daher noch nicht absehbar.

Neben den drei externen Neuzugängen setzt Köln auch auf drei zuletzt verliehene Spieler. Linksverteidiger Jannes Horn (23), Innenverteidiger Frederik Sörensen (28) und Mittelfeldspieler Salih Özcan (22) erhalten eine neue Chance und erhöhen den Konkurrenzdruck im Kader. Der Portugiese Joao Queiros (22) ist nur für die zweite Mannschaft eingeplant.

Gut möglich, dass der FC die Offensive noch weiter verstärkt. Denkbar wäre aufgrund der Verletzungen von Florian Kainz (27) und Ismail Jakobs (21) noch ein neuer Flügelspieler oder ein schneller Stürmer als Ergänzung zu Andersson und Anthony Modeste (32).

Der 1. FC Köln hofft auf offensive Impulse von Neuzugang Ondrej Duda (25).
Der 1. FC Köln hofft auf offensive Impulse von Neuzugang Ondrej Duda (25).  © Andreas Gora/dpa

Jhon Cordoba und viele Leihen: Die 16 Abgänge des 1. FC Köln

Heldt musste zu Beginn der Transferperiode zunächst die Folgen des Missmanagements der vergangenen Jahre verwalten. Der Kader war durch die Rückkehr von zehn Leihspielern auf über 35 Spieler aufgebläht, zudem waren lange und gut dotierte Verträge einiger Profis eine Herausforderung.

Unter dem Strich hat der Manager diese Aufgabe ordentlich gemeistert. Insgesamt gibt es bisher 16 Abgänge. Da die meisten Akteure sportlich keine Rolle mehr spielten, kann man nicht wirklich von einem Umbruch sprechen. Die Auswirkungen auf die Startelf sind nur in der Offensive spürbar.

Die größte Lücke wirft der Abgang von Stürmer Cordoba auf. Hier verliert der FC Offensivpower, bekommt aber gleichzeitig durch die hohe Ablöse von etwa 15 Millionen Euro die Chance, sich offensiv neu und breiter aufzustellen.

Während die ausgeliehenen Uth und Toni Leistner (29) nicht gehalten wurden, beendete Ersatztorwart Kessler seine Karriere. Darüber hinaus verließen die Nachwuchstorhüter Jan-Christoph Bartels (21) und Brady Scott (21) die Geißböcke ebenso wie Simon Terodde (32) ablösefrei.

Mit Yann Aurel Bisseck (19, Guimaraes/Portugal), Niklas Hauptmann (24, Mittelfeld, Holstein Kiel), Vincent Koziello (24,  CD National/Portugal), Tomas Ostrak (20, MFK Karvina/Tschechien), Marcel Risse (30, Viktoria Köln, Kingsley Schindler (27, Hannover 96), Lasse Sobiech (29, FC Zürich) und Birger Verstraete (25, Royal Antwerpen) hat der FC insgesamt acht Spieler an andere Vereine verliehen.

Auch der zuletzt verliehene Mittelfeldspieler Louis Schaub (25) verlässt die Domstadt wieder und wird bis Saisonende an den FC Luzern abgegeben, wie die Kölner am Mittwochabend bestätigten.

Der 1. FC Köln muss in der neuen Saison ohne Jhon Cordoba (27) auskommen, der zu Hertha BSC wechselte.
Der 1. FC Köln muss in der neuen Saison ohne Jhon Cordoba (27) auskommen, der zu Hertha BSC wechselte.  © Ina Fassbender/AFP/POOL/dpa

So tickt FC-Trainer Markus Gisdol

Coach Markus Gisdol (51) steht vor einer echten Bewährungsprobe. Zusammen mit Heldt schaffte er in der Vorsaison den Turnaround und hielt das Team in der ersten Liga. Nach nur sieben Punkten aus den ersten elf Spielen setzte die Mannschaft zu einem Höhenflug an. 

Bis zur Winterpause gelang der Sprung aus der Abstiegszone, nach 25 Spieltagen hatte der FC auf Platz zehn Kontakt zu den Europapokalplätzen. Nach der Corona-Pause gelang in neun Spielen aber kein Sieg mehr. Köln zitterte sich am 33. Spieltag zum Klassenerhalt und wurde am Ende Vierzehnter.

Obwohl die Geißböcke den Spirit des Höhenflugs verloren hatten und defensiv wie offensiv Schwächen offenbarten, wurde nach der Saison der Vertrag des Trainers bis 2023 verlängert.

In diesem Transferfenster passte man den Kader dann – soweit möglich – an die Anforderungen Gisdols an. Der 51-Jährige mag Pressing und setzt auf schnelles Spiel (nach Ballgewinnen) in die Spitze. Dafür braucht er physisch starke und Spieler, die Tempo mitbringen.

Die Vertragsverlängerung gibt Gisdol einen Vertrauensvorschuss. Im Falle eines Fehlstarts dürfte die Geduld der Verantwortlichen allerdings nicht unendlich sein.

Trainer Markus Gisdol (51) soll den FC erneut zum Klassenerhalt führen.
Trainer Markus Gisdol (51) soll den FC erneut zum Klassenerhalt führen.  © Friso Gentsch/dpa

Vorbereitung und Form des 1. FC Köln: Es lief eher holprig

Auf den ersten Blick kann Köln mit der Vorbereitung zufrieden sein. Fünf von sechs Testspielen wurden gewonnen, wobei das Team auch den 1. FC Union Berlin (2:1) und den VfL Bochum (2:0) besiegte. Beim Test gegen Wolfsburg offenbarten sich jedoch noch einige Schwächen und es gab – auch wechselbedingt – eine 0:3-Niederlage.

Der letzte Testkick musste zunächst wegen Corona-Fällen beim Gegner verlegt und dann aufgrund eigenen Spielermangels abgesagt werden. Auch Salih Özcan (22) wurde durch eine Infektion zurückgeworfen. Stürmer Modeste fiel lange aufgrund von Knieproblemen aus und wird zum Saisonstart nicht fit sein. Auch die Verletzung von Florian Kainz (27) trübte die Stimmung. 

Im Pokal gelang ein deutlicher, aber recht glanzloser 6:0-Sieg gegen den Viertligisten VSG Altglienicke. Köln fand erst ab Mitte der ersten Halbzeit Lösungen gegen das offensive Pressing der Gäste und probte das Spiel ohne echten Mittelstürmer. Viel Aussagekraft für die Liga dürften diese Erfahrungswerte allerdings nicht haben.

Beim Ligastart muss Trainer Markus Gisdol zudem noch auf die verletzten Benno Schmitz (25) und Ismail Jakobs (21) verzichten.

Erst nach dem Pokalspiel tütete der FC die entscheidenden Transfers in der Offensive ein. Die Integration der Neuzugänge wird noch eine Weile dauern und während des Ligabetriebs erfolgen müssen.

Anthony Modeste (32) verpasste große Teile der Vorbereitung wegen Knieproblemen.
Anthony Modeste (32) verpasste große Teile der Vorbereitung wegen Knieproblemen.  © Federico Gambarini/dpa

Saisonziel des 1. FC Köln: Platz 15

Der 1. FC Köln will sich als Fahrstuhlmannschaft seit Ende der 1990er-Jahre wieder in der Bundesliga etablieren. Jeder Abstieg warf den Verein um einige Jahre zurück. Die finanziellen Unterschiede, vor allem bei den TV-Geldern, sind einfach zu groß.

Daher gibt es im Jahr zwei nach dem Aufstieg wieder nur ein Ziel: Klassenerhalt.

Der FC könnte von der Rückkehr der Fans profitieren.
Der FC könnte von der Rückkehr der Fans profitieren.  © Federico Gambarini/dpa

TAG24-Prognose: Köln gehört zu den Abstiegskandidaten

Nach der Sommerpause möchte der wechselhafte FC möglichst wieder sein bundesligataugliches Gesicht zeigen. Insgesamt scheint der Kader stark genug zu sein, um den Klassenerhalt realisieren zu können. Weitere Ambitionen sind allerdings nicht realistisch.

Im Tor ist Timo Horn (27) weiterhin gesetzt. Sein Stellvertreter Ron-Robert Zieler (31) erhöht den Druck jedoch deutlich und soll Horn damit zurück zum bereits gezeigten Leistungsvermögen bringen. Im Falle einer Schwächephase steht mit dem Weltmeister von 2014 ein passabler Ersatz bereit. Julian Krahl (20) komplettiert das Trio der Keeper. 

In der Innenverteidigung sind Sebastiaan Bornauw (21) und Rafael Czichos (30) gesetzt. Als Alternative steht Jorge Mere (23) bereit. Rückkehrer Frederik Sörensen (28) braucht hingegen aufgrund seiner versetzten Vorbereitung noch Zeit, bis er vollständig fit ist. Dahinter hat Sava Cestic (19) wohl die Nase vorn gegenüber Robert Voloder (19). Die beiden Talente sind als Kaderspieler eingeplant und sollen Spielpraxis in der zweiten Mannschaft erhalten.

Linksverteidiger Noah Katterbach (19) muss auch aufgrund von muskulären Problemen um seinen Stammplatz kämpfen. Im Pokal durfte Konkurrent Jannes Horn (23) starten. Auf dieser Position deutet sich ein spannendes Duell an.

Auf der anderen Seite könnte die Position des Rechtsverteidigers ein Problem werden. Benno Schmitz (25) fällt vorerst verletzt aus, Kingsley Ehizibue (25) fehlt die Form. Im Pokal durfte hier Marco Höger (31) ran, der dort für die Liga wohl eher keine Option ist.

Im defensiven Mittelfeld kann der FC auf Jonas Hector (30) und Ellyes Skhiri (25) setzen. Der Kapitän spielte eine starke Vorbereitung und war der Motor der Kölner Offensive. Er ergänzt sich gut mit dem laufstarken Skhiri. Dahinter lauern Höger und Salih Özcan (22) auf ihre Chance.

Auf dem rechten Flügel hatte sich Florian Kainz (27) einen Stammplatz erkämpft. Hier ist auf Sicht wohl Neuzugang Limnios (22) eingeplant. Vorerst stehen mit Jan Thielmann (18) und Dominick Drexler (30) zwei Spieler bereit, die zentral stärker sind. Auch Christian Clemens (29) ist hier eine Option.

Für jenes Zentrum hat der FC mit Ondrej Duda (25) einen Zehner verpflichtet. Aber auch Özcan und Elvis Rexhbecaj (22) können diese Position ausfüllen.

Links offensiv war eigentlich Ismail Jakobs (21) eingeplant. Nach dessen Verletzung durfte Özcan sich im Pokal als Flügelspieler versuchen. In der Liga könnte Drexler hier starten oder Trainer Gisdol findet eine kreative Lösung. Talent Tim Lemperle (18) darf auf Jokereinsätze hoffen.

Im Sturm ist Neuzugang Sebastian Andersson (29) direkt gesetzt, wenn er denn fit genug ist. Anthony Modeste (32) braucht noch Zeit, Thielmann konnte zuletzt als "falsche Neun" nicht überzeugen.

Der letzte Bundesligasieg gelang dem 1. FC Köln Anfang März in Paderborn. Für den Klassenerhalt muss sich das Team punktemäßig wieder deutlich steigern.
Der letzte Bundesligasieg gelang dem 1. FC Köln Anfang März in Paderborn. Für den Klassenerhalt muss sich das Team punktemäßig wieder deutlich steigern.  © Friso Gentsch/dpa

Nach den krassen Schwankungen in der Vorsaison ist das aktuelle Leistungsvermögen des Teams kaum einzuschätzen. Die Defensive wirkte in der Vorbereitung wieder kompakter, aber in der Offensive hakte es. Spielerisch hat die Truppe weiterhin Probleme und setzt stattdessen lieber auf Umschaltspiel und Standards. Dabei könnte die Rückkehr der Fans ins heimische Stadion ein Erfolgsfaktor werden.

Der 1. FC Köln gehört neben den beiden Aufsteigern und Teams wie Mainz, Union Berlin oder Bremen zu den Abstiegskandidaten und sollte einen Fehlstart in die Liga angesichts des machbaren Auftaktprogramms vermeiden. Schlagen die Neuzugänge ein und kehrt der Teamspirit zurück, hält Köln die Klasse.

Titelfoto: Montage: Rolf Vennenbernd/dpa, Thilo Schmuelgen/Reuters-Pool/dpa, Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

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