1. FC Köln in der Kader-Analyse: Wie gut ist das Team aufgestellt?

Köln – Knapp zwei Wochen vor Ende des Sommer-Transferfensters scheinen die Planungen des 1. FC Köln so gut wie abgeschlossen. Wie gut ist der FC in dieser Saison aufgestellt?

Tor: Timo Horn ist gefordert

Seit einigen Jahren stagniert die Entwicklung von Stammtorhüter Timo Horn (27). Der Torwart stellt Bundesliga-Durchschnitt dar und ist aktuell weit von höheren Ambitionen entfernt. Im Team ist er als Leistungsträger eingeplant, muss dafür aber wieder konstanter werden und an seinen Schwächen arbeiten. 

Im Optimalfall sorgt die neue Konkurrenz durch Ron-Robert Zieler (31) für einen Leistungsschub. Es bleibt abzuwarten, ob Trainer Markus Gisdol Zieler im Falle einer Formkrise Horns eine Chance geben würde.

Hinter den beiden Torhütern verfügt Köln über einige gute Talente wie Julian Krahl (20) und Daniel Adamczyk (18). Da Zieler nur für ein Jahr geliehen ist, wird diese Position im nächsten Sommer erneut zum Thema. Für diese Saison verspricht das Duo Horn/Zieler genug Qualität.

Gegen Hoffenheim musste FC-Keeper Timo Horn (27) drei Gegentore hinnehmen.
Gegen Hoffenheim musste FC-Keeper Timo Horn (27) drei Gegentore hinnehmen.  © Federico Gambarini/dpa

Abwehr: Mehr Stabilität mit Abwehrchef Czichos?

In der vergangenen Saison kassierte Köln 69 Gegentore und stellte damit zusammen mit Bremen nach Paderborn die zweitschlechteste Defensive. Nach der Corona-Pause liegt der Schnitt bei 2,5 Gegentoren pro Spiel. 

Nominell geht Köln aber mit einer ordentlichen Besetzung der Viererkette in die neue Spielzeit. Jede Position ist mindestens doppelt besetzt.

Im Vergleich zur Vorsaison muss die Anzahl der individuellen Fehler gesenkt werden. In der Innenverteidigung stehen mit Jorge Mere (23) und Frederik Sörensen (28) gute Alternativen bereit. Gesetzt sind vorerst Sebastiaan Bornauw (21) und Rafael Czichos (30) sowie Jannes Horn (23) als Linksverteidiger. Konkurrent Noah Katterbach (19) muss an seinen defensiven Schwächen arbeiten.

Ein Problem könnte die rechte Seite werden. Hier haben sowohl Benno Schmitz (25) als auch Kingsley Ehizibue (25) noch Luft nach oben.

Rafael Czichos (30, r.) ist der Abwehrchef beim 1. FC Köln.
Rafael Czichos (30, r.) ist der Abwehrchef beim 1. FC Köln.  © Federico Gambarini/dpa

Mittelfeld: Duda und Limnios sollen für neue Impulse sorgen

Auf dem Papier verfügt der FC über ein gutes Mittelfeld, die Realität sah zuletzt aber anders aus. Das vermeintliche Prunkstück aus Jonas Hector (30) und Ellyes Skhiri (25) hat die Form der Vorsaison noch nicht wieder erreicht. 

Das Flügelspiel lahmte zuletzt aufgrund der Verletzungen von Ismail Jakobs (21) und Florian Kainz (28). Rechts könnte Neuzugang Dimitrios Limnios (22) direkt gesetzt sein, während links vor vertretungsweise Jan Thielmann (18) ran darf. Mit Dominick Drexler (30) steht ein guter Joker bereit, der immer für ein Tor oder eine Vorlage gut ist.

Offensiv dürfte Ondrej Duda (25) zu einem neuen Faktor im Kölner Spiel werden. Der Slowake verfügt über eine feine Technik und kann seine Mitspieler gut einsetzen. Findet er auch seine Torgefahr wieder, ist er eine echte Verstärkung. 

Als Ersatz für das Zentrum stehen Marco Höger (31), Salih Özcan (22) und Elvis Rexbecaj (22) bereit, wobei die beiden Letztgenannten ihre Stärken  aber eher als Achter haben. Aufgrund seiner langen Verletzungspause scheint Christian Clemens (noch) keine Kader-Alternative zu sein. 

Generell braucht das Mittelfeld mehr Kreativität. Ein längerer Ausfall von Hector oder Skhiri wäre ein Problem.

Ondrej Duda (25) deutete gegen Hoffenheim nach Startschwierigkeiten sein Potential an.
Ondrej Duda (25) deutete gegen Hoffenheim nach Startschwierigkeiten sein Potential an.  © Federico Gambarini/dpa

Sturm: Sebastian Andersson auf dem Weg zum neuen Knipser

Mit seinem Tor im ersten Spiel deutete Sebastian Andersson seinen Wert für Köln bereits an. Er soll der Cordoba-Nachfolger werden und neue Qualitäten ins Kölner Offensivspiel bringen. Eine zweistellige Torquote scheint realistisch.

Hinter ihm sieht es zurzeit allerdings dünn aus. Anthony Modeste ist bis auf Weiteres aufgrund seiner Knieprobleme keine Alternative. Neuzugang Tolu Arokodare (19) ist wohl eine echte Wundertüte. 

Mit 51 Treffern (achtbester Ligawert) war die Kölner Torausbeute in der Vorsaison allerdings sehr ordentlich. Der Mix aus Kontern, Standards und erspielten Toren wird wohl erneut für den Klassenerhalt notwendig sein.

Sebastian Andersson (29) traf direkt in seinem ersten Spiel für Köln gegen Hoffenheim.
Sebastian Andersson (29) traf direkt in seinem ersten Spiel für Köln gegen Hoffenheim.  © Federico Gambarini/dpa

Fazit: Die Voraussetzungen für den Klassenerhalt stimmen

Angesichts eines zunächst großen Kaders und eines kleinen Budgets hat FC-Sportdirektor die Möglichkeiten offenbar gut genutzt. Schlägt Limnios ein, hat sich Köln im Vergleich zur Vorsaison auch verstärkt. Duda und Andersson scheinen die passenden Puzzleteile für die Offensive zu sein.

Höhere Ansprüche als den Klassenerhalt kann es mit diesem Kader dennoch nicht geben. Dafür fehlt es an Qualität. Um auch in der Saison 2021/22 erstklassig zu sein, wird es auf den Spirit und die Mentalität ankommen.

Der Auftritt gegen Hoffenheim darf als offensiver Mutmacher gewertet werden, zudem wirken die Spieler fitter als nach der Corona-Pause. Ein erneuter Fehlstart wäre Gift für den Klassenerhalt, das lange ersehnte Erfolgserlebnis in Form eines Ligasieges dagegen sehr wichtig.

Titelfoto: Federico Gambarini/dpa

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