Meine Meinung: Friedhelm, der Kölner Retter? Funkel ist kein Feuerwehrmann!

Köln - 23 Punkte aus 28 Spielen. Der Klassenerhalt des 1. FC Köln in der Fußball-Bundesliga ist akut gefährdet. Deshalb greift der Tabellensiebzehnte zum Abstiegskampf-Stilmittel Trainerwechsel und verpflichtet Friedhelm Funkel (67). Für den 67-Jährigen spricht die Erfahrung, aber hat er auch das Zeug zum Retter der Geißböcke? Ein Kommentar.

Friedhelm Funkel (67) rutschte mit Fortuna Düsseldorf 2019/20 auf den letzten Tabellenplatz ab und wurde entlassen.
Friedhelm Funkel (67) rutschte mit Fortuna Düsseldorf 2019/20 auf den letzten Tabellenplatz ab und wurde entlassen.  © Tom Weller / DPA

30 Jahre ist der gebürtige Nordrhein-Westfale mittlerweile im Trainergeschäft, hat den Ruf weg als alter Hase, der viel schon erlebt hat.

Zudem gilt Funkel zu Recht als Aufstiegscoach. Sechsmal stiegen Vereine unter seiner Regie schon von der 2. Bundesliga ins Oberhaus des deutschen Fußballs auf, darunter auch der 1. FC Köln 2003/2004.

Damit reparierte der Altmeister den Betriebsunfall Kölner Abstieg 2003, als Funkel den Effzeh in Abstiegsnot übernahm, den Absturz in die Zweitklassigkeit allerdings nicht stoppen konnte.

Nur einmal gelang es ihm, als Cheftrainer im Abstiegskampf einzuspringen und eine Mannschaft noch zum Klassenerhalt zu führen. Das war in der Spielzeit 2001/2002 bei Hansa Rostock und ist mittlerweile 20 Jahre her.

Seitdem sind Funkels Einsätze als Feuerwehrmann gnadenlos gescheitert. Hertha BSC übernahm und verließ er als Tabellenletzter in der Saison 2009/10.

Beim VfL Bochum flog Funkel trotz eines hochwertigen Spielerkaders mit damals schon herausragenden Talenten wie Kevin Vogt und Daniel Ginzek sowie dem 2014-Weltmeister Christoph Kramer auf einem Abstiegsplatz liegend, weil er der Truppe einen Defensiv-Fußball vorschrieb, den sie nicht umzusetzen verstand.

Nur fünf Tage (!) nach seiner Entlassung heuerte Friedhelm Funkel beim Tabellenletzten Alemannia Aachen an. Seine Impulse der jungen Mannschaft durch die Verpflichtung des streitbaren Albert Streit und des Weltenbummlers David Odonkor Stabilität zu verleihen, schlugen fehl. Kurz vor Ende der Saison wurde der Trainerveteran auch hier beurlaubt.

Köln hat nur 27 Tore in 28 Spielen erzielt: Ausgerechnet Funkel soll (offensive) Aufbruchstimmung erzeugen?

Riesige Enttäuschung bei den Kölner Profis Jannes Horn (24, rechts) und Ellyes Skhiri (25) nach der Niederlage gegen Mainz 05.
Riesige Enttäuschung bei den Kölner Profis Jannes Horn (24, rechts) und Ellyes Skhiri (25) nach der Niederlage gegen Mainz 05.  © Thilo Schmuelgen/Reuters-Pool/dpa

Das eher erfolglose Gastspiel beim TSV 1860 München ausgeblendet, feierte Funkel mit Düsseldorf einen echten Erfolg, stieg in die erste Liga auf und war zu dem Zeitpunkt ältester Bundesliga-Trainer.

Den Klassenerhalt im ersten Jahr nach dem Aufstieg feierte Funkel mit Fortuna problemlos, geriet aber auch aufgrund schwacher Konkurrenz wie Nürnberg (19 Punkte), Hannover (21) und Stuttgart (28) nie ernsthaft in die Gefahr, abzusteigen.

2019/20, im schweren zweiten Jahr nach dem Aufstieg, musste Funkel gehen, da die Fortunen auf Platz 18 abgerutscht waren und ihm ein Umschwung nicht mehr zugetraut wurde.

Genügend glücklose Abstiegskampf-Gastspiele von Friedhelm Funkel gibt es also. Der Trainer-Altmeister steht wie kein zweiter für Defensiv-Fußball.

Benötigt Köln ein solches Fußball-Konzept?

Wo Aufstiegsheld drauf steht, ist selten ein Retter drin!

TAG24-Redakteur Martin Gaitzsch hält die Funkel-Verpflichtung in Köln für die falsche Entscheidung.
TAG24-Redakteur Martin Gaitzsch hält die Funkel-Verpflichtung in Köln für die falsche Entscheidung.  © privat

Zwar haben die Profis des Traditionsvereins 50 Gegentore kassiert, allerdings drückt bei nur 27 selbst erzielten Toren vorn der Schuh der Rheinländer. Ausgerechnet Funkel soll es nun gelingen, das erloschene Kölner Offensiv-Feuer zu entfachen?

Erfahrung und Seriosität allein sind kein Allheilmittel im Abstiegskampf. Der frühere Uerdinger Mittelfeldspieler ist nicht dafür bekannt, Aufbruchstimmung bei einem Klub verbreiten zu können, der in schiefes Fahrwasser geraten ist. Mit Sicherheits-Fußball den Klassenerhalt schaffen zu wollen, ist genau das Gegenmodell zum Fußball, den Hertha und Mainz nach den Trainerwechseln spielen.

Bei den letztgenannten Klubs ist ein positiver Trend und Stimmungsumschwung unverkennbar.

Dass dies auch in Köln passiert, wo nun der etwas mürrische 67-Jährige und Senior unter den Kandidaten des Trainermarkts mit altgedientem Fußball Zuversicht am Geißbockheim verbreiten soll, bleibt zweifelhaft.

Die Funkel-Verpflichtung wirkt wie eine Verzweiflungs-Aktion und nicht wie der Griff ins richtige Regal. Wo Aufstiegsheld draufsteht, ist selten ein Retter drin. Hier findest Du einen Text mit Meinungen von Fans zum Funkel-Deal.

Titelfoto: Tom Weller / DPA

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