1. FC Nürnberg gegen FC Ingolstadt 04: Nach Abpfiff entlud sich der Saison-Frust!

Ingolstadt - Mit diesem Ende hatte der FC Ingolstadt 04 nicht mehr gerechnet! Nach drei schwachen Halbzeiten in den beiden Relegationsspielen gegen den 1. FC Nürnberg sahen die Schanzer kurz vor Schluss überraschenderweise wie der sichere Sieger aus.

FCI-Coach Tomas Oral war nach Abpfiff und dem verpassten Zweitliga-Aufstieg mächtig angefressen.
FCI-Coach Tomas Oral war nach Abpfiff und dem verpassten Zweitliga-Aufstieg mächtig angefressen.  © Matthias Balk/dpa

Weil der "Club" gleich dreimal bei Freistößen pennte, lag der FCI viel zu deutlich mit 3:0 vorne und war nur noch wenige Sekunden vom Aufstieg in die 2. Bundesliga entfernt. 

Dann jedoch schlug Fabian Schleusener zu, traf zum 1:3 und Ingolstadt mitten ins Herz. Er rettete seinen FCN vor dem Super-GAU, denn kurz danach war Schluss. 

Anschließend entluden sich die aufgestauten Emotionen in einer heftigen Rudelbildung, bei der sich die Spieler schubsten und sich mit sehr deutlichen Worten die Meinung geigten. 

Die Hausherren hatten nämlich in der Entstehung des entscheidenden Treffers, der auch überprüft wurde, ein Foul an Abwehrspieler Nico Antonitsch gesehen. 

Schiedsrichter Christian Dingert bewertete die Szene anders. Er zeigte trotz der aufgeheizten Atmosphäre auf dem Rasen auch nur dem wütenden FCI-Coach Tomas Oral die Gelbe Karte.

Der hatte sich auch nach Abpfiff noch nicht beruhigt: "Wenn du so bestraft wirst, dann ist das einfach pervers. Für die fünf Minuten Nachspielzeit habe ich kein Verständnis."

Relegationsspiele des 1. FC Nürnberg ein Spiegelbild der gesamten Saison

Riesengroßer Jubel beim 1. FC Nürnberg: Der "Club" bleibt Zweitligist!
Riesengroßer Jubel beim 1. FC Nürnberg: Der "Club" bleibt Zweitligist!  © Matthias Balk/dpa

Von solch typischen, emotional aufgeladenen Aussagen mal abgesehen sollten nun beide Vereine in die Saisonanalyse gehen. Denn beide haben sich  ihre Gefühlslagen selbst zuzuschreiben.

Nürnberg hat sich gerettet. Das steht über allem. Doch wie diese an sich stark besetzte Mannschaft in dieser Spielzeit auftrat, wirft viele Fragen auf, die nur nach gründlicher Nacharbeit von den  Verantwortlichen beantwortet werden können.

Alleine das Bild, das der FCN in der Relegation abgab, sprach Bände. Der "Club" war im Hinspiel drückend überlegen und hätte viel höher als nur 2:0 gewinnen müssen. Die Vorentscheidung wurde allerdings verpasst, obwohl man in beiden Partien die Möglichkeit hatte, den Sack zuzumachen.

Im Rückspiel konzentrierte man sich dann verständlicher-, aber auch unnötigerweise auf das Verwalten des Vorsprungs, bis nach einem Negativerlebnis, dem ersten Gegentor, die Dämme brachen und man erstens zu viele Fouls in der eigenen Hälfte beging und zweitens unaufmerksam bei den Freistößen von Marcel Gaus war.

So fielen auch die beiden anderen Tore und Nürnberg musste nach diesen drei Rückschlägen auf einmal wieder die Initiative ergreifen. Das und der extreme Druck, der auf den Spielern lastete, führten aber eher zu verkrampften und ungestümen Aktionen, als zu einem geordneten Angriffsspiel.

Terminierung der Zweitliga-Relegationsspiele hat einen faden Beigeschmack

Nach dem Abpfiff kam es zu einer Rudelbildung. Doch die Akteure beruhigten sich zum Glück bald wieder.
Nach dem Abpfiff kam es zu einer Rudelbildung. Doch die Akteure beruhigten sich zum Glück bald wieder.  © Matthias Balk/dpa

Dass man dennoch zu Chancen kam, lag daran, dass die Ingolstädter nicht mehr konnten und Nürnberg natürlich alles nach vorne warf.

So rutschte naturgemäß der ein oder andere Ball durch. Doch dass man die Seuchensaison in letzter Sekunde noch rettete, hatte sich in der Nachspielzeit nicht mehr abgezeichnet.

Für Ingolstadt ist dieser brutale Rückschlag nun extrem bitter. Denn die Mannschaft hatte alles in die Waagschale geworfen, was nach diesen vielen Spielen in so kurzer Zeit möglich gewesen war. Man hatte effektiv vor dem gegnerischen Kasten agiert und ließ - gerade im Vergleich zum Hinspiel - wenig zu.

Allerdings war man in beiden Spielen individuell deutlich unterlegen, konnte fast nie wirklich Druck ausüben glich das nur in der zweiten Halbzeit im eigenen Stadion phasenweise mit körperlicher Wucht und der Standardstärke aus. Das war aber auch gegen einen mental so angeschlagenen Kontrahenten wie Nürnberg zu wenig. 

Trotzdem sollte man vor allem den Spielplan hinterfragen. Während der FCN vor dem ersten Duell sogar ein Trainingslager abhalten konnte, blieb Ingolstadt nach dem letzten Spieltag der 3. Liga überhaupt keine Zeit. Denn nur drei Tage später stand die erste Partie gegen den "Club" an. Warum fanden die Partien nicht beispielsweise Mittwoch oder sogar Donnerstag und Sonntag statt? Das wäre erstens möglich gewesen und zweitens für alle Seiten gerechter. Denn ob und wie schnell sich der FCI von dieser Achterbahnfahrt erholt, bleibt abzuwarten.

Titelfoto: Matthias Balk/dpa

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