"Hochverdient gewonnen": Union Berlin übernachtet auf Champions-League-Platz

Berlin - Fußballdeutschland reibt sich verwundert die Augen: Der 1. FC Union Berlin steht zum Auftakt des 14. Bundesliga-Spieltags nach einem überzeugenden 2:1-Sieg gegen den amtierenden Vize-Meister RB Leipzig auf einem Champions-League-Platz!

Unions Taiwo Awoniyi (24, r.) setzt sich gegen Leipzigs Josko Gvardiol (19, M.) durch und drückt die Kugel aus kürzester Distanz unhaltbar für RB-Keeper Peter Gulacsi (31) zur 1:0 Führung in die Maschen.
Unions Taiwo Awoniyi (24, r.) setzt sich gegen Leipzigs Josko Gvardiol (19, M.) durch und drückt die Kugel aus kürzester Distanz unhaltbar für RB-Keeper Peter Gulacsi (31) zur 1:0 Führung in die Maschen.  © Andreas Gora/dpa

Und das trotz der vielfach zitierten Dreifachbelastung aus Liga, DFB-Pokal und UEFA Europa Conference League.

Blickt man auf die vergangene Saison zurück, so kommt dieser Erfolg aber auch nicht von ungefähr, denn am 14. und 16. Spieltag klopften die Eisernen bereits damals an die Tür zur Königsklasse, mit nur jeweils einem Punkt Rückstand auf den begehrten vierten Platz.

Am Ende reichte es bekanntermaßen mit einem Last-Minute-Sieg zum Erreichen des internationalen Geschäfts, was zu diesem Zeitpunkt an ein mittelschweres Wunder grenzte - Gegner damals wie am Freitagabend: die Roten Bullen aus Leipzig.

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Doch diesmal war der Sieg nicht glücklich, sondern hochverdient, denn die Köpenicker haben ihren Gegner eigentlich über die gesamte Spielzeit hinweg kontrolliert, phasenweise sogar dominiert.

"Über 90 Minuten hochverdient gewonnen", resümierte Max Kruse (33) die Partie nach Schlusspfiff am DAZN-Mikrofon. "Wir haben ein sehr starkes Spiel gemacht von der ersten bis zur 90. Minute und hätten sicherlich auch noch höher gewinnen können. Wir stehen nicht zu Unrecht da oben."

Back to the Roots: Union Berlin endlich wieder nach Standardsituation erfolgreich

Timo Baumgartl (25, 2.v.l.) schiebt das Leder zum 2:1 für Union Berlin über die Linie.
Timo Baumgartl (25, 2.v.l.) schiebt das Leder zum 2:1 für Union Berlin über die Linie.  © Andreas Gora/dpa

Und wo könnte die Fischer-Truppe erst tabellarisch stehen, wenn man gegen den VfB Stuttgart, 1. FC Köln und Eintracht Frankfurt nicht jeweils kurz vor Schluss insgesamt fünf Punkte liegen gelassen hätte?!

Wieder einmal war es Tormaschine Taiwo Awoniyi (24), der den Hauptstadtklub mit seinem neunten Saisontreffer bereits nach sechs Minuten in der Alten Försterei in Führung brachte - nach einer Standardsituation, wie sich Union-Coach Urs Fischer (55) nach dem Spiel freute.

"Ja endlich mal hat's geklappt und das zweimal." Genau, denn auch der zweite Union-Treffer fiel nach einer Ecke. Diesmal war Abwehrspieler Timo Baumgartl (25) zur Stelle und schob einen abgefälschten Schuss von Kruse aus kurzer Distanz über die Linie - es war seine erste Bude im Dress von Union.

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Schon beim ersten Treffer hatte der Defensivmann seine Finger oder in diesem Fall seinen Kopf im Spiel, denn sein etwas missglückter Abschluss fiel vor dem 1:0 Awoniyi genau vor die Füße. Mit einem Tor und einem Assist avancierte der 25-Jährige somit zum Mann des Spiels.

Union Berlins Timo Baumgartl mit Tor und Vorlage Mann des Spiels gegen RB Leipzig

Der Mann des Spiels: Timo Baumgartl jubelt nach seinem Treffer zum 2:1. Zuvor hat er auch den Führungstreffer von Union Berlin vorbereitet.
Der Mann des Spiels: Timo Baumgartl jubelt nach seinem Treffer zum 2:1. Zuvor hat er auch den Führungstreffer von Union Berlin vorbereitet.  © Andreas Gora/dpa

"Ja was will man mehr: Freitagabend, Flutlichtspiel, noch einmal so eine geile Kulisse und dann lassen wir unser Herz auf dem Platz", zeigte sich der Blondschopf hocherfreut über die starke Mannschaftsleistung.

Und auch sein persönlicher Erfolg ließ ihn natürlich jubeln: "Für mich persönlich ist das schön, ein Tor zu schießen. Ich meine, ich komme nicht so oft in die Abschlusssituation."

Der zwischenzeitliche Ausgleich durch Christopher Nkunku in der 13. Minute kann als eine Art Schluckauf bezeichnet werden. Davor und danach hatten die Gäste nur wenig zwingende Torchancen. Da bleibt es auch eine Randnotiz, dass sich Union-Keeper Andreas Luthe bei dem Distanzschuss des Franzosen einen schweren Patzer leistete.

Einziges Manko im Spiel des FCU war die mangelnde Chancenverwertung. "Das einzige, wo wir uns ein bisschen einen Vorwurf machen müssen, dass wir nicht eher das 3:1 erzielt haben", konstatierte Fischer.

Nicht nur das nicht erzielte dritte Tor hätte dem Spiel noch eine unschöne Wende geben können - die eingewechselten Genki Haraguchi (30) und Kevin Behrens (30) verpassten beste Gelegenheiten zur Vorentscheidung - schon in der ersten Halbzeit hätte Kruse auf 2:0 erhöhen müssen, bevor quasi im Gegenzug die kalte Dusche mit dem Ausgleich von RB folgte.

Kevin Behrens bedankt sich bei den Union-Fans für die tolle Unterstützung

Nach dem Sieg gegen RB Leipzig wartet auf Union Berlin das "Finale" in der Conference League

Die Union-Kicker feiern das 2:1-Siegtor. Am Donnerstag wartet auf die Eisernen das nächste wichtige Spiel in der Conference League.
Die Union-Kicker feiern das 2:1-Siegtor. Am Donnerstag wartet auf die Eisernen das nächste wichtige Spiel in der Conference League.  © Andreas Gora/dpa

Und so musste der wieder sehr stark spielende Niko Gießelmann (30) mit einer Heldengrätsche gegen Leipzigs Brian Brobbey (19) in der 89. Minute die drei Punkte für die Berliner retten. Ein Ausgleichstreffer wäre zu diesem Zeitpunkt höchst bitter und unverdient gewesen!

Und so übernachteten die Unioner tatsächlich auf einem Champions-League-Platz und das Restprogramm vor Weihnachten meint es gut mit den Eisernen. Neben einem Heimspiel gegen den SC Freiburg stehen noch zwei Auswärtsspiele gegen die Kellerkinder SpVgg Greuther Fürth und VfL Bochum an.

Von Etappenzielen wollte der Schweizer Übungsleiter aber dennoch nichts wissen, denn für ihn zähle nur das nächste Spiel und das ist an Brisanz auch kaum zu überbieten.

Am kommenden Donnerstag (21 Uhr/RTL+) steht nämlich in der Conference League das Finale um den zweiten Platz in Gruppe E gegen Slavia Prag an, der zum Achtelfinal-Play-off im Februar berechtigt.

Und was wäre das für ein Erfolg, wenn der 1. FC Union sogar im internationalen Wettbewerb überwintern könnte? Urs Fischer wird dann wohl wieder mit der gleichen Hose am Spielfeldrand stehen: "Ja, die hat heute Glück gebracht, die werde ich nicht zum Waschen geben", witzelte der 55-Jährige.

Titelfoto: Andreas Gora/dpa

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