Am Jahrestag: Union ohne Fans zurück im Abstiegskampf

Berlin - Urs Fischer hat keine Zeit für Romantik. Im für Union Berlin nach der Corona-Zwangspause plötzlich wieder richtig heißen Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga bleibt dem Trainer nur der Fokus auf die einfache Mathematik.

Taiwo Awoniyi (l.) von Mainz und Neven Subotic von Union kämpfen um den Ball.
Taiwo Awoniyi (l.) von Mainz und Neven Subotic von Union kämpfen um den Ball.  © Odd Andersen/AFP-POOL/dpa

"Wieder ein Punkt mehr auf dem Konto", lautete Fischers Fazit nach dem in Unterzahl im Union-Stil erkämpften 1:1 (1:1) gegen den direkten Konkurrenten 1. FSV Mainz 05. Es hätte besser laufen können für Union, aber eben auch deutlich schlechter, und so versuchte Fischer, eine positive Perspektive einzunehmen.

"Die Mannschaft hat solidarisch gekämpft", sagte der 54-Jährige in einer typisch eisernen Rhetorik am Mittwochabend. Solidarisch kämpfen musste sie auch. Nach der Gelb-Roten Karte für Robert Andrich (41. Minute) war Union mehr als eine Hälfte personell dezimiert.

"Wenn man 50 Minuten in Unterzahl spielt, nimmt man gern einen Punkt mit", erklärte Verteidiger Marvin Friedrich. Immer wieder erinnern sie in Köpenick in diesen Tagen daran, dass der Klassenverbleib ein ähnlich großes Wunder wäre wie der Aufstieg vor genau einem Jahr.

Die Lage hat sich für Union trotz des ersten Zählers nach der Corona-Zwangspause aber weiter verschlechtert. Durch den Düsseldorfer 2:1-Sieg gegen Schalke beträgt der Vorsprung auf Platz 16 nur noch vier statt vorher sechs Zähler. 

Im schweren Auswärtsspiel am Sonntag (15.30 Uhr) bei Borussia Mönchengladbach wird Fischer durch die nächste Sperre für Andrich das Team wieder umstellen müssen.

Robert Andrich fehlt Union gegen Gladbach

Urs Fischer (r.) und sein Co-Trainer Markus Hoffmann verfolgen das Spiel.
Urs Fischer (r.) und sein Co-Trainer Markus Hoffmann verfolgen das Spiel.  © Odd Andersen/AFP-POOL/dpa

Schlimmer als jede Personalrotation: Es trifft die Eisernen gerade ins Mark, dass die sonst so kultivierte Nostalgie im Stadion an der Alten Försterei keinen Platz hat, obwohl doch so viel Raum da wäre auf den leeren Rängen. 

Am Jahrestag der großen Aufstiegsparty gab es keinen Platzsturm, keine Jubelorgien wie nach dem Relegationserfolg gegen den VfB Stuttgart. Ein paar Mainzer Ersatzspieler liefen sich nach dem Schlusspfiff auf dem Rasen noch aus. So ist die Köpenicker Realität im Abstiegskampf.

Fischer hat die Fan-Absenz in Corona-Zeiten zum Tabuthema erklärt. Aber an der Problematik kommt Union trotzdem nicht vorbei. Kein Gegner-Trainer fürchtet mehr die prickelnde Atmosphäre in der engen Stadionschachtel. Die emotionalen Prozentpunkte, sonst selbst als Plus gepriesen, fehlen dem Aufsteiger jetzt einfach. Wegreden kann man das auch nicht mit einem Trainer-Dekret.

Spielerisch war sogar das noch schlechter platzierte Mainz besser. Fast zwangsläufig entsprang der Union-Ausgleich von Marcus Ingvartsen (33.) per Freistoß einer Standardsituation. Mainz hatte seinen Treffer durch Ridle Baku (13.) gegen eine in ihrer Statik verharrenden Union-Abwehr fein herauskombiniert.

"Das war viel Moral. Wir waren auch nahe am Sieg. Am Schluss ein Unentschieden, das wir mitnehmen", sagte Fischer. Immerhin habe sein Team die richtige Antwort auf das miserable 0:4 im Stadtderby gegen Hertha BSC gegeben. Und Mainz konnte als Abstiegs-Puffer zur richtig gefährlichen Zone auf drei Zählern Abstand gehalten werden. "Es wird sich in den restlichen sechs Spielen zeigen, wie wichtig der Punkt sein kann", sagte Mathematiker Fischer.

Titelfoto: Odd Andersen/AFP-POOL/dpa

Mehr zum Thema 1. FC Union Berlin:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0