Union mischt die Liga auf: Eiserne nach erneuter Kruse-Gala auf Champions-League-Platz

Berlin - Eins gemacht, zwei Vorlagen und nebenbei noch einen Bundesliga-Rekord. Der Spieler des Spiels ist schnell ausgemacht: Beim 5:0 gegen Arminia Bielefeld legte Max Kruse (32) erneut eine Gala-Vorstellung hin.

Max Kruse feiert mit dem 16. verwandelten Elfmeter seine Bundesliga-Rekord.
Max Kruse feiert mit dem 16. verwandelten Elfmeter seine Bundesliga-Rekord.  © Maja Hitij/Getty Images Europe/Pool/dpa

"Man hat gut gesehen, dass beide voneinander profitieren: die Mannschaft von Max und auch Max von der Mannschaft", erklärte Trainer Urs Fischer (54) nach dem Kantersieg, der für den 1. FC Union Berlin als höchster Sieg in die noch junge Bundesliga-Historie  eingeht. 

Der ehemalige Bremer war gegen den überforderten Aufsteiger gleich an vier Treffern beteiligt: Einen leitete er klug ein, zwei bereitete er mustergültig vor, und den vom Strafstoßpunkt markierte er selbst.

"Auf der einen Seite spürte er die Unterstützung, die auch ein Spieler von seiner Qualität braucht", skizzierte Fischer die Stellung von Kruse innerhalb seines Teams. "Auf der anderen Seite ist er sich nicht zu schade, auch lange und weite Wege in Kauf zu nehmen. So kann es funktionieren." 

Der 32-Jährige hat Union im Eiltempo belebt, nicht nur durch seine schon drei Saisontore und fünf Vorlagen. "Wir akzeptieren jeden, wie er ist. Max Kruse ist ein sehr positiver Typ. Es macht viel Spaß mit ihm", betonte Kapitän Christopher Trimmel (33) und sprach insgesamt von einem "fast perfekten Spiel" seines Teams.

Kruses Eingebungen und Fertigkeiten als Tore-Einleiter sorgten am siebten Spieltag in einem durch die Corona-Pandemie wieder gespenstisch leeren Stadion an der Alten Försterei schnell für klare Verhältnisse. Der später verletzt ausgewechselte Japaner Keita Endo (22) nach 129 Sekunden und dem damit zweitschnellsten Tor in der Bundesliga-Historie der Berliner sowie Robert Andrich (13. Minute) schlugen gleich zu. Sheraldo Becker (25) legte noch vor der Pause nach. Den 5:0-Rekord machte der eingewechselte Cedric Teuchert (23) perfekt.

Max Kruse ist Unions Mr. 100-Prozent

Unions Cedric Teuchert (3.v.r) feiert mit Teamkameraden das Tor zum 5:0.
Unions Cedric Teuchert (3.v.r) feiert mit Teamkameraden das Tor zum 5:0.  © Maja Hitij/Getty Images Europe/Pool/dpa

Und zwischenzeitlich egalisierte eben jener Kruse, der in dieser Woche über seinen Instagram-Kanal nach einer Radarkontrolle noch die Polizei beschimpft hatte und dies dann relativierte, noch einen Liga-Uraltrekord. 

Mit dem 16. verwandelten Elfmeter in seinem 257. Bundesliga-Einsatz stellte der gebürtige Schleswig-Holsteiner mit der 100-Prozent-Quote die Bestmarke des Schalkers und Bochumers Hans-Joachim Abel ein, der Ende der 1970er- und Anfang der 1980er-Jahre gleichfalls 16 Elfmeter für den VfL Bochum und den FC Schalke 04 verwandelt hatte.

"In erster Linie geht es um Leistung auf dem Feld. Dann gibt es noch einen Max privat, der äußert sich manchmal vielleicht ein bisschen anders, als ich das tun würde", bemerkte Kruses aktueller Trainer. 

"Das ist sein gutes Recht", ergänzte Fischer. Und für die Beleidigungen nach der Blitzer-Aktion in der Tempo-30-Zone habe sich Kruse entschuldigt: "Das zeigt auch seine Klasse", meinte Fischer, der natürlich die Brisanz kennt: "Am Schluss ist es ein Geben und Nehmen. Wir müssen schauen, dass wir das so beibehalten."

Bei aller Euphorie um Kruse, den Bundesliga-Rekordsieg und europäische Tabellen-Sphären ging der Schweizer auch mit dem bisher insgesamt Erreichten sachlich um. "Wir sind da klar im Kopf", erklärte Fischer. Für eine Korrektur der Zielsetzung Klassenerhalt sieht er keinen Grund. "Zwölf Punkte werden nicht reichen. Ich werde nicht abweichen. Das wird noch ein langer und harter Weg." 

Titelfoto: Maja Hitij/Getty Images Europe/Pool/dpa

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