Union Berlin: Pokal-K.o. als Warnung, Baumgart sucht Weihnachtsbaum

Berlin - Erst der Pokal-K.o. gegen den Zweitligisten aus Paderborn, dann das traditionelle Weihnachtssingen nur als Digital-Event. Der 1. FC Union Berlin muss nach den Bundesliga-Freuden ausgerechnet vor den Festtagen einen Stimmungsdämpfer hinnehmen.

Paderborn-Trainer Steffen Baumgart (48) ist nach dem Pokal-Coup seiner Mannschaft gleich in Berlin geblieben. Schließlich liegt sein Hauptwohnsitz nur unweit der Alten Försterei.
Paderborn-Trainer Steffen Baumgart (48) ist nach dem Pokal-Coup seiner Mannschaft gleich in Berlin geblieben. Schließlich liegt sein Hauptwohnsitz nur unweit der Alten Försterei.  © Andreas Gora/dpa

Nach dem Pokal-Coup gegen seine alte Liebe erledigte Steffen Baumgart (48) schnell noch die letzten Vorbereitungen für die Festtage. In Berlin-Köpenick machte sich der Trainer des SC Paderborn am Mittwoch auf die Suche nach einem Weihnachtsbaum.

Praktisch, dass das Pokal-Los ihn mit dem Zweitligisten zum 1. FC Union und damit an seinen Wohnort fernab des Arbeitsplatzes in Ostwestfalen geführt hatte. Der 3:2-Sieg mit dem Außenseiter gegen das Überraschungsteam der Fußball-Bundesliga rundete Baumgarts Heimreise perfekt ab.

Auf eine andere liebgewonnene Tradition musste aber auch der einstige Union-Profi wie alle Fans und Freunde der Eisernen verzichten. Das sonst im Stadion An der Alten Försterei mit tausenden Zuschauern zelebrierte Weihnachtssingen konnte wegen der Corona-Pandemie am Mittwoch nur digital stattfinden.

Mit Kerze, Punsch und Liederzetteln vor den heimischen Computern, ein ziemliches Grausen für das große Wir-Gefühl im Osten der Hauptstadt.

Urs Fischer geht mit gemischten Gefühlen in die kurze Weihnachtspause

Union-Coach Urs Fischer (54) fand nach dem Pokal-Aus deutliche Worte und verabschiedete sich mit gemischten Gefühlen in die kurze Weihnachtspause.
Union-Coach Urs Fischer (54) fand nach dem Pokal-Aus deutliche Worte und verabschiedete sich mit gemischten Gefühlen in die kurze Weihnachtspause.  © Sebastian Gollnow/dpa

Union-Trainer Urs Fischer (54) verabschiedete sich mit gemischten Gefühlen in die kurze Fest-Auszeit. Nach dem Cup-K.o. gegen den unerschrockenen Trainerkollegen Baumgart fand der Schweizer ungewöhnliche deutliche Worte.

"Die erste Hälfte war unterirdisch von uns", monierte der Coach. "Wenn du eine Halbzeit nicht auf dem Feld bist, gewinnst du kein Spiel. Wir haben alles vermissen lassen, was uns ausgezeichnet hat", grantelte Fischer.

Wer 45 Minuten verschlafe, solle sich hinterher auch bloß nicht wundern, wenn bei der Aufholjagd das Glück ausbleibt, konstatierte der 54-Jährige. "Wir waren nicht konsequent. Also haben wir es auch nicht verdient", sagte Torschütze Grischa Prömel (25).

Ist die gute Weihnachtslaune also dahin bei den Eisernen? Hatte die Jubelstimmung nach den Bundesliga-Coups gegen den FC Bayern (1:1) und gegen Borussia Dortmund (2:1) nur eine kurze Haltbarkeitsdauer?

Mitnichten. Bei allem Unbehagen ob der vergebenen Achtelfinal-Chance wollte Fischer seine Jahresbilanz nach Klassenverbleib und Sturm auf Platz sechs im Fußball-Oberhaus nicht in Grautönen zeichnen.

Trotz Pokal-Aus sieht Urs Fischer ein erfolgreiches Jahr 2020 für den 1. FC Union Berlin

Jubelnde Unioner - ein Bild, das man 2020 öfter gesehen hat.
Jubelnde Unioner - ein Bild, das man 2020 öfter gesehen hat.  © Andreas Gora/dpa

"Es trübt dann schon ein bisschen am Schluss. Auch mit Distanz ist es trotzdem ein sehr erfolgreiches Jahr 2020", sagte Fischer. Und: Zeit bleibt eh nicht, um über das Gewesene lange zu sprechen.

"Es geht Spiel auf Spiel. Es ist schon wichtig, dass man mal drei, vier Tage abschalten kann, mal auf andere Gedanken kommt", sagte Fischer angesichts der anstehenden Weihnachts-Minipause.

Am Mittwoch wurden noch die obligatorischen Corona-Tests absolviert. Schon am kommenden Montag geht es für die Eisernen weiter. Dann wird Fischer nach ein paar Tagen Durchschnaufen im Familienkreis wieder die Vorbereitung starten für die nächste Bundesliga-Partie bei Werder Bremen am Tag nach Neujahr.

Die Niederlage gegen Paderborn war für Fischer aber doch mehr als ein Schönheitsfehler. Einen "Fingerzeig" habe das Team bekommen, der verdeutlichen soll, dass die in der Liga erworbenen Meriten immer wieder verteidigt werden müssen.

Nur unter dem Weihnachtsbaum sollten seine Spieler nun an andere Dinge denken.

Titelfoto: Andreas Gora/dpa, Sebastian Gollnow/dpa (Bildmontage)

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