Polizeigewalt gegen Fans überschattet Union-Niederlage in Rotterdam

Rotterdam/Berlin - Die Europa-Conference-League-Partie zwischen dem niederländischen Traditionsverein Feyenoord Rotterdam und dem 1. FC Union Berlin ist am Donnerstagabend von unschönen Vorfällen vor dem Stadion überschattet worden.

Die Atmosphäre im legendären De Kuip von Rotterdam war von Beginn an aufgeheizt.
Die Atmosphäre im legendären De Kuip von Rotterdam war von Beginn an aufgeheizt.  © Patrick Post/AP/dpa

Die 1:3-Niederlage rückt dabei angesichts der Vorkommnisse beinahe in den Hintergrund.

Dass es um die deutsch-niederländischen Beziehungen in Sachen Fußball nicht unbedingt rosig bestellt ist, wissen wohl die meisten Fußballfans in Deutschland.

Einen neuerlichen Nachweis für das belastete Verhältnis lieferte der Europa-Ausflug der Eisernen nach Rotterdam, den rund 2500 mitgereiste Schlachtenbummler eigentlich zu einer weiteren Station ihrer Euro-Party machen wollten.

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Allerdings kam es schon am Vorabend der Begegnung zu einem ersten Zwischenfall, als eine 25-köpfige Union-Delegation im Außenbereich einer Bar von Hooligans attackiert wurde. Feyenoord entschuldigte sich inzwischen mit einem offiziellen Statement für diesen Zwischenfall und versprach Aufklärung.

Am Spieltag selbst kam es dann vor dem Gästeblock zu Tumulten. Viele Union-Fans mussten lange am Einlass ausharren. Es gab Anhänger, die dadurch die komplette erste Halbzeit verpassten, wie Union-Pressesprecher Christian Arbeit (47) nach Spielschluss bestätigte.

Er bezeichnete die Zustände als eine "katastrophale Einlasssituation". "Wenn mehrere Hundert Menschen mit Eintrittskarten bis zur Halbzeitpause nicht im Stadion sind, dann kann irgendwas nicht stimmen", beschwerte er sich.

Union Berlins Pressesprecher Christian Arbeit bezeichnet die Vorfälle beim Einlass als "nicht akzeptabel"

Die "Eiserne Hilfe" berichtet bei Twitter von Polizeigewalt gegen Fans von Union Berlin

Übergriffe von Polizeikräften auf Union-Fans am Einlass zum Gästeblock

Union-Fans und Polizisten stehen sich vor dem Stadion gegenüber. Am Einlass zum Gästeblock ist es zu Übergriffen auf Anhänger der Eisernen gekommen.
Union-Fans und Polizisten stehen sich vor dem Stadion gegenüber. Am Einlass zum Gästeblock ist es zu Übergriffen auf Anhänger der Eisernen gekommen.  © Robin Utrecht/ANP/dpa

Berichte und Bilder deuteten zudem auf einen "sehr harten Polizeieinsatz" hin, der "in der Gesamtheit einfach inakzeptabel" sei, so der 47-Jährige weiter. Diese Vorkommnisse seien "nicht hinnehmbar". Man werde "darüber reden müssen, wie so etwas auf europäischem Niveau passieren kann."

Die Union-Fan-Gemeinschaft "Eiserne Hilfe" veröffentlichte bei Twitter Beiträge, die einen Fan mit blutender Platzwunde am Kopf und einen anderem nach einem Biss durch einen Polizeihund zeigen. In den sozialen Medien berichteten Union-Fans von gezielten Angriffen seitens aggressiver Beamter.

Die Rotterdamer Polizei teilte im Nachgang mit, dass der Hund sogar drei Union-Fans gebissen habe und sprach in dem Zusammenhang von einer "kleinen Gruppe deutscher Rowdys". Mehrere Fans seien im Krankenhaus behandelt worden.

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Insgesamt sei es zu 75 Festnahmen gekommen. Dabei sollen 59 Unioner in Gewahrsam genommen worden sein, die im Vorfeld der Partie absichtlich die Konfrontation mit Feyenoord-Fans gesucht hätten und unter dem Verdacht standen, "offene Gewalt vorzubereiten".

16 weitere Anhänger wurden wegen des Verdachts auf Vandalismus oder den Besitz von Feuerwerkskörpern vorübergehend festgesetzt.

Die Polizei Rotterdam berichtet bei Twitter von 75 Festnahmen am Rand der Partie

Union Berlin gegen Feyenoord Rotterdam mit Spiel zum Abhaken

Unions Taiwo Awoniyi (24, 3.v.l.) steigt zum Kopfball hoch und nickt die Kugel zum 2:1-Anschlusstreffer ins Netz.
Unions Taiwo Awoniyi (24, 3.v.l.) steigt zum Kopfball hoch und nickt die Kugel zum 2:1-Anschlusstreffer ins Netz.  © Matthias Koch/dpa

Das Geschehen auf dem grünen Rasen ist hingegen schnell zusammengefasst: "Ein Spiel, das du schnell abhaken musst, weil wir zu viele Dinge einfach nicht gut gemacht haben", resümierte Union-Coach Fischer (55) nach dem Spiel.

Den Worten seines Trainers konnte Mittelfeldspieler Grischa Prömel (26) nur beipflichten. "Wir waren heute einfach nicht gut genug. Wir haben zu wenig von dem gezeigt, was uns als Union ausmacht", konstatierte er bei der Pressekonferenz.

"Normalerweise sind wir viel griffiger, gehen viel besser in die Zweikämpfe. Heute war es so, dass wir zwei Meter vor dem Gegenspieler Halt gemacht haben und nicht durchgelaufen sind."

Zunächst stand jedoch einmal mehr Taiwo Awoniyi (24) im Mittelpunkt, der sich in der 35. Minute zum zwischenzeitlichen 2:1-Anschlusstreffer noch in die Torschützenliste eintragen durfte. Aber nach einem vermeintlichen Foul an dem Nigerianer im Strafraum der Hausherren blieb die Pfeife von Schiedsrichter Giorgi Kruashvili aus Georgien stumm und in der Gruppenphase der Conference League gibt es keinen Videobeweis.

Quasi im Gegenzug netzte Alireza Jahanbakhsh (28) in der 11. Minute zur 1:0-Führung für die Holländer, die sich in der Entstehung beinahe ungehindert durch den Strafraum der Berliner kombinieren durften.

Urs Fischer gratuliert Feyenoord Rotterdam zu "einem hochverdienten Sieg"

Feyenoords Alireza Jahanbakhsh (28, M.) dreht nach seinem Treffer zur 1:0-Führung zum Torjubel ab.
Feyenoords Alireza Jahanbakhsh (28, M.) dreht nach seinem Treffer zur 1:0-Führung zum Torjubel ab.  © Matthias Koch/dpa

In dieser Situation zeigte die Hintermannschaft sich ungewohnt unkoordiniert, was wohl auch dem coronabedingten Fehlen von Marvin Friedrich (25) geschuldet war. Doch es sollte noch schlimmer kommen.

Ausgerechnet der Champions-League-erfahrene Abwehrchef Robin Knoche (29) leistete sich einen Patzer zum vorentscheidenden 2:0. In einem Zweikampf ließ er sich nach 29 Minuten von Bryan Linssen (31) abkochen, der die Kugel dann nur noch an Keeper Andreas Luthe (34) vorbeischieben musste.

Auch nach der Pause war kein echtes Aufbäumen des FCU zu sehen und so stellte Luis Sinisterra (22) folgerichtig nach 76 Zeigerumdrehungen den 3:1-Endstand her.

Somit blieb Fischer nichts anderes übrig, als Feyenoord zu "einem hochverdienten Sieg" zu gratulieren, die "heute Abend cleverer und aggressiver in den Zweikämpfen" waren.

Der Schweizer Übungsleiter glaubte übrigens nicht, dass seine Mannschaft sich von der hitzigen Atmosphäre im De Kuip verunsichern ließ, schließlich hatte man "vor Corona auch immer wieder volle Stadien in Deutschland".

Nach Conference-Niederlage muss Union Berlin "anderes Gesicht" in Bundesliga zeigen

Union-Coach Urs Fischer (55) gratulierte Feyenoord Rotterdam nach dem Spiel fair zu "einem hochverdienten Sieg" und richtete seinen Blick sofort wieder auf die Bundesliga.
Union-Coach Urs Fischer (55) gratulierte Feyenoord Rotterdam nach dem Spiel fair zu "einem hochverdienten Sieg" und richtete seinen Blick sofort wieder auf die Bundesliga.  © Matthias Koch/dpa

Auch nach der zweiten Niederlage ist die Chance auf ein Weiterkommen in der Conference League noch vorhanden. Der Tabellenführer aus Rotterdam hat sich mit dem Sieg zwar an der Spitze von Gruppe E abgesetzt, dahinter liegt jedoch alles eng beisammen.

In Hinblick auf die nächste Bundesliga-Begegnung gilt es nun aber erst einmal, aus den Fehlern zu lernen und eine Reaktion zu zeigen.

"Ich glaube, die Mannschaft hat mehr als einmal gezeigt, dass sie Rückschläge verarbeiten kann. Wir werden oder müssen ein anderes Gesicht in Stuttgart zeigen, um eine Möglichkeit zu haben, da auch was mitzunehmen", kündigte der 55-jährige Trainer der Köpenicker an.

Am Sonntag (17.30 Uhr/DAZN) muss der 1. FC Union beim VfB Stuttgart antreten, bevor am Mittwoch die zweite Runde im DFB-Pokal gegen den SV Waldhof Mannheim auf dem Programm steht.

Und wäre das nicht schon genug, folgt dann auch gleich noch der Auftritt des Rekordmeisters FC Bayern München in der Alten Försterei. Es geht also Schlag auf Schlag weiter für die Eisernen.

Titelfoto: Patrick Post/AP/dpa, Robin Utrecht/ANP/dpa (Bildmontage)

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