Union Berlin stellt sich selbst ein Bein und steht vor Aus in Europa: "Ein Fehler zu viel"

Berlin - Jetzt helfen nur noch zwei Siege: Der 1. FC Union Berlin kann nach der 1:2-Niederlage gegen Feyenoord Rotterdam den Einzug ins Achtelfinale der Conference League nur noch über den zweiten Platz in Gruppe E und ein Play-off-Spiel erreichen.

Urs Fischer (55) steht während der Partie gegen Feyenoord Rotterdam im strömenden Regen an der Seitenlinie. Nach dem Spiel haderte der Union-Coach mit einer "unnötigen Niederlage".
Urs Fischer (55) steht während der Partie gegen Feyenoord Rotterdam im strömenden Regen an der Seitenlinie. Nach dem Spiel haderte der Union-Coach mit einer "unnötigen Niederlage".  © Andreas Gora/dpa

"Du brauchst zwei Siege, und dann schauen wir, wie es steht", konstatierte Union-Coach Urs Fischer (55) nach dem Abpfiff.

Es war ein gebrauchter Abend für die Eisernen. Im Dauerregen von Berlin gerieten sie vor der vereinsinternen Heimspiel-Rekordkulisse von 30.000 Zuschauern schon früh in Rückstand. Nach 15. Minuten veredelte Luis Sinisterra (22) einen Pfostenschuss von Bryan Linssen (31) aus spitzem Winkel zur 1:0-Führung für die Gäste.

Kurz nach dem Spiel fiel es Fischer schwer, das Geschehen zusammenzufassen: "Ich glaube über 90 Minuten gesehen eine unnötige Niederlage", analysierte er.

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Er bemängelte insbesondere die schlechte Chancenverwertung seines Teams. Sechs Zeigerumdrehungen vor dem Treffer zum Rückstand hätte Sheraldo Becker (26) seinerseits Union in Front schießen können, scheiterte jedoch an Rotterdams Keeper Justin Bijlow (23).

Der Ausgleich war dann Chefsache: Kapitän Christopher Trimmel (34) erzielte kurz vor der Halbzeit das 1:1 aus circa 20 Metern mit einem herrlichen Schlenzer ins rechte Toreck.

Highlights zum Conference League Duell zwischen dem 1. FC Union Berlin und Feyenoord Rotterdam

Andreas Luthes schicksalhafter Ausrutscher entscheidet Partie zugunsten von Feyenoord Rotterdam

Feyenoords Cyriel Dessers (26) dreht nach dem 2:1 für Rotterdam zum Torjubel ab. Dem Treffer war ein schwerer Patzer von Union-Keeper Andreas Luthe vorausgegangen.
Feyenoords Cyriel Dessers (26) dreht nach dem 2:1 für Rotterdam zum Torjubel ab. Dem Treffer war ein schwerer Patzer von Union-Keeper Andreas Luthe vorausgegangen.  © Andreas Gora/dpa

Nach der Pause drückte der FCU auf die Führung, setzte den Gegner immer wieder unter Druck, ließ dabei jedoch einige gute Chancen liegen. "Ich glaube, wir hatten zahlreiche Möglichkeiten. Wir waren näher am 2:1 als der Gegner. Am Schluss musst Du effizient sein", bemängelte der Schweizer Übungsleiter.

"Wir kommen gut aus der Halbzeitpause. Wir haben Chancen, nutzen sie aber nicht. Das ist einfach bitter, dass wir hier nicht gewinnen", zeigte sich Marvin Friedrich (25) nach der Partie enttäuscht am Mikrofon.

Und dann passierte es: In der 72. Minute rutschte Torwart Andreas Luthe (34) bei der Verarbeitung eines Rückpasses auf dem völlig durchweichten Rasen aus, sodass der eingewechselte Cyriel Dessers (26) leichtes Spiel hatte, zur erneuten Führung einzuschieben - ein fatales Missgeschick.

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"Fußball ist ein Fehlerspiel, das war ein Fehler zu viel", stellte sein Trainer nüchtern fest. Doch niemand wollte dem Schlussmann die Schuld für die Niederlage geben.

"Er spielt eine überragende Saison, er ist unser Rückhalt. Fehler passieren einfach. Gerade bei diesem Platz", nahm Friedrich seinen Keeper in Schutz und auch die Fans feierten ihren Torsteher mit "Luthe"-Sprechchören.

Union-Fans feiern Keeper Andreas Luthe trotz seines Patzers mit Sprechchören

Hektische Schlussphase endet mit zwei Platzverweisen für den 1. FC Union Berlin

Trotz der Niederlage werden die Spieler von Union Berlin von den Fans gefeiert.
Trotz der Niederlage werden die Spieler von Union Berlin von den Fans gefeiert.  © Andreas Gora/dpa

In der Schlussphase wurde es dann noch einmal so richtig hektisch: Als Trimmel nach einer Unbeherrschtheit mit der Ampelkarte und der kurz zuvor eingewechselte Cedric Teuchert (24) wegen Nachtretens innerhalb von zwei Minuten (87. und 89.) vom Platz gestellt wurden, war die Begegnung entschieden.

"Diese Emotionen gehören zum Spiel, nur Du musst trotzdem schauen, dass Du Dich beherrschen kannst", bemerkte Fischer. Ihm sei in seiner Karriere aber auch das eine oder andere Mal sein Temperament durchgegangen. "Wir werden das sicherlich noch ansprechen", kündigte der 55-Jährige an.

Sportlich hat sich Gegner Feyenoord in der Conference League bisher erstklassig präsentiert und grüßt mit zehn Punkten von der Tabellenspitze.

Von den "Fans" kann man das jedoch nicht behaupten. Schon beim Hinspiel in Rotterdam kam es zu unschönen Szenen und auch in Berlin machten die Anhänger des holländischen Traditionsklubs sich keine Freunde.

Feyenoord "Fans" zeigen sich erneut von schlechter Seite, Abmarsch verläuft friedlich

Feyenoord-Fans zünden vor Spielbeginn Bengalos im Berliner Olympiastadion. Im Vorfeld der Partie kam es jedoch zu mehreren Zwischenfällen mit der Polizei, bei denen mehr als 70 Personen, zumeist aus den Niederlanden, vorläufig festgenommen worden sind.
Feyenoord-Fans zünden vor Spielbeginn Bengalos im Berliner Olympiastadion. Im Vorfeld der Partie kam es jedoch zu mehreren Zwischenfällen mit der Polizei, bei denen mehr als 70 Personen, zumeist aus den Niederlanden, vorläufig festgenommen worden sind.  © Andreas Gora/dpa

Zuerst verunstalteten Chaoten die denkmalgeschützte East Side Gallery, bevor es in der Nacht und unmittelbar vor Spielbeginn zu vereinzelten Zusammenstößen mit der Polizei kam.

In den 24 Stunden vor dem Spiel wurden mehr als 70 Personen festgenommen, wobei es sich überwiegend um Feyenoord-Anhänger handelte, wie die Polizei mitteilte.

Direkt vor und nach dem Anpfiff brannten niederländische Schlachtenbummler Bengalos ab und hüllten das Stadion in dichten Rauch. Der Verein distanzierte sich mittlerweile von diesem Fehlverhalten.

Immerhin sei es nach der Begegnung ruhig geblieben. Sicherheitskräfte berichteten von einem reibungslosen Abzug beider Fan-Lager aus dem Olympiastadion.

Doch zurück zum Sport. Der 1. FC Union muss nun die verbleibenden zwei Europa-Duelle bei Maccabi Haifa (25. November/18.45 Uhr) und abschließend daheim gegen Slavia Prag (9. Dezember/21 Uhr) siegreich gestalten, um sich die Chance aufs Weiterkommen zu erhalten.

Zunächst steht jedoch am Sonntag (15.30 Uhr/DAZN) ein schweres Auswärtsspiel beim 1. FC Köln in der Bundesliga auf dem Programm.

Titelfoto: Andreas Gora/dpa (Bildmontage)

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