Unions Transferbilanz: Dank Schnäppchen und Max Kruse nach Europa?

Berlin - Der 1. FC Union Berlin mischt die Bundesliga auf. Während Stadtrivale Hertha BSC mal wieder in den Abstiegskampf gerutscht ist, beenden die Köpenicker mit 21 Punkten aus 13 Spielen das Fußball-Jahr 2020 auf einem Europapokalplatz.

Loris Karius ist beim 1. FC Union Berlin nur die Nummer zwei. Der Keeper hat erst ein Pflichtspiel absolviert.
Loris Karius ist beim 1. FC Union Berlin nur die Nummer zwei. Der Keeper hat erst ein Pflichtspiel absolviert.  © Andreas Gora/dpa

Die Eisernen haben das schwierige zweite Jahr in der Bundesliga bislang problemlos überstanden, auch weil die Köpenicker plötzlich Fußball spielen. Das liegt vor allem an einer Verpflichtung: Max Kruse (32)!

Der ehemalige Bremer hat den Abgang vom letztjährigen Topscorer und Zielspieler Sebastian Andersson (29) längst vergessen lassen. TAG24 zieht Bilanz:

Andreas Luthe (ablösefrei)

Die Verpflichtung von Andreas Luthe (33) war praktisch ein Torwarttausch. Weil Rafal Gikiewicz (33) sich mit Union nicht auf eine Vertragsverlängerung einig werden konnte, schloss sich der Pole dem FC Augsburg an. Im Gegenzug wechselte Luthe an die Spree und wurde prompt die Nummer eins. Loris Karius (27) bleibt damit nur die Bank.

Loris Karius (Leihe)

Diesen Wechsel hat sich Karius sicher anders vorgestellt. Der 27-Jährige bringt zwar den Glamour-Faktor nach Köpenick, sportlich konnte er noch nicht von sich reden machen. Erst Ende September verpflichtet, missglückte sein Debüt. Mit der Liverpool-Leihgabe im Tor verabschiedete sich der Bundesligist aus dem DFB-Pokal. Bei den Gegentoren war der Keeper zwar machtlos, viel Eigenwerbung konnte er aber nicht betreiben. Tendenz: Karius bleibt auch den Rest der Saison nur die Nummer zwei.

Robin Knoche ist Unions Dauerbrenner

Stuttgarts Nicolás González (l.) im Zweikampf mit Unions Robin Knoche.
Stuttgarts Nicolás González (l.) im Zweikampf mit Unions Robin Knoche.  © Sebastian Gollnow/dpa

Robin Knoche (ablösefrei)

Mit Robin Knoche (28) ist den Eisernen ein echter Glücksgriff gelungen. Der 1,90 Meter große Innenverteidiger kam ablösefrei aus Wolfsburg und ist DER Dauerbrenner. Der Abwehrspieler hat bislang jedes Pflichtspiel über die volle Distanz absolviert. Auch dank seiner Erfahrung von 196 Bundesligaspielen hat die eiserne Defensive die nötige Stabilität.

Nico Schlotterbeck (Leihe)

Mit den Schlotterbecks haben die Köpenicker schon in der vergangenen Saison gute Erfahrungen gemacht. Keven zog es zurück zum FC Freiburg, Nico Schlotterbeck (21) machte es seinem zwei Jahre älteren Bruder nach und ließ sich nach Berlin ausleihen. Mit seinem Tor sicherte der Abwehrspieler gleich einen Punkt beim Champions-League-Achtelfinalisten Borussia Mönchengladbach, fehlt den Köpenickern nun aber schon verletzungsbedingt seit Monaten.

Niko Gießelmann (ablösefrei)

Der ehemalige Linksverteidiger von Fortuna Düsseldorf, Niko Gießelmann (29), ist bislang keine Konkurrenz für Christopher Lenz (26). Meistens reicht es nur für Kurzeinsätze. Der 29-Jährige stand erst einmal in der Startelf - beim 2:2 beim Aufsteiger VfB Stuttgart.

Max Kruse ist der absolute Top-Transfer des 1. FC Union Berlin

Keita Endo musste bei seiner Startelfpremiere gegen Arminia Bielefeld verletzt vom Platz.
Keita Endo musste bei seiner Startelfpremiere gegen Arminia Bielefeld verletzt vom Platz.  © Maja Hitij/Getty Images Europe/Pool/dpa

Sebastian Griesbeck (ablösefrei)

Mit dem 1. FC Heidenheim 1846 scheiterte Sebastian Griesbeck (30) nur knapp in der Relegation am Bundesliga-Aufstieg. Mit dem Wechsel zum 1. FC Union klappte es aber doch mit dem Sprung ins Oberhaus. Bislang tut er sich in der Beletage aber noch schwer.

Die vergangenen drei Spiele stand der Mittelfeldkämpfer zwar in der Startelf, doch sollte Routinier Christian Gentner (35) wieder fit werden, dürfte es schwer werden, sich in der Zentrale zu behaupten.

Keita Endo (Leihe + Kaufoption)

Neben Max Kruse (32) war Keita Endo (23) einer der spannendsten Transfers im Sommer. Nur die allerwenigsten Fußballfans in Deutschland werden den zweifachen japanischen Nationalspieler auf dem Zettel gehabt haben.

"Er hat großes Potenzial, er kann uns sehr helfen", erklärte Manager Oliver Ruhnert (49) noch im Trainingslager, warb aber noch um Geduld. Rund fünf Monate später ist die Leihgabe (Union hat eine Kaufoption) vom Sprung zum Stammspieler weiterhin weit entfernt, auch weil ihn eine Verletzung zurückwarf. Beim 5:0 über Arminia Bielefeld musste der 23-Jährige bei seiner Startelfpremiere verletzt vom Platz, konnte aber immerhin sein erstes Bundesligator feiern.

Max Kruse (ablösefrei)

Der ehemalige Bremer sorgt zwar auch außerhalb des Fußballplatzes für Schlagzeilen, doch mit Max Kruse ist Ruhnert ein echter Transfercoup gelungen. Kruse, der fast die komplette Vorbereitung verpasst hatte, wurde trotzdem prompt zum Dreh- und Angelpunkt im Spiel der Köpenicker.

Mit sechs Toren und fünf Vorlagen ist er nicht nur der Topscorer der Berliner, sondern stellte auch noch einen Elfmeter-Rekord ein. Erst beim 17. Versuch scheiterte der Linksfuß erstmals vom Punkt, der Nachschuss saß allerdings. Alle anderen 16 Elfmeter in der Bundesliga hatte der 32-Jährige zuvor souverän verwandelt. Fast noch schmerzhafter als die Niederlage im Stadtderby bei Hertha BSC war der Verlust des genialen Fußballers (Muskelbündelriss). Der Angreifer wird Trainer Urs Fischer (54) wohl erst wieder im Februar zur Verfügung stehen.

Taiwo Awoniyi hat schon jetzt mehr Treffer als bei seiner Leihe in Mainz

Taiwo Awoniyi (l.) kommt bei Union immer besser in Tritt. Max Kruse ist mit sechs Toren und fünf Vorlagen der Topscorer der Eisernen.
Taiwo Awoniyi (l.) kommt bei Union immer besser in Tritt. Max Kruse ist mit sechs Toren und fünf Vorlagen der Topscorer der Eisernen.  © Maja Hitij/Getty Images Europe/Pool/dpa, Thilo Schmuelgen/Reuters Images Europe/Pool/dpa

Joel Pohjanpalo

Die nächste Leihgabe: Mit Joel Pohjanpalo (26) hat Fischer nach Nils Petersen den wohl besten Joker der Bundesliga im Kader. Schon beim Hamburger SV hat der Finne gezeigt (neun Tore in 14 Spielen), dass er auch als Stammspieler eine Waffe sein kann. Auch in Köpenick hat er seine Torjägerqualitäten unter Beweis gestellt. In sechs Spielen gelangen ihm zwei Tore - beide jeweils als Joker. Aktuell muss der Goalgetter aufgrund einer Sprunggelenksverletzung noch pausieren.

Cedric Teuchert

Er ist der einzige, für den die Eisernen tatsächlich Ablöse zahlen mussten. Zwei Millionen Euro überwiesen die Hauptstädter für Cedric Teuchert (23) an den FC Schalke 04. Wie Pohjanpalo war auch Teuchert zweimal als Joker erfolgreich. Zuletzt agierte der Stürmer im zentralen Mittelfeld und wusste auch in neuer Rolle durchaus zu überzeugen.

Taiwo Awoniyi

An der Liverpool-Leihgabe Taiwo Awoniyi (23) scheiden sich die Geister. Der Nigerianer hat in elf Spielen zwar schon viermal getroffen, vergibt aber auch immer wieder Großchancen. Allein gegen den FC Bayern München hätte der 23-jährige zwei Tore machen müssen.

Doch Awoniyi ist mehr als nur ein Vollstrecker. Mit dem bulligen Angreifer in der Sturmspitze hat Union einen Spieler, der auch mal einen langen Ball behaupten oder weiterleiten kann. Der Torjäger scheint sich in der Hauptstadt pudelwohl zu fühlen - vor allem dank seines Trainers. Urs Fischer sei wie ein Vater zu ihm gewesen, als er nach Berlin kam.

Titelfoto: Maja Hitij/Getty Images Europe/Pool/dpa, Thilo Schmuelgen/Reuters Images Europe/Pool/dpa, Andreas Gora/dpa

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