Union-Berlin-Blog: Der sichere Außenseiter - der Himmel ist das Limit!

Berlin - Eisern: In einer Personal-Union aus drei waschechten Berliner Fußball-Fan-Originalen gibt es ab sofort bei TAG24 einen Union-Berlin-Blog.

V.l.n.r.: Christian Beeck (50), Jürgen Heinemann (58) und Tobias Saalfeld (54).
V.l.n.r.: Christian Beeck (50), Jürgen Heinemann (58) und Tobias Saalfeld (54).  © Archiv
Die Autoren:

Beecke (Christian Beeck, 50), Ex-Bundesliga-Spieler (Hansa, Cottbus), Ex-Union-Manager, 21 Länderspiele für DDR-Junioren, stammt aus dem eigenen Nachwuchs von Union, lebt heute an der Küste, 2 Kinder und arbeitet als Geschäftsführer bei Energy World.

Icke (Jürgen Heinemann, 58) ist seit 1976 Unioner, als Betriebswirt seit über 30 Jahren im Vertrieb tätig, stammt ursprünglich aus der IT-Branche, verheiratet, 1 erwachsenes Kind, lebt heute in Grünheide - im Speckgürtel Berlins und arbeitet bei Tag24 in Berlin.

Unionfux (Tobias Saalfeld, 54) ist seit über 40 Jahren Unioner, arbeitet als Autor für Bühne, Funk und Fernsehen, war aber auch schon Journalist, Comedian, Veranstalter und Sänger, ist verheiratet und hat 3 erwachsene Ziehkinder, lebt in Berlin.

27. Januar 2022: Der sichere Außenseiter - der Himmel ist das Limit!

Grund zum Jubel. Union steht besser da, als viele gedacht hätten.
Grund zum Jubel. Union steht besser da, als viele gedacht hätten.  © Bernd Thissen/dpa

Unionfux: Jetzt wird es entspannt - und spannend! Entspannt, weil der Klassenerhalt durch ist, selbst für Pessimisten. Und spannend, weil jetzt eigentlich die Kür losgeht - alles ist möglich. Das ist die beste Voraussetzung für Großes - auch, wenn man die Frage stellen muss: wollen bzw. sollen wir Europa? Es gibt Geld und Reputation, aber auch jede Menge Probleme, die Andeutung haben wir in dieser Saison erlebt.

Ungestraft kann kein kleiner Verein international spielen, obwohl der Schaden im Rahmen bleibt - das kostete uns zwischen drei und fünf Punkten, das ist allemal zu verschmerzen. Aber jetzt, da die vierte Bundesligasaison faktisch vor uns liegt (und das schon im Januar) - sind wir weiter der Außenseiter oder gerade dabei, uns zu etablieren? Ich meine, waren wir gegen Gladbach der Favorit oder immer noch der Außenseiter?

Ähm… Okay, jetzt, da wir gewonnen haben, fällt unser Grinsen ziemlich schelmisch aus. Wie ist unser Selbstverständnis; Underdog oder ein ernster Faktor? Nur Bayern München hat seltener verloren als wir...Sicher, es ist sicherer, immer noch aus der Außenseiterposition zu agieren - aber wie lange nimmt man das einer Mannschaft ab, die auf Platz vier liegt? Urs Fischer hat natürlich schon recht: demütig ist jederzeit besser und schlauer, so fliegt man eleganter auf die Fresse. Ich meine, der Big City Club hat vorgemacht, wie man sich blamiert, indem man mehr verspricht als hinterher passiert - Lars Windhorst lässt grüßen.

Corona-Alarm vorm Testspiel: Unions Kevin Möhwald muss in Quarantäne
1. FC Union Berlin Corona-Alarm vorm Testspiel: Unions Kevin Möhwald muss in Quarantäne

Aber uns kann im Grunde nichts passieren: keiner würde auf uns mit dem Finger zeigen, wenn wir im Niemandsland landen. Selbstsicherheit ist gut für eine Truppe, der es ein bisschen an Geschwindigkeit und Technik fehlt, dazu kommen Awoniyi und Schäfer - nur der Himmel ist das Limit. Das werden die interessantesten vierzehn Spiele ever - jetzt kann Geschichte geschrieben werden. Da ist das Ergebnis im Freundschaftsspiel gegen das ehemals große Widzew Lodz (jetzt 2. polnische Liga) Nebensache: 0:0 klingt genauso unspektakulär wie es war. Außerdem wird Wszolek höchstwahrscheinlich bis zum Sommer zu seinem alten Verein Legia Warschau verliehen.

Für eine mögliche Leihe bzw. möglichen Verkauf von van Drongelen, Endo und Abdullahi bleiben noch ein paar Tage - auch das wird spannend. On top noch ein mögliches Pokalhalbfinale, ein bisschen Losglück vorausgesetzt. Na dann, da liegen dreieinhalb Monate vor uns, die es in sich haben und die wir trotzdem ganz zurückgelehnt genießen können - was für ein unfassbarer Luxus! Die kommenden Wochen werde ich ganz in Ruhe ablecken - je süßer, umso besser! Und in Augsburg fangen wir an…

23. Januar 2022: Eine Kruse-Gala bringt uns Platz 4

Icke: Eine Kruse-Gala bringt uns Platz 4. Erst versenkt er sicher wie die Bank von England den Handelfer, um dann kurz vor Schluss alles klar zu machen. Zwischendurch kämpfte er, verteidigte hinten mit und hatte jede Menge kleine Ideen für das Offensivspiel von Union. Ein Kruse in dieser Form ist Gold wert.

Gladbach übernahm das Kommando, kämpfte und erspielte sich Chancen. Aber es hatte sich anscheinend bis zu den Grünen noch nicht herumgesprochen, das Union genau so spielt. Dem Kontrahenten das Mittelfeld und die Initiative zu überlassen. Dazu stehen die Köpenicker kompakt und sicher, wie immer. Und dann gibt es die kleinen Nadelstiche in Form von Kontern. Genauso war's. Da Union das Zentrum massiv verschloss (man wusste, dass die Borussia gern durch die Mitte kommt), versuchte es Gladbach immer wieder über die Außen. Ein paar Mal funktionierte das. Letztendlich gewann Union nicht unverdient, eben weil sie einfach abgezockter waren. BMG hat alles versucht, es hat nicht gereicht.

Langsam aber sicher gehen Vereine, Medien und Moderatoren dazu über, Union als Favoriten zu erklären. Am offensichtlichsten war das vor dem Spiel gegen Hertha zu beobachten. Nur auf welcher Grundlage? Na klar, sie machen das, weil wir einen (nun schon länger anhaltenden) Lauf haben. Geht man aber auf den Kaderwert oder das Budget ein, so liegen wir in Deutschland gerade einmal auf Platz 14. Das zeichnet die Arbeit bei Union umso mehr aus, verbietet aber daraus zu schlussfolgern, wir sind nun außer gegen Bayern und dem BVB immer der Favorit.

Die zweite positive Überraschung, in Gladbach stand Keeper Rönnow im Tor. Er bekam das Punktspiel, weil er im letzten Pokalspiel nicht konnte. Rönnow brachte eine gute Leistung. Und man hat bei ihm nie Angst, wenn wir Rückpässe spielen müssen. Er kann einfach sauber mit dem Ball umgehen. Dafür ist wohl Luthe auf der Linie eine Mü besser. Wohl dem, der so ein Luxusproblem hat!

Heute muss Bayern noch gegen die Hertha ran und ich ahne Übles. Da wird wohl Bayern kaum stolpern und der Graben zwischen den Herthafans und ihrer Mannschaft verdunkelt sich weiter. Gestern „besuchte“ gegen 15 Uhr eine Horde aus der organisierten Ostkurve das sogenannte Geheimtraining der Mannschaft. Man wolle nur „reden“. Na was denn sonst? Hilft das im Abstiegskampf? Ich vermute mal, das macht es noch schlimmer …

Prömels Besuch im ZDF-Sportstudio darf man als gelungene Werbung bezeichnen. Auf die wichtigste Frage, ob er bei Union verlängert, gabs allerdings keine ausreichende Antwort. Allerdings war ihm anzumerken, er fühle sich in Köpenick pudelwohl. Nur wenn dann wieder ein Verein a la Gladbach (Friedrich) oder Leverkusen (Andrich) kommt, kann Union es sich nicht leisten, die Spielergehälter einfach mal zu verdoppeln. Bei Leverkusen wissen alle, das Geld keine Rolle spielt, bei Gladbach wundert man sich schon.

Jetzt gibt es erst einmal eine 2-wöchige Pause, um das es dann am 5.2. in Augsburg weitergeht.

23. Januar 2022: Meister werden wir in dieser Saison nicht mehr…

Die Spieler von Union freuen sich nach dem Schlusspfiff.
Die Spieler von Union freuen sich nach dem Schlusspfiff.  © Bernd Thissen/dpa

Unionfux: Holla, was für ein Schlusspunkt unter einen äußerst erfolgreichen Januar: 7 Punkte und Pokal-Viertelfinale - und das bei drei Auswärtsspielen!!

Wir gewinnen bei Borussia Mönchengladbach, die sind nicht gerade im Aufwind, aber trotzdem eine Mannschaft mit Geschwindigkeit und individueller Klasse: das zeigte sich nicht nur im Pokalachtelfinale beim 5:0 gegen die Bayern.

Unsere Führung durch einen Handelfmeter, den allerdings nur ein paar von unseren Jungs und, zum Glück, der VAR gesehen hat: Max Kruse ohne Angst vorm Elfmeterschreck Yann Sommer, typischer Stoppschritt, Sommer geht nach rechts, Kruse schießt nach links.

Wir überlassen dem Gegner noch mehr den Ball, fahren gelegentlich einen Konter, ansonsten versuchen wir stärker werdende Gladbacher vom Tor wegzuhalten, das gelingt ziemlich gut, ein paar Minuten vor der Pause kann Embolo Knoche narren, Hofmann sieht Koné - und der darf sich viel zu unbehelligt den Ball zurechtlegen und ihn ziemlich gekonnt neben den rechten Pfosten dremmeln, Rönnow, der heute den Vorzug vor Luthe erhält, ist chancenlos.

Bis zum Pausenpfiff macht Gladbach Druck und auch in der zweiten Hälfte hat die Borussia mehr vom Spiel, aber macht nicht allzu viel daraus - insofern ist es schon seltsam, dass man überall hören konnte, Gladbach wäre die bessere Mannschaft gewesen, der Sieg gar unverdient. Union lässt eben sehr wenig zu und es ist nicht so, dass dabei Pfosten und Latte helfen müssen und auch Rönnow wird nicht berühmt geschossen.

Es gibt noch einen kurzen Herzkaspermoment in der 77., als Netz einen vom Keeper abgeprallten Ball aus drei Metern übers Tor lenkt - haben wir Pech, ist das die Führung für die Hausherren, ob wir dann noch was mitnehmen, wer weiß? Aber so flankt Öztunali bei einem der seltenen Vorstöße, den zweiten Ball schnappt sich Gießelmann, passt auf den clever in Hermanns Rücken weglaufenden Kruse und der hat die Schusstechnik, um aus schwierigem Winkel ins lange Eck zu verwandeln.

Am Rande: Kruse jubelt doch tatsächlich, obwohl er mal in Gladbach angestellt war - wohltuend realistisch und ehrlich. Dann gibt es natürlich noch knapp zehn Minuten verzweifeltes Anrennen der Fohlen, aber mehr als ein Wiehern kommt nicht mehr - und es ist wieder mal ganz einfach: im Fußball gewinnt der, der mehr Tore erzielt. Wir sind kampfstark, aufmerksam, verteidigen gut und sind effektiv - damit sind wir wohl kaum die schlechtere Mannschaft, oder? So oder so ähnlich muss man, besonders auswärts, spielen, um den Gegner die Stärken zu rauben und das können wir wie kaum eine Mannschaft der Bundesliga.

Und auch, wenn Urs Fischer rotieren lässt und der mit Abstand beste Torschütze fehlt, ein wichtiger Spieler verkauft wird - die Mannschaft ist und bleibt eine äußerst stabile Einheit, taktisch hervorragend eingestellt. Hurrafußball ist ja ne schöne Sache, aber dazu fehlen uns die Möglichkeiten - und damit würden wir vielen Mannschaften der Bundesliga eine große Freude machen und das kann ja wohl kaum unser Plan sein.

Wie heißt es so schön: der Sturm gewinnt Spiele, die Abwehr Meisterschaften. Ich sag mal, Meister werden wir diese Saison nicht mehr, doch wir mischen kräftig da oben mit.

22. Januar 2022: Stolpert schon der dritte Trainer über uns?

Adi Hütter ist Gladbachs Trainer... noch.
Adi Hütter ist Gladbachs Trainer... noch.  © imago images/Ulrich Hufnagel

Unionfux: Wir müssen an diesem Wochenende zu Borussia Mönchengladbach. Und die sind im Moment wirklich schwer einzuschätzen: auf der einen Seite seit zwei Monaten in der Bundesliga sieglos - wenn man mal vom Auswärtssieg bei Bayern München absieht, der allerdings nur einen coronageplünderten Kader zur Verfügung hatte.

Negative Höhepunkte: die 6:0-Heimniederlage gegen Freiburg und das krachende Ausscheiden im Pokal beim Zweitligazwölften Hannover 96. Haben wir es nun mit einer leichten Beute oder mit einem angeschlagenen Boxer zu tun?

Dass die Qualität des Kaders wesentlich höher anzusiedeln ist als die momentane Tabellenposition, darüber sind sich wohl alle einig. Aber irgendwo steckt gewaltig der Wurm drin und Adi Hütter hat nicht mehr allzu viel Spielraum - sind wir etwa schon wieder für einen Trainer das Zünglein an der Waage? Immerhin stolperten schon Dardai und Marsch über uns…

Bei uns läuft es hingegen wie geschmiert, wir kommen mit dem Schwung und der breiten Brust des Derbysiegs nach Gladbach, jetzt wird es darauf ankommen, ob wir eine sich aufbäumende oder etwa eine resignierte Borussia erwischen. Es wird eine verdammt spannende Bundesligabegegnung vor 750 Zuschauern, für beide richtungsweisend: wird es für die Borussia richtig übel und starten wir weiter nach oben durch oder - aber darüber will ich gar nicht erst nachdenken. Ich sehe uns weiter auf der Erfolgswelle und der Druck liegt nicht gerade bei uns.

Noch nicht mit dabei kann unser Neuzugang Andras Schäfer sein, den wir für eine Million von DAC Dunajska Streda verpflichtet haben - einerseits haben wir im offensiven Mittelfeld immer noch Bedarf an wesentlich mehr Dynamik und Torgefahr (Andrich fehlt uns schon noch ein wenig) und andererseits ist der ungarische Fußballer des Jahres 2021 eine klare Investition in die Zukunft, sowohl sportlich als auch finanziell. Im Moment noch leicht verletzt wird er frühestens nach der zweiwöchigen Bundesligapause ein Thema sein. Ich bin mir sicher: das wird einer - ein absoluter Rohdiamant…

Aber zuerst freuen wir uns auf die Partie tief im Westen, bis auf Awoniyi treten wir in Bestbesetzung an, das wird ein heißer Tanz in Mönchengladbach!

21. Januar 2022: Hallo Andras Schäfer

Andras Schäfer wechselt zu Union Berlin.
Andras Schäfer wechselt zu Union Berlin.  © Matthias Koch / Imago

Icke: Ruhnert macht mal wieder Nägel mit Köpfen und holt den 22-Jährigen ungarischen Nationalspieler Andras Schäfer.

Andras spielt am liebsten auf der 8, kann aber auch die 6 und die 10 ausfüllen. Warum ausgerechnet ihn? So langsam aber sicher erkennen auch die „Erstaunten“ wie Ruhnert und Fischer auswählen. Es zählt zwar vordergründig die fußballerische Qualität, aber eben auch – wie man es bei Andras gut erkennen kann – die Mentalität, Schnelligkeit, Kampfeswille und der Mut.

Wenn der Spieler dann auch noch Teamfähig ist, wie es bei dem Ungarn der Fall ist, dann zahlt Union sogar eine Millionenablöse. In 12 Monaten wundern sich die Fachleute dann wieder, wo Union diesen Spieler entdeckt hat. Natürlich hat Union mit dieser schnellen Verpflichtung 2 Dinge im Hinterkopf.

Zum einen, wie schon erwähnt, die spielerische Qualität zu erhöhen, noch wichtiger aber dürfte sein, einen bereits integrierten 8er im Kader zu haben, falls Prömel seinen Vertrag bei Union nicht verlängert. Schäfer kann haargenau alle Positionen bekleiden, die Prömel auch spielen kann. Nachtigall ick hör dir trapsen ;-) … aber der Kader verträgt auch 2 extra gute und spielerisch begabte offensive Mittelfeldspieler.

Zumal Haraguchi etwas schwächelt. Sprich, die Zukunft kann durchaus Schäfer und Prömel heißen! Gleichzeitig wäre auch der etwas zu alte Stamm-Kader verjüngt. Eine wohl exorbitant gute eiserne Verpflichtung! Sicherlich wird das auch Löw bestätigen, dem Schäfer bei der letzten EM ein Ei ins Nest legte und die zwischenzeitliche ungarische Führung gegen Deutschland herausholte. Eiserne Grüße in die Leserrunde 🙂

20. Januar 2022: Einmalige Chance auf das Finale

Icke: Das hat man selten. Alle Tipper lagen richtig, zumindest mit dem Tipp auf Sieg für Union. Und ich bedanke mich bei allen, die getippt haben.

200 Union-Fans waren zugelassen.
200 Union-Fans waren zugelassen.  © Sören Stache/dpa

War Unions Sieg verdient? Ja er war verdient. Union spielte einfach abgezockter und sicherer. Die ersten 30 Minuten sogar sehr überlegen. Da konnte man Angst um Hertha haben. Typisch Union war auch der Blitzstart. Gleich nach wenigen Sekunden zog Kruse nach Flanke von Heintz auf halblinks gefährlich ab. Kurz darauf hatte Union noch 3 Chancen in einer Szene. Weiß Korkut gar nicht, das Union solche Überfälle liebt? Und genau so entwickelte sich dann das Spiel. Union spielbestimmend und Hertha nervös. Gegen Ende der 1. Halbzeit fingen sich die Blauen wieder und es wurde ausgeglichen. Voglsammers Treffer (nach Kruse-Flanke) zum 1:0 in der 11. Minute aber blieb im Gedächtnis. Diesen Treffer zeigt er seinen Enkeln noch, so schön und technisch anspruchsvoll war er.

In der 2. Halbzeit erlebten die 200 Rot-weißen Fans vor Ort (mehr durften es laut Vorgaben des Senats nicht sein), die die über 2000 Hertha-Fans klar übertönten, ein ausgeglichenes Spiel. Chancen auf beiden Seiten. Das 2:0 Unions ließ nicht lange auf sich warten. Darauf folgten je 1 Tor für Hertha und noch eins für Union - im Minutentakt. So stand es dann in der 55. Minute schon 3:1 für Union, die nichts mehr anbrennen lassen wollten. Das 5 Sekunden vor dem Schlusspfiff – in der 95. Minute – noch das 2:3 fiel, störte nicht mehr.

Ein verdienter Einzug von Union in die nächste Pokalrunde. Der in diesem Jahr eine wohl einmalige Chance auf das Finale bietet. Warum? Bayern, Dortmund und Leverkusen sind alle schon ausgeschieden. Von den 8 übrig gebliebenen Mannschaften kommt dazu die Hälfte aus der 2. Liga. Stadtpokalsieger sind wir jetzt auch noch, neben dem Berliner Stadtmeister, den wir als „Titel“ schon haben... 🙂

20. Januar 2022: Die Pokalüberraschung bleibt aus: Union schlägt Hertha

Unionfux: Da haben wohl alle Unioner richtig getippt (wenn auch keiner das korrekte Ergebnis) - die Pokalüberraschung bleibt aus: Union schlägt Hertha im Olympiastadion und steht im Viertelfinale des DFB-Pokals!

Jubel nach einem nie gefährdetem Sieg gegen die Hertha.
Jubel nach einem nie gefährdetem Sieg gegen die Hertha.  © Sören Stache/dpa

Das Ergebnis schlussendlich zwar knapp, aber trotzdem ohne das große Zittern. Dafür sorgt die schnelle Antwort auf den ersten Anschlusstreffer: Knoche stellt nach hervorragendem Oczipkafreistoß den Zwei-Tore-Abstand wieder her und der prompte Abpfiff nach dem zweiten Tor der Tante.

Wir machen ein typisches Unionspiel, kampfstark, laufstark, weniger Ballbesitz, aber mit schnellem Tor - schon cool, wie Voglsammer Kruses Flanke beinahe unmöglich ins Tor kickt. Hertha hat Glück, dass der Handelfer für uns wegen einer knappen Abseitsstellung zurückgenommen wird, dafür haben wir direkt vor der Pause ebenfalls Glück, dass der Ausgleich für den Gegner wegen einer ebenso knappen Abseitsstellung nicht zählt - so gleicht sich das aus.

Nach der Pause wieder ein schnelles Tor von uns, Stark grätscht eine Öztunaliflanke ins eigene Tor, dann fälscht Khedira den Ball an Luthe vorbei in den Kasten ab - und dann kommt Knoche. Dann spielen wir das eigentlich relativ cool zu Ende und diesmal juckt uns ein Gegentor tief in der Nachspielzeit so gar nicht.

Erstaunlich, wie 200 Unioner Alarm machen in der fast leeren, nichtsdestotrotz ausverkauften Riesenschüssel, da kommen gut zweieinhalbtausend Herthaner nicht mit.

Der Sieg freut uns fraglos gewaltig, aber er wundert uns nicht - alle zehn befragten Unioner hier im Blog hatten das ja auch vorausgesehen. Überraschungen gab es hingegen woanders: St. Pauli schlägt Dortmund, Hannover schlägt Gladbach, gleich vier Zweitligisten im Viertelfinale. Wie wär’s da mit einem bisschen Losglück für uns? Ist doch wohl nicht zu viel verlangt…

Und es gibt noch ein Transfergerücht: Ungarns aktueller Fußballer des Jahres, Andras Schäfer, soll in den nächsten Tagen bei uns unterschreiben, heute war er wohl schon zum Medizincheck in Berlin. Der 22-jährige zentrale Mittelfeldspieler spielt zurzeit in der Slowakei bei DAC Dunajska Streda und ist aktueller Nationalspieler. Klingt gut, klingt nach einer typischen Ruhnertverpflichtung.

Am Wochenende geht’s nach Gladbach, da ist auf jeden Fall was drin. 31 Punkte ist noch nicht der endgültige Klassenerhalt, aber es ist noch keine Mannschaft abgestiegen, die nach 19 Spieltagen 31 Punkte auf der Habenseite hatte: Fakt.

19. Januar 2022: Unioner tippen den Pokal-Kracher

Mittwochabend um 20.45 Uhr sitzen wohl alle Unioner vor dem Fernseher und schauen ARD.

Hertha gegen Union im Pokal wird im Free-TV übertragen. Die Messer sind gewetzt. Aber was passiert denn nun wirklich? Ist Union so gut, wie es die Tabelle aussagt oder ist Hertha eigentlich viel besser?

Daniel Klose ist Teamleiter bei der Autohaus Erkner-Gruppe und ehemaliger Torwart von Union. Er bestritt 14 Spiele in der U19-Bundesliga und galt als großes Torwarttalent. Später kickte er bei Union II und Germania Schöneiche.

Icke: Wie lautet Dein Tipp:

Daniel: 2:1 für Union

Icke: Warum hast Du so getippt?

Daniel: Ich denke, dass Union gelassener bzw. unaufgeregter in das Spiel gehen wird und aus der gewohnt kompakten und sicheren Offensive heraus das 1:0 schießen wird, woraufhin Hertha sich öffnen muss, was Platz für das zweite Tor mit sich bringt. Das Union ein zu Null gegen die starke Offensive der Hertha schafft, glaube ich allerdings auch nicht, weshalb ich mit einem späten Anschlusstreffer der Hertha rechne.

Icke: Hast Du eine der wenigen Karten ergattert?

Daniel: Nein, ich bin aber auch gar nicht auf die Idee gekommen, es zu probieren. Da gibt es viele Menschen in und um Berlin, die es mehr verdient haben, das Spiel live zu sehen.

Icke: Warum glaubst DU, macht Union immer weiter ohne, dass eine (sportliche) Krise in Sicht ist?

Daniel: Ich finde, dass dieser Prozess schon deutlich länger als zwei Jahre geht, nicht erst seit der Zugehörigkeit zur ersten Bundesliga. Man hat es immer genau verstanden die aktuelle Situation richtig einzuordnen und einen Schritt vor den anderen zu gehen. Noch dazu passt Urs Fischer zu dieser Mentalität wie die berühmte Faust aufs Auge.

Weiterhin ist jeder Euro im Etat sauer verdientes Geld, welches mit Bedacht und Konzept ausgegeben wird.

Jetzt tippt Icke

Natürlich möchte ich auch selbst tippen.

Icke: Ich denke, Union gewinnt 4:0

Warum hast Du so getippt?

Icke: Weil noch keiner so tippte ;-), ne Quatsch, ich denke, so wir früh (in den ersten 30 Minuten) 2 Tore vorlegen, bricht Hertha ein. Ich habe es auch nicht verstanden, wie Hertha Cunha und Lukebakio – ohne Not ziehen ließ. Vor diesen zwei hätte ich noch Respekt gehabt …

Hast Du eine der wenigen Karten ergattert?

Icke: Nein. Und ganz ehrlich, selbst wenn 5.000 oder 9.000 im Stadion wären, das ist nicht der Fußball, der mir Spaß macht. Ich erinnere mich an unseren coolen Sieg mit den Toren von Mosquera und Tusche vor voller Hütte, das hat Spaß gemacht!

Warum glaubst DU – macht Union immer weiter und keine (sportliche) Krise ist in Sicht? Trotz Friedrichs Abgang und trotz dem Fehlen von Awoniyi. Und das jetzt schon seit 2 Jahren, wenn man so will. Die meisten alten Unioner haben schon rote Augen, vom ständigen Augenreiben …

Icke: Meine Augen sind knallrot. Im Ernst, manchmal frage ich mich auch, wie das geht. Natürlich sind die führenden Köpfe um Zingler herum die Grundlage. Nicht nur Fischer und Ruhnert, auch Kosche, Lesching und viele andere. Gerade die soziale Ausrichtung des Clubs, verbunden mit Erdung und Bodenhaftung, sind wohl einzigartig in Deutschland. Spricht man mal – gerade mit erfahrenen Unionern – die das schon Jahrzehnte so händeln, wird man überrascht sein. Die erste Bundesliga ist für die meisten gar nicht wichtig. Es ist zwar aktuell cool, lustig und spannend, so viele Etablierte zu ärgern, für Union aber kein Basic! Und trotzdem befürchte ich, wir werden uns in Liga 1 festbeißen. Wir erfüllen einfach zu viele wichtige Grundlagen, um erfolgreich zu sein. Und nein, wir werden uns nicht gegen Erfolg wehren…

Das tippt der Vorstand der Stiftung

Jochen Lesching, Vorsitzender Vorstand Stiftung des 1. FC Union Berlin e.V.:

Icke: Wie lautet Dein Tipp:

Jochen: 1:2

Icke: Warum hast Du so getippt?

Jochen: Wenn Belfodil und Jovetic nicht mitspielen wird es wohl ein 0:2;

Icke: Warum glaubst DU, macht Union immer weiter ohne, dass eine (sportliche) Krise in Sicht ist?

Jochen: Zuerst, weil der 1. FC Union eine sportliche Leitung hat, die sehr viel vom Fußball versteht. Allen voran die Sportfreunde Ruhnert und Fischer. Und zweitens, weil der gesamte Verein geführt wird mit einer weiten Auffassung von Fußball. Fußball erschöpft sich nicht nur mit dem Treten gegen einen Ball. Hinter dem Fußball ist mehr als Fußball und diese Potentiale werden mehr und mehr beim 1. FC Union Berlin entdeckt.

Titelfoto: Bernd Thissen/dpa

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