Max Kruse wird nach Rassismus-Eklat deutlich: "Irgendwo müssen wir anfangen"

Berlin - Max Kruse (33) hat sich erneut besorgt zum Thema Rassismus geäußert und auch an die Politik appelliert.

Olympia-Trainer Stefan Kuntz (58, l.) beim Abschlusstraining mit Max Kruse (33): Unions Topscorer hat sich erneut ausführlich zum Thema Rassismus geäußert.
Olympia-Trainer Stefan Kuntz (58, l.) beim Abschlusstraining mit Max Kruse (33): Unions Topscorer hat sich erneut ausführlich zum Thema Rassismus geäußert.  © Arne Dedert/dpa

Nachdem es in einem Vorbereitungsspiel der deutschen Mannschaft gegen Honduras zu einem Eklat um Olympia-Auswahlmitspieler Jordan Torunarigha (23) gekommen war, veröffentlichte Kruse nun ein fast achtminütiges Video bei Instagram, aufgenommen in seiner Unterkunft im olympischen Dorf von Tokio.

"Ich finde, dass jetzt einfach noch mal der Zeitpunkt gekommen ist, etwas dazu zu sagen und meine Meinung zu äußern", erklärte der Fußball-Profi vom 1. FC Union Berlin.

Er wolle die Beleidigungen, die auch ihn und seine Freundin schon über soziale Netzwerke erreicht hätten, nicht aussprechen, "weil die unter aller Würde und unter aller Sau sind".

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Umso wichtiger sei es aber, dass er seine Reichweite nutzen würde. Allein bei Instagram folgen ihm über 380.000 Menschen. Er habe "das Gefühl, dass der Rassismus eher wieder mehr wird als weniger in den letzten Wochen und Monaten", sagte Kruse.

Max Kruse mit ausführlichem Statement auf Instagram

Das DFB-Team hatte nach den rassistischen Beleidigungen gegenüber Herthas Jordan Torunarigha (23) geschlossen den Platz verlassen.
Das DFB-Team hatte nach den rassistischen Beleidigungen gegenüber Herthas Jordan Torunarigha (23) geschlossen den Platz verlassen.  © Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

"Ich bin mir ziemlich sicher, dass es gegen Rassismus kein Patentrezept gibt, was helfen wird. Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass meine Aussagen jetzt den Rassismus nicht beenden werden", sagte der 33-Jährige.

"Trotzdem bin ich der Meinung, dass jeder für sich selbst Gedanken machen muss, welche Werte er vermittelt und sich Gedanken darum macht, wie man den Rassismus dahin befördert, wo er hingehört: und zwar komplett zerstört", so der Stürmer.

Er sei der Meinung, dass Rassismus grundsätzlich kein politisches Thema sei, sondern eines, das die gesamte Menschheit betreffe. Trotzdem sei es die Politik als höchste Führungsetage, die für Veränderung sorgen könne.

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"Ich frage mich, warum kriegen wir es nicht hin, mehrere Millionen in die Hand zu nehmen, um den Rassismus in irgendeiner Art und Weise zu bekämpfen", sagte Kruse: "Warum kriegen wir es nicht hin, Identity Checks zu machen bei Social Media Apps mit Kommentarfunktion."

So könne anonyme Hetzerei und anonymer Rassismus bekämpft und entsprechend hart bestraft werden. "Man kann ihn sicherlich dadurch nicht beenden, aber irgendwo müssen wir anfangen. Wenn wir nirgendwo anfangen, wird sich auf der Welt auch nichts verändern", betonte Kruse.

Titelfoto: Arne Dedert/dpa

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