Raus mit Applaus: Union Berlin nach bitterem DFB-Pokal-Aus von Fans gefeiert

Berlin/Leipzig - Die Fans des 1. FC Union Berlin haben sich am Mittwochabend bei der bitteren 1:2-Niederlage und dem damit verbundenen Ausscheiden ihrer Lieblinge aus dem DFB-Pokal wieder einmal von ihrer besten Seite gezeigt.

Die Union-Kicker werden nach dem bitteren Pokal-Aus minutenlang von ihren Fans gefeiert.
Die Union-Kicker werden nach dem bitteren Pokal-Aus minutenlang von ihren Fans gefeiert.  © Christian Modla/dpa

Nach dem Last-Minute-Schock gegen RB Leipzig feierten die Unioner ihre sichtlich enttäuschten Kicker minutenlang mit Standing Ovations vor der voll besetzten Gästekurve.

Schon während der Partie peitschten die Anhänger der Eisernen ihre Mannschaft wie üblich frenetisch nach vorn. Nachdem der obligatorische stille Boykott gegen die Roten Bullen nach 15 Minuten beendet worden war, übernahmen die Gästefans deutlich hörbar das Stimmungs-Zepter in der Red Bull Arena.

Und für die Berliner hätte es kaum besser laufen können, denn den erwarteten RB-Sturmlauf konnten sie beinahe mühelos abwenden und sogar selbst in Führung gehen.

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Nach 25. Minuten veredelte Sheraldo Becker (27) eine traumhafte Vorlage von Flanken-König Christopher Trimmel (35) zur nicht unverdienten Führung der Fischer-Truppe.

"Wir waren sehr nahe dran, das Spiel zu gewinnen, wir haben viele Tormöglichkeiten gehabt", analysierte Trimmel den Spielverlauf nach Abpfiff am ARD-Mikrofon.

Sheraldo Becker (27, l.) erzielt die 1:0-Führung für Union Berlin und lässt Peter Gulacsi (31) im RB-Tor keine Abwehrmöglichkeit.
Sheraldo Becker (27, l.) erzielt die 1:0-Führung für Union Berlin und lässt Peter Gulacsi (31) im RB-Tor keine Abwehrmöglichkeit.  © Christian Modla/dpa

Union Berlin verpasst Vorentscheidung und kassiert Ausgleich nach Videobeweis vom Punkt

Andre Silva (26, M.) erzielt den 1:1-Ausgleich für RB Leipzig durch einen sicher verwandelten Elfmeter.
Andre Silva (26, M.) erzielt den 1:1-Ausgleich für RB Leipzig durch einen sicher verwandelten Elfmeter.  © Jan Woitas/dpa

Leider hat der Hauptstadtklub verpasst, das 2:0 nachzulegen. Nach 57 Zeigerumdrehungen hatte Taiwo Awoniyi (24) nach einem Konter die beste Möglichkeit für eine Vorentscheidung liegen gelassen. "Das Ding musst du machen, gegen so einen Gegner", konstatierte der Union-Kapitän, ohne seinem Mitspieler einen Vorwurf zu machen.

Kurz darauf kam es dann, wie es kommen musste, denn nicht umsonst besagt eine alte Fußball-Weisheit: Wenn man die Dinger vorne nicht macht, bekommt man hinten einen rein.

VAR Günter Perl (52) brachte die Leipziger wieder ins Spiel. Nach einem vermeintlichen Foul an Christopher Nkunku (24) blieb die Pfeife von Schiedsrichter Felix Brych (46) zunächst stumm. Nach Ansicht der Videobilder entschied er dann doch auf Strafstoß, den Andre Silva (26) in der 61. Minute sicher in die Tormitte verwandelte.

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Allerdings ist in der Zeitlupe klar zu sehen, dass Nkunku bereits vor dem eigentlichen Kontakt in die Knie geht. Ob in diesem Fall von einer klaren Fehlentscheidung gesprochen werden kann, wie es im Regelwerk des DFB für Eingriffe des VAR vorgeschrieben ist, bleibt ebenfalls zumindest fragwürdig.

Leipzigs Emil Forsberg (30, l.) jubelt nach seinem 2:1-Siegtreffer in der Nachspielzeit. Im Hintergrund schlägt Union-Abwehrchef Robin Knoche (29, r.) sich enttäuscht die Hände vors Gesicht.
Leipzigs Emil Forsberg (30, l.) jubelt nach seinem 2:1-Siegtreffer in der Nachspielzeit. Im Hintergrund schlägt Union-Abwehrchef Robin Knoche (29, r.) sich enttäuscht die Hände vors Gesicht.  © Jan Woitas/dpa

Emil Forsberg setzt Lucky Punch für RB Leipzig in der Nachspielzeit. Fischer: "Tut unheimlich weh"

Union-Coach Urs Fischer (56) hat nach Abpfiff von einer unglücklichen Niederlage gesprochen und seine Spieler für die starke Leistung gelobt.
Union-Coach Urs Fischer (56) hat nach Abpfiff von einer unglücklichen Niederlage gesprochen und seine Spieler für die starke Leistung gelobt.  © Soeren Stache/dpa

In der Folgezeit entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, bei dem beide Mannschaften die Entscheidung suchten, aber natürlich auch Fehler vermeiden wollten.

Das gelang den Eisernen bis zur ominösen zweiten Minute der Nachspielzeit. "Dass du mit dem letzten Angriff dieses Spiel verlierst, tut unheimlich weh", gab Union-Coach Urs Fischer (56) nach Spielschluss zu Protokoll.

Die Verlängerung vor Augen ließ der FCU Benjamin Henrichs (25) von der rechten Seite gefühlvoll flanken. In der Strafraummitte stieg Joker Emil Forsberg (30) hoch und köpfte die Bullen ins Finale.

Damit schwang der Schwede sich erneut zum Pokalhelden auf, denn bereits in der vergangenen Saison setzte er im Halbfinale gegen den SV Werder Bremen den Lucky Punch - damals war sogar bereits die 121. Minute angelaufen.

Am Ende war es also ein einziger Fehler zu viel, der das Pokal-Aus besiegelte, wie Abwehrchef Robin Knoche (29) enttäuscht feststellte.

Auch in Leipzig waren die Fans des 1. FC Union Berlin wie üblich wieder zahlreich vertreten

Union-Kapitän Christopher Trimmel ist "trotzdem sehr, sehr stolz auf die Truppe"

Kapitän Christopher Trimmel (35) hat die 1:0-Führung für Union Berlin mustergültig vorbereitet und nach Spielschluss seinem Stolz über die gute Mannschaftsleistung Ausdruck verliehen.
Kapitän Christopher Trimmel (35) hat die 1:0-Führung für Union Berlin mustergültig vorbereitet und nach Spielschluss seinem Stolz über die gute Mannschaftsleistung Ausdruck verliehen.  © Jan Woitas/dpa

Sein Trainer sprach davon, "unglücklich heute ausgeschieden" zu sein. "Ich glaube, eine Verlängerung hätten wir uns verdient. Die Mannschaft hat den Matchplan wirklich sehr gut umgesetzt. Die Mannschaft hat das toll gemacht, aber am Schluss hat es leider nicht ganz gereicht", bemerkte der Schweizer.

Nichtsdestotrotz kann der FCU aus dieser bitteren Pleite auch etwas mitnehmen: "Wir haben heute gegen einen sehr, sehr guten Gegner gespielt, das darf man nicht vergessen! Ich bin trotzdem sehr, sehr stolz auf die Truppe", lobte Trimmel sein Team und sprach den Union-Fans damit wohl aus der Seele.

Auf eine Möglichkeit zur Revanche muss der 1. FC Union immerhin nicht lange warten, denn bereits am Samstag (15.30 Uhr/Sky) treffen die Teams sich an gleicher Stelle wieder.

Das Pokal-Aus können die Köpenicker freilich nicht mehr wettmachen, jedoch könnten sie der Tedesco-Truppe in Sachen Champions League gehörig in die Suppe spucken und ihre eigenen Europapokal-Ambitionen untermauern.

Titelfoto: Christian Modla/dpa, Jan Woitas/dpa (Bildmontage)

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