Union-Berlin-Blog: Transfer-Spielwiese für die Eisernen

Berlin - Jetzt wird's eisern! In einer Personal-Union aus drei waschechten Berliner Fußball-Fan-Originalen gibt es ab sofort bei TAG24 einen Union-Berlin-Blog. Warum? Das verraten die drei Eisernen lieber selbst...

V.l.n.r.: Christian Beeck (49), Jürgen Heinemann (57) und Tobias Saalfeld (53).
V.l.n.r.: Christian Beeck (49), Jürgen Heinemann (57) und Tobias Saalfeld (53).  © Archiv

Ab jetzt schreiben wir – der Unionfux, Beecke und Icke über Union.

Ne, nicht das, was die Presse berichtet, auch mal ganz andere Themen. Sicherlich stilistisch auch ganz anders und wenn es sein muss, ja auch Kritik-behaftet. Dabei werden wir auch versuchen, dem einen oder anderem ein Lächeln abzuringen. Ob süffisant oder herzhaft, ist dann schon fast egal 😊…

Warum machen wir das? Zum einen kommt uns die Berichterstattung von Union an der einen oder anderen Stelle zu kurz, zum anderen sind es auch nicht immer genau die Themen, die wir eigentlich lesen wollen. Kurzum, wir wollen es besser machen. Dass uns TAG24 dazu die Plattform zur Verfügung stellt, ist einfach toll!

Last-Minute-Treffer schockt Union: "Fühlt sich an wie eine Niederlage"
1. FC Union Berlin Last-Minute-Treffer schockt Union: "Fühlt sich an wie eine Niederlage"

Die Autoren:

Beecke (Christian Beeck, 49) Ex-Bundesliga-Spieler, Ex-Union-Manager, lebt an der Küste, 2 Kinder.

Icke (Jürgen Heinemann, 57) geht seit 44 Jahren zu Union, als Betriebswirt seit 30 Jahren im Vertrieb, verheiratet, ein erwachsenes Kind.

Unionfux (Tobias Saalfeld, 53) schon seit über 40 Jahren Unioner, arbeitet als Autor für Bühne, Funk und Fernsehen, war aber auch schon Journalist, Comedian, Veranstalter, Sänger. Verheiratet, drei erwachsene Ziehkinder.

26. Oktober 2021: Transfer-Gedankenspiele

Baumgartl spielt bei Union eine gute Saison.
Baumgartl spielt bei Union eine gute Saison.  © Harry Langer/DeFodi Images

Icke: Morgen, am Mittwoch, möchten wir gern in Waldhof eine Pokalrunde weiterkommen, am Samstag gegen die Bayern nicht verlieren (das schafften wir in der Vorsaison schon zwei Mal!) und dann kommen die nicht sonderlich gastfreundlichen Holländer und ich bete dafür, das wir denen eine Lektion erteilen! Drei Spiele mit Brisanz und Wichtigkeit.

Habt Ihr gesehen, wie 30.000 Schwaben vor Glück völlig ausflippten, weil ihnen 3 Minuten nach Ende der normalen Spielzeit und Sekunden vor dem Schlusspfiff, durch einen abgefälschten Glücks-Schuss noch ein Punkt gelang, im Heimspiel, gegen Union! Da gleitet ein schelmisches Lächeln durch mein Gesicht. Irgendwann müssen es doch auch die Südländer mal verstehen, sie sitzen mitnichten mehr auf dem Ross, dem hohen. Sie tun aber immer noch so…

Uns kann es egal sein, ein Zwischen-Fazit besagt: 5. Platz in der 1. Bundesliga, im DFB-Pokal und im Europapokal noch vertreten. Wie nennen wir das? Bombe!

Ultras kehren zurück ins Stadion: Vor so vielen Fans darf Union die Bayern empfangen
1. FC Union Berlin Ultras kehren zurück ins Stadion: Vor so vielen Fans darf Union die Bayern empfangen

Über die Holländer verliere ich kein Wort mehr, das haben die Typen gar nicht verdient.

Was passiert bei uns wohl hinter den Kulissen? Ich möchte mal vermuten, Ujah und Abdullahi – beide mit auslaufenden Verträgen – sind mit ihrer Situation nicht wirklich zufrieden. Ich hoffe, auch in ihrem Interesse, man findet zusammen eine Lösung.

Das zweite große Thema sind die auslaufenden Verträge vieler unserer Innenverteidiger. Baumgartl ist nur ausgeliehen und Knoche und Friedrich haben nur Verträge bis zum Sommer. Mit Knoche muss verlängert werden, er ist ein großer Stabilisator in unserer Defensive. Ob wir Friedrich halten können, hängt wohl von der Seriosität anderer Angebote ab. Haut da einer 5 oder 6 Mio. Jahresgehalt in den Ring, sind wir raus. Bei den völlig verrückten Engländern kann das durchaus passieren.

Und Baumgartl? Der spielt eine ganz ordentliche Saison. Und sicherlich sind wir auch bereit, für einen guten Innenverteidiger, der sich bei uns schon integriert hat, eine kleine Ablöse zu bezahlen. Die Betonung hier liegt allerdings auf „klein“. Warum? Ist Union so geizig? Ne! Im nächsten Sommer gibt es enorm viele und sehr gute Innenverteidiger zum Nulltarif auf dem Markt. Ablösefrei wären Rüdiger, Süle, Ginter, Brooks, Herthas Stark, Kempf, Pieper, K. Schlotterbeck, Vogt, Heintz, Beyer, Bauer sowie unser Duo mit Friedrich und Knoche. Alles ablösefreie und deutsche Verteidiger, die mindestens einen Marktwert von 3 Mio. besitzen, also etabliert sind. Den jungen Bielefelder Pieper oder den erfahrenen Linksfuß Heintz aus Freiburg… könnte ich mir ganz prima bei uns vorstellen. Ebenso eine Rückkehr von K. Schlotterbeck. Eine grandiose (und üppig gefüllte) Spielwiese für Ruhnert!

Endo mit 13 Minuten Einsatzzeit (1 Spiel) und Wszolek mit 0 Minuten dürften auch nicht wirklich zufrieden sein. Hier würde – zumindest bei Wszolek – eine Leihe Sinn (Vertragslänge) machen. Vielleicht findet ja auch Endo selbst einen neuen Verein, schnell, trickreich und Nationalspieler ist er ja. Nur für uns scheint es nicht mehr zu reichen. Wir könnten dafür verstärkt auf Kühn (sensationelle 5 Tore plus 2 Torvorlagen in den ersten 6 Spielen), Sanogo, A. Kemlein, Stein und Bruns setzen, die aus einem wiederum guten U19-Junioren-Jahrgang, noch ein wenig herausstechen, sprich die Säulen sind. Wenn es bei uns überhaupt etwas zu meckern gibt, dann ist es die Undurchlässigkeit des Profikaders - aus Sicht der eigenen Junioren. Wann wurde überhaupt ein Eigengewächs bei uns mal Stammspieler? Es sind sehr viele Jahre her...

Freiburg und Union machen einfach Spaß, sie sind – wie die jüngere Vergangenheit beweist – keine Eintagsfliegen mehr. Die 10 Vereine hinter dem Tabellendritten Freiburg und dem Tabellenfünften Union, mit teilweise doppelten (und mehr) Etats sollten sich mal Gedanken darüber machen. Nicht auszudenken, wenn das so bliebe 😉 …

25. September 2021: Am falschen Ende gespart!

Stuttgarts Nikolas Nartey (l.) und Union Berlins Grischa Prömel kämpfen um den Ball.
Stuttgarts Nikolas Nartey (l.) und Union Berlins Grischa Prömel kämpfen um den Ball.  © Silas Stein/dpa

Unionfux: Aaaaaaahh!!! Das ist natürlich der Albtraum für jeden Fussballfan: das zwei-Punkte-klauende Gegentor in allerletzter Minute, absolut unnötig wie ein Kropf, nach einer sehr abgeklärten und souveränen Auswärtsvorstellung, da beißt man in die Tischkante, da brüllt man das ganze Haus zusammen, da bleibt man verzweifelt zurück - okay, kein Weltuntergang, aber eine kleine Katastrophe inklusive Herzkasper.

Wie kann das nur passieren? Eigentlich macht die Mannschaft alles richtig, es stimmt so vieles, kampfstark, laufstark, sicher in der Abwehr, während beim Gegner kaum was zusammenläuft. Taiwo Awoniyi macht Tor Nummer sieben nach starker Vorarbeit von Sheraldo Becker, Stuttgart spielt nach einer knappen Stunde mit einem Mann weniger, Luthe hat nichts zu halten, Union tritt überlegen auf… Warum also fährt man nicht mit drei Punkten mehr im Gepäck zum Pokalspiel nach Mannheim?

Weil man irgendwie am falschen Ende gespart hat: Union versäumt es, die Räume zu nutzen, ein zweites Tor nachzulegen, Kruse wird das gesamte Spiel geschont und dann fällt ein so dämlicher Treffer, auch noch vom eigenen Mann abgefälscht und Stuttgart verdient sich den eigentlich unverdienten Punkt, weil im Fussball nun mal Tore zählen und ein Spiel dreiundneunzig Minuten dauert.

Überlegenheit bringt nicht zwingend Erfolg, das haben unsere Gegner oft genug erfahren müssen, wenn wir effektiv aus wenigen Chancen unsere Tore machten. Und ich werde den Verdacht nicht los, dass wir uns ein wenig zu sicher fühlten, alles schien ja aufzugehen, wozu noch mehr investieren, scheinbar unnötige Risiken eingehen - es reicht ja auch so. Und das tut es dann eben nicht, weil das passiert, was immer passieren kann: da geht die Ordnung in der Abwehr beinahe unerklärlich verloren, die eiskalten Abwehrrecken werden ein einziges Mal zum nervösen Hühnerhaufen, ein bisschen Pech obendrauf und bumms, hat man den Salat, weil man einen halbtoten, dezimierten Gegner überhaupt am Leben gelassen hat, ja, ihn am Ende sogar ein wenig ermuntert hat: vielleicht, vielleicht geht ja noch was…

Was bleibt, ist eine bittere Erfahrung, die man eigentlich nicht braucht, weil sie wohl jeder schon mal gemacht hat. Aber jetzt ist sie wieder schmerzlich frisch und ziemlich teuer bezahlt: eine Führung mit nur einem Tor ist nun mal kein Ruhekissen, sondern permanent dünnes Eis. Okay, okay, das ist schon Jammern auf hohem Niveau mit unseren sechzehn Punkten in der Tabelle und einer im Grunde sehr guten Leistung, fast wie eine Spitzenmannschaft, aber eben nur fast.

Denn das ist schon verdammt schade, Jungs, für euch und für uns - wie gern hätten wir alle breit grinsend den Sonntag ausklingen lassen und jetzt gucken wir ein bisschen dumm aus der Wäsche und dieses Auswärtsunentschieden fühlt sich wie ne Niederlage an… Doch spätestens ab morgen heißt es wieder: Kopf hoch, weiter geht’s! Eisern!!

24. Oktober 2021: Nach Rotterdam fahren und gleich wieder vergessen!

Stuttgarts Tanguy Coulibaly (l.) und Union Berlins Timo Baumgartl im Kopfballduell.
Stuttgarts Tanguy Coulibaly (l.) und Union Berlins Timo Baumgartl im Kopfballduell.  © Silas Stein/dpa

Beecke: Wir haben mal wieder eine ereignisreiche Woche hinter uns. Das Spiel in Rotterdam hat Gottseidank bei unseren Jungs keine Spuren hinterlassen. Die Vorstellung in Rotterdam war etwas dürftig, aber kein Beinbruch.

Die Nebengeräusche dieser Reise jedoch schon. Das widerliche Verhalten unserer holländischen Nachbarn ist ein komplettes Desaster. Wieso so etwas mitten in Europa immer wieder passieren kann, bleibt für mich ein großes Rätsel.

Die Länder kriegen diesen geistigen Schwachsinn einfach nicht in den Griff. Ich hatte ein wenig Sorgen vor dem Spiel gegen Stuttgart, dass die Rotterdam-Reise doch tiefer in den Knochen steckt, als gedacht. Unsere Mannschaft hat das komplette Gegenteil gezeigt und mal wieder eine überragende Leistung gebracht. Gegen eine junge, unerfahrene Mannschaft muss man genau so agieren. Unsere Truppe war von der ersten Minute an voll im Spiel und hatte alles im Griff.

Selbst in der zweiten Halbzeit, wo man denken konnte, dass unsere Kräfte vielleicht schwinden würden, waren wir klar Herr im Haus. Ein großer Wermutstropfen sind leider die 5 Minuten vor Ende der Partie.

Leider ist die Bundesliga in diesem Thema knallhart. Wenn du nicht konsequent bis zum Schluss deine Arbeit erledigst, kann dir so ein bescheidenes Gegentor passieren.

Besonders gefreut habe ich mich über Becker, der Junge hat ein geiles Spiel abgeliefert und scheint zu seiner Form zurück zu finden. HaRa Gucci war ein guter Antreiber dieses Spiels. Und Awoniyi kann scheinbar machen was er will, er trifft halt immer. Urs Fischer hat sehr gut rotiert und unserem Max mal eine Pause gegeben. Denn es kommen jetzt wieder wichtige und anstrengende Spiele: DFB-Pokal, Bayern München, Rotterdam etc. und natürlich unser Spiel des Jahres gegen die Charlottenburger. Es ist eine sehr geile Fußball-Zeit für unseren Verein, lasst uns alles weiterhin genießen. Bis bald Euer Beecke.

22. Oktober 2021: Nach Rotterdam fahren und gleich wieder vergessen!

Etliche Fans wurden nicht ins Stadion gelassen, später kam es zu Gewaltszenen zwischen Polizei und Fans.
Etliche Fans wurden nicht ins Stadion gelassen, später kam es zu Gewaltszenen zwischen Polizei und Fans.  © Robin Utrecht/ANP/dpa

Unionfux: Ja, solche Tage gibt es. Tage, an denen kaum was zusammenläuft und der gestrige Donnerstag in Rotterdam war so einer: angefangen vom klaren Elfer, der nicht gegeben wird nach acht Minuten (kein VAR in der Conference League? Was ist das, Europacup für Arme??), kurz danach geraten wir in Rückstand, dann das unnötige zweite Gegentor nach einem Fehler des sonst so zuverlässigen Knoche.

Immerhin fällt der schnelle Anschluss durch Awoniyi nach butterweicher Trimmelflanke, wir werden stärker und mit ein bisschen mehr Konzentration können wir vor der Pause noch ausgleichen - aber das war eben einer dieser Tage. In der zweiten Hälfte sind wir vorn nicht effektiv und hinten schießen wir erstaunlich viele Böckchen (habe ich so lange nicht mehr gesehen bei uns!), einer davon wird eine Viertelstunde vor Schluss bestraft - das war’s.

Ja, wir können eher froh sein, dass wir nicht noch höher verlieren, in der Nachspielzeit kriegt Feyenoord drei Superchancen innerhalb weniger Sekunden nicht ins Tor.

Okay, einerseits ärgerlich, andererseits auch halbsowild, das kann mal passieren, wir waren nicht so gut drauf und dann gibt’s mal eine vor’n Latz, vorne dünne und hinten schwach, Andreas Luthe war noch der beste Mann. Daraus lernen wir, das erdet nach den drei Siegen in der Bundesliga, Urs Fischer wird da garantiert an den richtigen Stellschrauben drehen - und es ist ja auch „nur“ das Zusatzgeschäft: ganz ehrlich, eine Niederlage in der Meisterschaft tut mehr weh.

Viel schlimmer ist jedoch: zahlreiche Unioner werden gar nicht erst ins Stadion gelassen, weil die Niederländer die Logistik nicht gebacken kriegen, dafür aber einen überharten Polizeieinsatz inkl. Knüppelei und Hundebissen. Das hat doch mal was: da fährt man 700 km durch Europa, um die Jungs im legendären „Kuip“ zu unterstützen, freut sich wochenlang drauf, gibt jede Menge Geld aus und dann kommt man, ganz ohne Begründung, nicht rein und wird obendrein von der Polizei verdroschen, um dann 700 km wieder zurückzufahren. Aus meiner Sicht sowohl unentschuldbar von Seiten der Rotterdamer als auch der dortigen Polizei, kurz, eine ganz miese, ekelhafte Nummer, und die begann sogar schon einen Tag früher, als unsere Vereinsdelegation in der Rotterdamer Innenstadt von feigen Hooligans angegriffen wird.

Bei solchen Nebengeräuschen schießt es einem armdick aus dem Hals und das ist noch stark untertrieben...Und so kann es nur heißen: Rotterdam abhaken, vergessen und nach vorne schauen, in der Gewissheit, dass so ein, in jeder Hinsicht, Dreckstag so schnell gar nicht wiederkommen kann. Das heißt auch: im Rückspiel in zwei Wochen werden wir zeigen, wie man ein guter und fairer Gastgeber ist und zusätzlich unsere letzte Chance in Sachen Europa wahren (auch, weil Haifa zu Hause gegen Slavia Prag gewonnen hat) - jetzt erst recht! Und nun: auf nach Stuttgart - wir haben ein Bundesligaspiel zu gewinnen…

21. Oktober 2021: Fegt diese Kriminellen aus deren Stadion

Die Unioner in einer Trainingseinheit in Rotterdam.
Die Unioner in einer Trainingseinheit in Rotterdam.  © Jeroen Putmans/ANP/dpa

Icke: Ich hatte es befürchtet, ich hatte es geschrieben und es ist geschehen. Böser Überfall Rotterdamer Fans gestern Abend auf unsere Delegation um Zingler und Kosche in einer Rotterdamer Bar. Die doch etwas größere Crew, es waren auch sieben Frauen dabei, konnte Schlimmeres verhindern, als einige instinktiv Stühle als Abwehrschild gegen die Wurfgeschosse der Chaoten verwendeten.

Einer Frau aus der Delegation, die auf Grund eines Schocks ins Krankenhaus musste, geht es inzwischen besser und sie wurde wieder entlassen. Die Bar sah danach wüst aus, zerbrochene Gläser und Flaschen, um geworfene Stühle, das war wie Krieg, es ging um die Gesundheit.

Leider sind die Holländer, speziell die Rotterdamer Fans - genau dafür bekannt. Und ich befürchte, das war nicht der einzige Zwischenfall, den diese Idioten gegen uns anzetteln ...

Jetzt wünsche ich mir erst recht einen satten Sieg unserer Jungs, auch wenn es durch den Friedrich-Corona-Ausfall noch schwerer wird. Unioner fegt diese Kriminellen einfach aus deren Stadion!

18. Oktober 2021: Der tut nicht nur cool, der isses!

Max Kruse bekommt überraschend Besuch.
Max Kruse bekommt überraschend Besuch.  © youtube.com/heyaaron

Unionfux: Bei Youtube gibt’s ein wirklich interessantes Filmchen - ein Youtuber, der irgendwie mit Max Kruse bekannt ist, besucht ihn, nachts um eins, ohne dass der davon weiß - und der öffnet tatsächlich, verschlafen, aber nichtsdestotrotz entspannt und lässt das Team in seine etwas chaotische und teileingerichtete (dabei absolut saubere!) Wohnung und macht in der Folge ziemlich gelassen fast alles mit, ohne im Geringsten schwierig/komisch/peinlich zu werden und zeigt einen ungeschminkten Einblick in das Leben eines Bundesligafussballers der besonderen Art und obendrauf plaudert er ganz locker darüber, was er bei Fenerbahce so verdient hat (wen es interessiert: es waren drei Millionen netto im Jahr).

Ich weiß nicht, mit wie vielen Profis man so eine Nummer hätte abziehen können - viele sind’s unter Garantie nicht. Ich habe nach dem Mainzspiel geschrieben: der tut nicht nur cool, der isses - das kann ich nur nochmal unterstreichen. Ich weiß, wie oft der Begriff „authentisch“ heutzutage verwurstet wird - aber Max Kruse ist so authentisch, dass neben dem Begriff im Lexikon sein Bild stehen könnte. Dabei ist er so wohltuend über- und unterkandidelt, dass man nur so mit den Ohren schlackert. Und wenn man das weiß, dann sieht man seine ganzen Eskapaden, man denke nur an die 75.000 vergessenen Euro in der Plastiktüte im Taxi (und das bei jemandem, der nach eigener Aussage noch nie Alkohol getrunken hat…) und seine Aktivitäten im Social Media-Bereich in einem anderen Licht. Das muss einem ja nicht alles gefallen und man muss auch nicht alles verstehen, aber es fällt dann leicht, das alles zu akzeptieren.

Im ersten Augenblick könnte man ja oft glauben, dass der Junge keine klaren Bilder sieht, aber es ist eigentlich das Gegenteil. Wenn man nur die Anforderungen im Profizirkus bedenkt und all die geschriebenen und ungeschriebenen Gesetze, an die sich gehalten werden muss, dann ist es erstaunlich, wie der da durchgekommen ist, ohne sich zu verbiegen bzw. auch verbogen zu werden oder zu scheitern. Das schafft man nicht ohne klare Bilder, der weiß schon ziemlich genau, was er tut und wenn’s mal 75.000 kostet, steht er dazu - und schämt sich doch ein bisschen deswegen, Gottseidank.Gegen Ende des Beitrags reden sie so ein wenig drüber, ob Max einer der besten Fußballer der Welt ist - er findet, dass er einer der besten Spieler in Deutschland hätte werden können, wenn er sich zielstrebiger, professioneller verhalten hätte, auch das ziemlich reflektiert, jedoch ohne großes Bedauern.

Unbestritten, das Potential wäre schon da gewesen, aber es gehören ja auch noch andere Faktoren dazu, die manchmal die ganz großen Karrieren fördern oder auch verhindern. Weil wir hier gerade darüber diskutiert haben: er wäre (und ist ja immerhin vierzehn Mal) gut genug gewesen für die „Mannschaft“, aber er gehört da eigentlich nicht rein, dazu ist er nun wirklich das krasse Gegenteil von glatt. Alle behaupten zwar, dass man solche Typen sucht und will, aber die Wirklichkeit sieht dann doch anders aus. Und wer weiß, wie gut ein zurechtgestutzter Max Kruse gewesen wäre? Nicht mal im Ansatz, würde ich sagen.

Und so übel ist seine Karriere ja nun wirklich nicht, finanziell wird er sicher saniert sein, ausreichend Spaß hat er on top gehabt (sportlich und privat) und, last but not least, den optimalen Spieler Max Kruse hätten wir Unioner wohl nur von Weitem gesehen und das wäre ja nun mal extra schade gewesen - und zwar für alle Seiten.Oliver Ruhnert hat schon ganz genau gewusst, dass der zu uns passt und wie er auch ihn davon überzeugt, zum Glück, denn Kruse fühlt sich schon sehr wohl bei uns, wir uns mit ihm - möge es noch lange so bleiben.

Keine Frage, es ist immer schwierig, einzelne Spieler so herauszustellen, aber ohne ihn wären wir in dieser Saison ziemlich sicher nicht international unterwegs - und Donnerstag geht es zu Feyenoord Rotterdam. Das wird (schon wieder) ein harter Brocken, doch wir müssen wohl was mitnehmen, wenn wir unsere Chancen in der Gruppe wahren wollen. Mal sehen, wie Urs Fischer rotieren lässt, da ja auch Sonntag schon wieder ein weiteres Auswärtsspiel in Stuttgart ansteht… Ob die hier so besungene Nummer 10 dabei sein kann, ist noch nicht raus - er hat nämlich ein Matschauge, wie er via Instagram zeigt. Aber für Stuttgart sollte es reichen. Sonntag halb acht sind wir schlauer! Und hoffentlich noch glücklicher, als wir es jetzt schon sind...

17. Oktober 2021: Drei Gründe für den Erfolg

Urs Fischer macht offensichtlich alles richtig.
Urs Fischer macht offensichtlich alles richtig.  © Torsten Silz/dpa

Icke: Wat'n los an der Alten Försterei? Ist Union wirklich schon eine Spitzenmannschaft wie Leverkusen oder die Rasenballsport BSG? Den Ergebnissen nach, ja. Dem Etat nach, nein. Also wat den nun?

Wir erwähnten es schon oft, Kontinuität heißt das Zauberwort. Und das meine ich speziell auf das Personal im Hintergrund gerichtet. An den Schnittstellen im Verein arbeiten seit Jahren, oft Jahrzehnten … Leute wie Zingler, Hintze, Kosche, Thieme, Arbeit, Schnell, Koch, Lesching, Ajax, Schlenne, Schmadtke und viele andere.

Bei Union kennt man sie alle, Kunststück, sind sie doch schon gefühlt ein ganzes Leben lang bei Union. Das ist Pfund 1. Pfund 2 sind die schon bekannten taktischen Kenntnisse und Kniffe von Übungsleiter Fischer, sowie die Einkaufspokerspiele ala Ruhnert. Ein drittes Pfund hat Union aber auch noch. Fischer versteht es wie kaum ein anderer Couch, vorhandene Spieler besser zu machen, als sie zu sein glauben.

Beispiele gefällig? Andrich und Friedrich entwickelten sich in einem unheimlichen Tempo und befinden sich zumindest – im ganz großen Blickfeld von Flick. Kruse fand zu alter gewohnter Stärke zurück, die ihn immerhin zum deutschen Nationalspieler machte. Awoniyi hätten wir nie für rund 6 Mio. bekommen, hätten Klopp und Co. schon gewusst, dass er auch am Fließband knipsen kann. Über Trimmel und Luthe müssen wir auch nicht reden, Trimmel schaffte gar mit weit über 30 die Rückkehr ins Nationalteam.

Einer aber hat uns Unioner selbst rechts überholt. Da gaben wir im Sommer noch, die für uns unglaubliche Summe von 3,5 Mio. aus, um Puchacz zu verpflichten, um das dann Gießelmann auf der linken Außenbahn spielt. Tore, Vorlagen, Bissigkeit, Flügelläufe… er zeigt in dieser Saison einfach alles!

Zählt man alle Pfunde zusammen, kompensieren sie die fehlende Penunse – im Vergleich zu den Betriebssportgemeinschaften aus Leverkusen, Wolfsburg, Hoffenheim und Leipzig auf eindrucksvolle Art. Im engsten Tennor-Kreis sieht man Union als Vorbild. Nach zahlreichen deftigen Portionen Lehrgeld (im wahrsten Sinne des Wortes), die man zahlten musste, statt investieren zu können. Analysten meinen, viel von der 374 Mio.-Spritze, sei nach dem Schuldenabbau, Abfindungen und sich in Luft aufgelöste Mio. durch Fehl-Investitionen – nicht mehr übrig. So man nun doch irgendwann ein Stadion baut, wäre wohl alles „durch-investiert“. Wobei wir hier wieder am Anfang des Themas wären, ist Union eine Spitzenmannschaft?

Gestern war Union jedenfalls in Halbzeit 1 den VW-Werken in vielem unterlegen. Aber Union hat gekämpft und hatte in der 2. Halbzeit das Glück des Tüchtigen. 3 Chancen und daraus 2 Tore gemacht, nennt man clever und effizient. Und da im 2. Abschnitt auch die Autobauer nicht mehr zulegten, war der Sieg am Ende sogar verdient.

Und wer schlussendlich noch irgendwelche Zweifel hatte, warum Hertha Lukebakio zu VW schickte, der bekam die Antworten beim Union-Spiel. Lukebakio blieb mehrmals, so ihm etwas komisch vorkam oder er verwundert war, einfach mal stehen und schaute zu. Mit deutschen Tugenden hatte das nichts mehr zu tun. Der deutsche Nachwuchs hat es sowieso schon schwer genug, Einsatzzeiten zu bekommen, ich denke wir benötigen in Kürze wieder eine Quote. Es rutschen einfach viel zu viele Talente durch, weil sie einfach nicht spielen!

Eine weitere Stunde der Wahrheit wartet am Donnerstag auf Union in Rotterdam. Der Europapokal ist zwar nicht ganz so wichtig wie die Bundesliga, aber er bringt Geld, Image und macht Spaß! 😊 Fußballherz, was willst Du mehr. Aber Vorsicht liebe Unioner! Lasst Euch von den Holländern nicht provozieren. Genau dafür sind sie bekannt. Wir wollen ein cooles Spiel, eine fröhliche Party und einen gelungenen Ausflug. Und wenn wir sogar mit mehr als 0 Punkten nach Hause fahren, umso besser!

Eiserne Grüße von Icke 😊

16. Oktober 2021: Ganz abgezockt die Radkappe zerschrammt!

Jubel nach dem Sieg.
Jubel nach dem Sieg.  © Matthias Koch/dpa

Unionfux: ​Bravo, Union!! Genauso macht man das - einen Gegner mit ganz klaren Vorteilen in Sachen Budget, Kader, Technik und Geschwindigkeit kaum zur Entfaltung kommen lassen, auf die seltenen Chancen warten und dann eiskalt zuschlagen! Sicher gab es in der ersten Hälfte das nötige Glück: bei Lukebakios Hundertprozentigen (danke, Pfosten!) und Philipps Fünfundachtzigprozentigen und keiner wirklichen eigenen Chance obendrein, da war das 0:0 zur Pause schon optimal und ließ wenigstens alle Möglichkeiten für die zweite Hälfte, die sich ja inzwischen mehr und mehr zu unserer besseren Hälfte entwickelt…

Kurz nach Wiederanpfiff dann die beste Kombination der gesamten Partie über Friedrich und Ryerson auf Kruse, der das Kopfballanspiel beispielhaft und kruselike verarbeitet und dann weiterleitet auf Haraguchi, der spielt sofort Awoniyi an und unser Knipser läuft perfekt und tunnelt den Wolfsburger Keeper, schon das sechste Tor von Taiwo, damit hat er schon jetzt seine letzte Saison übertroffen, wenn das so weitergeht...

Das ging schnell, entschlossen und sauber, Wolfsburg ohne Chance bei seiner ersten dicken Schramme auf der Radkappe. Dann macht der VfL mächtig Druck, wir kommen kaum aus der Abwehr, aber das disziplinierte Verteidigen hat die Mannschaft vom langjährigen Innenverteidiger Fischer fraglos gelernt, da machen alle mit und vereiteln die beste Chance des gerade eingewechselten Wout Weghorst (unvergessen seine letztjährige Klage über unseren schlechten Zerstörerfussball, tja, Wout, tut uns nicht leid), Eisvogel Luthe ist heute nicht zu überwinden. Aber wirklich gefährlich wird Wolfsburg nicht, auch wenn ein Gegner mit soviel individueller Klasse ja immer für ein Tor gut ist.

Und wieder bleiben die Jungs bei allem Stress geduldig und wach und dann ergibt sich auch die Gelegenheit zur Entscheidung: Awoniyi lässt Lukebakio abprallen (im wahrsten Sinne des Wortes), spielt auf Voglsammer, der sich sehr schön durchsetzt und butterweich auf Becker flankt - und dessen entschlossenen Kopfball kriegt Casteels erst hinter der Linie, zack, wieder hat die Goldene Hand von Urs Fischer zugeschlagen und zwei Einwechsler machen den Sack zu - vielleicht gewinnt die Bank ja doch nicht immer, aber immer öfter.

Die zweite Schramme ruiniert die grün-weiße Radkappe vollkommen, die verbleibenden rund zehn Minuten werden ziemlich souverän erledigt, Becker hat sogar noch die Möglichkeit auf das dritte Tor - doch es reicht auch so! Eine schlussendlich konzentrierte Leistung, eine hohe Effektivität (nur drei Schüsse aufs Tor!) und eine taktisch clever eingestellte und leidenschaftliche Truppe bringen den fünften Platz und sehr geschmeidige fünfzehn Punkte nach acht Spieltagen.

Nachdem Bayern am letzten Spieltag und Frankfurt diesmal zu Hause verloren hat, sind wir die zu Hause am längsten ungeschlagene Mannschaft in der Bundesliga!! Das war der optimale Auftakt in den Ochstober und das, wie ich finde, Bemerkenswerteste passiert ganz am Rande: der 1. FC Union schlägt den VfL Wolfsburg absolut verdient und abgezockt mit 2:0 und Presse, Funk und Fernsehen ist nicht die Spur verwundert darüber, mittlerweile ist das scheinbar business as usual... Das nenne ich mal "Angekommen 2.0"! Eisern!!

15. Oktober 2021: Das Thema nicht totschweigen

Würde Kruse auch das DFB-Team verstärken?
Würde Kruse auch das DFB-Team verstärken?  © Torsten Silz/dpa

Icke: Ne ne ne … wir sind doch nicht egoistisch! Natürlich wäre die Nationalmannschaft für Kruse eine zusätzliche Belastung, aber eine schöne! Nicht zu vergessen, Kruse will und wäre glücklich damit. Hier darf man den Motivationsschub nicht vergessen, den so eine Nominierung auslösen würde. Ich weiß doch auch, das es unrealistisch ist. Hier tickt Flick ähnlich wie Löw. Aber man soll das Thema auch nicht totschweigen, jedenfalls ist Flick mit den Worten angetreten, bei ihm spiele nur die Leistung und keinesfalls das Alter eine Rolle.

Und wenn ich die Antrittsgeschwindigkeit außen vor lasse, natürlich hat hier ein Adeyemi einen Vorteil, so fällt mir dahinter nichts mehr ein, wo ein Max Kruse hinten an stehen sollte. In der Laufleistung steht er nach dem Kicker aktuell auf Platz 5 bei Union, was nicht wirklich schlecht ist. Gehört Union doch zu den stärksten Mannschafen, rein läuferisch betrachtet. Seine überraschenden Ideen und Pässe in die Tiefe und zwischen die Schnittstellen der Gegner, da macht ihm so schnell keiner etwas vor, auch nicht im Kreis der Nationalspieler.

Tue Gutes und sprich darüber: In Kürze feiert die Union-Stiftung ihren 5. Geburtstag. Was dort in der kurzen Zeit entstand, ist beispielgebend. Mit dem Leader Jochen Lesching an der Spitze – inzwischen auch schon 79, aber aktiv wie manch Jüngerer nicht - entstand hier etwas ganz Großes. Unzähligen Leuten wurde schon unbürokratisch geholfen, Rolli-Fahrer wurden auf Auswärtstrips begleitet, soziale Projekte organisiert und das neuste … sind die Bolzplätze, die entweder neu entstehen oder restauriert werden. Tag24 wird die Union-Stiftung hier tatkräftig unterstützen, in dem sämtliche Beiträge über Union mit dem Artikel-Banner der Stiftung beflockt werden. In der Hoffnung, das die Gemeinde der Union-Stiftung immer größer wird!

Mein Tipp für das Wochenende, Union gewinnt 2:1 gegen Wolfsburg 😊 … Torschützen sind Kruse und Awoniyi.

12. Oktober 2021: Was für ein Ochstober!

Sieben Spiele in 22 Tagen warten auf die Berliner. Ob es viel zu Jubeln gibt?
Sieben Spiele in 22 Tagen warten auf die Berliner. Ob es viel zu Jubeln gibt?  © Torsten Silz/dpa

Unionfux: Am Samstag geht’s los: um 15.30 Uhr beginnt gegen den VfL Wolfsburg der erste Teil der Ochsentour 2021 - sieben Spiele in 22 Tagen, vier Bundesligaspiele, zweimal Europacup und ein Pokalspiel, da bleibt eigentlich keine Zeit zum Luft holen, das ist der Fluch der drei Hochzeiten.

Eine Nagelprobe par excellence, da wird sich zeigen müssen, wie die Mannschaft mit der hohen Belastung umgeht, wie man eventuelle Misserfolge wegstecken kann und inwieweit der breite Kader hilft. Eine derartige Belastung ist jedenfalls in der Uniongeschichte ohne Beispiel, soweit ich mich erinnern kann.

Und dann, nach der Länderspielpause (die ja keiner so recht leiden kann, hier aber höchst willkommen ist), folgt gnadenlos Teil 2: mit acht Spielen in vier Wochen, das knallt.

Ich denke, dass die Priorität dabei klar sein wird: die Pokale sind das Kompott, aber zuerst muss der Bundesligateller aufgegessen werden - und da sieht’s ja bis jetzt ziemlich gut aus. Sollten wir den bisherigen Schnitt halten können, hätten wir zur Winterpause 29 Punkte - es wäre traumhaft. Aber ich weiß natürlich, dass Urs Fischer solche Zahlenspiele nicht schätzt, genauso wie Journalisten, die uns (nach sieben Spieltagen...) auf neuerlichem Europakurs sehen.

Gut, dass er die Dreifachbelastung aus seiner Zeit beim FC Basel kennt, er wird wissen, was auf die Jungs zukommt und wie er darauf reagiert: Plan A bis D ist da bestimmt schon entworfen. Ich gebe zu, mein Vertrauen in unseren Trainer ist ziemlich grenzenlos, das hab ich alter Skeptiker in über vierzig Jahren Union so noch nicht empfunden, wir hatten einige gute Trainer, aber Urs ist schon weit vorn. Nichtsdestotrotz gibt es eine Menge Unwägbarkeiten, ganz wichtig: sind unsere Schlüsselspieler den Anforderungen gewachsen und bleiben sie verletzungsfrei? In diesem Zusammenhang möchte ich den Träumen meines verehrten Kollegen Icke ganz klar widersprechen: Kruse in der Nationalmannschaft? Das fehlte noch. Wir brauchen ihn dringender, oder? Und er braucht die Verschnaufpausen.

Doch ich sehe ihn ohnehin nicht bei Hansi Flick: vielleicht vom Spielverständnis und vom genialen Pass, aber Geschwindigkeit und Kondition sind dann doch nicht mehr so ganz optimal - und das ist keine Kritik, nur eine Feststellung. Interessant und entscheidend wird auch sein, ob jetzt die "Stunde der Verschmähten“ schlägt, die sich ja im Testspiel gegen den FC St. Gallen nicht gerade mit Ruhm bekleckert haben?

Wäre doch schön, wenn uns da der eine oder andere den Gießelmann macht und den plötzlichen und ein bisschen unerwarteten Durchbruch schafft! Kandidaten gibt’s genug, Chancen hoffentlich auch. Ich bin momentan sowohl voller Vorfreude (Union satt ist immer gut!) als auch etwas nervös, so wie vor ner Prüfung. Der Herbst 2021 wird anstrengend für uns alle, ob er golden wird, werden wir sehen. Also, nochmal: am Samstag geht’s los, endlich! Und drei Punkte gegen die starken Wolfsburger wären doch ein prima Anfang…

10. Oktober 2021: Sollte Kruse in das DFB-Team?

Würde Kruse auch das DFB-Team verstärken?
Würde Kruse auch das DFB-Team verstärken?  © Torsten Silz/dpa

Icke: Oh Schreck, alle lieben jetzt Union. Was waren das noch für schöne Zeiten – zu DDR-Zeiten – da rümpfte man über Union die Nase. Die Rowdys und die Rüpel aus Berlin kommen wieder … wir waren weder sonderlich beliebt (in Genossen-Kreisen schon gar nicht), noch mochten uns Eltern, Mütter und Lehrer.

Das war der Zauber zu Ost-Zeiten, auch mal ein kräftiges „Die Mauer muss weg“ brüllen zu können, da war die heutige Alt-Herren-Riege um 16 Jahre herum. Heute findet meine (fast) 80-jährige Mutter Union sympathisch (das war mal ganz anders), meine Nachbarn, auch Ende 70, finden Union cool und im Kollegenkreis ist das genauso, egal aus welchem Teil der Republik sie kommen.

Angst und Schrecken verbreiten wir definitiv nicht mehr, höchstens noch mit Leistungen und Vereinsliebe und natürlich mit unseren schönen und ausdauernden Kehlköpfen. Egal, auch diese Seite, wenn auch neu, besitzt etwas Schönes 😊 …

Und wenn man sich aktuell nicht über Union freuen kann, weil durch die Länderspiele eine Pause herrscht, gut dann freuen wir uns über Jogi, äh ne, is' ja jetzt der Hansi. Diese Wachablösung war überüberfällig! Löw hat es schlicht versäumt, auf seinem Höhepunkt, nach dem WM-Titel abzutreten. Alles danach war nur noch Käse. Und sind wir mal ganz ehrlich, mit dieser damaligen „Goldenen Generation“ um Schweinsteiger und Co., wäre auch der Busfahrer als Trainer - Weltmeister geworden, wahrscheinlich …

Hansi Flick konnte bisher überzeugen. Auch, wenn alle seine Gegner nicht aus der ersten Garde stammen. Aber … man erkennt eine Linie, ein Konzept. Nur das Problem des fehlenden Mittelstürmers konnte auch er bislang nicht lösen. Was man bisher von Adeyemi sehen konnte, macht ja durchaus Mut. Er oder T. Müller sollten Deutschlands Spitze spielen (bzw. sich abwechseln). Werner ist zentral viel zu aufgeregt, auf den Außenpositionen spielt er klar besser. Selbst ein Max Kruse würde zentral besser aussehen. Eigentlich hätte er sich die Nationalmannschaft auch wieder verdient. Gerade beim letzten Länderspiel hätte uns so ein Fuchs und verdeckter Passgeber sehr helfen können. Hansi hörste - Kruse muss auch wieder mitkicken! Dann gewinnst Du auch mal gegen einen starken Gegner 😉…

Für unsere Kicker stehen jetzt 2 knallharte Auswärtsspiele an. In Stuttgart und in Holland. Aber immer wenn wir denken, da ist nichts zu holen, dann holen wir 😊 … ich hoffe diese Regel stimmt weiterhin, weil realistisch betrachtet, gibt’s für uns an beiden Auswärtsorten keine Punkte. Mit Kruse und Awoniyi – beide in Topform – ist allerdings vieles möglich.

Eiserne Grüße an alle!

8. Oktober: Ein ziemlich albernes Ritual

Berlins Mannschaft jubelt nach dem Tor von Taiwo Awoniyi, nur er nicht.
Berlins Mannschaft jubelt nach dem Tor von Taiwo Awoniyi, nur er nicht.  © Torsten Silz/dpa

Unionfux: Neulich, beim Auswärtssieg in Mainz war es sogar dreimal zu beobachten: es wird nicht gejubelt, wenn man gegen einen ehemaligen Arbeitgeber einen oder gar mehrere Treffer erzielt - daran hielten sich, ganz brav und mit großer Ernsthaftigkeit, auf der einen Seite Marcus Ingvartsen und auf der anderen Taiwo Awoniyi.

Letzterer machte sogar ein besonders betroffenes Gesicht, als hätten ihn die 05er mit der Flasche aufgezogen oder ihn als Alleinerben eingesetzt, da macht er den ersten Doppelpack in der Bundesliga, schießt nebenbei den hundertsten Treffer seines aktuellen Vereins in der höchsten Spielklasse und dann kann er das nicht mal feiern - wer hat sich das nur ausgedacht?

Man muss ja nicht ausgelassen herumspringen, großartige Jubelarien zelebrieren, sich vor den gegnerischen Fans produzieren - aber ein wenig Begeisterung über den eigenen Treffer wäre ja wohl niemandem übelzunehmen. Respekt vor dem ehemaligen Klub, na gut, aber die demonstrativ unterdrückte Freude könnte man ja auch als respektlos gegenüber dem jetzigen Klub sehen, oder? Alle freuen sich, nur der Hauptakteur nicht?

Den Vogel diesbezüglich schoß meines Erachtens vor einiger Zeit Marcel Hartel ab, dem im Januar 2019 für unseren Verein gegen den 1. FC Köln ein grandioser Fallrückzieher zur Führung gelingt, wahrscheinlich eines der schönsten Tore seiner Karriere - und das erste, was ihm dazu einfällt, ist ein striktes Abwehren jeglicher Freude, seine Mannschaftskameraden feiern und beglückwünschen ihn und Hartel wirkt wie ein angestrengter Fremdkörper in der Jubeltraube, beide Unterarme starr nach oben gerichtet…

Nun muss man dazu wissen, dass dieses Nichtjubeln, beinahe überall zu beobachten, keine Tradition hat, nein, es ist eine Marotte der Zweitausender Jahre. In den Jahrzehnten davor wurde gejubelt, was das Zeug hielt, wenn man ein Tor erzielt hatte und wenn’s der Exklub war, konnte der Jubel gar noch heftiger ausfallen, so a la „Die wollten mich ja nicht mehr und jetzt sehen sie, was sie davon haben…“

Ich weiß beim besten Willen nicht, wer als erster diese eigentümliche und demonstrative Auffassung von Respekt hatte, warum es sich in der Folge so verbreiten konnte und sich mittlerweile jeder Spieler peinlich genau daran hält, als wäre es ein ungeschriebenes Gesetz. Ich finde es ein ziemlich albernes Ritual, sogar noch alberner als das geradezu zwanghafte Ausziehen des Trikots, was häufig bei besonders wichtigen Treffern zu beobachten ist und für das sogar die genauso alberne Gelbe Karte in Kauf genommen wird, das sind dann gleich zwei Beklopptheiten in einem…

Also bitte: freut euch, meinetwegen dezent, aber freut euch so gut es geht, denn Freude über eine gelungene Aktion, über den Sieg der eigenen Mannschaft ist doch der logischste und ehrlichste Impuls der Welt und den sollte man nicht negieren. Am vergangenen Sonntag konnte sich zumindest Marcus Ingvartsen ein kurzes Lächeln über sein Tor nicht verkneifen - und auch wenn mich der Rückstand schmerzte, verdenken konnte ich es ihm nicht, ganz im Gegenteil.

7. Oktober 2021: Seine Meinung wird man ja wohl noch sagen dürfen

Sheraldo Beckerbeim Testspiel gegen FC St Gallen.
Sheraldo Beckerbeim Testspiel gegen FC St Gallen.  © imago images/Contrast

Beecke: Liebe Union Gemeinde, was für eine Woche. Wir konnten nach langer Zeit wieder einen Auswärtssieg genießen. Ganz besonders hat mir gefallen, dass die Mannschaft nach einer eher schwierigen ersten Halbzeit in der zweiten Halbzeit herausragend Fußball gespielt hat.

Trainer Fischer hat mit einer kleinen Umstellung die Mainzer komplett auseinander genommen. Max Kruse ein wenig tiefer in der Angriffsformation zu setzen war eine Top-Entscheidung. Hier konnten wir sehen, welchen großen Blick unser Trainer und das Team dahinter für ein Spiel besitzt.

Das war Fußball, bei dem das Herz mal richtig lacht.

Leider gab es ein echt uncooles Thema in den vergangenen Tagen. Der Antisemitismus-Vorfall zeigt wieder einmal, dass unsere Gesellschaft weiterhin völlige Dumpfbacken produziert. Es ist einfach schauderhaft, was wir in dieser Lebenssituation ständig erleben dürfen. Ich denke, es ist auch nur die Spitze des Eisbergs. Die Gesellschaft, in der wir zu Hause sind, ist einfach nicht in der Lage, dafür Sorge zu tragen, dass solche Ideologien nicht mehr vorkommen.

Interessant finde ich viele Meinungen zu dem Vorgang Sheraldo Becker. Der Spieler hat sich aus meiner Sicht nicht beschwert. Der Spieler hat einfach seine Meinung gesagt. Er ist halt unzufrieden und möchte mehr Fußball spielen. Dafür ist er übrigens nach Köpenick gekommen. Er will Fußball spielen und nicht auf der Bank sitzen. Jeder hat das Recht seine Meinung zu sagen ohne dabei den anderen respektlos zu behandeln. Sheraldo Becker hat solide reflektiert ein Gespräch zu seiner Situation geführt. Ich finde das völlig okay. Wenn man in diesem Geschäft tätig ist, muss man das aushalten.

Viel wichtiger ist, diese Meinung aufzunehmen um mit dem Spieler gemeinsam die Situation zu verbessern. Sheraldo Becker wird aus meiner Sicht noch ganz wichtig werden. Zumal er erst wieder Fitness Rhythmus benötigt um Leistung zu zeigen. Für Länderspielpausen habe ich übrigens wenig übrig, sie bringen meinen Bundesliga-Rhythmus durcheinander.

Ich liebe es jeden Samstag um 15.30 Uhr Bundesliga zu schauen oder im Radio die Berichterstattung zu hören. Gerade in den Zeiten, in denen ich als Scout für unseren Verein tätig war, konnte ich viele Kilometer am Samstag Nachmittag auf den deutschen Autobahn verbringen. Die Bundesliga-Konferenz hat mir sehr geholfen. Sabine Töpperwien hat einiges dazu beigetragen. In diesem Sinne, Euch allen ein stressfreies Wochenende!

6. Oktober 2021: So etwas funktioniert selten und schon gar nicht bei Union

Sheraldo Becker will mehr Spielzeit.
Sheraldo Becker will mehr Spielzeit.  © imago images/Matthias Koch

Unionfux: Das war ja früher oder später zu erwarten, bei einem 30er Kader und da ist er, der erste Unzufriedene, der sich an die Presse wendet: Sheraldo Becker fordert energisch mehr Spielzeit ein.

Das kann man schon nachvollziehen und allein seine herausragende Schnelligkeit sind fraglos ein bemerkenswertes Alleinstellungsmerkmal, aber solche öffentliche Klagen von Spielern funktionieren eher selten und schon gar nicht bei Union.

Was Becker nun wirklich erreichen will und wird, mehr Spielzeit oder seinen Transfer zu einem anderen Verein, das werden wir wohl erst in der Winterpause wissen. Bei Becker, der noch einen Vertrag bis 2023 hat, muss man ohnehin spätestens im Sommer entscheiden: verlängern oder verkaufen, denn jemanden von seiner Qualität ablösefrei ziehen zu lassen, wäre natürlich suboptimal. Und unweigerlich drängt sich die Frage auf, wer als Nächstes mit der Gesamtsituation unzufrieden sein wird: der Fluch eines großen und relativ ausgeglichenen Kaders.

Nun hat die zweite Reihe natürlich ein Problem: der Erfolg gibt Trainer Urs Fischer momentan absolut recht. Andererseits ist, bei allem Erfolg, in unserem Spiel auch noch reichlich Luft nach oben, also hat die zweite Reihe schon das Recht zu drängeln, und ganz ehrlich: wenn die Akteure, die nicht oder wenig spielen, zufrieden wären, wäre das ja auch nicht richtig. Das alles zu moderieren, wird eine Herausforderung für Urs Fischer sein - und am Ende werden trotzdem nicht alle glücklich sein.

Aus meiner Sicht sehe ich momentan nur Friedrich, Knoche, Kruse und Awoniyi zu 100% als Stammspieler und nahezu unersetzlich. Die restlichen sieben Plätze stehen, mehr oder minder, zur Diskussion. Schwieriger Luxus.

Mal sehen, wie der Trainer in den bevorstehenden englischen Wochen rotieren will und kann. Die Gelegenheit ist da, ich kann mich kaum an eine ähnliche Belastungsprobe, sieben Spiele in drei Wochen, in den letzten Jahren erinnern, obendrein müssen wir mit der Tatsache klarkommen, dauerhaft Spieler zu Länderspielen abstellen zu müssen. Langweilig wird es nicht beim 1. FC Union...

3. Oktober 2021: Was für eine schöne Premiere

Jubel vor den mitgereisten Fans.
Jubel vor den mitgereisten Fans.  © Torsten Silz/dpa

Unionfux: Premiere! Zum ersten Mal auswärts ein Spiel gedreht! Zumindest in der Bundesliga. Dabei sieht es in der ersten Hälfte nicht so wirklich danach aus, Awoniyi vergibt eine Riesenchance vorm Tor, nach Vorlage von Kruse. Ja, auch das ist Awoniyi… Sonst passiert nicht soviel, bis Haraguchi einen Ball im Vorwärtsgang unnötig verliert, in die ungeordnete Abwehr gehen Onisiwo und Ingvartsen und ausgerechnet unser ehemaliger Spieler tut uns weh, so gehen wir in die Pause, mit einem mulmigen Gefühl, denn Union dreht selten Spiele in der Bundesliga und auswärts noch gar nicht.

Aber irgendwann ist ja immer das erste Mal: Awoniyi vergibt noch eine weitere Großchance, doch dann setzt er sich, an der Abseitsgrenze lauernd, nach tollem Pass von, na von wem wohl, Max Kruse sehr gut durch und macht den Ausgleich, ein bisschen aus dem Nichts und gleichzeitig unseren hundertsten Bundesligatreffer!

Vier Minuten später fast eine Kopie des ersten Treffers, Behrens verlängert einen langen Ball auf Awoniyi und wieder behauptet der den Ball, schießt ihn an Zentner vorbei in die lange Ecke - das Spiel ist gedreht! Und Taiwo Awoniyi hat wieder mal bewiesen, dass er beides sein kann: Chancentod, aber eben auch eiskalter Knipser! In den letzten fünfundzwanzig Minuten ziehen wir uns zurück, überlassen Mainz das Spiel und es beginnt ein wenig das Zittern - wir haben ja die Hand auf den drei Auswärtspunkten und dann will man die auch nicht mehr hergeben! Mainz hat schon noch ein paar Möglichkeiten, die beste durch Onisiwo, aber unsere resolute Abwehr und der aufmerksame Luthe lassen einfach nichts mehr zu, die Gelb-Rote für den Mainzer Kohr in der Nachspielzeit ist eher eine Randnotiz und dann nehmen wir tatsächlich drei Punkte aus Mainz mit, vielleicht nicht schön, aber letztlich effektiv, kampf- und laufstark sowieso.

So geht eine perfekte Acht-Tage-Woche zu Ende, drei Punkte in Europa, sechs Punkte in der Liga, jetzt kann man in der Länderspielpause immer mal zufrieden auf die Tabelle gucken, zwölf Punkte nach sieben Spieltagen sind schon ein Pfund, wir liegen absolut im Soll. Die Mannschaft kann und muss jetzt ein bisschen Kraft tanken, denn dann stehen sieben Spiele innerhalb von gut drei Wochen an, ein heftiges Pensum, das wir jetzt aber ziemlich selbstbewußt und gut gelaunt angehen können. Ach, und noch eins: bei seiner Auswechslung wird Kruse von Mainzer Fans übel beschimpft und mit vollen Bierbechern beworfen und was macht der? Zuckt noch nicht mal, grinst äußerst gelassen und auch später beim Interview macht er kein großes Ding draus - das nenn’ ich mal souverän, der tut nicht nur cool, der ist es auch. Eisern!

2. Oktober 2021: Haben wirklich Union-Fans Juden beleidigt?

Haifa-Fans zeigen auf der Tribüne israelische Flaggen, im Stadion soll es zu antisemitischen Beleidigungen gekommen sein.
Haifa-Fans zeigen auf der Tribüne israelische Flaggen, im Stadion soll es zu antisemitischen Beleidigungen gekommen sein.  © Matthias Koch/dpa

Icke: Zum Donnerstag-Abend-Spiel ist (fast) alles gesagt worden. Lange nicht mehr durfte ich mir ein so relaxtes Spiel meiner Mannschaft anschauen. Nie hatte man das Gefühl, es könnte etwas schief gehen. Und das ohne Luthe, Baumgartl, Kruse und Awoniyi! Unser 2. Sturm bestätigte uns, wir haben viele gute Stürmer in dieser Saison.

Besonders Behrens machte grandios Ballett, er traf, bereitete vor und war stets gefährlich. Der Kerl muss erst 30 werden, um die Saison seines Lebens zu spielen, unglaublich!

Einige Medien (auch TAG24) berichteten von Vorfällen gegen jüdische Zuschauer. Meine Meinung zu Vorwürfen dieser Art, erst einmal Vorsicht walten lassen. Warum? Zum einen, so ist meine Erfahrung, muss man erst einmal prüfen, ob das überhaupt Unioner waren. Sich einen Schal und eine Eintrittskarte kaufen, besagt noch gar nichts. Es wäre nicht das erste Mal, das uns andere schaden wollen und das bewusst organisieren. Fragt mal in Dresden nach, die können ein Lied davon singen. Deren größte Rabauken sind meist gar keine Fans von DD! Zum anderen war das gestern Abend kein Kick in der 2. Kreisklasse. Warum einige jüdische Fans nicht in ihrem eigenen Fan-Block standen, sondern sich mitten unter die Unioner mischten, wird auch ihr Geheimnis bleiben. Dann taten sie es.

Die „Ergänzung“ 😉 von Beecke zu unserem Etat ist richtig. Einen Mini-Etat haben wir wohl nicht mehr. Bochum, Fürth und mit Einschränkungen Bielefeld sollten noch kleinere Etats haben. Mainz ist auf Augenhöhe (die haben 84 Mio. aktuell, wir etwas weniger) mit uns. Das war es dann aber auch schon. Wobei man bei vielen Vereinen Besonderheiten beachten muss. Zum Beispiel hat Bielefeld, immer wenn es eng wird, seinen „Club der Multi-Millionäre“ rund um die Garry-Weber-Gruppe. Augsburg hat seine amerikanischen Investoren in der Hinterhand und so weiter. Einigen wir uns auf einen (immer noch) kleinen, aber grundsoliden Etat. Das sollte es treffen. Was uns wohl in der Branche sympathisch macht, ist die Tatsache, dass wir seit vielen Jahren skandalfrei und Skonto-ziehend bezahlen. Um es auf den Punkt zu bringen, seit Zingler das Sagen hat und Kosche sich um die Lizenzierung kümmert, gehen wir einen geraden Weg.

Und was machen wir in Mainz? Mainz hat letzte Woche in Leverkusen knapp 0:1 verloren. Davor zu Hause 0:0 gegen Freiburg gespielt. Die letzte Tendenz von Mainz sagt, sie schießen wenig Tore, fangen sich aber auch wenig Tore ein. Ich bin mir sicher, einen Punkt holen wir. Läuft es gut, können es auch 3 Punkte werden.

Ich möchte immer mal wieder „kneif mich mal sagen“. Sind wir das? Ist das Union? Die – die schon wieder in der ersten Tabellenhälfte der ersten Bundesliga mitspielen, die - die im Europapokal spielen, die – die solide Finanzen haben, die – die jetzt über 40.000 Mitglieder haben…? Kann man nicht immer glauben, es ist aber in der 3. Saison Realität. Erfolg kann auch unheimlich sein…

1. Oktober 2021: Jetzt kommt ein harter Brocken

Urs Fischer rotiert in seinem Team effektiv und erfolgreich.
Urs Fischer rotiert in seinem Team effektiv und erfolgreich.  © Andreas Gora/dpa

Beecke: Guten Morgen liebe Unioner und die, die es hoffentlich bald sind!

Unsere Truppe hat schon wieder geliefert. Es ist atemberaubend, was dieses gesamte Team auf die Fahrbahn bringt.

Der intensive Fight am vergangenen Samstag gegen Bielefeld, die klare und eindeutige Art und Weise gegen Haifa, sowie der Gesamtauftritt der Mannschaft in den vergangenen Tagen zeigt sehr deutlich, wie intakt das Gesamtkonstrukt der Profi Mannschaft funktioniert.

Trotz der personellen Umstellung in der Sommerpause konnte eine stabile Achse gehalten, beziehungsweise ergänzt werden. Auch hier haben bisher alle Entscheidung ein positives Gesamtbild. Unsere Erfolgsgeschichte geht somit immer weiter.

Was dabei nicht vergessen wird, ist unser Nachwuchs. Wir bauen ein neues Nachwuchsleistungszentrum mit allen Strukturen die dafür notwendig sind, eine solide Basis zu finden, um eigene Talente zu entwickeln. Wir wissen alle, dass hier die größte Identifikation für unseren Verein zu Hause ist. Daher freut mich besonders, dass das Land Berlin sich daran beteiligt und ein Zeichen in die gesamte Stadt sendet.

Am kommenden Wochenende müssen wir nach Mainz. Aus meiner Sicht ist es ein richtig harter Brocken. Ich bin gespannt, wie wir die körperliche und geistige Fitness ins Spiel bringen können. Urs Fischer rotiert aus meiner Sicht sehr Sinn behaftet und wird auch in Mainz eine schlagfertige Truppe aufs Feld schicken. Auch in Mainz haben wir große Chancen, das Spiel zu gewinnen oder einen Punkt mitzunehmen. Wenn die Mannschaft ihre Stabilität in der taktischen Ausrichtung sowie in diesem dynamischen Zweikampfverhalten beibehält, bin ich mir sicher, dass wir am Bruchweg was mitnehmen.

Eine Anmerkung möchte ich noch zu Ickes Hinweis geben, dass wir einen Mini-Etat hätten. Ich glaube, wir haben uns in diesem Bereich sehr gut entwickelt und gehören nicht mehr zu den kleinsten Etats dieser Liga. Wir haben eine solide finanzielle Basis und die dürfen wir auch darstellen. Das gehört in einem immer engeren Wettbewerb dazu. So wissen alle Beteiligten, dass unser Verein auch finanziell eine gute Adresse ist.

1. Oktober 2021: Die Stimmung in der Truppe ist bestens

Abklatschen nach dem deutlichen Sieg.
Abklatschen nach dem deutlichen Sieg.  © Andreas Gora/dpa

Unionfux: Europa, da sind wir! Und da wollen wir auch bleiben, das erste Heimspiel der Gruppenphase in der Europa Conference League gegen Maccabi Haifa war eine klare Angelegenheit, drei Stürmertore sorgten für ein glattes 3:0.

Frederik Rönnow im Tor, der sein erstes Pflichtspiel im Uniondress absolvierte, hatte einen ziemlich ruhigen Abend, während die Angriffsreihe in der ersten Hälfte stetig anlief und nach einer guten halben Stunde war es dann soweit: der durchlaufende Behrens bediente nach einer abgewehrten Flanke Voglsammer und der drückte den Ball entschlossen über die Linie.

Und direkt nach der Pause wuchtete Behrens selbst einen Trimmelfreistoß per Kopf gegen drei Verteidiger in die rechte Ecke - und ab da konnte Union relativ entspannt das machen, was es am liebsten macht, nämlich dem Gegner den Ballbesitz überlassen und auf Gelegenheiten lauern. Becker mit einem schönen Schuss an den Außenpfosten und kurze Zeit später dann mit einer sauberen Flanke auf den gerade eingewechselten Awoniyi, der den Ball direkt hoch in den Winkel setzte - das war’s im Groben, danke, reicht. Kruse konnte ohne große Probleme geschont werden und blieb gleich ganz auf der Bank, es ging auch so, denn Zweifel am so wichtigen Pflichtsieg (der nebenbei eine halbe Million Euro einbringt!) gab es nicht einen Moment. Ja, er hätte sogar noch höher ausfallen können, doch der gute Joshua Cohen, der israelische Fussballer des Jahres der vergangenen Saison, hielt, was irgendwie zu halten war, gegen Möhwald, Trimmel und Puchacz. Sicher, Haifa war zwar engagiert, aber weitgehend ungefährlich gegen die abgeklärte Unionabwehr, so mussten wir nicht volle Kraft gehen, sondern konnten mit Umsicht die Dinge in die richtige Richtung schubsen und Kräfte sparen, soweit das eben möglich war, das war auch der Plan und der ging bestens auf.

Die restlichen Gruppenspiele, zweimal gegen Feyenoord und die Revanche gegen Slavia, dürften wohl nicht ganz so leicht werden, aber darum kümmern wir uns, wenn's soweit ist: am 21. Oktober geht’s erstmal nach Rotterdam, als Gruppenzweiter. Gut zu wissen, dass Voglsammer und Behrens mittlerweile weit mehr als eine Alternative darstellen, Ausfälle wie Baumgartl und Jaeckel kompensiert werden können und auch Kruse mal eine Pause einlegen kann. 23000 feierwütige Unioner machten aus der seltsamen Betonschüssel abermals einen roten Hexenkessel und sorgten gemeinsam mit der Mannschaft für einen gelungenen Europacup-Auftritt. Den Schwung des Sieges nehmen wir jetzt mit nach Mainz, um da weitere Punkte für den Klassenerhalt (oder mehr!) zu sammeln. Die Stimmung in der Truppe ist bestens, das war unübersehbar, so soll es sein und ich glaube, auch Urs Fischer war zufrieden mit der konzentrierten Leistung seiner Jungs - jetzt heißt es freuen, abhaken und auf nach Mainz: eisern!

28. September 2021: Noch ist Polen nicht verloren

Tymoteusz Puchacz (r.) klatscht im WM-Spiel gegen England mit Teamkollege Lewandowski ab.
Tymoteusz Puchacz (r.) klatscht im WM-Spiel gegen England mit Teamkollege Lewandowski ab.  © imago images/East News

Unionfux: Ja, der Stoßseufzer der Erleichterung nach dem Pflichtsieg gegen Bielefeld war ziemlich laut und allgemein, nun kann man doch entspannter auf die kommenden Spiele schauen, denn die werden nicht gerade leicht.

Zunächst kommt der große Unbekannte, Maccabi Haifa, in die Ausweichspielstätte. Die Wenigsten von uns haben wohl ein Auge auf die Ligat ha’Al (so heißt das israelische Pendant zur Bundesliga) und deswegen fällt es schwer, die Stärke der Israelis einschätzen.

Haifa ist zwar amtierender Meister, aber es gibt im Kader eigentlich keinen Spieler, der einem hierzulande bekannt sein dürfte. Aus solchem Holz sind allerdings oft die unangenehmsten Gegner geschnitzt, das wird ein heißer Donnerstagabend. Es muss nämlich schon ein Sieg her, wenn wir unsere Chancen auf ein Weiterkommen wahren und nicht schon vorzeitig zum europäischen Mauerblümchen verkommen wollen.

Und drei Tage später müssen wir nach Mainz und die 05er sind seit der Verpflichtung von Trainer Bo Svensson auch wieder zum harten Brocken geworden - und außerdem haben die kein Spiel unter der Woche… Da ist es natürlich gut, dass wir einen ziemlich großen Kader haben. Ich könnte mir vorstellen, dass einige Spieler ein wenig geschont werden, ich denke da an Trimmel, Kruse und auch Luthe, vielleicht bekommt gegen Haifa Rönnow ja mal eine Chance, sich zu zeigen, zu wünschen wäre es ihm.

Dabei fällt auf, dass so einige Neuzugänge noch gar keine Rolle gespielt haben, ja, zumeist noch nicht mal im Kader standen: van Drongelen, Wszolek, Oczipka und auch Puchacz, der nur international ran durfte. Oczipka wird noch konditionelle Rückstände haben, denn er hatte ja eigentlich keine richtige Saisonvorbereitung, aber bei den anderen drei überrascht das doch ein wenig.

Zudem sind, außer Puchacz, die genannten Spieler auch nicht für die Conference League gemeldet worden. Ein bisschen früh, um von Transferflops zu reden, aber ein paar Fragezeichen sind da schon, immerhin ist Puchacz polnischer Nationalspieler und Wszolek zuletzt mit Legia Warschau zweimal Meister geworden. Natürlich ist mir bewusst, dass ja nur elf bzw. sechzehn spielen können und es im Moment nicht so wahnsinnig viel Grund gibt, durchzuwechseln. Vielleicht ergibt sich ja spätestens im DFB-Pokal bei Waldhof Mannheim die Möglichkeit, die eine oder andere Variante mal auszutesten (und beim Freundschaftsspiel gegen den FC St. Gallen nächsten Mittwoch sowieso): noch ist Polen nicht verloren - und Holland nicht in Not!

Also, auf in die nächsten beiden Spiele, hier fast schon vorentscheidend, da eine weitere Gelegenheit, sich im behaglichen Mittelfeld der Liga festzusetzen. Ich bin da ganz zuversichtlich, dass uns sowohl das eine als auch das andere gelingt: eisern!

27. September 2021: Plötzlich haben wir fünf gute Stürmer

Berlins Kevin Behrens (2.v.r) jubelt nach seinem 1:0 Treffer mit Teamkollegen Sheraldo Becker (l-r), Niko Gießelmann, Rani Khedira, Genki Haraguchi und Marvin Friedrich (r).
Berlins Kevin Behrens (2.v.r) jubelt nach seinem 1:0 Treffer mit Teamkollegen Sheraldo Becker (l-r), Niko Gießelmann, Rani Khedira, Genki Haraguchi und Marvin Friedrich (r).  © Andreas Gora/dpa

Icke: Holla die Waldfee, wir sind wieder solide in der Saison. Und das im dritten Jahr und mit unserem Mini-Etat. Plus erstmaliger Europapokal-Teilnahme nach langer Zeit.

Unglaublich was Zingler, Kosche (der wird oft vergessen, ist aber ein ganz wichtiges Rädchen im Union-Kosmos), Ruhnert und Fischer in Köpenick zelebrieren. Ganz solide Kaufmannsarbeit, garniert mit fußballerischen Überraschungen und Emotionen pur.
Warum stelle ich das an den Anfang? Dieser Sieg gegen Bielefeld war so unendlich wichtig. Gegen einen direkten Kontrahenten und gegen den Abstieg. Für das Selbstbewusstsein und für einen ruhigen Herbst.

War es ein schönes Spiel? Nö! Aber spannend und mit einem coolen Szenario. Mal wieder wechselt Fischer mit Becker und Behrens den Sieg ein. 2 Minuten vor Schluss leitet Becker einen Kruse-Pass zu Behrens und der hämmert aus kurzer Distanz die Lederkugel unter die Latte. Eine Minute später hämmert Behrens noch einmal aus der Distanz und gegen das Holz.
Neben der Tatsache, dass wir jetzt relaxt den beginnenden Herbst zu Ende spielen können, gibt es 2 neue Erkenntnisse:

Nach der bösen Verletzung von Baumgartl (Alles Gute!) gehen uns langsam, aber sicher die Manndecker aus, neben den eingesetzten Innenverteidigern haben wir dann nur noch van Drongelen in Reserve.

Am Saisonanfang dachten alle, wir haben mit Kruse und Awoniyi zwei gute Stürmer. Jetzt wissen wir, wir haben fünf gute Stürmer. Neben den zwei Genannten, bringen Woche für Woche, Voglsammer, Behrens und Becker, starke Leistungen.
Also haben wir auch mal wieder Zeit zum Stadtnachbarn rüber zu schmulen. Ach du dickes Ei, Hertha-Fan zu sein, macht grad` gar keinen Spaß. Nach den 5 Dingern aus München, waren es nun 6 in Leipzig. Ohne Gegenwehr, ohne relevante Laufleistung, ohne Emotion.

Was machen die Charlottenburger? Können vor lauter hunderter Millionenbündel in den Hosentaschen kaum geradeaus laufen und liefern solche Leistungen ab? Laut Sportbild soll Bobic auch bei Terzic angefragt haben, bringt ja auch kaum Unruhe in den Verein, so man (halb-)öffentlich schon mal einen neuen Trainer sucht… Mann, Mann, Mann… ich gehöre noch der alten Generation Ost-Berliner an, die früher jedes Spiel der Hertha (auch als Unioner) verfolgt hat. Und sich freute, als 1990 beim Freundschaftsspiel über 50.000 Unioner und Herthaner – durchgemischt – auf den Rängen eine tolle Party feierten.

Mit Dieter Hoeneß begann der Untergang dieser Freundschaft. Er erkannte wohl als Erster, dass Union irgendwann ein Kontrahent sein wird und blockte so ziemlich alles, was als sinnvolle Zusammenarbeit angedacht wurde.
Kurzweilig ist es ja derzeit, schon am Donnerstag ist wieder Europapokal. Hertha freut sich schon wieder riesig auf ein rotes Olympiastadion ;-) und wir auf ein tolles Spiel gegen die Israelis`. Urlaub für Unioner… sozusagen 😊 !

26. September 2021: Merci BeBe!

Torwart Stefan Ortega (r) von Arminia Bielefeld pariert den Schuss von Berlins Sheraldo Becker.
Torwart Stefan Ortega (r) von Arminia Bielefeld pariert den Schuss von Berlins Sheraldo Becker.  © dpa-Bildfunk

Unionfux: Ende gut, alles gut, so kann man das wohl sagen, denn das Spiel selbst machte doch wenig Freude, zu fahrig, zu ideenlos, zu unterspannt, zu langsam, zu oft die falsche Entscheidung - zwischendurch konnte man schon verzweifeln, der Bielefelder Keeper Ortega war bei den seltenen Chancen auch kaum gefordert.

Da hatte der wieder sichere Luthe schon etwas mehr zu tun, Glück und Können verhinderten ein mögliches Tor der munter mitspielenden Bielefelder. Dazu der Schock der schweren Verletzung von Timo Baumgartl, der regungslos im Strafraum lag - Erleichterung machte sich nach dem Spiel breit, als Christian Arbeit die schlimmsten Sorgen dahingehend nehmen konnte, Baumgartl hat eine schwere Gehirnerschütterung, aber es geht ihm den Umständen entsprechend gut - komm schnell zurück, Timo!

Die Einwechslungen von Behrens und Becker brachten dann den dringend benötigten Schwung in die Partie, aber die Zeit lief unerbittlich davon - etwa schon wieder ein 0:0? Sicher, weiterhin zu Hause ungeschlagen, zum zwanzigsten Mal hintereinander, aber das wäre doch ein ziemlich mageres Jubiläum geworden. Doch dann pflückte Kruse kurz vor Ultimo einen weiten Ball kruselike runter, bediente Becker, der erst clever den Ball abschirmte und dann Behrens einsetzte und wie der aus schwierigstem Winkel um den Verteidiger den Ball unter die Latte prügelte, entschädigte für alles, was vorher war: der erste Bundesligatreffer von Kevin Behrens war ein geiles, ein grandioses, ein goldenes Tor - denn das war der so ersehnte und vehement geforderte Sieg.

Und Behrens hatte noch nicht genug, schade, dass sein satter Schuss eine Minute später, wieder nach Zusammenspiel mit Becker, nur die Latte traf: der Junge war heiß, der wollte, der fackelte nicht lange - der kann und wird uns noch viel Freude machen (irgendwie fühle ich mich an Bülter erinnert…).

Das Tor musste ich mir unweigerlich noch ein Dutzend mal online reinziehen und schon habe ich beinahe vergessen, dass es bessere, souveränere, unterhaltsamere Siege gibt, die Punkte sind auf dem Konto, dank der Matchwinner Becker und Behrens: merci, BeBe!

Eins wollte ich aber noch anmerken: die Spielunterbrechung von Baumgartl dauerte sechs Minuten, wenig später musste Friedrich noch eine weitere Minute behandelt werden und die Nachspielzeit der ersten Hälfte betrug - vier Minuten! Haben Bundesliga-Schiedsrichter keine Uhr oder können sie nicht rechnen? Viel zu oft sind die Nachspielzeiten ein großes Rätsel - kann man so etwas im Grunde Simples nicht besser und nachvollziehbarer lösen? Denn auch diese Minuten können ja spielentscheidend sein. Es gibt den VAR und das Hawk Eye und den vierten Offiziellen - ein Riesenbrimborium und dann entscheiden die Schiris die Nachspielzeiten irgendwie so frei Schnauze nach Lust und Laune ausm Bauch raus? Für mich absolut unverständlich und ärgerlich. Glücklicherweise spielte das heute schlussendlich keine Rolle - da waren nur die drei Punkte wichtig und zack, da sindse: ein erleichtertes Eisern!

23. September 2021: Ein Weltmeister mit einem Union-Vertrag

Thomas "Icke" Häßler war kurze Zeit ein Unioner. 2017 war er im RTL-Dschungelcamp.
Thomas "Icke" Häßler war kurze Zeit ein Unioner. 2017 war er im RTL-Dschungelcamp.  © RTL

Icke: Zum Bielefeld-Spiel ist (fast) alles gesagt. Wir müssen gewinnen, um einen sorgenfreien Herbst mit Union zu genießen. Kämpfen, kratzen, beißen und Fußball SPIELEN. Für das Letztgenannte ist unser Unterschiedsspieler Max Kruse – zumindest in der Hauptsache – verantwortlich. Hat Kruse geniale Ideen, funktioniert auch das Team vorzüglich.

Hatten wir eigentlich schon einmal einen wie Kruse? Ja, aber nur für ganz kurze Zeit und ohne, dass es die meisten wussten. Präsident Zingler wollte im Winter der Saison 03/04 genauso wenig absteigen, wie alle anderen Unioner. Und traf sich mit Thomas Häßler auf dem damaligen Flughafen München. Dass Dirk überzeugend von Union schwärmen kann, ist bekannt 😊 … lange Rede, kurzer Sinn, ziemlich schnell landete die Unterschrift von Häßler auf dem Union-Vertrag. Ich freute mich riesig auf das Zusammenspiel von Super-Techniker Häßler und Sturm-Kämpfer Steffen Baumgart. Wer weiß, vielleicht wäre Union nicht abgestiegen? Häßler hätte sich in Köpenick unsterblich machen können. Lieber Icke, ich bin sicher, Du siehst das heute auch als Fehler, oder? Und Du würdest heute immer noch in der Traditionself – an der Seite von Tusche und Gebhardt – jedes Jahr im Januar beim Hallenturnier… vom Union-Mob abgefeiert werden. Schade drum! Und warum gings schief? Immer wenn sich Dritte einmischen, geht’s schief. Der damalige Berater (keine Namen) von Icke Häßler versprach ihm, er besorgt Häßler einen dicken Vertrag in der 1. Bundesliga. Und Icke hat's geglaubt. Union hatte keinen Bock auf Streit (obwohl er unterschrieben hatte) und Icke Häßler wartete und wartete und wartete… auf seinen dicken Bundesligavertrag. Ist natürlich nichts geworden, war alles heiße Luft und letztendlich landete Icke in Österreich. Aber wer macht schon alles richtig im Leben, ihm sei heute – 17 ½ Jahre später – verziehen …

Warum nennt man mich eigentlich „Icke“. In früheren (und schlankeren) Jahren kickte ich mit Vorliebe in der Halle. Das lag mir und liebte ich. Dabei muss ich wohl des Öfteren kurze Haken geschlagen haben und das erinnerte Andere an Icke Häßler. Dass ich diese Haken-Schlager wie Häßler und Littbarski mochte, ist ein offenes Geheimnis 😊 …

Und ja, ich habe Union vorher gefragt, ob ich diese schöne alte Geschichte erzählen darf, man hatte nichts dagegen …

22. September 2021: Bleiben wir zwanzig Heimspiele lang unbesiegt?

Heimspiel-Atmosphäre: Die Alte Försterei wird beben.
Heimspiel-Atmosphäre: Die Alte Försterei wird beben.  © imago images/Nordphoto

Unionfux: Das kommende Heimspiel gegen Arminia Bielefeld ist ein harter Brocken und das in mehrfacher Hinsicht: beinahe jeder erwartet einen Sieg, verständlich, gerade nach dem 5:0 in der letzten Saison - und wir sollten ohnehin mittlerweile den Anspruch haben, die Bielefelder hinter uns zu lassen. Ein Sieg wäre fürs Selbstvertrauen enorm wichtig und für die Tabelle erst recht, das sind die Spiele, die man gewinnen muss, um nicht nach unten blicken zu müssen.

Jedoch sind die Ostwestfalen ziemlich unangenehm zu bespielen, sie haben in der bisherigen Spielzeit erst einmal verloren und dabei nur fünf Tore kassiert. Und Union hat zudem Schwierigkeiten, das Spiel zu machen gegen vermeintlich schwächere Gegner, das sah man deutlich im Pokal gegen Türkgücü, im Rückspiel gegen Kuopio und zu Hause gegen Augsburg - zu wenig Druck, zu wenig Ideen aus dem Mittelfeld, zu wenig Geschwindigkeit - der Ballbesitz als eine Bürde.

Das Mittelfeld mit den Neuzugängen Öztunali, Haraguchi, Khedira konnte bis jetzt noch nicht wirklich überzeugen, da muss einfach mehr kommen, bei all ihrer Bundesligaerfahrung und ihren Möglichkeiten müssen sie das Spiel öfter an sich ziehen, die Initiative ergreifen, etwas riskieren.

Gut, die Saison ist ja noch jung, so schnell sollten wir den Stab nicht brechen, noch stehen alle Neuen unter Welpenschutz. Aber warum sollte nicht gerade gegen Bielefeld der Knoten platzen? Und auch das kann gar nicht oft genug gesagt werden: am Sonnabend könnten wir zwanzig!! Heimspiele in Folge unbesiegt sein und das in der Bundesliga! Im gleichen Zeitraum trifft das nur noch auf Eintracht Frankfurt und den FC Bayern zu, eine unfassbare Bilanz, die Alte Försterei als eine Festung. Das ist ein Pfund, da ist die Brust breit, Urs Fischer wird seine Schlüsse aus den letzten Spielen gezogen haben und die Mannschaft will nach knapp vier Wochen endlich wieder gewinnen. Obendrein hat der große Kader bewiesen, dass er nach Einwechslungen nochmal mächtig Wirbel machen kann, wenn’s sein muss. Am Samstag muss die Arminia von Anfang an spüren, wer Herr im Haus ist, Erinnerungen an das letzte Jahr dürfen da durchaus hochkommen, da war die Begegnung schon zur Halbzeit entschieden. Das wird bestimmt nicht einfach werden und ich rechne auch nicht mit einem hohen Sieg, aber schlussendlich mit einem klaren Ergebnis zu unseren Gunsten, wenn’s sein muss, auch mit dem nötigen Fussballglück, was uns zuletzt ja ein wenig fehlte... Die Alte Försterei wird beben, ich freu mich drauf wie verrückt: eisern!

22. September 2021: Jetzt steht ein Pflichtsieg an!

Ex-Union-Manager Christian Beeck schreibt jetzt regelmäßig im Union Berlin-Blog bei TAG24.
Ex-Union-Manager Christian Beeck schreibt jetzt regelmäßig im Union Berlin-Blog bei TAG24.  © Archiv

Beecke: ich freue mich sehr, ein Teil dieser Story hier zu sein. Ich werde versuchen, nach bestem Wissen euch meine Meinung aufzuzeigen. Das wird nicht immer schön und leicht für uns werden, aber wir haben ja alle Spaß an der tiefen Diskussion. Heute gibt es also meine ersten Worte zu unserem Lieblingsclub.

1.) Wir haben in den letzten beiden Spielen gezeigt, was in uns steckt. Wir sind gerannt, wir haben malocht, wir haben gegengehalten und wir haben unsere rot-weisse Seele auch einem Kalle Riedle erklärt. Allerdings haben wir beide Spiele verloren und dabei sieben Gegentore gefressen.

2.) Unser geliebter Europa-Cup wird uns eine ganze Weile begleiten. Wir werden sehr viel Spaß daran haben, weil es uns in die große weite Fußballwelt hieven wird. Jedoch hat jede Medaille zwei Seiten. Können wir die Belastung aushalten, wird im Herbst die so wichtige Fitness erhalten bleiben? Ich vertraue da Urs Fischer, seinem gesamten Team und natürlich jedem einzelnen Spieler von uns. Sie werden die richtigen Maßnahmen mitbringen, die man dafür braucht.

Wenn wir weiterhin jeden Zweikampf gewinnen wollen, jedes Tor verhindern und mehr laufen als der Gegner, werden wir die Spiele ziehen und unsere Punkte holen.

3.) Gegen Bielefeld müssen drei Punkte her. Das muss ein absoluter Pflichtsieg sein. Bielefeld hat das gleiche Ziel wie wir. Den Klassenerhalt in der Fußball Bundesliga. Die Bielefelder sind unmittelbarer Konkurrent und müssen daher geschlagen werden. Es ist ein Spiel wie am 31. Spieltag, wo zwingend drei Punkte nötig sind. Das ist die große Herausforderung in diesem Spiel. Wir haben derzeit viele Fußball-Höhepunkte und jetzt kommt Bielefeld in unser Stadion. Wir sind alle gefragt, diesen Gegner mit null Punkten nach Hause zu schicken.

4.) Zum Abschluss die Hertha aus Charlottenburg. Ich bin schon unruhig zu unserem Derby. Da ich jede Woche einen Podcast mit Axel Kruse haben muss, könnt ihr euch vorstellen, wie ich auf dieses Spiel hin fiebere. Es wird Zeit, die Fronten zu klären und die Stadtmeisterschaft nach Köpenick zu holen.
Für Euch alle eine ereignisreiche Woche, eiserne Grüße!

21. September 2021: Langsam bildet sich eine erste Elf...

Die Eisernen nach Abpfiff in Dortmund.
Die Eisernen nach Abpfiff in Dortmund.  © imago images/Matthias Koch

Icke: Zwei Mal fast das Gleiche hintereinander. Sowohl in Prag, als auch in Dortmund spielte Union eine Halbzeit guten Fußball. Hatten sie in Prag noch eine Portion Pech zu beklagen, so hieß die Ursache in Dortmund Haaland. Den Kerl bekommst Du nicht unter Kontrolle, egal wer da aufläuft. Nun heißt der Plan für Samstag – 2 gute Halbzeiten gegen Bielefeld abliefern. Vom Papier her, sollte das gelingen. Aber Obacht, genau das funktioniert häufig nicht. Nur eine konzentrierte Leistung aller kann das schaffen.

So langsam aber sicher bildet sich auch eine erste Elf bei den Eisernen heraus. Luthe und die 3 Manndecker Friedrich, Knoche und Baumgartl sind wohl gesetzt. Khedira als 6er, sowie Trimmel und Gießelmann auf den Außenbahnen auch. Gießelmann hatte vor der Saison kaum einer auf der Rechnung, nicht umsonst verpflichtete man für 3,5 Mio. Puchacz. Im Sturm, na klar, gibt’s gar keine Diskussion. Awoniyi und Kruse sind schon jetzt ein Traumsturm. Nur dahinter, also auf den zwei offensiven Mittelfeldplätzen kann man noch nicht wirklich zufrieden sein. Haraguchi, Öztunali, Möhwald und Prömel heißen die 4 Kandidaten für diese 2 Plätze bislang. Nachdem Haraguchi und Öztunali bisher die meisten Spielminuten bekamen, könnte nun die Zeit für das Duo Prömel/Möhwald schlagen. Vielleicht versucht es Fischer schon gegen Bielefeld genauso? Luthe war in den letzten 2 Spielen nicht ganz so überragend, wie in den ersten 5 Pflichtspielen (1 Pokalspiel dabei). Er weiß aber, dass hinter ihm mit Rönnow ein dänischer Nationalspieler mit den Hufen scharrt.

Bekommt Friedrich in dieser Saison eine Chance bei Flick? Verdient hätte er es wohl. 5 Bundesligatore in der letzten Saison unterstreichen auch seine Torgefährlichkeit. Ich kann es mir gut vorstellen, auch wenn es den Verbleib von Friedrich bei Union wiederum erschwert. Eine Berliner Gazette hatte ja schon berichtet, dass er verlängert hat, war wohl eine Ente…

Der andere mit Chancen bei Flick, aber diesmal ein Ex-Unioner, Andrich, hat sich diese erst mal selber verbaut. Nach nur 2 Kurzeinsätzen am Saisonanfang, spielte er gegen Dortmund erstmalig 90 Minuten, um sich dann im nächsten Spiel gleich wieder eine rote Karte zu holen. Und da die Ursache des Kartons nicht nett war, wird er wohl länger fehlen. Vorteil Friedrich.

Wann habt Ihr eigentlich das letzte Mal – persönlich - in den Shop bei Union geschaut? Ich am letzten Freitag und war ganz schön baff. Man erkennt hier auf den ersten Blick, ja das ist Bundesliga. Noch vor wenigen Jahren eine Tristesse, ist es jetzt ein Paradies für kleine und große Fans. Und ja, ich habe auch wieder zugegriffen 😊…

19. September 2021: Wäre da nicht dieser mäßig sympathische Norweger...

Haaland ließ sich von Union nicht stoppen.
Haaland ließ sich von Union nicht stoppen.  © Picture Alliance / Matthias Koch

Unionfux: Ein Auswärtsmatch voller Wenn, Hätte und Aber: wie wäre wohl das Spiel ausgegangen, wenn Awoniyi nach einer knappen Minute nicht extrem knapp im Abseits gewesen wäre und die Führung erzielt hätte? Wie wäre wohl das Spiel ausgegangen, wenn Friedrich kurz nach der Pause den Ball klären kann (kein Vorwurf!), aber Luthe bei Haalands zweitem Treffer kurz vor Schluss im Tor bleibt?

Keine Frage: der Dortmunder Sieg war schon verdient, die individuelle Klasse unübersehbar und auf Dauer einfach schwer zu verteidigen, nach der ersten Hälfte konnte einem schon Angst und Bange werden. Immerhin war das Tor von Guerreiro schon ein klassischer Sonntagsschuss und das Kopfballtor von Haaland schwer zu verteidigen, da hätte wohl auch jeder andere Bundesligist alt ausgesehen. Doch unsere Mannschaft gab sich, wie immer, nicht auf, fing sich und so konnten wir zumindest am Unentschieden schnuppern: das Foul am clever nachsetzenden Behrens und der souverän verwandelte Elfer von Kruse sowie das starke Tor von Voglsammer nach einer Ecke ließ uns kurz träumen, aber da war ja noch dieser mäßig sympathische, aber nun mal sehr begabte Norweger, dessen Marktwert nebenbei bemerkt wesentlich höher ist als der unseres gesamten Kaders…

Am Ende bleibt nur ein achtbares Ergebnis in einem befürchtet schweren Duell gegen einen leider gut aufgelegten und traditionell heimstarken BVB. Denn für mehr muss man schon einen optimalen Tag erwischen und hier und das Glück haben, welches uns schlussendlich nicht hold war, traurig, aber wahr - und es ist ja nicht das erste Mal, dass uns im Signal-Iduna-Park das Pech vollschmaddert.

Mit dem Spiel und seinem Ergebnis kann man also durchaus leben, auch wenn man mit null Punkten nie wirklich gut leben kann, denn wir fahren ja nach Dortmund, um gegen alle Widrigkeiten und Unwahrscheinlichkeiten was Zählbares mitzunehmen, sind wir doch in der Bundesliga nicht mehr irgendwer. Und besonders vor der zweiten Hälfte sollte man den Hut ziehen und ansonsten das Spiel abhaken, allerdings nicht, ohne das Positive mitzunehmen, nach einem doch sehr kräftezehrenden Europacupspiel in Prag: man kann stolz sein auf unsere Mannschaft und unseren Trainer, der mutig (und beinahe erfolgreich) eingewechselt hat und uns mit einem weinenden Auge, aber hocherhobenen Hauptes auf das nächste wichtige Heimspiel gegen Bielefeld schauen lässt, denn da sollten und müssen wir weitere drei Punkte klarmachen! Eisern Union!

17. September 2021: Diese Niederlage stört uns nicht

Die Stimmung beim Auswärtsspiel.
Die Stimmung beim Auswärtsspiel.  © imago imagages / contrast

Icke: Man kann nicht immer nur Glück haben. In Prag lief einiges nicht nach Plan. Jaekel erwischte einen schwarzen Tag, der Schiedsrichter (in Bezug auf Union) und Luthe ebenso. Da konnten alle Spieler kämpfen wie der Teufel, knappe Abseitstore schießen und die 3.000 verrückten Fans sich die Seele aus dem Leib brüllen. Es half alles nichts, zum Schluss setzte sich Slavia, mit einer gehörigen Portion Glück, durch.

Dabei gab es genügend Highlights, Union wurde in der 2. Halbzeit – mit nur 10 Mann – stärker, bestimmte das Spiel. Zwischenzeitlich gelang der Ausgleich, auch wenn es knapp Abseits war. Der zählbare Ausgleich gelang dann trotzdem noch und man konnte kurz hoffen, noch 3 Punkte einzusammeln. Auch Fischer langte wieder in die Trickkiste, brachte mit Becker + Behrens + Voglsammer einen kompletten 3-Mann-Sturm neu, der auch wirklich frischen Wind brachte. Becker schaltete rechts auf Turbo und in der Mitte schob Behrens ein.

Und wenn dann Kalle Riedle eine Viertel-Stunde nach dem Spiel auf RTL Nitro meint, so etwas habe er noch nicht gesehen, eben das 3.000 Fans ihre Mannschaft trotz einer 1:3-Schlappe feiern, dann heben wir Unioner mal kurz den Kopf und merken wieder einmal… für uns ist das der Alltag, ins Blut über gegangen… für andere noch nicht, die halten alle Sinnesorgane auf 😉 …

Stört uns die Niederlage? Nö gar nicht. Wir sind wieder gut in die Saison gekommen und Europa ist unsere Bonus-Belobigung. Und da haben wir gestern, trotz der Punktelosigkeit, eine gute Figur abgegeben.

Titelfoto: Harry Langer/DeFodi Images

Mehr zum Thema 1. FC Union Berlin: