Union-Fangesänge erhitzen die Gemüter: Tolle Aktion oder unsolidarisch?

Berlin - Mitte der zweiten Halbzeit waren die lautstarken Anfeuerungen der mitgereisten Union-Fans auch auf dem Spielfeld nicht mehr zu überhören. Viel genützt hat es nicht. Der VfL Wolfsburg ließ auch im zweiten Durchgang nichts anbrennen und siegte letztlich auch in der Höhe verdient mit 3:0.

Nix zu halten für Union-Keeper Andreas Luthe (33). Wolfsburg Josip Brekalo erzielt mit seinem Hattrick den 3:0-Endstand.
Nix zu halten für Union-Keeper Andreas Luthe (33). Wolfsburg Josip Brekalo erzielt mit seinem Hattrick den 3:0-Endstand.  © Swen Pförtner/dpa

Der 1. FC Union Berlin war im gesamten Spielverlauf viel zu harmlos. Josip Brekalo (22) erledigte die Köpenicker mit seinem Dreierpack quasi im Alleingang.

"Wir waren gar nicht bereit für dieses Spiel", sagte Manager Oliver Ruhnert (49) bei Sky. "Für einen Gegner wie den VfL Wolfsburg oder jedes andere Topteam brauchen wir einen perfekten Tag. Und viele Spieler hatten heute alles andere als einen perfekten Tag."

Ein gebrauchter Nachmittag, an den auch Max Kruse (33) nichts mehr ändern konnte. Der Angreifer saß wegen Oberschenkel-Problemen zunächst nur auf der Bank. Schlimmer noch: Robert Andrich (26/kurz vorm Spiel) und Marcus Ingvartsen (25/in der ersten Halbzeit) verlängerten die ohnehin schon lange Verletztenliste.

Einzig die Fangesänge sorgten in der tristen leeren Volkswagen Arena für ein Stück weit Normalität. Geschätzte 150 Fans hatten die rund 227 Kilometer von Berlin nach Wolfsburg auf sich genommen, sich vor dem Stadion versammelt und die Mannschaft mit Trommeln und Gesängen lautstark unterstützt.

Fans begleiten Union nach Wolfsburg

Union-Leihgabe Petar Musa blieb wie die meisten seiner Kollegen in Wolfsburg blass.
Union-Leihgabe Petar Musa blieb wie die meisten seiner Kollegen in Wolfsburg blass.  © Swen Pförtner/dpa

Für den Sky-Kommentator Jürgen Schmitz eine tolle Aktion. Gleich mehrmals bezeichnete er die Union als "positiv verrückte". Die Twitter-User sahen das ein wenig anders. Zumal die Sieben-Tage-Inzidenz in Wolfsburg derzeit bei über 150 liegt. Die Kritik ließ nicht lange auf sich warten.

  • "'Union Fans in Wolfsburg um ihre Mannschaft zu unterstützen...das ist Leidenschaft.' Nein, das ist einfach nur komplett bescheuert."
  • "Union hat die Niederlage verdient, da sogenannte Fans immer noch nicht verstanden haben, dass wir in einer Pandemie leben. Ihr seid unsolidarisch as fuck. Und Trottel."

  • "Seit über ein Jahr verzichten viele auf ihre Leidenschaft und leiden darunter. Aber wenn die trotteligen Kult-Unioner nach Wolfsburg fahren ist das für den Kommentator ja eine super Leidenschaft. Ey schlag in die Fresse für alle, die verzichten."
  • "Ach wenns Union Fans sind müssen die natürlich von Sky gelobt werden wenn sie was Dummes machen..."
  • "Unioner vorm Stadion und der Kommentator findet es "großartig". Was für 'ne Fritte."
  • "100 Fans treffen sich in einer Hochinzidenzkommune. Beeindruckend." (Rechtschreibung übernommen)

Was die User allerdings nicht wussten. Laut Ruhnert hatten die Anhänger den Mannschaftsbus bereits auf der Autobahn und auf dem Weg zum Stadion auf ihren Motorrädern begleitet. Sie sind damit weder in einem vollen Bus, noch mit der Bahn angereist.

Zudem ist das Risiko sich an der frischen Luft mit dem Coronavirus anzustecken, wesentlich geringer, als in geschlossenen Räumen, zumal offenbar auch auf Abstand geachtet worden war. Dennoch sind gerade Menschenansammlung vor allem bei der DFL nicht gerne gesehen.

Titelfoto: Swen Pförtner/dpa

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