Unions Märchen vom Underdog: Eiserne rocken erneut die Liga

Berlin - Die eisernen Festspiele gehen auch im dritten Bundesligajahr weiter. Hielt der 1. FC Union Berlin nach dem erstmaligen Aufstieg ins Oberhaus gleich souverän die Klasse, krönten sie die folgende Saison mit dem Einzug in die Conference League. Womöglich können sich die Fans auch über den Sommer 2022 auf weitere Reisen ins Ausland freuen. Union ist erneut auf Kurs Europapokal.

Sheraldo Becker (26) bejubelt seinen Treffer zum 2:0. Union befindet sich nach dem Sieg über den VfL Wolfsburg auf Europapokalkurs.
Sheraldo Becker (26) bejubelt seinen Treffer zum 2:0. Union befindet sich nach dem Sieg über den VfL Wolfsburg auf Europapokalkurs.  © Matthias Koch/dpa

15 Punkte aus acht Spielen stehen den Köpenickern bereits zu Buche. Das bedeutet: Platz fünf - nur einen Punkt hinter dem SC Freiburg und Bayer 04 Leverkusen auf den Champions-League-Plätzen.

Zum Vergleich: In der vergangenen Saison standen die Eisernen zum gleichen Zeitpunkt mit der gleichen Punkteausbeute ebenfalls auf den fünften Platz. Am Ende landeten der FCU auf Platz sieben und damit in Europa.

Halten sie den Punkteschnitt, hätte Union nach 34 Spieltagen ganze 64 Zähler auf dem Konto. Das hätte letzte Saison gar für die Champions League gereicht.

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1. FC Union Berlin Fischer sieht Union im Pokal-Derby nicht als Favorit: "Wollen das Spiel in 90 Minuten entscheiden"

Doch bei Union wird niemand anfangen zu träumen. Man ist sich bewusst, dass auch wieder Zeiten kommen können. "Die Zielsetzung bleibt die gleiche: Das ist der Klassenerhalt", stellte Urs Fischer (55) nach dem 2:0 gegen den VfL Wolfsburg klar und stapelt gewohnt tief. "Man sollte die Momente aber auch genießen. Das Wort sagt es ja. Es ist eine Momentaufnahme."

Unions Vorteil: Niemand wird bei fünf Pleiten in Folge nervös. In Köpenick weht ein anderer Wind als in Charlottenburg. Beim Lokalrivalen Hertha BSC stimmten vor allem in den vergangenen zwei Jahren Anspruch und Wirklichkeit nicht überein. Bei den Eisernen ist es genau andersrum.

Taiwo Awoniyi ist für den 1. FC Union Berlin "eine Waffe"

Taiwo Awoniyi trifft derzeit wie er will. Gegen Wolfsburg erzielte der Nigerianer sein sechstes Saisontor.
Taiwo Awoniyi trifft derzeit wie er will. Gegen Wolfsburg erzielte der Nigerianer sein sechstes Saisontor.  © Andreas Gora/dpa

Sie gehen in nahezu jedem Spiel als Außenseiter. In der Rolle des Underdogs, der die Großen ärgert, fühlen sie sich wohl. Dabei ist Union in ihrem dritten Bundesliga-Jahr in Folge mehr als nur eine Überraschungsmannschaft.

Mit einem Gesamtmarktwert von 78,30 Millionen Euro liegt Union Berlin zwar nur auf Platz 15, doch der Kader ist allein doppelt so viel Wert wie der beiden Aufsteiger VfL Bochum (38,10 Mio) und SpVgg Greuther Fürth (37,08 Mio). Selbst beim 16. Arminia Bielefeld (52,75 Mio) herrscht eine Differenz von circa 25 Millionen Euro. Die Fischer-Elf ist längst in der Bundesliga angekommen.

Angesichts des aktuellen Höhenflugs würden wohl keine großen Jubelstürme ausbrechen, sollte es "nur" für den Klassenerhalt reichen. Auch wenn die Spieler es nicht tun, geben sie den Fans genug Anlass zum Träumen. Manager Oliver Ruhnert (49) bewies mal wieder ein Näschen für Transfers, selbst die Dreifachbelastung aus Liga, Conference League und Pokal haben die Eisernen erstaunlich gut weggesteckt.

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Hinzu kommt die Heimstärke (seit 21 Spielen ungeschlagen) und ein Torjäger, der wie am Fließband knipst. Gegen Wolfsburg erzielte Taiwo Awoniyi (24) schon sein sechstes Saisontor. "Seit er wieder da ist und fest verpflichtet wurde, hat er einen Riesenlauf", lobt Andreas Luthe (34) den Goalgetter, der nicht nur schnell und abschlussstark ist, sondern auch weiß seinen kantigen Körper einzusetzen. "Er ist einfach eine Waffe", so Luthe.

Titelfoto: Matthias Koch/dpa

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