Borussia Dortmund: Werden sie dieses Jahr gefährlich für Bayern München?

Dortmund - Zehn Jahre ist es her, dass Borussia Dortmund das letzte Mal die Meisterschale in die Höhe stemmen konnte. In der anstehenden Bundesliga-Saison soll sich die Sause auf dem Borsigplatz endlich wiederholen - auch, um dem ewigen Rivalen FC Bayern München den zehnten Titel in Folge zu vermiesen. Klappt es mit neuem Trainer, neuem Torhüter und Sancho-Ersatz?

Donyell Malen ist der Top-Transfer von Borussia Dortmund

Mit vier Neuzugängen haben es die Schwarz-Gelben im zweiten Corona-Sommer hintereinander ruhig angehen lassen. Der Sportliche Leiter Michael Zorc (58) ließ die ganz große Kohle auf dem Konto, sorgte aber zumindest für einen annähernd positionsgetreuen Ersatz für den abgewanderten Jadon Sancho (21).

Donyell Malen (22) heißt der Mann, den der BVB für 30 Millionen Euro von der PSV Eindhoven loseisen konnte und der in Sachen Anlage, Geschwindigkeit und Torgefährlichkeit zumindest einen Teil der großen Sancho-Fußstapfen ausfüllen soll.

Für den Niederländer ist es die erste Profistation im Ausland. In der Jugend durchlief er u.a. die Ajax-Teams, ging zwei Jahre zum FC Arsenal London und kehrte 2017 in seine Heimat zurück, diesmal aber nach Eindhoven. Der 13-fache Nationalspieler war seither in 116 Partien im Einsatz, in dem ihm 55 Tore und 24 Vorlagen gelangen.

Allein in der abgelaufenen Saison war die Stammkraft an 37 von 45 PSV-Treffern direkt beteiligt, seinen Marktwert schraubte er innerhalb von drei Jahren von 750.000 auf 30 Millionen Euro hoch, für die er nun auch nach Dortmund übersiedelte.

Ein Eins-zu-eins-Ersatz für Sancho, das machten die BVB-Verantwortlichen schnell klar, ist Malen zwar nicht. Doch vielleicht kann die vielseitig einsetzbare Offensivkraft für eine ähnliche Leistungsexplosion sorgen, wie einst Sancho.

Zwei Neue unter sich: Trainer Marco Rose (44, l.) und Donyell Malen (22).
Zwei Neue unter sich: Trainer Marco Rose (44, l.) und Donyell Malen (22).  © David Inderlied/dpa

Gregor Kobel, Abdoulaye Kamara und Soumaila Coulibaly sind weitere Zugänge des BVB

Weil weder Roman Bürki (30) noch der später eingesetzte Marwin Hitz (33) in der Saison 2020/21 eine sichere Figur im Kasten der Westfalen gemacht hatten, entschieden sie sich für eine neue Nummer 1. Die kam vom VfB Stuttgart, ist ebenfalls Schweizer und hört auf den Namen Gregor Kobel (23). Den 1,94 Meter großen Schlussmann kaufte man für 15 Millionen Euro frei und stattete ihn erwartungsgemäß mit einem Fünfjahresvertrag aus.

Mit dem VfB, für den er erst ein Jahr ausgeliehen von der TSG 1899 Hoffenheim und nach dem Bundesliga-Aufstieg fest spielte, hielt er als Tabellenneunter souverän die Klasse, war bis zum Schluss sogar im Rennen um den neuen Europa-Conference-League-Rang sieben.

Gleich in seinem ersten Pflichtspiel für Schwarz-Gelb hielt Kobel sein Gehäuse im DFB-Pokal beim SV Wehen Wiesbaden (3:0) sauber.

Zwei weitere Talente holte Zorc ablösefrei: den defensiven Mittelfeldmann Abdoulaye Kamara (16) und Innenverteidiger Soumaila Coulibaly (17). Beide kommen aus der Jugend des FC Paris Saint-Germain, aus der man 2017 auch schon Dan-Axel Zagadou (22) kostenlos bekam.

Während Kamara den Profikader theoretisch sofort verstärken könnte, muss Coulibaly noch einen im Februar erlittenen Kreuzbandriss auskurieren. Vor Spätherbst wird er wohl nicht auf den Platz zurückkehren.

Außerdem kehrte Marius Wolf (26) nach seiner Leihe zum 1. FC Köln zurück, zog sich im Test gegen Athletic Bilbao (0:2) aber einen Außenbandteilriss im Sprunggelenk zu, fällt auf unbestimmte Zeit aus. Zudem ist auch Immanuel Pherai (20, PEC Zwolle) zurück, ist aber für die zweite Mannschaft des BVB in der 3. Liga vorgesehen, konnte dort schon ein Tor und einen Assist in den ersten beiden Begegnungen gegen den FSV Zwickau (2:1) und den SV Waldheim (1:1) beisteuern.

Nicht zu vergessen natürlich auch der neue Coach Marco Rose (44), für den die Borussia fünf Millionen zu Borussia Mönchengladbach überwies, mit der er die internationalen Ränge knapp verpasst hatte.

Der nächste Schweizer Keeper für den BVB: Gregor Kobel (23) kam vom VfB Stuttgart.
Der nächste Schweizer Keeper für den BVB: Gregor Kobel (23) kam vom VfB Stuttgart.  © David Inderlied/dpa

Jadon Sancho, Leonardo Balerdi und Lukasz Piszczek sind die Abgänge von Borussia Dortmund

Unbestritten trifft den BVB der Abgang von Jadon Sancho (21) natürlich am schwersten. In der einnahmeschwachen Coronazeit helfen die 85 Millionen Euro, auf die man sich mit Manchester United trotz eines Marktwertes um die 100 Millionen Euro einigen konnte, dennoch weiter - obwohl die Summe gesplittet eingehen wird.

Seine 50 Buden und 64 Vorlagen aus 137 Profi-Einsätzen soll nun Donyell Malen größtmöglich auffangen - eine Mammutaufgabe.

Nach seiner Leihe zu Olympique Marseille ist Leonardo Balerdi (22) fest für elf Millionen nach Frankreich gewechselt. Für Dortmund, das im Januar 2019 noch 15,5 Millionen nach Argentinien überwiesen hatte, ihn aber nur achtmal bei den Profis und zwölfmal in der U23 einsetzte, dennoch ein guter Deal.

Ähnlich verhält es sich mit Jeremy Toljan (26, für 3,5 Millionen zu US Sassoulo) und Sergio Gómez (20, 2,25 Millionen zum RSC Anderlecht), die nach ihrer Leihe entweder bei dem Verein blieben (Toljan) oder einen anderen Klub gefunden haben (Gómez).

Ablösefrei ging es für Vereinslegende Lukasz Piszczek (36) nach elf Jahren und 382 Partien zurück in seine polnische Heimat, in der er seine Karriere nun bei LKS Goczalkowice-Zdroj in der 3. Liga ausklingen lässt.

Tragen jetzt andere Trikots: Jadon Sancho (21, l.) und Vereinslegende Lukasz Piszczek (36).
Tragen jetzt andere Trikots: Jadon Sancho (21, l.) und Vereinslegende Lukasz Piszczek (36).  © Bildmontage: Michael Sohn/AP-Pool/dpa, David Inderlied/dpa

Vorbereitung und Form des BVB: Dem Stotterstart folgte ein souveräner DFB-Pokalauftritt

Eine eher durchwachsene Vorbereitung, in der Coach Marco Rose zunächst auf viele EM-Fahrer verzichten musste, liegt hinter dem ambitionierten Bundesligisten. Einem 2:0-Sieg über den Regionalligisten FC Gießen folgten Pleiten gegen Aufsteiger VfL Bochum (1:3) und LaLiga-Klub Bilbao (0:2). Einen positiven Ausklang gab es dann immerhin beim 3:0 gegen den FC Bologna, bei dem Giovanni Reyna (18), Lennard Maloney (21) und Steffen Tigges (23) trafen.

Souverän und ohne Mühe löste der BVB auch die Pokalhürde Wiesbaden. Beim Drittligisten, der mit zwei 0:0 in die Saison gestartet war, sorgten vor allem Kapitän Marco Reus (32) und Dreifach-Torschütze Erling Haaland (21) für einen standesgemäßen 3:0-Triumph.

Mit einem Dreierpack schoss Erling Haaland (21, l.) den BVB im DFB-Pokal beim SV Wehen Wiesbaden (3:0) allein in die 2. Runde.
Mit einem Dreierpack schoss Erling Haaland (21, l.) den BVB im DFB-Pokal beim SV Wehen Wiesbaden (3:0) allein in die 2. Runde.  © Arne Dedert/dpa

TAG24-Prognose zu Borussia Dortmund: Mit Sturmtank Erling Haaland ist die 6. Schale drin!

Ja, der FC Bayern München wird auch in der Saison 2021/22 seine Vormachtstellung in Deutschland nicht verlieren. Wenn alles normal läuft, winkt dem Rekordmeister nach der 30. Meisterschaft in diesem Jahr nächsten Sommer die insgesamt zehnte in Folge.

Zwar bleibt Bundesliga-Bomber Robert Lewandowski (32) nach seinem 41-Tore-Rekord voraussichtlich dahoam, was den FCB automatisch zum Titelfavoriten macht. Doch nach den ablösefreien Abgängen der Defensivakteure David Alaba (29, zu Real Madrid), Jérôme Boateng (32, vereinslos) und Javi Martínez (32, Qatar SC) wurde bislang nur Dayot Upamecano (22) aus Leipzig geholt - und gleichzeitig der letztjährige Vizemeister geschwächt.

Zudem lief die Vorbereitung unter dem neuen Trainer Julian Nagelsmann (34, ebenfalls aus Leipzig) mit drei Niederlagen und einem Remis in vier Auftritten gar nicht Bayern-like. Nach dem verlegten Pokalspiel beim Bremer SV ist ihr erster Gradmesser direkt das Bundesliga-Eröffnungsmatch am Freitag (20.30 Uhr) in Gladbach.

Das fehlende Selbstvertrauen aus der Vorbereitung und der neue Trainer mit neuen Ideen könnten der Konkurrenz in die Karten spielen. Neben dem BVB wird auch RB Leipzig ein großes Wörtchen mitreden und ebenfalls so lang wie möglich oben angreifen wollen.

Ein enormes Plus zugunsten des Rose-Teams ist auf jeden Fall der wahrscheinliche Verbleib Haalands, der die 17 Gegner im deutschen Oberhaus kurz und klein schießen und seinen Klub an die Spitze ballern will. Um danach für eine festgeschriebene Ablösesumme für 75 Millionen Euro wahrscheinlich seinen Abschied zu verkünden.

Will nach 27 Toren aus 28 Spielen noch mehr: Erling Haaland (oben) bleibt wahrscheinlich noch ein Jahr in Dortmund.
Will nach 27 Toren aus 28 Spielen noch mehr: Erling Haaland (oben) bleibt wahrscheinlich noch ein Jahr in Dortmund.  © picture point/Sven Sonntag

Dortmund ist mit einem breiten Kader, eventuell noch dem ein oder anderen Neuzugang und dem perfekten Pokal-Auftritt jedenfalls heiß auf die neue Spielzeit, in der der Meister am Ende nicht schon wieder Bayern München heißen soll.

Titelfoto: Bildmontage: picture point/Sven Sonntag, David Inderlied/dpa

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