BVB in der Bundesliga-Vorschau: Kann Dortmund dem FC Bayern das Wasser reichen?

Endlich geht es wieder los! Am kommenden Wochenende startet die Bundesliga in die neue Saison. In der TAG24-Analyse werden alle 18 Klubs einzeln genau unter die Lupe genommen.

Dortmund - Greift der BVB den FC Bayern München an? Borussia Dortmund hat sich erneut einen exzellenten Kader zusammengestellt. Ist dieser aber stark genug, um dem Deutschen Rekordmeister über die Dauer der langen Saison Paroli zu bieten? Alles dazu in der TAG24-Bundesliga-Vorschau.

Thomas Meunier und Jude Bellingham sind die Top-Transfers des BVB

Dortmund hat klug auf dem Transfermarkt agiert! Die Borussen-Verantwortlichen konnten gleich drei (potenzielle) Top-Spieler verpflichten. Die größte Strahlkraft hat dabei der erfahrene 40-fache belgische Nationalspieler Thomas Meunier (28), dessen Vertrag beim Champions-League-Finalisten FC Paris Saint-Germain zum 30. Juni ausgelaufen war.

So konnte der BVB den dynamischen und kampfstarken Rechtsverteidiger ablösefrei verpflichten - ein echter Coup! Er hat in der Vorbereitung und auch im DFB-Pokalspiel bei Drittligist MSV Duisburg (5:0) nachgewiesen, dass er auf höchstem Niveau verlässlich ist. Defensiv steht er sicher und strahlt Präsenz aus, dazu schaltet er sich auch offensiv immer wieder ein. Er ist daher auf seiner Position gesetzt.

Der Gewinner der Vorbereitung ist jedoch nicht er, sondern ein Teenager: Jude Bellingham (17), dessen Dienste sich der Vizemeister satte 26,5 Millionen Euro kosten ließ, begeisterte schon bei seinem ersten Einsatz und hielt dieses hohe Niveau trotz seines sehr jungen Alters auf beeindruckende Art und Weise durchgängig. Deshalb ist dieser Transfer als äußerst klug einzuordnen. 

Der junge Engländer ist aufgrund seiner Torgefahr, seinem Offensivdrang, den er mit seinen ebenfalls exzellenten Defensivqualitäten erstaunlich gut mixt, seiner Antizipation, seiner Spielintelligenz, Zweikampfhärte, Präsenz und seinen erstklassigen Pässen ein Akteur, den der BVB so nicht in seinen Reihen hatte. Coach Lucien Favre ist voll des Lobes und ließ den Mann, der einen Rekord nach dem anderen bricht, auch im Pokal von Beginn an auflaufen. 

Dort stieg er zum jüngsten Torschützen der Vereinsgeschichte auf (17 Jahre, zwei Monate und 16 Tage). Zuvor war er schon der jüngste U21-Nationalspieler und -torschütze Englands aller Zeiten. Er ist für sein Alter extrem weit und hat sich trotz der namhaften Konkurrenz einen Stammplatz im BVB-Mittelfeld erspielt.

Mit Thomas Meunier (l.) und Jude Bellingham sind dem BVB zwei Transfer-Coups gelungen.
Mit Thomas Meunier (l.) und Jude Bellingham sind dem BVB zwei Transfer-Coups gelungen.  © Alexandre Simoes/BVB/Borussia Dortmund/David Inderlied/dpa

Jesus Reinier und Emre Can sind die weiteren Neuzugänge von Borussia Dortmund

Der dritte Top-Mann im Bunde ist Angreifer Jesus Reinier (18), der für zwei Jahre von Real Madrid ausgeliehen wurde und das Dortmunder Spiel mit seiner Dribbelstärke, seinem Tempo und seinen besonderen Aktionen um eine weitere Komponente erweitern soll. Wegen der Konkurrenz auf seiner Position im offensiven Mittelfeld und auf den Flügeln muss er sich allerdings erst einmal über Jokereinsätze an die Startelf herankämpfen. 

Darüber hinaus wurde der ausgeliehene Emre Can (26) fest verpflichtet. Der deutsche Nationalspieler wechselte für 25 Millionen Euro Ablöse fest vom italienischen Meister Juventus Turin zum BVB. Mit seiner Zweikampfhärte, seinen Führungsqualitäten und seiner Erfahrung soll er der jungen Mannschaft Halt geben. Dass er dies kann, wies er schon in der vergangenen Rückrunde eindrucksvoll nach.

Ansonsten durften sich große Rohdiamanten aus dem eigenen Nachwuchs in der Vorbereitung bei den Profis beweisen. Hier machte Offensivspieler Ansgar Knauff (18) nachhaltig auf sich aufmerksam. Seine Chance auf regelmäßige Einsätze ist allerdings gering. Er muss sich in der U23 bzw. U19 beweisen und dort den nächsten Entwicklungsschritt gehen.

Ab dem 20. November ist dann auch Youssoufa Moukoko (15) spielberechtigt. Bislang trainiert das Mittelstürmer-Ausnahmetalent "nur" mit den Profis mit. Er soll der Back-up für Erling Haaland (20) sein. Des Weiteren kehrten Felix Passlack (22; Fortuna Sittard) und Marius Wolf (25; Hertha BSC) von ihren Leihen zurück.

Mit 29 Mann ist der Dortmunder Kader bestens ausgestattet. Zählt man Knauff dazu, sind es sogar 30 Spieler. In der eigenen U19 und U23 gibt es außerdem genügend weitere Akteure, die man hochziehen könnte, wenn Not am Mann sein sollte. Weitere Neuzugänge sind deshalb eher unwahrscheinlich, wenn sich nicht noch eine Top-Möglichkeit für die Verantwortlichen ergibt.

Jesus Reinier (18) ist der dritte und bislang letzte externe Neuzugang von Borussia Dortmund.
Jesus Reinier (18) ist der dritte und bislang letzte externe Neuzugang von Borussia Dortmund.  © David Inderlied/dpa

Mario Götze, André Schürrle, Ömer Toprak und Achraf Hakimi: Die Abgänge des BVB

Auch hier hat sich in Dortmund einiges getan. Besonders schwer wiegt der Abgang vom einzigen Stammspieler: Achraf Hakimi (21), dessen Leihe endete. Der marokkanische Nationalspieler wechselte anschließend nicht wie erhofft fest von Real Madrid zum BVB, sondern schloss sich Europa-League-Finalist Inter Mailand für 40 Millionen Euro Ablöse an. Sein hohes Tempo, seine Dynamik, Flanken und Torgefahr werden der Borussia fehlen.

Davon abgesehen gingen ausschließlich Ergänzungsspieler von Bord - wenn auch mitunter sehr namhafte. André Schürrle (29) beendete seine ins Stocken geratene Karriere überraschend. Der Vorlagengeber des Weltmeister-Tores von 2014 hätte in Dortmund sportlich aber keine Chance mehr gehabt.

Gleiches gilt für denjenigen, der seine Vorarbeit 2014 so herrlich verwandelte: Mario Götze (28). Der WM-Held befindet sich noch auf der Suche nach einem neuen Verein. Gleiches gilt für Keeper Eric Oelschlägel (24).

Der ausgeliehene Ömer Toprak (20) schloss sich nach seiner Leihe für vier Millionen Euro Ablöse endgültig dem SV Werder Bremen an. Außerdem wurde auch Dzenis Burnic (22), der in den vergangenen eineinhalb Jahren an die SG Dynamo Dresden ausgeliehen war, verkauft. Er wechselte für 500.000 Euro Ablöse zum 1. FC Heidenheim 1846.  Darüber hinaus verlieh der BVB Leonardo Balerdi (21) für eine Gebühr von einer Million Euro an Olympique Marseille. Gleiches gilt für Immanuel Pherai (19), der in der laufenden Saison für den niederländischen Erstligisten PEC Zwolle auflaufen wird. Zuvor verlängerte er seinen Kontrakt in Dortmund bis zum 30. Juni 2022. 

Es ist wahrscheinlich, dass noch der ein oder andere Akteur gehen wird. Kandidaten sind Wolf, Passlack und wohl auch Mahmoud Dahoud (24).

Achraf Hakimi (l.), Mario Götze (M.) und André Schürrle haben den BVB allesamt verlassen.
Achraf Hakimi (l.), Mario Götze (M.) und André Schürrle haben den BVB allesamt verlassen.  © Federico Gambarini/dpa-Pool/Guido Kirchner/dpa

So tickt BVB-Trainer Lucien Favre

Favre hat es in Dortmund nicht leicht, was auch an der Strahlkraft und Eloquenz seiner allgegenwärtigen Vorgänger Thomas Tuchel (47) und Jürgen Klopp (53) liegt. Der Schweizer Coach hat hingegen eine zurückhaltende Art, wirkt in Interviews auch aufgrund der noch immer vorherrschenden Sprachprobleme und seiner mitunter längeren Suche nach den richtigen Wörtern nicht immer souverän, weshalb er unterschätzt wird.

Dabei ist der akribische Arbeiter ein echter Taktikfuchs, der Talente nachweislich weiterentwickeln kann. Jadon Sancho (20), Christian Pulisic (21), Haaland und Hakimi sind nur ein paar Beispiele. Dennoch blieb das Gefühl nicht aus, dass Favre aus seiner äußerst talentierten Mannschaft nicht das Maximum herausgekitzelt hat.

Andererseits hat er sehr viele junge Akteure im Kader, die naturgemäß Leistungsschwankungen unterliegen. Deshalb sollte man seine Arbeit mit den Profis nicht mit seinen öffentlichen Auftritten gleichsetzen. Denn intern agiert er ganz anders, was auch eine BVB-Dokumentation belegt.

Dennoch ist er bei Fans und im Umfeld nicht unumstritten. Nach einer Niederlage melden sich sofort wieder kritische Stimmen, die ihn am liebsten entlassen sehen wollen. Genau das sprach Favre in der jüngeren Vergangenheit schon mehrfach an, weil er sich verständlicherweise ungerecht behandelt fühlte. 

Der Druck in Dortmund wird allerdings auch in der kommenden Saison groß ein. Favre, der erneut einen exzellenten und im Stamm zusammengebliebenen Kader zur Verfügung hat, muss nun erneut beweisen, dass er ein Übungsleiter ist, der mit der Borussia Titel gewinnen kann. Gelingt ihm das, werden auch die Kritiker endlich verstummen...

BVB-Coach Lucien Favre ist in Dortmund nicht unumstritten, obwohl er gute Arbeit leistet.
BVB-Coach Lucien Favre ist in Dortmund nicht unumstritten, obwohl er gute Arbeit leistet.  © David Inderlied/dpa

Vorbereitung und Form von Borussia Dortmund

Phasenweise boten die Schwarz-Gelben Offensivspektakel! Im ersten Testspiel wurde der österreichische Erstligist SC Rheindorf Altach mit 6:0 aus dem Stadion geschossen. Anschließend ließ man auch dem FK Austria Wien nicht den Hauch einer Chance und fügte dem Traditionsverein eine herbe 2:11-Klatsche zu. Hier zeigte der BVB eine bemerkenswerte Frühform und Spielfreude.

Bei einem Blitzturnier in Duisburg wurde der gastgebende MSV locker mit 5:1 besiegt, ehe es den ersten Dämpfer gab: gegen den niederländischen Top-Klub Feyenoord Rotterdam setzte es eine 1:3-Niederlage. 

Danach erreichte man gegen Zweitligist SC Paderborn 07 nur ein 1:1-Unentschieden und kassierte gegen den VfL Bochum sogar eine 1:3-Pleite. Darauf folgte ein knapper 2:1-Sieg gegen Sparta Rotterdam, ehe es endlich mit dem ersten Pflichtspiel der Saison losging.

Wieder traf man auf Duisburg, wieder schoss man fünf Tore und hielt hinten diesmal die Null. Der Zwei-Klassen-Unterschied wurde in dieser Partie deutlich. Dortmund scheint sich und seine Formation nach taktischen Umstellungen in der Defensive, die auch Verletzungsgründen geschuldet waren, nun gefunden zu haben.

Doch ein echtes Indiz wird erst die Auftaktpartie liefern - und die hat es wahrlich in sich! Der BVB trifft am Samstagabend (18.30 Uhr) im Spitzenspiel auf Borussia Mönchengladbach. Den Fohlen fehlte zuletzt immer ein Tick, um den Dortmundern das Wasser reichen zu können. Ob das diesmal anders sein wird?

Giovanni Reyna ist einer der Gewinner der Vorbereitung. Er hat gute Chancen, regelmäßig zum Einsatz zu kommen.
Giovanni Reyna ist einer der Gewinner der Vorbereitung. Er hat gute Chancen, regelmäßig zum Einsatz zu kommen.  © David Inderlied/dpa

Saisonziel von Borussia Dortmund

Aus den eigenen Fehlern gelernt! Diesmal halten sich die Verantwortlichen zurück und verkündeten nicht wie vor der Saison 2019/20, dass sie Deutscher Meister werden wollen.

Es gibt überhaupt keine offizielle Aussage, wohin die Reise des BVB führen soll. Dennoch darf man stark davon ausgehen, dass die Schwarz-Gelben erneut mindestens Zweiter werden- und da sein wollen, falls der FC Bayern nach dem Triple in ein Loch fallen sollte.

Borussia Dortmund dürfte erneut ganz oben angreifen wollen.
Borussia Dortmund dürfte erneut ganz oben angreifen wollen.  © Bernd Thissen/dpa

TAG24-Prognose zum BVB

Dieser Kader hat auch in der Breite hohe Qualität! Im Tor ist Roman Bürki (29) die klare Nummer eins. Marwin Hitz (32) ist sein Ersatzmann, das große Nachwuchstalent Luca Unbehaun (19) komplettiert das Trio.

Auf der rechten Defensivseite ist Meunier unangefochten. Braucht er aufgrund der Vierfachbelastung (inklusive Nationalmannschaft) mal eine Pause, kann hier Lukasz Piszczek (35) agieren, der in seine letzte Saison als Profi geht. Dahinter kämpfen Passlack, Wolf und der momentan am Oberschenkel verletzte Mateu Morey (20) um einen Kaderplatz. Durchaus möglich, dass einer oder zwei der drei Akteure den Klub noch verlässt.

In der Innenverteidigung ist Abwehrchef Mats Hummels (31) dank seiner Klasse, Erfahrung, Ruhe am Ball, Zweikampfstärke und seines Spielaufbaus Leistungsträger und Führungsspieler. Agiert Dortmund mit einer Dreierkette, sind Emre Can (26) und Manuel Akanji (25) als seine Nebenleute gesetzt. Kehrt Dan-Axel Zagadou (21) nach seinen Knieproblemen zurück, streiten er und der Schweizer Nationalspieler sich um den Platz. In der Hinterhand hat Favre mit Piszczek und im Notfall sogar Meunier zwei gestandene Routiniers. 

Auf der linken Seite wird sich der zuletzt angeschlagene Raphael Guerreiro (26) auf Sicht wohl gegen Thorgan Hazard (27) und Nico Schulz (27) durchsetzen. Marcel Schmelzer (32) ist nach der Rückkehr von seiner Knieoperation ein verlässlicher Back-up. 

Im Mittelfeldzentrum haben sich Bellingham und der routinierte Spielgestalter Axel Witsel (31) festgespielt. Mit Can, Thomas Delaney (29), Julian Brandt (24), Mahmoud Dahoud (24) und Tobias Raschl (20) gibt es hier allerdings viele weitere erstklassige Optionen und unterschiedliche Spielertypen, die Favre je nach Situation bringen kann. Raschl wird vermutlich Spielpraxis in der U23 sammeln (müssen). 

Agiert Favre im 3-4-1-2-System wie in Duisburg, dann ist ein fitter Kapitän Marco Reus (31) im Offensivzentrum gesetzt. Giovanni Reyna (17), Reinier, Knauff und Brandt sind hier weitere Optionen. 

Als hängende Spitze spielt dann Sancho. Die Akteure, die auf der Zehn agieren können, sind hier alle als seine Back-ups zu nennen. Im Mittelsturm ist Haaland unumstritten. 

Marco Reus ist nach langer Verletzungspause wieder zurück. Bleibt er als offensiver Schlüsselspieler endlich mal über eine Saison fit, ist Dortmund viel zuzutrauen.
Marco Reus ist nach langer Verletzungspause wieder zurück. Bleibt er als offensiver Schlüsselspieler endlich mal über eine Saison fit, ist Dortmund viel zuzutrauen.  © David Inderlied/dpa

Dieser Kader ist der zweitbeste der gesamten Bundesliga! Deshalb ist es wahrscheinlich, dass Dortmund erneut Vizemeister wird. Wenn nicht alle Stricke reißen, qualifiziert sich der BVB also auf jeden Fall wieder für die Champions League. Ist der FC Bayern nach dem Triple-Triumph satt und schwächelt, könnte sogar mehr möglich sein, auch wenn das aktuell nicht vorstellbar erscheint. 

Titelfoto: David Indierlied/Marius Becker/dpa

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