BVB kommt einfach nicht aus dem Knick! Eine Analyse der sportlichen Probleme

Dortmund - Der BVB muss bangen! Borussia Dortmund ist nach der 1:2-Niederlage beim SC Freiburg weiterhin nur Tabellensechster und muss langsam aufpassen, die Champions-League-Ränge nicht aus den Augen zu verlieren.

BVB-Coach Edin Terzic (38) hat die Probleme seiner Mannschaft bislang nicht in den Griff bekommen bzw. abstellen können.
BVB-Coach Edin Terzic (38) hat die Probleme seiner Mannschaft bislang nicht in den Griff bekommen bzw. abstellen können.  © Tom Weller/dpa

Zwar beträgt der Rückstand auf den Vierten Bayer 04 Leverkusen nur drei Punkte, doch die Leistungen beider Teams hätten am Samstag nicht unterschiedlicher sein können.

Während sich die Werkself nach der Pokal-Blamage (1:2 nach Verlängerung bei Viertligist Rot-Weiss Essen) von ihrer besten Seite zeigte und den VfB Stuttgart mit 5:2 aus der BayArena schoss, taten sich die Schwarz-Gelben zum wiederholten Male extrem schwer und verloren zwar unnötig, aber trotzdem verdient.

Denn Dortmund hat momentan eine Vielzahl von Problemen. Besonders schwerwiegend: Der Trainerwechsel von Lucien Favre (63) zu Edin Terzic (38) ist wirkungslos verpufft! Der Ex-Assistenzcoach des Schweizers hat der Mannschaft kein neues Leben einhauchen oder die Schwächen abstellen können.

Stattdessen fehlt dem BVB sogar mehr als zuvor jegliche Konstanz. Defensiv gibt es weiterhin regelmäßige Aussetzer. Dazu wird bei Pässen oder Dribblings in der Vorwärtsbewegung immer wieder ein zu großes Risiko eingegangen, weil man alles spielerisch lösen will. Außerdem fehlt offensiv zu häufig die Zielstrebigkeit und Abgezocktheit.

Als wäre all das nicht schon genug, wirken die Schwarz-Gelben auch nicht wie eine verschworene Einheit, in der jeder für den anderen kämpft und läuft. Stattdessen haben zu viele Spieler mit ihren eigenen Problemen zu tun, sind außer Form oder verlassen sich zu sehr auf die hohe individuelle Klasse im Kader.

BVB-Torhüter Roman Bürki und Marwin Hitz sind gute Bundesliga-Keeper, leisten sich aber zu viele Patzer

Marwin Hitz (33, l.) und Roman Bürki (30) sind zweifelsfrei gute Bundesliga-Keeper, konnten starkes Champions-League-Niveau aber nicht konstant nachweisen.
Marwin Hitz (33, l.) und Roman Bürki (30) sind zweifelsfrei gute Bundesliga-Keeper, konnten starkes Champions-League-Niveau aber nicht konstant nachweisen.  © Martin Meissner/Pool AP/dpa/PICTURE POINT / Sven Sonntag

Doch wenn ein Gegner den BVB aggressiv attackiert und stresst, machen auch die starken Individualisten zu viele Fehler. Denen geht erstaunlicherweise auch die Kreativität in der Offensive ab, weshalb es die Borussia oft verpasst, ins Tempo zu kommen - obwohl genau das eine der größten Stärken der Mannschaft ist!

Doch eben das schafft Dortmund aktuell nicht: die eigenen Fähigkeiten gewinnbringend einzusetzen. Dass die Akteure über viel Potenzial verfügen, ist unbestritten. Sie können es aber nicht abrufen. Doch warum nicht?

Beginnen wir im Tor. Hier leisten sich Roman Bürki (30) und Marwin Hitz (33) immer wieder Patzer, die zu Gegentoren führen. In Freiburg sah Hitz beispielsweise beim 0:2 äußerst unglücklich aus. Dass es wiederkehrend heiße Transfergerüchte auf ihrer Position gibt, verwundert da nicht.

Denn weder Bürki, noch Hitz konnten nachweisen, dass sie herausragende Bundesliga-Keeper mit gutem Champions-League-Format sind. Beide haben unbestritten die Qualitäten, um Stammkeeper eines deutschen Erstligisten zu sein und dort zu überzeugen.

Allerdings zählen sie nicht zu den besten Torhütern der Welt bzw. zumindest zum erweiterten Kreis. Wer aber in der Bundesliga um die Spitzenplätze mitspielen will, der braucht hier einen noch zuverlässigeren Rückhalt.

Borussia Dortmunds dünn besetzte Abwehr ist trotz Mats Hummels zu anfällig

Zum Haare raufen! Mats Hummels (32) spricht die Probleme seines Teams auch öffentlich immer wieder an, doch bislang ändert sich nichts.
Zum Haare raufen! Mats Hummels (32) spricht die Probleme seines Teams auch öffentlich immer wieder an, doch bislang ändert sich nichts.  © Tom Weller/dpa

Auch in der Defensive sind die Sorgen groß. Aufgrund der Dauerbelastung fallen in der ohnehin dünn besetzten Innenverteidigung immer wieder Spieler aus.

Dan-Axel Zagadou (21) fehlt trotz seines jungen Alters gefühlt öfter, als er fit ist; auch Mats Hummels (32) plagen immer wieder kleinere Verletzungen. Nur Manuel Akanji (25) ist meist eine Konstante, leistet sich dafür aber Böcke, die zu Gegentreffern führen und strahlt zu wenig Sicherheit aus.

Routinier Lukasz Piszczek (35), eigentlich ein gelernter Stürmer, der später zum Rechtsverteidiger umgeschult wurde und erst dann zum zentralen Abwehrspieler, muss in den letzten Monaten seiner Karriere immer wieder aushelfen, was auch für Mittelfeldkämpfer Emre Can (26) gilt.

Weitere Alternativen sucht man hier vergebens. Da sich bis auf Hummels aktuell keiner in zumindest solider Form befindet, überrascht es nicht, dass die Borussia hier immer wieder anfällig ist und den Gegnern mit Schnitzern sowie Nachlässigkeiten zu viele Chancen ermöglicht. Zudem befinden sich die Rechtsverteidiger Thomas Meunier (29), Mateu Morey (20) und Felix Passlack (22) allesamt nicht in Top-Verfassung, sodass man langsam auch hinterfragen muss, ob sie die entsprechenden Qualitäten für die ambitionierten Ziele des BVB haben.

Gleiches gilt auf der anderen Seite für Nico Schulz (27) und das dauerverletzte Vereinsurgestein Marcel Schmelzer (33). Nur Raphael Guerreiro (27) stellt seine herausragende Klasse konstant unter Beweis.

Borussia Dortmunds Mittelfeldzentrale hat der Ausfall von Axel Witsel hart getroffen

Die Mittelfeldzentrale des BVB: Thomas Delaney (29, r.) und Jude Bellingham (17) verleihen dem Dortmunder Spiel aktuell zu wenig Struktur.
Die Mittelfeldzentrale des BVB: Thomas Delaney (29, r.) und Jude Bellingham (17) verleihen dem Dortmunder Spiel aktuell zu wenig Struktur.  © Tom Weller/dpa

Auch im Mittelfeldzentrum haben die Schwarz-Gelben spätestens seit dem langfristigen Ausfall von Taktgeber Axel Witsel (31) Probleme. Thomas Delaney (29) ist ein Kämpfer und Mentalitätsspieler, steht aber nicht für überragende spielerische Fähigkeiten.

Die hat dann schon eher Jude Bellingham (17), der aufgrund seines jugendlichen Alters aber natürlich noch Leistungsschwankungen auf diesem hohen Niveau unterworfen ist und noch kein Führungsspieler sein kann - in Zukunft aber schon!

Das wurde einem anderen Akteur zugetraut, dessen Entwicklung aber weiter enttäuschend verläuft. Mahmoud Dahoud (25) ist ein spielintelligenter Techniker, lässt seine herausragenden Anlagen allerdings viel zu selten aufblitzen und findet sich deshalb nur selten in der Startformation wieder. Wenn doch, sind seine Leistungen dürftig.

Gleiches gilt für Julian Brandt (24), der in dieser Saison weit von seiner Bestform entfernt ist, nicht wirklich griffig wirkt und mit sich selbst zu kämpfen hat.

Letzteres gilt auch für Can, der eigentlich als Leader vorangehen sollte, diese Rolle aber noch nicht ganz ausfüllen kann, wie auch in Freiburg deutlich wurde. Doch von einem deutschen Nationalspieler muss man mehr erwarten können.

BVB-Kapitän Marco Reus (31) steckt in einem Leistungstief und kann seine Mannschaft deshalb momentan nicht anführen. In Freiburg war er nahezu unsichtbar, bis er nach seiner Auswechslung gefrustet gegen die Ersatzbank schlug und vor sich hin fluchte.
BVB-Kapitän Marco Reus (31) steckt in einem Leistungstief und kann seine Mannschaft deshalb momentan nicht anführen. In Freiburg war er nahezu unsichtbar, bis er nach seiner Auswechslung gefrustet gegen die Ersatzbank schlug und vor sich hin fluchte.  © Martin Meissner/POOL AP/dpa

BVB ist offensiv zu abhängig von Erling Haaland, Marco Reus ist außer Form

Der BVB verlässt sich zu sehr auf Erling Haaland (20), der alleine aber auch nicht alle Schwächen der Dortmunder überdecken kann.
Der BVB verlässt sich zu sehr auf Erling Haaland (20), der alleine aber auch nicht alle Schwächen der Dortmunder überdecken kann.  © Tom Weller/dpa

Ein weiteres großes Problem ist die Offensive. Allen voran Kapitän Marco Reus (31), der in einem Tief feststeckt und dementsprechend frustriert ist, wie auch bei seiner Auswechslung in Freiburg deutlich wurde. Zuvor war nicht aufgefallen, dass er überhaupt mitspielte.

Dazu betreibt er viel zu oft Chancenwucher, was ohnehin ein anhaltender Negativpunkt bei den Dortmundern ist. Denn auch Thorgan Hazard (27) ist dafür bestens bekannt. Wenn dann noch der noch fremdelnde Reinier (19), sowie die Flügelflitzer Giovanni Reyna (18) und Jadon Sancho (20) nicht zielstrebig genug agieren, dann hat es der BVB richtig schwer.

Denn so stark Erling Haaland (20) auch ist: Wenn seine Nebenleute ihm nicht helfen, kann auch er nicht (immer) für Wunder sorgen. Wie wichtig da ein Youssoufa Moukoko (16) sein kann, wurde nach seiner Einwechslung in Freiburg deutlich.

Er ruckte an und zog die anderen mit, sodass sich das Terzic-Team am Ende fast noch einen Punkt hätte sichern können. Selbiges kann man von U23-Kapitän Steffen Tigges (22) noch nicht behaupten. Doch er bemüht sich immerhin und gibt alles. Dass er allerdings die Qualitäten für die Bundesliga hat, muss er aber erst noch nachweisen, was auch für Youngsters wie Ansgar Knauff (19), Tobias Raschl (20) und Taylan Duman (23) gilt, die aktuell in der Regionalliga West groß aufspielen.

Klar ist: Der BVB muss sich über Erfolgserlebnisse also selbst aus der sportlich schwierigen Situation hieven, Charakter, Moral, Mentalität und Ergebniskonstanz beweisen. Ansonsten droht man die Europapokal-Qualifikation zu verpassen!

Titelfoto: Tom Weller/dpa

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