BVB quält sich in Hoffenheim zum Sieg: Macht der Fußball so noch Spaß?

Dortmund/Sinsheim - Wie sinnvoll sind Begegnungen, in denen die Trainer aus Belastungs- und Verletzungsgründen nicht ihre beste Elf auf den Rasen schicken können? Diese Frage musste man sich vor-, aber auch nach dem Bundesliga-Spiel zwischen der TSG 1899 Hoffenheim und Borussia Dortmund (0:1) stellen.

TSG-Direktor Profifußball, Alexander Rosen, sagte klar und deutlich, was er von der Länderspielpause hielt.
TSG-Direktor Profifußball, Alexander Rosen, sagte klar und deutlich, was er von der Länderspielpause hielt.  © Uwe Anspach/dpa

Schon vor der Partie hatte TSG-Direktor Profifußball, Alexander Rosen, am Sky-Mikrofon eine Brandrede gehalten und gesagt: "Man muss über diese Abstellungsperiode sprechen. Grundsätzlich ist es etwas Besonderes, für die Nationalmannschaft aufzulaufen. Aber wir sind einfach in besonderen Zeiten", verdeutlichte er.

Rosen führte dann weiter aus: "Wenn dann schon Länderspiele stattfinden müssen, dann frage ich mich, was das dritte Spiel innerhalb von sechs Tagen soll."

Es sei "nicht nur der Fakt, dass drei Kicker (Andrej Kramaric, Kasim Adams und Pavel Kaderabek) aus Corona-Gründen fehlen würden, man hätte darüber hinaus Stammspieler wie Christoph Baumgartner und Munas Dabbur nicht einsetzen können, weil diese drei Partien absolvierten. 

Ersterer musste sogar zweimal über die gesamten 90 Minuten ran, spielte auch in der ersten Partie 45 Minuten und wurde für die letzte halbe Stunde gegen Dortmund eingewechselt. Frisch wirkte der 21-jährige Österreicher nicht - verwunderlich war das nicht. 

Rosen schaute aber nicht nur auf sich, sondern auch auf den Gegner und fragte rhetorisch: "Beim BVB fehlt Haaland, also was soll das Ganze?" Er schlussfolgerte: "Das ist ein Ausrufezeichen, das wir jetzt mal setzen müssen, vielleicht als Liga, vielleicht über die DFL, dass wir in der nächsten Abstellungsperiode anders agieren. Zur Not müssen wir intensiver drüber nachdenken, die Jungs nicht gehen lassen."

Bei TSG 1899 Hoffenheim gegen Borussia Dortmund fehlte das Salz in der Suppe

Der BVB und Hoffenheim lieferten sich ein mitunter zähes und schlappes Ringen, obwohl das Bemühen erkennbar war. Wer kann es den Akteuren verdenken?
Der BVB und Hoffenheim lieferten sich ein mitunter zähes und schlappes Ringen, obwohl das Bemühen erkennbar war. Wer kann es den Akteuren verdenken?  © Uwe Anspach/dpa

Etwas gemäßigter, aber ebenfalls nicht begeistert äußerte sich auch Dortmunds Lizenzspielerchef Sebastian Kehl am Sky-Mikrofon: "Es ist für die Spieler und für die Vereine nicht optimal, dass der Rahmenterminkalender so eng ist. Aber wir können es nicht ändern. Wir müssen damit umgehen, das sind in dieser Saison spezielle Herausforderungen."

In der Partie war das zu sehen. Beide Teams wirkten nicht eingespielt, weshalb echter Fluss nicht entstand, es Chancen nur selten zu bewundern gab und der Großteil des Geschehens im Mittelfeld stattfand, wo sich die Kicker in Zweikämpfen aufrieben. Es entwickelte sich also genau die Art von Fußballspiel, die Zuschauer nicht vom Hocker reißt, sondern eher einschläfert.

In dieser besonderen Zeit merkt man nun ganz besonders, wie unvorbereitet die Verbände auf solche Ausnahmesituationen sind - auch noch nach Monaten. 

Anstatt einen uninteressanten neuen Wettbewerb wie die Nations League auszusetzen und die Dinge anders zu regeln, mussten diese Partien natürlich stattfinden und wurden obendrauf noch von einem (komplett unnötigen) Freundschaftsspiel abgerundet.

Aus Sicht der Verbände ist das durchaus verständlich. Aber eben nicht sinnvoll, weil die Top-Kicker nicht nur an die Belastungsgrenze gehen müssen, sondern immer wieder auch darüber hinaus. Dass der Körper das nicht auf Dauer mitmacht, dürfte eigentlich jedem klar sein. Und da bringt auch das Argument, dass die Profis ja Millionen verdienen, rein gar nichts ...

Borussia Dortmund wechselt den Sieg ein, TSG 1899 Hoffenheim ohne Andrej Kramaric zu harmlos

Munas Dabbur (l.) war nach der strapaziösen Länderspielreise nur fit genug für einen Kurzeinsatz gegen den BVB, bei dem sich Lukasz Piszczek früh und äußerst unglücklich am Auge verletzte.
Munas Dabbur (l.) war nach der strapaziösen Länderspielreise nur fit genug für einen Kurzeinsatz gegen den BVB, bei dem sich Lukasz Piszczek früh und äußerst unglücklich am Auge verletzte.  © Uwe Anspach/dpa

Deshalb sind in den kommenden Wochen nicht nur weitere Corona-Erkrankungen vorprogrammiert, sondern auch anderweitige Verletzungen. So macht der Fußball dann wirklich keinen Spaß mehr.

Denn dass die Akteure in einigen Partien mit angezogener Handbremse agieren müssen, ist völlig verständlich - für ihre Fans aber alles andere als ansehnlich und freudebringend.

Beim BVB kamen mit Siegtor-Vorbereiter Erling Haaland, Torschütze Marco Reus, Jude Bellingham und Raphael Guerreiro gleich vier Nationalspieler nur von der Bank. Ja, sie sorgten für die Entscheidung. 

Doch wie viel schöner wäre es denn bitte gewesen, wenn man sie und die 1899-Top-Leute wie eben Kramaric, der immerhin die Torschützenliste der Bundesliga anführt, von Beginn an im direkten Duell hätte sehen können? 

Alleine dieses nun nicht zustande gekommene Duell zwischen dem kroatischen Vizeweltmeister und Haaland hätte man als neutraler Fußballfan liebend gerne beobachtet!

Stattdessen musste man sich mit vielen Ersatzspielern begnügen. Deren Klasse ist unbestritten und beide Mannschaften waren noch immer richtig gut (auch für Bundesliga-Verhältnisse) besetzt. In so einer Partie zweier eigentlich sehr ansehnlich agierender Truppen möchte man aber die Besten der Besten sehen. Und das war aufgrund des Spielplans leider nicht möglich.

Titelfoto: Uwe Anspach/dpa

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