BVB-Transferfazit: Borussia Dortmunds größter Coup war keine Neuverpflichtung!

Dortmund - Die schwierige Sommer-Transferperiode ist vorbei! Zeit für ein Fazit bei Borussia Dortmund. Klar ist: Der größte Coup der Verantwortlichen war keine Neuverpflichtung.

Hier gegeneinander, nun Teamkollegen: Innenverteidiger Marin Pongracic (23, l.) kam am Deadline Day vom VfL Wolfsburg und wird bald nach der Länderspielpause mit Erling Haaland (21, r.) auflaufen. Den Weltklasse-Stürmer zu halten, war der größte BVB-Coup.
Hier gegeneinander, nun Teamkollegen: Innenverteidiger Marin Pongracic (23, l.) kam am Deadline Day vom VfL Wolfsburg und wird bald nach der Länderspielpause mit Erling Haaland (21, r.) auflaufen. Den Weltklasse-Stürmer zu halten, war der größte BVB-Coup.  © dpa/Martin Meissner/Pool AP

Stattdessen gelang es ihnen trotz großem internationalen Interesse, Erling Haaland (21) zu halten. Den Weltklasse-Angreifer hätte jeder Spitzenverein liebend gern in seinem Kader, doch der BVB blieb standhaft und hat so (mindestens) bis zum Winter erstmal Ruhe.

Denn der norwegische Nationalstürmer muckt nicht etwa auf, sondern bringt weiterhin seine Leistung und hat in fünf Einsätzen bereits sechsmal getroffen. Hinzukommen drei Assists - eine gewohnt überragende Quote vom 1,94-Meter-Riesen!

Obwohl Haaland im öffentlichen Fokus steht, agiert er noch immer unbekümmert, setzt seinen bulligen Körper und seine Schnelligkeit geschickt ein, ist immer gierig auf das nächste Tor und hungrig nach Erfolgen sowie Detailverbesserungen.

Verlässt Haaland Dortmund? Das sagt BVB-Chef Watzke dazu
Borussia Dortmund Verlässt Haaland Dortmund? Das sagt BVB-Chef Watzke dazu

Und wenn dann noch Top-Transfer Donyell Malen (22) voll ankommt und leistungsmäßig explodiert, hat Haaland einen kongenialen Partner an seiner Seite. Bislang wurde der niederländische Nationalstürmer von Neu-Coach Marco Rose (44) langsam herangeführt und stand erst zweimal in der Startelf, konnte dabei noch nicht vollends überzeugen.

So ließ der 30-Millionen-Euro-Mann seine Fähigkeiten zwar aufblitzen, fremdelt aber noch ein wenig mit dem unbekannten Land, dem anderen Spielstil und der neuen Taktik. Zusätzlich war seine Vorbereitungszeit durch die Europameisterschaft knapp bemessen, weshalb Malens Anlaufprobleme verständlich sind und es nur noch eine Frage der Zeit sein dürfte, bis er die Borussen entscheidend verstärkt.

Gregor Kobel wurde beim BVB direkt die neue Nummer eins, hilft Marin Pongracic weiter?

Gregor Kobel (23, l.) und Donyell Malen (22, M.) sind die beiden Top-Transfers von Borussia Dortmund. Während ersterer seine Qualitäten bereits zeigte, braucht letzterer noch ein wenig Zeit.
Gregor Kobel (23, l.) und Donyell Malen (22, M.) sind die beiden Top-Transfers von Borussia Dortmund. Während ersterer seine Qualitäten bereits zeigte, braucht letzterer noch ein wenig Zeit.  © dpa/Marius Becker

Ein weiterer Neuzugang hat sich hingegen schon in den Fokus gespielt. Keeper Gregor Kobel (23) ist die erhoffte sowie erwartete Verstärkung und wurde auf Anhieb zur Nummer eins.

Der Schweizer Schlussmann zeigte in den ersten Partien schon einige exzellente Paraden und wurde beispielsweise beim 3:2-Zittersieg gegen die TSG 1899 Hoffenheim mehrfach von den Dortmunder Fans gefeiert. Die 15 Millionen Euro Ablöse für ihn scheinen sich zu rentieren.

Dazu suchte der BVB lange nach einer Verstärkung für die Innenverteidigung. Doch erst am Deadline Day konnte Vollzug gemeldet werden. Marin Pongracic (23) kam - ein Ersatzmann vom VfL Wolfsburg, den Rose allerdings aus seiner Zeit bei RB Salzburg kennt und damals 49-mal aufstellte.

Tuchel spricht Klartext: Darum platzte der BVB-Deal um Hudson-Odoi!
Borussia Dortmund Tuchel spricht Klartext: Darum platzte der BVB-Deal um Hudson-Odoi!

Der zweimalige kroatische Nationalverteidiger schloss sich den Schwarz-Gelben per Leihe an. Ob er allerdings direkt auf höchstem Niveau weiterhelfen kann, bleibt abzuwarten. Seine Einsatzchancen sind jedenfalls gestiegen. Denn bei Wolfsburg war er hinter Maxence Lacroix (21), John Anthony Brooks (28) sowie Sebastiaan Bornauw (22) nur noch die Nummer vier im Abwehrzentrum und stand überhaupt nur einmal im Kader der Wölfe.

In Dortmund hat er hingegen nur Mats Hummels (32) vor sich, sofern der bald wieder fit ist. Mit Manuel Akanji (26) dürfte er sich ein Duell auf Augenhöhe liefern. Dan-Axel Zagadou (22) und Soumaila Coulibaly (17) fallen noch einige Zeit aus und sind daher erstmal keine Konkurrenz.

Borussia Dortmund muss die Abgänge von Jadon Sancho und Thomas Delaney kompensieren

Thomas Delaney (29, l.) und Jadon Sancho (22, r.) haben Borussia Dortmund verlassen.
Thomas Delaney (29, l.) und Jadon Sancho (22, r.) haben Borussia Dortmund verlassen.  © dpa/Tom Weller/Darren Staples/CSM via ZUMA Wire

Bis auf diese Position wirkt der BVB-Kader ausgeglichen und auch in der Breite gut besetzt - was natürlich auch an den vielen hungrigen Talenten aus dem eigenen Nachwuchs liegt, die sich in der 3. Liga für höhere Aufgaben empfehlen wollen/können.

So wird man vermutlich auch den sportlich schwerwiegenden Abgang von Jadon Sancho (21, für 85 Millionen Euro zu Manchester United) auffangen können. Der dribbelstarke Flügelflitzer erzielte in 137 Einsätzen 50 Tore für Dortmund und gab satte 64 direkte Vorlagen. Seine kreativen Aktionen werden fehlen.

Das gilt auch für die Mentalität von Thomas Delaney (29), der seine starke EM mit Dänemark als Sprungbrett nutzte, aufgrund der großen Dortmunder Konkurrenz auf der Sechs nochmal eine neue Herausforderung annahm und sich für sechs Millionen Euro Ablöse dem FC Sevilla anschloss.

Zudem gaben die Schwarz-Gelben mit Leonardo Balerdi (22, elf Millionen, Olympique Marseille), Jeremy Toljan (27, 3,5 Millionen, US Sassuolo) und Sergio Gomez (20, 2,25 Millionen, RSC Anderlecht) mehrere ausgeliehene Akteure endgültig ab und mit Lukasz Piszczek (36, ablösefrei, LKS Goczalkowice-Zdroj) einen verdienten Spieler. Trotzdem hat der BVB noch immer 32 Mann im Kader. Doch gleich acht Kicker fallen aktuell aus.

Deshalb ist es sogar gut, dass man doppelt und auf einigen Positionen sogar dreifach besetzt ist. Schließlich können mehr als genug Spieler noch in der U23 zum Einsatz kommen. Gerade in der Innenverteidigung braucht man in den kommenden Wochen und Monaten auch ein wenig Glück. Pongracic sollte einschlagen, Akanji sich stabilisieren und Hummels der Belastung standhalten. Gelingt das nicht, muss Rose wieder improvisieren. Das kann mal gutgehen, wäre dauerhaft aber nicht aufzufangen.

Titelfoto: dpa/Martin Meissner/Pool AP

Mehr zum Thema Borussia Dortmund: