BVB: Was die Startelf-Nominierung von Tigges über die Kaderplanung aussagt

Dortmund - Steffen Tigges (22)? Bitte wer, werden sich viele Fußballfans und auch Anhänger von Borussia Dortmund gefragt haben.

Wenn Erling Haaland (20) ausfällt, hat Borussia Dortmund im Mittelsturm ein Problem.
Wenn Erling Haaland (20) ausfällt, hat Borussia Dortmund im Mittelsturm ein Problem.  © Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Der 1,93 Meter große Mittelstürmer gab aus dem absoluten Nichts am Dienstag beim 2:0-Auswärtssieg im DFB-Pokal bei Eintracht Braunschweig sein Profidebüt für die erste Mannschaft des BVB.

Das war und ist für ihn eine schöne Sache, sagt andererseits aber viel über die (erneut) fehlerhafte Kaderplanung der schwarz-gelben Verantwortlichen aus. Gerade im Angriffszentrum.

Wenn Erling Haaland (20) ausfällt, hat man dort nur noch den viel jüngeren Youssoufa Moukoko (16), dem man trotz seiner grandiosen Anlagen diese Last nicht aufbürden kann.

Muss er dann angeschlagen passen, haben die Profis nur noch Offensivleute, die notgedrungen als sogenannte "falsche Neun" agieren können bzw. müssen. Das war schon in der Vergangenheit nicht von Erfolg gekrönt, weshalb Neu-Coach Edin Terzic (38) auf die bestmögliche Variante zurückgriff, die intern möglich war: Tigges!

Der spielt sonst in der U23, die in der Regionalliga West als einzige Mannschaft mit Spitzenreiter Rot-Weiss Essen mithalten kann. Das liegt auch am Angreifer, der in 18 Einsätzen zwölf Mal traf und dazu auch noch sieben Vorlagen gab - eine wahre Leistungsexplosion!

Steffen Tigges konnte sich beim VfL Osnabrück nicht entscheidend durchsetzen

Der 16-jährige Youssoufa Moukoko kann Haaland nämlich verständlicherweise noch nicht dauerhaft auf demselben Niveau ersetzen.
Der 16-jährige Youssoufa Moukoko kann Haaland nämlich verständlicherweise noch nicht dauerhaft auf demselben Niveau ersetzen.  © Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Denn der gebürtige Osnabrücker spielte von 2011 bis 2019 in seiner Heimatstadt beim VfL, konnte sich dort im Drittliga-Team aber nicht entscheidend durchsetzen.

Er war schlichtweg noch nicht gut genug für den Profibereich. In 88 Spielen erzielte er für die Lila-Weißen lediglich sechs Tore und gab auch nur drei Vorlagen. Für einen Zentrumsstürmer eine schwache Quote!

Nachdem er in der Saison 2018/19 immerhin 28 Mal eingesetzt wurde, aber nur auf drei Buden und einen Assist kam, entschied sich Tigges dann für eine Luftveränderung und schloss sich Dortmunds Zweiter an.

Direkt in seiner ersten Spielzeit steuerte er neun Treffer und zehn Vorlagen in 25 Begegnungen bei. Seit dieser Saison ist er nun sogar der Kapitän der U23. Eine echte Chance bei den Profis war ihm dennoch nicht zuzutrauen. Nun könnte er aber davon profitieren, dass in Corona-Zeiten wenig Geld da ist und der BVB trotz erkennbarem Bedarf keinen weiteren Mittelstürmer holen kann oder will.

Dass man auf den eigenen Nachwuchs setzt, ist ein sehr guter und wichtiger Ansatz. Doch man hat weiterhin das Gefühl, dass die Borussia einen erfahrenen Angreifer als Back-up sehr gut gebrauchen könnte. Schließlich könnte sich die junge Garde von so jemandem viel abgucken.

Steffen Tigges agierte bei seinem Profidebüt für Borussia Dortmund auffällig

Steffen Tigges (22, M.) war bei seinem Profidebüt engagiert.
Steffen Tigges (22, M.) war bei seinem Profidebüt engagiert.  © Swen Pförtner/dpa

Dass Tigges zu seinem Debüt kam, ist also auch der wenig umsichtigen Kaderplanung geschuldet. Er musste kurzfristig in die Bresche springen und machte seine Sache gut.

Zwar vergab er die entscheidende Chance zur vorzeitigen Entscheidung, doch er warf sich voll rein, gewann 64 Prozent seiner Zweikämpfe, schoss fünf Mal aufs Tor und agierte auffällig.

Ob er allerdings dauerhaft eine Chance bei den Profis hat, ist zumindest fraglich. Wenn er sich konstant steigert, Leistung bringt und sich auch im Training anbietet, ist das aber immerhin nicht ausgeschlossen.

Denn Dortmund braucht einen präsenten und groß gewachsenen Angreifer, der Innenverteidiger bindet, Läufe in die Tiefe anbietet und vor allem Tore macht. Ob Tigges all das mittlerweile auf Bundesliga-Niveau leisten kann, kann nur die Zukunft zeigen.

Bislang deutete wenig darauf hin. Doch nun hat er die große Möglichkeit, sich ganz oben festzubeißen. Das und seine starken Mitspieler verhelfen ihm vielleicht zu einem weiteren Entwicklungssprung. Dann könnte er eine sinnvolle Alternative zu Haaland und Moukoko werden.

Titelfoto: Swen Pförtner/dpa

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