Bundesliga-Trainer-Wahnsinn: Suchen bald 8 Vereine neuen Coach?

Deutschland - Das Trainer-Karussell dreht sich mit Höchstgeschwindigkeit! Aktuell suchen sieben Bundesligsten bzw. Erstliga-Absteiger nach einem neuen Coach. Möglicherweise kommt nach der Relegation ein achter Klub hinzu. Ein Überblick.

Marco Rose (45) und Borussia Dortmund haben sich einvernehmlich für eine Trennung entschieden.
Marco Rose (45) und Borussia Dortmund haben sich einvernehmlich für eine Trennung entschieden.  © Ina FASSBENDER/AFP

Verallgemeinern lassen sich die Abschiede oder Entlassungen nicht. Die Entscheidung jedes Vereins muss einzeln betrachtet und eingeordnet werden.

Bei Borussia Dortmund war die einvernehmliche Trennung von Marco Rose (45) beispielsweise aus jeder Perspektive nachvollziehbar. Die Verantwortlichen glaubten nicht mehr zu 100 Prozent an die sportliche Weiterentwicklung. Bei den inkonstanten Auftritten mitsamt einiger blamabler Leistungen und dem frühzeitigen Ausscheiden aus der Champions League, Europa League und dem DFB-Pokal kein Wunder.

Von der Gegentorflut mal ganz zu schweigen. Rose hingegen fühlte sich besonders kritisch beäugt und spürte das Vertrauen nicht mehr, weshalb man auch aus seiner Sicht von Konsequenz sprechen kann.

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Es hat zwischen den Parteien nicht richtig gut gepasst, obwohl man es lange miteinander versucht hat, eine neue Ära starten wollte und sogar fünf Millionen Euro Ablöse an Borussia Mönchengladbach geflossen sind.

Für beide Klubs im Nachhinein keine gute Wahl, denn auch die Fohlen sind nun wieder auf der Suche nach einem neuen Übungsleiter, weil Adi Hütter (52) aufhört.

Adi Hütter und Florian Kohfeldt schöpften Potenzial vom BVB und VfL Wolfsburg nicht aus

Adi Hütter (52) hat seinen Abschied von Borussia Mönchengladbach verkündet.
Adi Hütter (52) hat seinen Abschied von Borussia Mönchengladbach verkündet.  © DPA/Tom Weller

Auch er konnte die Elf vom Niederrhein nicht entscheidend weiterentwickeln, sondern musste phasenweise gar um den Klassenerhalt zittern.

Andererseits gab es immer wieder große Highlights wie das 5:0 im DFB-Pokal gegen den FC Bayern München, doch auch Gladbach fehlte die Konstanz, die Leistungsschwankungen waren und bleiben unerklärlich, weil die Mannschaft deutlich mehr Potenzial hat - ähnlich wie Dortmund. Beide Borussen-Übungsleiter konnten es nicht entfalten, weshalb es nur spielweise aufblitzte.

Beim BVB ist nun Edin Terzic (39) Favorit auf die Rose-Nachfolge, bei den Fohlen steht Lucien Favre (64) vor der Rückkehr - beide Traditionsvereine scheinen auf altbekannte Trainer zu setzen. Man darf gespannt sein, ob das gut geht und beide Mannschaften zukünftig wieder anders auftreten und ihre Ziele erreichen können.

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Die letztgenannten Dinge wünscht sich auch der VfL Wolfsburg, der Florian Kohfeldt (39) doch noch entlassen hat. Wie schon beim SV Werder Bremen blieb der Coach nach einem guten Start den Nachweis schuldig, dass er ein Team langfristig in der Erfolgsspur halten kann.

So ist fraglich, ob er bald ein weiteres Erstliga-Engagement findet, denn der absackende Verlauf war bei den Grün-Weißen und Wölfen erstaunlich ähnlich. Auch die oft beschönigenden Aussagen des Trainers ließen einen regelmäßig die Stirn runzeln.

Florian Kohfeldt (39) konnte sich auch beim VfL Wolfsburg nicht dauerhaft halten.
Florian Kohfeldt (39) konnte sich auch beim VfL Wolfsburg nicht dauerhaft halten.  © dpa/Swen Pförtner

Sebastian Hoeneß verpasste mit Hoffenheim Europa, Markus Weinzierl warf beim FC Augsburg hin

Sebastian Hoeneß (40) gelang es unter dem Strich nicht, die TSG 1899 Hoffenheim entscheidend voranzubringen.
Sebastian Hoeneß (40) gelang es unter dem Strich nicht, die TSG 1899 Hoffenheim entscheidend voranzubringen.  © dpa/Soeren Stache/dpa-Zentralbild

Doch möglicherweise hat er aufgrund der vielen offenen Stellen Glück und bekommt erneut die Chance, sich in der Bundesliga zu beweisen. Denn auch die TSG 1899 Hoffenheim hat sich nach zwei durchwachsenen Jahren von ihrem Coach getrennt.

Sebastian Hoeneß (40) hatte mit den Kraichgauern zwar gute Phasen, zudem war eine Handschrift von ihm erkennbar, doch eine entscheidende Weiterentwicklung gab es in den beiden Spielzeiten nicht. Stattdessen wurde zweimal in Folge die Qualifikation für den internationalen Wettbewerb verpasst.

Bei der hohen individuellen Klasse des Kaders eine zu schwere Hypothek für den Sohn von Dieter Hoeneß (69), der wohl vor allem deshalb gehen musste.

Anders lief es beim FC Augsburg ab. Markus Weinzierl (47) schmiss wegen der schlechten Kommunikation zwischen ihm und Manager Stefan Reuter (55) hin und verkündete seinen Weggang in einem Fernsehinterview.

Das lässt tief blicken. Auch die Saison der Fuggerstädter lief bestenfalls durchwachsen, aber immerhin wurde das Minimalziel Klassenerhalt erreicht. Allerdings verfestigte sich der Eindruck, dass mehr möglich gewesen wäre.

Markus Weinzierl (47) gab seinen Abschied vom FC Augsburg im Fernsehen bekannt.
Markus Weinzierl (47) gab seinen Abschied vom FC Augsburg im Fernsehen bekannt.  © dpa/Matthias Balk

Stefan Leitl verlässt SpVgg Greuther Fürth, Arminia Bielefeld sucht neuen Coach, Hertha BSC auch bald?

Stefan Leitl (44) suchte und fand nach dem Abstieg mit der SpVgg Greuther Fürth eine neue Aufgabe.
Stefan Leitl (44) suchte und fand nach dem Abstieg mit der SpVgg Greuther Fürth eine neue Aufgabe.  © dpa/Daniel Karmann

Das lässt sich bei der SpVgg Greuther Fürth nicht sagen. Wenig überraschend stieg das Kleeblatt als Schlusslicht ab und muss nun den Neuaufbau in der 2. Bundesliga moderieren - mit einem anderen Trainer. Denn Stefan Leitl (44) entschied sich nach knapp dreieinhalb Jahren für eine Luftveränderung und wird fortan Hannover 96 coachen.

Der insgesamt erfolgreiche Fußball-Lehrer machte aus wenig viel, weshalb er möglicherweise der Übungsleiter ist, unter dem die Niedersachsen wieder sportlich bessere Zeiten erleben. Für Fürth ist sein Verlust hingegen bitter und nicht leicht zu kompensieren.

Arminia Bielefeld muss ebenfalls einen Neustart in der 2. Liga hinlegen, der DSC sucht ebenfalls einen neuen Trainer, nachdem Frank Kramer (50) wegen Erfolglosigkeit vor dem Saisonfinale entlassen wurde und unter Interimscoach Marco Kostmann (56) der Klassenerhalt nicht gelang.

Zu all diesen Vereinen kommt in wenigen Tagen möglicherweise auch noch Hertha BSC hinzu. Ob Felix Magath (68) bleiben wird, ist fraglich. Selbst, wenn sich die Alte Dame doch in der Relegation durchsetzen kann, ist es unwahrscheinlich, dass der Feuerwehrmann weitermacht. So oder so muss der vermeintliche "Big City Club" den nächsten Umbruch einleiten - als hätte es davon in den vergangenen Jahren nicht schon mehr als genug gegeben...

All diese Personalrochaden belegen einmal mehr, wie schnelllebig der Fußball ist und wie wenige Klubs es hinbekommen, langfristig zu arbeiten oder auch nur zu denken.

Ob Felix Magath (68) bei Hertha BSC weitermacht, ist fraglich.
Ob Felix Magath (68) bei Hertha BSC weitermacht, ist fraglich.  © dpa/Andreas Gora

Trotzdem hat die Masse der Trainerwechsel wie dargestellt unterschiedlichste Gründe. Gut für die Bundesliga und ihre Vereine sind diese schnellen Veränderungen auf solch entscheidenden Positionen nicht. Umso schöner, dass Klubs wie der SC Freiburg oder 1. FC Union Berlin beweisen, dass es auch anders geht.

Titelfoto: Ina FASSBENDER/AFP/dpa/Tom Weller

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