Chemie Leipzig in der Corona-Krise: Klassenerhalt "hätten wir geschafft!"

Leipzig - Neben Bekleidungsgeschäften und Restaurants kämpfen vor allem auch Fußballklubs aus den unteren Ligen dieser Tage ums wirtschaftliche Überleben. Miroslav Jagatic, Trainer des Regionalligisten BSG Chemie Leipzig, hat sich jetzt zur aktuellen Situation geäußert. 

Chemie Leipzigs Trainer Miroslav Jagatic hält nichts von einer vorschnellen Wiederaufnahme des Spielbetriebs - obwohl sein Team vor der Zwangspause gut drauf war.
Chemie Leipzigs Trainer Miroslav Jagatic hält nichts von einer vorschnellen Wiederaufnahme des Spielbetriebs - obwohl sein Team vor der Zwangspause gut drauf war.  © Picture Point/Gabor Krieg

In einem vereinsinternen Video-Interview sprach der 43-Jährige über die Folgen der spielfreien Zeit, die enorme Unterstützung durch die eigenen Fans und seine Kochküste daheim.

Als Nachfolger von Dietmar Demuth (63) ist der Fußballlehrer seit Anfang 2019 in Leutzsch angestellt, führte den Absteiger nach einem Jahr Abstinenz zurück in die viertklassige Regionalliga Nordost. Dort sieht er sich und den Verein während der Corona-Krise ausgerechnet in der entscheidenden Saisonphase jetzt machtlos an der Seitenlinie stehen. Wartend, bangend und hoffend, dass es bald weitergeht, die Spielzeit fortgesetzt werden kann.

"Fußball ist erst mal zweitrangig", sagte Jagatic dennoch und mahnt: "Es ist wichtig, alles zu befolgen, was durch die Virologen vorgegeben wurde." Besonders die Älteren und Risikogruppen müssen geschützt werden: "Daran sollten wir uns halten."

Erst wenn es kein Risiko mehr gebe, "kann man auch wieder Fußball spielen. Es bringt nichts, wenn es wieder losgeht und zwei, drei den Virus haben - da fängt alles wieder von vorn an", so Jagatic, der mit den Vereinsverantwortlichen schon mehrere Szenarien durchgegangen ist. "Wir müssen mehrere Pläne haben. Wenn der Tag X kommt, musst du bereit sein und kannst nicht rudern."

Jagatic wird zum heimischen Koch: "Meine Frau ist zufrieden - zumindest sagt sie das"

Das vorerst letzte Ligaspiel am 7. März verlor die BSG daheim gegen Aufstiegsanwärter Altglienicke 2:4.
Das vorerst letzte Ligaspiel am 7. März verlor die BSG daheim gegen Aufstiegsanwärter Altglienicke 2:4.  © BSG Chemie Leipzig/Christian Donner

Auch über Privates plauderte der Coach. 

Kurz nach dem Jahreswechsel ist er Vater von Zwillingen geworden und hat nun vier Sprösslinge daheim. "Da ist schon bisschen was zu tun. Die Kinderplanung ist aber durch", machte der 43-Jährige klar.

In der heimischen Küche stehe er selbst aktuell immer öfter am Herd, ist auf den Fisch gekommen. "Lachs, Rotbarsch: Man versucht immer Neues, mittlerweile gelingen mir auch die Sachen. Meine Frau ist zufrieden - zumindest sagt sie das."

Ein großes Thema ist dieser Tage auch das Überleben der Vereine. Chemie Leipzig bietet noch bis zum morgigen Sonntag, 24 Uhr, Unterstützerpakete an (>>>Infos hier). Mit Stand 1. April sind knapp 145.000 Euro zusammengekommen. Jagatic: "Das ist Wahnsinn von unseren Fans, was da abläuft. Wir sind so tierisch dankbar." 

Wie der Klub mitteilte, könne mit dem aktuellen Betrag der drohende Einnahmeverlust aus den drei letzten Heimspielen gegen Energie Cottbus, Optik Rathenow und den Berliner AK aufgefangen werden. 

Schatzmeister Florian Berger: "Jeden zusätzlichen Euro, der jetzt durch die Aktion reinkommt, legen wir zurück, um die Liquidität des Vereins zu schützen, denn wir wissen noch nicht, wie lange die aktuelle Situation anhält. Macht weiter so, denn nur durch euch lebt Chemie."

Über die Zwangspause so kurz vor Saisonende ist Trainer Miroslav Jagatic wenig begeistert. Den Klassenerhalt "hätten wir geschafft", ist er sich zehn Spieltage vor dem Ende sicher. "Man hat die Ansätze gegen Altglienicke [2:4-Pleite, Anm. d. Red.] schon gesehen. Wir waren auf einem guten Weg, haben neue Sachen ausprobiert. Das wurmt uns am meisten, dass wir das nicht fortsetzen können."

Die Saisons in der 3. Liga bis hin zu den untersten Spielklassen wurde auf unbestimmte Zeit unterbrochen. Nach Wiederaufnahme des Spielbetriebs ist auch ein Saisonende nach dem 30. Juni denkbar, teilte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) am Freitag mit. 

Titelfoto: Picture Point/Gabor Krieg

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