"Deine Sippe gehört vergast!": BFC relativiert hässliche Szenen gegenüber Chemie Leipzigs Trainer

Leipzig/Berlin - Nach der Attacke von Anhängern des BFC Dynamo auf das Team der BSG Chemie Leipzig am vergangenen Sonntag haben sich beide Klubs zu den Geschehnissen geäußert. Gegensätzlicher könnten beide Statements an mancher Stelle kaum sein.

BSG-Trainer Miroslav Jagatic (45) muss sich vom Gegner BFC Dynamo einige Vorwürfe gefallen lassen – und das, obwohl er rassistisch beleidigt worden ist. (Archivbild)
BSG-Trainer Miroslav Jagatic (45) muss sich vom Gegner BFC Dynamo einige Vorwürfe gefallen lassen – und das, obwohl er rassistisch beleidigt worden ist. (Archivbild)  © Picture Point / Gabor Krieg

Kaum war die Regionalliga-Partie zwischen dem Tabellenersten aus der Hauptstadt und den Grün-Weißen aus dem Leutzscher Holz beendet, brach am Sonntag auf und neben dem Platz das Chaos aus. Gegenstände flogen, Leipziger Akteure wurden wüst beschimpft, Fans wurden durch Pfefferspray der Polizei verletzt.

Am Montagnachmittag äußerte sich der BFC schließlich zu den Vorfällen und hat offenbar seinen Schuldigen bereits gefunden – Chemie-Coach Miroslav Jagatic (45)!

So habe er, "statt besonnen und deeskalierend zu reagieren und den Platz zu verlassen", die Situation zwischen den Lagern mit seinem Verhalten weiter angeheizt, nachdem einige Leipziger Spieler die gegnerischen Fans provoziert haben sollen.

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Dem vorangegangen war eine üble Aussage eines BFC-Fans gegenüber Jagatic, als dieser seine Mannschaft aus dem Mittelpunkt des Geschehens herausholen wollte, heißt es vonseiten der Chemie-Verantwortlichen.

So soll dieser ihm "Deine Sippe gehört vergast!" zugerufen haben, woraufhin der Trainer die Fassung verloren habe. Man könne von einem Menschen kaum erwarten, solche Angriffe "einfach nur ruhig über sich ergehen zu lassen und den Platz kommentarlos zu verlassen".

Infolgedessen haben laut den Berlinern einzelne Gäste-Fans offenbar versucht, die Zäune zu überwinden. Eine körperliche Auseinandersetzung zwischen den Anhängern habe "durch das konsequente Eingreifen des Ordnungsdienstes und der eingesetzten Polizeikräfte" verhindert werden können.

BFC-Anhänger warfen mit Kies gefüllte Becher auf Leipziger Team

Die Anhänger des BFC Dynamo, die als äußerst gewaltbereit gelten, sind nicht das erste Mal negativ aufgefallen.
Die Anhänger des BFC Dynamo, die als äußerst gewaltbereit gelten, sind nicht das erste Mal negativ aufgefallen.  © Facebook/BSG Chemie Leipzig/Moritz Heidenblut

Wie im Statement der Leipziger zu lesen ist, seien Einwechselspieler und Betreuer schon während des Spiels mit Gegenständen, darunter wohl sogar mit Kies gefüllte Becher, beworfen worden. Man habe aber bewusst darauf verzichtet, dies dem Schiedsrichter zu melden, "um die Situation nicht unnötig weiter anzuheizen".

Als "vollkommen inakzeptabel" sehe man allerdings das Verhalten gegenüber Benjamin Luis (22), der nicht nur von einem einzelnen BFC-Anhänger "wegen seiner Hautfarbe mit Affenlauten und rassistischen Schmähwörtern" beleidigt worden war.

Im Statement der Berliner hieß es hingegen, dass sich nur eine Person gegenüber Luis derart geäußert hatte. Andere BFC-Fans sollen versucht haben, dieses Verhalten zu unterbinden.

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Auch nach der Partie seien die Angriffe weitergegangen, ohne dass die Sicherheitsorgane eingegriffen hätten. Einzelne Personen aus dem Trainerteam des BFC haben versucht, die Leipziger Akteure vor den Wurfgeschossen zu schützen, wird deutlich betont. Dennoch verurteile man "die unerträgliche Täter-Opfer-Umkehrung seitens des BFC Dynamo in seiner Stellungnahme".

In einem Punkt hat der BFC möglicherweise recht – vermutlich haben sich auch manche Leipziger Fans nicht tadellos benommen. Doch am Ende geht es nicht darum, wer angefangen hat, sondern dass Rassismus und Antisemitismus im Fußballstadion und überhaupt im Sport nichts zu suchen haben.

Titelfoto: Bildmontage / PICTURE POINT/Gabor Krieg / Facebook/BSG Chemie Leipzig/Moritz Heidenblut

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