Lok und Chemie Leipzig gegen die Corona-Krise: "Können die Vereine nicht sterben lassen!"

Leipzig - Not macht erfinderisch! Auf der Suche nach Einnahmequellen in der spielfreien Coronavirus-Krise sind die Leipziger Fußball-Regionalligisten 1. FC Lokomotive und BSG Chemie auf zwei ähnliche Ideen gekommen. 

Am 5. April sollte das Leipziger Derby Lok gegen Chemie steigen. Daraus wird wegen der Corona-Krise aber nichts. 
Am 5. April sollte das Leipziger Derby Lok gegen Chemie steigen. Daraus wird wegen der Corona-Krise aber nichts.  © Picture Point/Gabor Krieg

"Ich träume davon, dass wir uns in ein, zwei Monaten hier alle gesund und munter im Bruno-Plache-Stadion wiedersehen und mit unseren sportlichen Rivalen wieder tolle Erlebnisse haben", sagt Thomas Löwe, Präsident des mit Nordost-Spitzenreiter VSG Altglienicke punktgleichen FCL. 

Dass der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) vorsorglich den gesamten Spielbetrieb bis einschließlich 19. April ausgesetzt hat, bedroht vor allem die Existenzen kleinerer Klubs. "Das trifft uns jetzt sehr hart, dass wir so ausgebremst werden", sagt Löwe, der mit dem Verein auf einem guten Weg in Richtung Meisterschaft war. "Aber die Gesundheit der Menschen geht absolut vor."

Während er an die Bürger appelliert, behördliche Vorgaben zur Unterbrechung der Coronavirus-Übertragungskette einzuhalten, macht er klar, dass die Probstheidaer auf staatliche Hilfen angewiesen sind. Die Mitarbeiter der Geschäftsstelle wurden zur Kontaktminimierung in Schichten eingeteilt, Kurzarbeit beantragt. 

Doch es gibt auch Lichtblicke. Auf der Suche nach Finanzspritzen kann sich die Loksche offenbar auf seine Fans verlassen. Wie vielerorts bereits angelaufen, verkauft auch der 1. FCL virtuelle Tickets für ein Spiel am 8. Mai, das in der Realität gar nicht stattfindet. Das für 10.900 ausgelegte heimische Bruno-Plache-Stadion ist mit Stand Samstagvormittag schon fast dreimal gefüllt, knapp 31.000 Eintrittskarten zu je einem Euro wurden verkauft. 

Ziel ist, zunächst die Marke von 55.000 "Zuschauern" zu knacken. Jene Anzahl an Menschen war im Mai 1955 bei der Partie Rotation Leipzig gegen Bayern München anwesend. 32 Jahre später kamen sogar 120.000 Menschen ins Zentralstadion, als Lok im Europacup-Halbfinale Girondins Bordeaux empfing. 

"Der Zuspruch ist sensationell. Die Fans wissen, dass sie jetzt ihrem Verein helfen müssen, um die blau-gelbe Fußballtradition zu erhalten. Wir führen einen Existenzkampf", macht Thomas Löwe den Ernst der Lage klar. "Wir können die Vereine nicht sterben lassen."

Auf die zehn Personen, die die meisten virtuellen Karten kaufen, wartet eine exklusive Überraschung, die man laut Lok "mit keinem Geld der Welt kaufen kann".

Zu den Eintrittskarten geht es >>> hier

Stadtrivale Chemie hat eine ähnliche, aber doch andere Idee

Und auch Stadt- und Ligarivale Chemie Leipzig hat sich etwas einfallen lassen. 

"Seit Gründung planen wir ausnahmslos jede Saison wirtschaftlich solide. Ein Virus, das den kompletten Spielbetrieb außer Kraft setzt und damit die Einnahmen aus gleich mehreren Heimspielen gefährdet, konnten aber auch wir nicht vorhersehen. Die Einnahmeverluste belaufen sich auf mindestens 80.000 Euro. Geld, das uns kurzfristig im Etat fehlt", teilte der Aufsteiger mit.

Jeder Unterstützer werde laut dem Leutzscher Verein nicht nur online erwähnt, "sondern auch am Haupteingang des Alfred-Kunze-Sportparks auf unseren 'Soli-Bannern'".

Vier Unterstützer-Pakete hat die BSG kreiert, die verschiedene Preise und Inhalte haben. Von 28 Euro ("Leutzscher Holz") bis hin zu 450 Euro für das "Leutzscher Legende"-Paket ist sicher für jeden Fan etwas dabei. 

Ab dem zweitgünstigsten Paket "Leutzsch-Leutzsch-AKS" (48 Euro) gibt es je ein fiktives Ticket für die Heimspiele gegen Cottbus, Rathenow und den Berliner AK. Die Besonderheit: "Sollten die Spiele noch stattfinden, wandeln sich die fiktiven Soli-Tickets automatisch in echte Eintrittskarten um, mit denen ihr ins Stadion gehen könnt!"

In JEDEM Paket ist neben einer Urkunde und der Namenserwähnung auch ein Schal enthalten, der nirgendwo zu kaufen ist oder sein wird. 

Zudem hat Chemie auch ein Konto veröffentlicht, auf das Spenden eingehen können. Alle Infos zu Paketen und Spenden findet Ihr >>> hier

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Titelfoto: Picture Point/Gabor Krieg

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