VAR-Debatte in Frankfurt: Trapp wettert gegen "scheiß Abseitstore"

Frankfurt am Main - Der aufgebrachte Kevin Trapp (32) war kaum zu beruhigen. Zuerst diskutierte der Torhüter von Eintracht Frankfurt intensiv mit den Schiedsrichtern, dann redete er sich vor laufender Kamera fast um Kopf und Kragen.

Frankfurts Kevin Trapp (32, M.) und Tuta (23, l.) diskutieren nach dem Spiel mit Schiedsrichter Martin Petersen (37) über den umstrittenen Ausgleichstreffer des 1. FC Köln.
Frankfurts Kevin Trapp (32, M.) und Tuta (23, l.) diskutieren nach dem Spiel mit Schiedsrichter Martin Petersen (37) über den umstrittenen Ausgleichstreffer des 1. FC Köln.  © DPA/Arne Dedert

"Jedes Wochenende haben wir Diskussionen über diese scheiß Abseitstore. Es tut mir leid für meine Wortwahl, aber es ist einfach ein Wahnsinn!", wetterte der Nationaltorwart nach dem 1:1 (0:0) der in der neuen Fußball-Bundesligasaison weiter sieglosen Eintracht gegen den 1. FC Köln.

Grund für Trapps Ärger: Das späte Ausgleichstor der Kölner vor 50.800 Zuschauern durch Jan Thielmann (23) in der 82. Minute, das von Schiedsrichter Martin Petersen (37) und den Videoassistenten erst nach einer minutenlangen Analyse anerkannt worden war.

Es ging um die knifflige Frage, ob der leicht im Abseits gestandene Stürmer Florian Dietz (24) womöglich Trapp die Sicht versperrt hatte.

Eintracht kommt nicht zur Ruhe: DFB verhängt Mega-Geldstrafe
Eintracht Frankfurt Eintracht kommt nicht zur Ruhe: DFB verhängt Mega-Geldstrafe

"Es tut mir leid, aber wenn da einer steht, dann ist es Abseits. Ich reagiere auch gar nicht, ich sehe den Ball nicht! Da verstehe ich nicht, warum man das nicht rigoros abpfeift", sagte Trapp bei DAZN.

Auch sein Trainer Oliver Glasner (47) verstand die (Regel-)Welt nicht mehr: "Der Stürmer steht in der Linie von Kevin - dann ist es Abseits."

FC-Trainer Steffen Baumgart kann sich über Schiedsrichter-Entscheidung "nicht beschweren"

Der Kölner Jan Thielmann (23, 2.v.r.) erzielt das 1:1. Hat der leicht abseits stehende Florian Dietz (24, l.) Eintracht-Keeper Kevin Trapp (32) dabei die Sicht versperrt?
Der Kölner Jan Thielmann (23, 2.v.r.) erzielt das 1:1. Hat der leicht abseits stehende Florian Dietz (24, l.) Eintracht-Keeper Kevin Trapp (32) dabei die Sicht versperrt?  © DPA/Arne Dedert

Selbst Torschütze Thielmann antwortete ausweichend auf die Frage, ob Dietz im Abseits gestanden und Trapps Sicht behindert habe: "Als Kölner muss ich natürlich nein sagen...".

Auch FC-Trainer Steffen Baumgart (50) wollte sich über die Entscheidung "nicht beschweren". Doch auch er kritisierte das Schiedsrichtergespann: "Wenn vier Situationen dazu notwendig sind, ein Tor ab- oder anzuerkennen, dann finden wir das alle schwierig. Da treffe ich jede Schiedsrichter-Entscheidung im Training klarer und deutlicher."

Vor dem umstrittenen Ausgleich hatte Daichi Kamada (26) nur zwei Minuten nach seiner Einwechslung mit einem sehenswerten Freistoßtor für den Europa-League-Gewinner aus Frankfurt getroffen (71.). Dabei hatten die Gastgeber Glück, dass Jonas Hector (32.) den Ball noch leicht mit dem Kopf abfälschte.

Wackelt Toppmöller nach Europa-Aus? Das sagt Eintracht-Sportvorstand Krösche
Eintracht Frankfurt Wackelt Toppmöller nach Europa-Aus? Das sagt Eintracht-Sportvorstand Krösche

Trotzdem bleibt die Eintracht saisonübergreifend auch im elften Spiel hintereinander ohne Sieg. Glasner erkannte dennoch einen Fortschritt: "Mit einem Abseitstor ein 1:1 - das war ein Schritt nach vorne in vielen Bereichen."

Eintracht Frankfurt mit Viererkette und Luca Pellegrini

Neuzugang Luca Pellegrini (23, r.) feierte ein gelungenes Debüt im Trikot von Eintracht Frankfurt.
Neuzugang Luca Pellegrini (23, r.) feierte ein gelungenes Debüt im Trikot von Eintracht Frankfurt.  © DPA/Arne Dedert

Bei den Hessen hatte Glasner auf eine Vierer-Abwehrkette umgestellt, nachdem seine Hintermannschaft bisher oft gewackelt hatte. Dabei durfte die Juventus-Leihgabe Luca Pellegrini (23) auf Links von Anfang an ran, nachdem auch Almamy Touré (26) fehlte.

Kapitän Sebastian Rode (31) in seinem 200. Bundesliga-Spiel und Djibril Sow (25) sorgten erstmal im Frankfurter defensiven Mittelfeld dafür, dass der Spielaufbau der Gäste immer wieder empfindlich gestört wurde.

Davor bemühten sich vor den Augen von Bundestrainer Hansi Flick (57) Ex-Weltmeister Mario Götze (30), der bislang nur beim Pokalsieg in Magdeburg richtig überzeugt hatte, und Jesper Lindström (22) um Lücken in der gegnerischen Defensive.

Der am Sonntag ausgeliehene Mittelfeldspieler Junior Dina Ebimbe (21) von Paris Saint-Germain stand noch nicht im Kader.

Ein Flachschuss von Pellegrini rechts am Tor vorbei war so ziemlich die einzige nennenswerte Frankfurter Torchance des ersten Durchgangs.

Daichi Kamadas (26, nicht im Bild) Freistoß senkt sich zum 1:0 für Eintracht Frankfurt ins Netz der Kölner.
Daichi Kamadas (26, nicht im Bild) Freistoß senkt sich zum 1:0 für Eintracht Frankfurt ins Netz der Kölner.  © DPA/Arne Dedert

Daichi Kamada brachte Eintracht Frankfurt kurz nach seiner Einwechslung in Führung

Dann kamen die Kölner immer mehr auf: Abwehrchef Evan Ndicka (23) hatte im letzten Moment noch den Fuß dran, als Steffen Tigges (24) aus wenigen Metern schoss (38.). Kurz danach traf Hector das Außennetz, und Sargis Adamyan (29) prüfte Trapp.

Mit drei Wechseln auf einen Schlag - darunter der zuletzt formstarke Dietz - stärkte dann Baumgart nach rund einer Stunde seine Elf.

Die Eintracht mühte sich, die Kölner hielten mit kühlem Kopf und Zweikampfhärte dagegen - bis Kamada aus spitzem Winkel gegen den machtlosen Schwäbe traf. Danach wurde es hektisch - vor allem beim Ausgleich für Köln nach Videobeweis.

Titelfoto: DPA/Arne Dedert

Mehr zum Thema Eintracht Frankfurt: