Eintracht Frankfurt verspielt Champions League: Hellmann kritisiert "Schönrederei"

Frankfurt am Main - Nach zwischenzeitlich bereits sieben Punkten Vorsprung auf den Mitbewerber aus Dortmund kann Eintracht Frankfurt den BVB im Kampf um Rang vier nicht mehr einholen. Klare Worte gab es von Vorstandssprecher Axel Hellmann (49).

Vorstandssprecher Axel Hellmann (49) sagte nach der verspielten Champions-League-Teilnahme: "Es ist nicht der Zeitpunkt, sich über den fünften Platz zu freuen."
Vorstandssprecher Axel Hellmann (49) sagte nach der verspielten Champions-League-Teilnahme: "Es ist nicht der Zeitpunkt, sich über den fünften Platz zu freuen."  © DPA/Arne Dedert

Der Pokalsieger gewann am Sonntagabend beim 1. FSV Mainz 05 mit 3:1 und hat vor dem Saisonfinale vier Zähler Vorsprung. Anschließend machte der VfL Wolfsburg mit einem 2:2 bei RB Leipzig und wie Dortmund 61 Punkten das Champions-League-Aus der Eintracht perfekt.

Die Hessen verloren bereits m Samstag beim Absteiger FC Schalke 04 mit 3:4 (1:1).

Seit der Ankündigung von Trainer Adi Hütter (51) Mitte April, in der kommenden Saison zu Borussia Mönchengladbach zu wechseln, verbuchten die Frankfurter nur vier Zähler aus fünf Partien.

Entgegen der bisherigen Sprachregelung stellte Mittelfeldspieler Sebastian Rode (30) einen Zusammenhang zwischen dem Leistungseinbruch des Teams und der Entscheidung des Fußball-Lehrers her: "Ich denke, das ist nicht von der Hand zu weisen. Es war ein Faktor, aber nicht der entscheidende."

Weil neben Hütter auch Sportchef Fredi Bobic (49) die Eintracht am Ende der Saison verlässt und zu Hertha BSC wechselt, gab es nach dem Schlusspfiff reichlich Fragen zum Einfluss dieser Personalien auf den Einbruch des Teams. "Das ist aus meiner Sicht sehr, sehr billig. Aber ich weiß, wie das Geschäft funktioniert", kommentierte Bobic genervt.

Ähnlich tief wie bei seinen Spielern saß der Frust bei Hütter: "Wir haben das alle zusammen vergeigt. An dieser Niederlage haben wir unglaublich zu knabbern."

André Silvas Torrekord ist nur ein schwacher Trost

André Silva (r.) erzielte gegen den FCSchalke 04 seine Saisontore 26 und 27.
André Silva (r.) erzielte gegen den FCSchalke 04 seine Saisontore 26 und 27.  © dpa/Guido Kirchner

Gleichwohl erinnerte der Österreicher an die lange Zeit starke Saison seiner Mannschaft: "Wir hatten ein Traumziel. Aber wir sind immer noch Fünfter. Hätten wir die Ziele nicht so hoch gesteckt und hätten gesagt, dass wir vielleicht Europa League oder Conference League spielen wollen, dann wäre es super gewesen."

Bobic fand ähnliche Worte wie der Coach: "Dennoch war es eine Rekordsaison, in der wir souverän in die Europa League einziehen und bisher erst sechsmal verloren haben."

Dem widersprach Vorstandssprecher Axel Hellmann am Sonntag in mehreren Frankfurter Medien: "Wir sind uns im Vorstand alle einig, dass diese Schönrederei das falsche Signal ist. Es ist nicht der Zeitpunkt, sich über den fünften Platz zu freuen oder diesen als Erfolg zu verkaufen."

"Nach 60 Jahren ohne Champions League hatten wir eine historische Chance. Wir haben versagt. Ich kann die Wut und Enttäuschung der Fans verstehen", sagte Hellmann zudem bei "Sport1".

«Wir können in Anbetracht der letzten Ergebnisse nicht von einem tollen Saisonergebnis oder einer tollen Leistung sprechen», fügte Hellmann an. Vor allem das 3:4 gegen den längst abgestiegenen FC Schalke 04 am vergangenen Samstag störte Hellmann. «Die Mannschaft hat den deutlichen Vorsprung auf Borussia Dortmund aus der Hand gegeben. Wir haben uns gegen Schalke blamiert.»

Sowohl Trainer Adi Hütter (nach Gladbach) als auch Sportvorstand Fredi Bobic (zu Hertha) verlassen den Club am Saisonende. Mit Blick auf die Umstände rund um Hütters Abgang kommentierte Hellmann: «Da ist viel Glaubwürdigkeit verloren gegangen.» Wer in der kommenden Saison auf den Österreicher folgt, ist noch offen.

Selbst die beiden Treffer von André Silva (29./72.) und die zwischenzeitliche 2:1-Führung durch Evan Ndicka (51.) bescherten auf Schalke kein Happy End. Gegentore durch Klaas-Jan Huntelaar (15.), Blendi Idrizi (53.), Florian Flick (60.) und Matthew Hoppe (64.) besiegelten die dritte Auswärtsniederlage in Serie.

Immerhin gab es für die im Schlussspurt schwächelnde Eintracht doch noch einen Lichtblick. Mit seinen Saisontoren 26 und 27 überbot der portugiesische Angreifer Silva den bisherigen Vereinsrekord von Bernd Hölzenbein.

"Das ist außergewöhnlich. Schließlich ist Hölzenbein eine Legende in Frankfurt", kommentierte Hütter. Wirkliche Freude empfand der Fußball-Lehrer aber nicht: "Es ist ein schwacher Trost. André würde die beiden Tore gern tauschen für einen Sieg."

Titelfoto: DPA/Arne Dedert

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