Eintrachts Champions League-Gegner SSC Neapel: Mehr als Maradona und Margherita

Frankfurt am Main - Es ist ein wahrer Leckerbissen für all diejenigen, die ihr Herz an den Fußball - oder Calcio, wie er beim Champions League-Achtelfinalgegner genannt wird - verloren haben: Eintracht Frankfurt trifft beim Premieren-Auftritt in der K.o.-Runde auf SSC Neapel. Und die Stadt des aktuellen Tabellenführers der Serie A hat in dieser Saison weitaus mehr zu bieten als Pizzatradition und eine ewige Legende.

In und um Neapel allgegenwärtig: Diego Armando Maradona (†60) sorgte sogar für eine Namensänderung des Stadions der SSC Neapel.
In und um Neapel allgegenwärtig: Diego Armando Maradona (†60) sorgte sogar für eine Namensänderung des Stadions der SSC Neapel.  © Fabio Sasso/ZUMA Press Wire/dpa

Die rein auf die Einwohnerzahlen beschränkt drittgrößte Metropole Italiens (über drei Millionen Einwohner) gilt als Mutterstadt der Pizza Margherita und geriet neben ihrem Status als kulturelles Zentrum Süditaliens immer wieder aufgrund von organisiertem Verbrechen und dem damit durchaus einher gehenden Müllproblem negativ in die weltweiten Schlagzeilen.

Doch abseits aller Historie Gesellschaftsproblematik gibt es in der Geburtsstadt von Carlo Pedersoli (†86), den die meisten wohl als Bud Spencer in Erinnerung haben werden, noch eine Parallelwelt, in der nahezu immer heile Welt herrscht - die Società Sportiva Calcio Napoli oder kurz SSC Neapel.

Der zweimalige italienische Meister und sechsfache Pokalsieger erlebte in seiner seit 1926 bestehenden Geschichte sowohl Glanz und Gloria als auch allerlei Schattenseiten.

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Während man sich in den ersten Jahrzehnten des eigenen Bestehens immer wieder mal in die Zweitklassigkeit verabschiedete und aus eben dieser wieder zurückmeldete, sollte Mitte der 1980er-Jahre ein nur 1,65 Meter großer Argentinier die Fanliebe zum Verein bis zum heutigen Tage auf ein ganz neues Niveau heben.

Mit seinem Wechsel vom großen FC Barcelona brachte Diego Armando Maradona (†60) einen zuvor nie dagewesenen Glanz in die süditalienische Metropole. Und auch sportlich sorgte die "Hand Gottes" für den bis dato letzten wirklichen Höhenflug der "Azzuri".

Eintracht-Fans und -Verantwortliche schwärmen vom Champions League-Los SSC Neapel

Die SSC Neapel steht der SGE in Sachen Fanliebe in keiner Weise nach

Können Eintrachts Stars Daichi Kamada (26, l.), Randal Kolo Muani (23, M.) und Mario Götze (30) vor allem im Hexenkessel Stadio Diego Armando Maradona bestehen?
Können Eintrachts Stars Daichi Kamada (26, l.), Randal Kolo Muani (23, M.) und Mario Götze (30) vor allem im Hexenkessel Stadio Diego Armando Maradona bestehen?  © Armando Franca/AP/dpa

In seiner Zeit bei der SSC führte Maradona den Verein zu beiden Meistertiteln (86/87 und 89/90), einem nationalen Pokal- (86/87) und einem Superpokalerfolg (90/91) sowie dem Gewinn des UEFA-Cups (88/89). Auch Jahrzehnte nach seinem Abgang und über sein Ableben hinaus sind Maradona und Neapel untrennbar miteinander verknüpft.

Nach dem Tod des 86er-Weltmeisters wurde das altehrwürdige "Stadio San Paolo" kurzerhand in das "Stadio Diego Armando Maradona" umbenannt - zudem erinnert eine goldene Statue an einen der begnadetsten und gleichzeitig umstrittensten Kicker der Fußballgeschichte.

Nach einem zwischenzeitlichen Zwangsabstieg aufgrund von Insolvenz kehrten die stolzen Neapolitaner erst in der Saison 2006/07 zurück in das italienische Fußball-Oberhaus - gemeinsam mit dem damals ebenfalls zum Abstieg verdonnerten Serienmeister Juventus Turin.

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Während man seitdem immer wieder vereinzelt mit Highlight-Fußball, großen Namen à la Gonzalo Higuain (34) oder Edinson Cavani (35) begeisterte, scheint SSC 2022 ernsthaft um Titel mitspielen zu wollen - und zu können.

In der Liga steht man nach 13 Partien sechs Zähler vor Vorjahresmeister AC Mailand, hat Serientitelträger Juve sogar bereits um satte zehn Punkte hinter sich gelassen. Das Team des wohl charmantesten Glatzenträgers neben Pep Guardiola (51) - Luciano Spalletti (63) - überzeugte aber auch in der Gruppenphase der Königsklasse.

Neapel ließ auch Jürgen Klopps Liverpool alt aussehen

Ob Eintracht-Vorstandssprecher Axel Hellmann (51, l.) und Sportvorstand Markus Krösche (42) auch nach dem Doppelduell mit der SSC Neapel so freudig strahlen werden, bleibt bis ins neue Jahr abzuwarten.
Ob Eintracht-Vorstandssprecher Axel Hellmann (51, l.) und Sportvorstand Markus Krösche (42) auch nach dem Doppelduell mit der SSC Neapel so freudig strahlen werden, bleibt bis ins neue Jahr abzuwarten.  © DPA/Arne Dedert

In einer Viererkonstellation mit dem FC Liverpool, Ajax Amsterdam und den Glasgow Rangers ließ Napoli lediglich drei Punkte am letzten Spieltag an der Anfield Road (0:2) liegen, fügte dem Team von Jürgen Klopp (55) an Spieltag eins eine empfindliche 4:1-Klatsche zu.

Vor allem im "Stadio Diego Maradona" wird es für die Truppe um SGE-Übungsleiter Oliver Glasner (48) wichtig sein, nicht vollends unter die Räder zu kommen. Denn die Geräuschkulisse und der Spirit der von den Rängen auf die aktuellen Leistungsträger wie Victor Osimhen (23) oder Chwitscha Kwarazchelia (21) übergehen kann, vermag vor allem aktuell selbst die Größten des Fußballs einzuschüchtern.

Somit sollte es kaum verwundern, dass die Fans der Eintracht durchaus froh darüber sind, dass das Achtelfinale erst im kommenden Februar startet, während man auf eine - vielleicht auch WM-bedingte - Formdelle der Süditaliener hofft.

Überwiegend herrscht in den sozialen Medien jedoch große Vorfreude auf einen Gegner, der den Fußball ebenso schätzt und verehrt wie man selbst.

Als unverkennbar "schweren", aber zu erwartenden Gegner stufte Sportvorstand Markus Krösche (42) die Neapolitaner ein. Dennoch betonte er selbstsicher: "Wir werden alles tun, um in die nächste Runde einzuziehen".

Um dieses ambitionierte Ziel zu verwirklichen, darf die Eintracht vor allem eines in keinem Moment vergessen: Neapel ist weitaus mehr als Margherita und Maradona!

Titelfoto: Montage: Fabio Sasso/ZUMA Press Wire/dpa, Armando Franca/AP/dpa

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