FC Augsburg in der Bundesliga-Vorschau: Packt der FCA frühzeitig den Klassenerhalt?

Augsburg - Wohin führt die Reise des FC Augsburg? Die Mannschaft von Heiko Herrlich (48) scheint besser aufgestellt zu sein als noch in der Vorsaison. Sie muss allerdings auch einen Umbruch verkraften. Gelingt der vorzeitige Klassenerhalt? Alles dazu in der TAG24-Vorschau.

Rafal Gikiewicz ist der Top-Transfer des FC Augsburg

Immer wieder hatten die Fuggerstädter große Probleme auf der Torhüterposition. Am Ende der abgelaufenen Saison spielte Andreas Luthe (33) doch noch eine solide Runde, nachdem er zuvor den fehlerhaften Tomas Koubek (28) abgelöst hatte.

Mit Rafal Gikiewicz (32), der ablösefrei vom 1. FC Union Berlin kam, hat der FCA nun endlich den sicheren Rückhalt, den man seit dem Auslaufen der Leihe von Gregor Kobel händeringend gesucht hatte.

Der polnische Schlussmann dirigiert seine Mitspieler lautstark, ist positiv verrückt, verfügt über starke Reflexe auf der Linie, ist auch fußballerisch und in der Strafraumbeherrschung ein guter Mann und übernimmt Verantwortung. 

Mit ihm ist Augsburg auf jeden Fall besser aufgestellt als in der Vorsaison.

Rafal Gikiewicz (32) ging schon beim 1. FC Union Berlin als lautstarker Führungsspieler voran. Diese Rolle soll der sehr gute Bundesliga-Keeper auch beim FC Augsburg einnehmen.
Rafal Gikiewicz (32) ging schon beim 1. FC Union Berlin als lautstarker Führungsspieler voran. Diese Rolle soll der sehr gute Bundesliga-Keeper auch beim FC Augsburg einnehmen.  © Picture Point / Sven Sonntag

Daniel Caligiuri, Tobias Strobl, Robert Gumny sind die weiteren Neuzugänge des FC Augsburg

Der FCA hat aufgerüstet! Eine erneute Zittersaison soll auf jeden Fall verhindert werden. Personell wurden die Weichen dafür gestellt.

Ablösefrei vom FC Schalke 04 kam Daniel Caligiuri (32), der auf der rechten Seite alle Positionen auf einem überdurchschnittlichen Level bekleiden kann und seine frühere Mannschaft mehrfach als Kapitän aufs Feld führte. 

Mit der Erfahrung von 298 Bundesliga-Spielen (40 Tore, 50 Vorlagen) bringt er zudem extrem viel Erfahrung mit nach Augsburg. Seine Dynamik, sein laufintensives Spiel, sein Kampfgeist und seine Führungsqualitäten dürften für die Fuggerstädter Gold wert sein!

Gleiches gilt für Tobias Strobl (30). Der zentrale Mittelfeldspieler kam ebenfalls ablösefrei. Diesmal schlug Sportgeschäftsführer Stefan Reuter (53) bei Borussia Mönchengladbach zu. Der körperlich präsente und passsichere Zweikämpfer Strobl soll das Mittelfeldzentrum stabilisieren und Verantwortung übernehmen. 

Dank seiner ruhigen Präsenz und unauffälligen Spielweise wurde er in seiner Karriere oft unterschätzt. Wie wichtig er für sein Team ist, wird er wohl auch in Augsburg wieder unter Beweis stellen - sofern er fit bleibt. 

Außerdem wurde Robert Gumny (22) vom polnischen Erstligisten Lech Posen geholt. Seine Dienste ließ sich der FCA immerhin zwei Millionen Euro Ablöse kosten. Das große Talent ist Kapitän der U21-Auswahl seines Landes und kam trotz seines jungen Alters auf bereits 96 Einsätze für seinen Ex-Klub. Mit seiner Schnelligkeit, Technik und Dynamik könnte er sich als weitere sofortige Verstärkung herausstellen.

Dazu wurde mit Felix Uduokhai (22) ein bereits zuvor ausgeliehener Innenverteidiger fest verpflichtet. Satte sieben Millionen Euro überwiesen die Fuggerstädter an den VfL Wolfsburg als Ablösesumme. Bleibt der zentrale Abwehrspieler mit Gardemaß (1,92 Meter groß) weiterhin verletzungsfrei, wird er der Augsburger Defensive Stabilität verleihen. 

Überdies kehrten mit Michael Gregoritsch (26) und Mads Pedersen (23) zwei ausgeliehene Akteure zurück, die vermutlich als Kaderspieler eingeplant sind. Ersterer spielte im DFB-Pokal sogar von Beginn an.

Daniel Caligiuri (l.) erzielte im DFB-Pokalspiel beim MTV Eintracht Celle das 2:0. Auch er wurde als erfahrener Führungsspieler, der vorangeht, verpflichtet.
Daniel Caligiuri (l.) erzielte im DFB-Pokalspiel beim MTV Eintracht Celle das 2:0. Auch er wurde als erfahrener Führungsspieler, der vorangeht, verpflichtet.  © Tom Weller/dpa

Philipp Max, Daniel Baier, Kevin Danso, Andreas Luthe: Die Abgänge des FC Augsburg

Auch hier hat sich einiges getan! Allen voran der Abgang von Philipp Max (26), der für acht Millionen Euro zum niederländischen Spitzenklub PSV Eindhoven gewechselt ist, tut richtig weh. Der dynamische Linksverteidiger sorgte mit seinen Läufen regelmäßig für Gefahr und bereitete sechs Treffer vor. Noch öfter netzte er selbst ein: acht Tore gelangen ihm in der Vorsaison.

Nach zehneinhalb Jahren hat zudem eine echte Vereinslegende ihre Fußballschuhe an den Nagel gehängt: Daniel Baier (36) beendete seine Karriere als Rekordspieler des Klubs (355 Einsätze, acht Tore, 25 Vorlagen). Das reißt sportlich und vor allem menschlich eine Lücke, die von den Neuzugängen aber normalerweise gefüllt werden dürfte.

Auch Stephan Lichtsteiner (36), der sieben Jahre bei Juventus Turin überragte, sieben Meisterschaften mit der Alten Dame holte und 108-Länderspiele für die Schweiz bestritt, hat mit dem Fußball aufgehört. Beim FCA kam er aber gerade in der Rückrunde ohnehin nicht mehr wirklich zum Zug. 

Dazu verlieh Augsburg die talentierten Kevin Danso (21; für 500.000 Euro Gebühr an Zweitligist Fortuna Düsseldorf), Maurice Malone (19; für 50.000 Euro Gebühr an Drittligist SV Wehen Wiesbaden), Jozo Stanic (21; an Drittligist FSV Zwickau), und Sergio Córdova (23; an Konkurrent Arminia Bielefeld).

Außerdem wurde Tim Rieder (26) für eine Ablösesumme von 50.000 Euro endgültig abgegeben. Er wechselte zu Drittligist 1. FC Kaiserslautern. 

Ablösefrei durften die beiden Keeper Fabian Giefer (30; zu Zweitligist FC Würzburger Kickers) und Luthe (33; zu Union) sowie der rechte Flügelspieler Georg Teigl (29; zum FK Austria Wien) gehen. Zu guter Letzt endete auch die Leihe von Tin Jedvaj (24). 

Da der Kader aber noch immer 29 Mann umfasst, ist davon auszugehen, dass der ein oder andere Spieler noch wechseln wird. Kandidaten hierfür sind Julian Schieber (31), der umworbene Marco Richter (22), Felix Götze (22) und Spieler im Mittelfeldzentrum, deren Chance auf Einsätze aufgrund der Vielzahl an Konkurrenten gering sein wird.

Der Abgang von Leistungsträger Philipp Max (26) wiegt beim FC Augsburg besonders schwer.
Der Abgang von Leistungsträger Philipp Max (26) wiegt beim FC Augsburg besonders schwer.  © Stefan Puchner/dpa

So tickt Augsburg-Trainer Heiko Herrlich

Heiko Herrlich (48), der langjährige Klassestürmer von Borussia Dortmund, Bayer 04 Leverkusen und Borussia Mönchengladbach, hat in seinem Leben schon einiges überstanden. Im Herbst 2000, als Heiko Herrlich 28 Jahre jung war, wurde bei ihm ein bösartiger Gehirntumor diagnostiziert, den er mithilfe einer Strahlentherapie aber erfolgreich bekämpfte. Er sprach von der "schlimmsten Zeit seines Lebens" und litt an Depressionen. Doch er rappelte sich wieder auf und fand Kraft in seinem Glauben an Gott. 

Herrlichs Ehe, aus der zwei Töchter hervorgingen, hielt 20 Jahre. Die Trennung traf ihn noch härter als sein Tumor, wie er der Augsburger Allgemeinen sagte. Mit seiner neuen Lebensgefährtin hat er mittlerweile eine weitere Tochter. 

Sportlich machen ihn vor allem seine Empathie und seine Ruhe aus. Denn wer schon so viel erlebt hat, der rastet eben nicht mehr so schnell aus. Das soll allerdings nicht heißen, dass Herrlich nicht emotional ist. Denn je nach Situation pusht er seine Mannschaft auch von der Außenlinie. 

Sein größter Erfolg: er stieg mit dem SSV Jahn Regensburg über den Umweg Relegation aus der 3. Liga in die 2. Bundesliga auf. Dazu schaffte er mit dem FCA den Klassenerhalt. Das soll nun wieder klappen, vermutlich in dem von ihm bevorzugten 4-2-3-1-System.

FCA-Coach Heiko Herrlich (48) geht an der Seitenlinie durchaus emotional mit, strahlt davon abgesehen aber auch Ruhe und Gelassenheit aus.
FCA-Coach Heiko Herrlich (48) geht an der Seitenlinie durchaus emotional mit, strahlt davon abgesehen aber auch Ruhe und Gelassenheit aus.  © Tom Weller/dpa

Vorbereitung und Form des FC Augsburg: Die Mannschaft agiert schon als echte Einheit!

In den sieben Testspielen lief es gut. Gegen den Regionalligisten SV Heimstetten wurde deutlich mit 9:0 gewonnen, während es gegen den spielstarken Drittligisten SpVgg Unterhaching nur ein 0:0 gab. Im dritten Test bezwangen Herrlichs Mannen Zweitligist 1. FC Nürnberg mit 2:1. 

Anschließend schoss Augsburg einen souveränen 4:1-Sieg gegen den neuformierten Drittliga-Aufsteiger Türkgücü München heraus. Auch gegen den österreichischen Erstligisten SC Rheindorf Altach geizten die Augsburger beim 5:2-Erfolg nicht mit Toren.

Im Duell mit Herrlichs Ex-Klub Regensburg sprang ein 1:1 heraus, ehe es in der Generalprobe beim niederländischen Spitzenverein Ajax Amsterdam nur eine 0:1-Niederlage gab. Hier hielten sich die Fuggerstädter wirklich wacker! Herrlich war anschließend zufrieden und sagte: "Wir haben gezeigt, dass wir uns auch gegen starke Mannschaften Chancen erspielen und defensiv gut stehen können."

Diese Entwicklung setzte sich im Pokal fort. Gegen Fünftligist MTV Eintracht Celle sprang ein souveräner 7:0-Sieg heraus. Der FCA scheint also gut eingespielt- und gerüstet in die kommende Saison zu gehen. 

Die Vorbereitung und das Pokalspiel des FCA sind positiv zu bewerten.
Die Vorbereitung und das Pokalspiel des FCA sind positiv zu bewerten.  © Tom Weller/dpa

Saisonziel des FC Augsburg

Der Klassenerhalt. Alles andere wäre nach dem Umbruch vermessen. Die Mannschaft muss sich erst einmal finden und eine neue Struktur entwickeln, dazu lernen, mit Rückschlägen umzugehen.

Kämpferisch: für den FC Augsburg um Rani Khedira (l.) geht es vornehmlich nur darum, die Klasse zu halten.
Kämpferisch: für den FC Augsburg um Rani Khedira (l.) geht es vornehmlich nur darum, die Klasse zu halten.  © Tom Weller/dpa

TAG24-Prognose zum FC Augsburg

Der Kader wirkt insgesamt besser ausbalanciert als noch in der Vorsaison! Im Tor ist Gikiewicz die klare Nummer eins und dürfte sich als sicherer Rückhalt erweisen. Koubek bleibt nur der Platz auf der Bank, Benjamin Leneis (21) rundet das Trio ab.

Auf der Rechtsverteidigerposition wird sich Gumny gegen Eigengewächs Raphael Framberger (25) wohl auf  Sicht durchsetzen, obwohl letzterer im Pokal begann. Youngster Simon Asta (19) ist nur dritte Wahl.

In der Innenverteidigung verfügt der FCA mit Kapitän Jeffrey Gouweleeuw (29), Uduokhai, Reece Oxford (21) und Marek Suchy (32) über vier gute Akteure. Vermutlich werden Gouweleeuw und Uduokhai, die auch gegen Celle begannen, hier die Nase vorn haben. Den Atem von Oxford dürften allerdings beide im Nacken spüren. Wenn Routine gefragt ist, wird der 44-fache tschechische Nationalspieler Suchy gefragt sein.

Auf der linken Defensivseite ist Iago (23) nach dem Max-Abgang nun der klare Anwärter auf den Stammplatz. Pedersen ist der Herausforderer.

Im zentralen Mittelfeld ist die Auswahl groß. Hier wird Strobl voraussichtlich gesetzt sein. Im Pokal kam er  nach Verletzungi mmerhin von der Bank. Um den Platz an seiner Seite kämpfen Rani Khedira (26), Eduard Löwen (23), Carlos Gruezo (25), Jan Moravek (30), Frederik Jensen (23) und Felix Götze (22), der auch im Abwehrzentrum agieren kann. Gegen Celle begannen Khedira und Gruezo.

In der Vorbereitung kam hier auch regelmäßig das große Talent Tim Civeja (18) zum Einsatz. Auf diesen wichtigen Positionen könnte es, je nach Gegner, häufiger zu Wechseln kommen. Leistungstechnisch sind viele Akteure eng beieinander, sofern nicht einer den nächsten Entwicklungsschritt geht und die anderen somit abhängt. 

Auf der rechten offensiven Außenbahn spricht nahezu alles für den erfahrenen Caligiuri. André Hahn (30) und Noah Joel Sarenren Bazee (24) werden sich voraussichtlich über Einwechslungen beweisen müssen oder auf der linken Seite agieren. Hahn gibt sich kämpferisch und bereitete im Pokal gleich drei Tore vor, erzielte dazu einen Treffer selbst.

Auf links hat bisher allerdings der Schweizer Nationalspieler Ruben Vargas (22), der im Pokal zur Führung traf, die Nase vorn. Als hängende Spitze dürfte das umworbene Eigengewächs Marco Richter (22) gesetzt sein und Michael Gregoritsch (26) das Nachsehen haben. Letzterer durfte im Pokal aber spielen, weil Richter mit Sprunggelenksproblemen ausfiel.

Agiert der FCA mit einer Doppelspitze, führt kein Weg an Florian Niederlechner (29) und Alfred Finnbogason (31) vorbei. Bei nur einem Mittelstürmer dürfte ersterer - wie im Pokal - wohl gesetzt sein. Julian Schieber (31) muss sich hintenanstellen.

Daniel Caligiuri (l.) und Ruben Vargas haben gute Chancen, den vorzeitigen Klassenerhalt mit dem FC Augsburg zu feiern.
Daniel Caligiuri (l.) und Ruben Vargas haben gute Chancen, den vorzeitigen Klassenerhalt mit dem FC Augsburg zu feiern.  © Tom Weller/dpa

Diese Auflistung belegt, dass Augsburg qualitativ im Normalfall nichts mit dem Abstieg zu tun haben dürfte. Für die Fuggerstädter sollte eine ruhige Saison, die zwischen Platz 11 und 13 endet, drin sein. Läuft allerdings viel schief, kommt Unruhe auf und agiert die Mannschaft nicht als kampfstarke und disziplinierte Einheit, wird es eng!

Titelfoto: Tom Weller/dpa

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