Triple-Asse und Geheimtraining: Bayern-Coach Hansi Flick setzt auf Barca-Kenner

Lagos (Portugal) - Es wird ernst, der letzte Teil der Mission Triple steht unmittelbar bevor: Am Tag vor dem Beginn des Turniers der Champions League machte Hansi Flick (55) an der Algarve die Türen des FC Bayern München komplett zu.

Am Tag vor dem Beginn des Turniers der Champions League machte Hansi Flick (55) an der Algarve die Türen des FC Bayern München komplett dicht.
Am Tag vor dem Beginn des Turniers der Champions League machte Hansi Flick (55) an der Algarve die Türen des FC Bayern München komplett dicht.  © Matthias Balk/dpa

Der Trainer duldete bei "einer taktischen Einheit" vor dem Viertelfinal-Kracher gegen den FC Barcelona am Freitag (21 Uhr) im Lissaboner Finalstadion keine externen Beobachter. 

Hinter dem Sichtschutz des Trainingsplatzes im Teamquartier des deutschen Rekordmeisters in Lagos und abgeschirmt von Security sollte streng geheim der Matchplan gegen Lionel Messi (33) und seine Teamkollegen einstudiert werden.

Trotz der Abschottung am Dienstag ist freilich bekannt, dass Flick bei dem Hammerstart ins "Final-8-Turnier" auf eine Triple-Achse von 2013 setzt. 

Ein Quartett, das nicht nur weiß, wie man Europas Königsklasse gewinnt, sondern auch, wie man Barca dominieren kann. "Die jungen Spieler sind extrem hungrig - und auch die Alten wollen es noch mal wissen", sagte entsprechend Thomas Müller (30). 

Lediglich 23 Jahre jung war dieser Müller, als die Bayern auf dem Weg zum Titelgewinn im Jahr 2013 Barcelona im Halbfinale im Gesamtergebnis mit 7:0 demontierten. Beim 4:0 in München traf Müller doppelt, beim Rückspiel in Spanien gelang ihm der Treffer zum 3:0-Endstand. 

Neben Müller waren damals auch Manuel Neuer (34), Jérôme Boateng (31), Javi Martínez (31) und David Alaba (28) dabei. Auch danach im Finale gegen Borussia Dortmund (2:1) setzte Triple-Coach Jupp Heynckes (75) das Quintett über 90 Minuten ein.

Bis auf den alten spanischen Kämpfer Martínez, der damals mit Bastian Schweinsteiger (36) einen unüberwindlichen Wall im defensiven Mittelfeld bildete, spielen Torwart Neuer, das Innenverteidigerduo Boateng und Alaba sowie Angreifer Müller auch in Flicks Barca-Plan der Gegenwart Hauptrollen. Der 55 Jahre alte Coach vertraut auf eine Mischung aus Triple-Erfahrung und hungrigen jungen Kräften wie Joshua Kimmich (25), Leon Goretzka (25), Serge Gnabry (25) sowie Alphonso Davies (19).

Der linke Verteidiger steht vor der größten Aufgabe seiner gerade erst gestarteten Profi-Karriere. Der 19-jährige Kanadier soll im Viertelfinale versuchen, Weltfußballer Messi einzubremsen - eine schier unmögliche Aufgabe.

FC Bayern München trifft in der Champions League auf FC Barcelona: Rolle von Thomas Müller

Hansi Flick (55) und seine Spieler vom FC Bayern München peilen mit einem Triumph in der Champions League das Triple an.
Hansi Flick (55) und seine Spieler vom FC Bayern München peilen mit einem Triumph in der Champions League das Triple an.  © Matthias Balk/dpa

Kapitän Neuer spürt schon länger, dass ein Triumphzug wie 2013 drin ist. "Wir haben schon in der Gruppenphase erlebt, wie gut wir international gespielt haben", sagte der Torwart, mahnte aber: "Jetzt gibt es K.o.-Spiele, das sind immer Finals." Und da könne "jeder Fehler bestraft werden" - und wumms, ist man gegen Barcelona raus.

Neuer muss vorangehen, ebenso Müller - und 2020 auch Alaba. Im Triple-Jahr ähnelte der Österreicher als 21-Jähriger noch dem jungen Davies. 

Alaba spielte da ebenfalls noch links hinten. Sieben Spielzeiten später ist er von Flick inzwischen jedoch zum Chef der Bayern-Abwehr befördert worden. 

Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge (64) ernannte Alaba, der mit den Münchner Bossen weiter um einen neuen Millionen-Vertrag pokert, jüngst zum "Häuptling", der das Team spielstark von hinten führe, den Ton angebe, quasi als Kopie der Bayern-Legende Franz Beckenbauer (74). "Er ist der erste Spieler, der wieder auf diesem Niveau wie der Franz damals gespielt hat", schwärmte er.

Während sich am Nummer-1-Status des heutigen Kapitäns Neuer, den gegen Barcelona auch ein Privatduell mit seinem starken DFB-Torwart-Konkurrenten Marc-André ter Stegen (28) erwartet, in all den Jahren nichts geändert hat, zählt es zu den besonderen Verdiensten von Flick, die 2014-Weltmeister Müller und Boateng wieder zu Stützen des Jahrgangs 2020 entwickelt zu haben. Müller war in der Anfangsphase der Coronavirus-Saison ja nur noch ein Notnagel unter Ex-Coach Niko Kovac (48). 

Flick änderte das sofort mit der Übernahme des Cheftrainerpostens. Vorm Start ins Finalturnier sagte er nun: "Thomas hat eine enorme Erfahrung, auch gerade bei solchen Spielen. Darum ist er für die Mannschaft ein wichtiger Faktor." Auch wenn für das Toreschießen gegen Barca diesmal in erster Linie Robert Lewandowski (31), die Lebensversicherung, zuständig sein könnte.

Auch an der Algarve sind Müllers Kommentare und Kommandos eine ständige Begleitmusik auf dem Platz. 

Flick freut zudem, dass Boateng nach seiner verletzungsbedingten Auswechslung beim 4:1 gegen Chelsea wieder trainieren kann. Der Abwehrrecke will sein bemerkenswertes Comeback als Bayern-Stammkraft krönen. "Ich habe mich in der Saison gesteigert, gerade nach der Winterpause bin ich zufrieden." Boateng weiß, was ab Freitag in Lissabon gefragt ist: "Die Champions League ist ein großer Wettbewerb, da kommt es auf die Tagesform an."

Titelfoto: Matthias Balk/dpa

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