CL-Gegner des FC Bayern im Fokus: Massaker? Von wegen! Olympique Lyon als große Überraschung

Lissabon (Portugal) - Nach einem 0:3 in Lyon hielt Franz Beckenbauer (74) einst eine legendäre Wutrede. Meist hatte Olympique gegen den FC Bayern München aber in der Champions League das Nachsehen. Auch am Mittwoch sind die Franzosen einmal mehr in der eindeutigen Außenseiterrolle und wollen den nächsten Großen überraschen.

Die Mannschaft von Olympique Lyon ist in dieser Saison der Champions League die große Überraschung. Wie sieht es gegen den FC Bayern aus?
Die Mannschaft von Olympique Lyon ist in dieser Saison der Champions League die große Überraschung. Wie sieht es gegen den FC Bayern aus?  © Franck Fife/Pool AFP/AP/dpa

Eigentlich hätte sich Lyon das Finalturnier der Königsklasse sparen können. 

Das war jedenfalls die Meinung des allmächtigen Klubchefs Jean-Michel Aulas (71). Sein Team und auch das von Meister Paris Saint-Germain würden "massakriert". Das sei unvermeidlich, hatte Aulas prophezeit, nachdem die Saison in der französischen Ligue 1 wegen der Coronavirus-Pandemie abgebrochen worden war.

Doch das erwartete Massaker ist ausgeblieben. 

Stattdessen gehört Lyon plötzlich zu den besten vier Teams Europas und ist die große Überraschung der CL-Spielzeit. Erst mussten Cristiano Ronaldo (35) und Juventus Turin im Achtelfinale dran glauben, dann wurde Pep Guardiola (49) mit seinem Starensemble zurück nach England geschickt.

Und nun die Bayern? Trainer Rudi Garcia (56) hat große Lust auf eine weitere Sensation am Mittwoch (21 Uhr, Sky und DAZN). 

"Der Appetit kommt mit dem Essen. Unser Selbstvertrauen ist gewachsen", sagt der Coach, bleibt im gleichen Moment aber bescheiden: "Wir sind die Außenseiter gegen die Bayern. Jetzt ist ein weiteres Kunststück nötig."

So richtig erklären können sie sich in Lyon den plötzlichen Höhenflug selbst nicht. Als die Saison abgebrochen wurde, lag OL auf dem siebten Platz nach einem "schrecklichen Jahr", wie Aulas einräumte. 

Damit schien besiegelt, dass der einstige Serienmeister erstmals seit 1996 international nicht vertreten ist.

FC Bayern München großer Favorit im Halbfinale der Champions League gegen Olympique Lyon

Die Spieler von Olympique Lyon wollen im Halbfinale der Champions League auch den Favoriten aus München ärgern. Gelingt die Sensation?
Die Spieler von Olympique Lyon wollen im Halbfinale der Champions League auch den Favoriten aus München ärgern. Gelingt die Sensation?  © Franck Fife/Pool AFP/dpa

Aulas kämpfte vehement gegen den Saisonabbruch an, bemühte die Gerichte, brachte verrückte Ideen zur Fortsetzung der Spielzeit hervor - und erntete neben juristischen Pleiten viel Kopfschütteln in einem Land, das zu dieser Zeit andere Probleme hatte als eine Meisterschaft, die sportlich zu eben jenem Zeitpunkt sowieso schon entschieden war.

"Die Spieler haben auf diese Ungerechtigkeit reagiert", sagt Aulas und beschwört weiterhin den Zusammenhalt. Leidenschaftlich haben sie gegen Juventus und Manchester City verteidigt. 

Dazu verfügt das Team über den ein oder anderen Schlüsselspieler wie Holland-Star Memphis Depay (26), der nach einem Kreuzbandriss wieder zu alter Form gefunden hat, oder Flügelmann Maxwel Cornet (23). Und auch die so wichtigen taktischen Entscheidungen von Garcia griffen. So brachte gegen Manchester die Einwechslung von Moussa Dembelé (24) mit zwei Toren den großartigen Sieg.

Garcia hatte von Beginn an einen schweren Stand. Schon bei seinem Amtsantritt im Oktober 2019 war er von den eigenen Fans angefeindet worden. Schließlich hatte Garcia zuvor den großen Rivalen Olympique Marseille trainiert - und das mit mäßigem Erfolg. Seine Bilanz in Lyon bis zum Saisonabbruch (9 Siege in 18 Liga-Spielen) trug auch nicht gerade zur Beruhigung des eigenen Anhangs bei. "Er macht zuerst seine Arbeit und ist kein Kommunikator, der die Anerkennung sucht. Ich fühle mich bestätigt in meiner Entscheidung und freue mich für ihn", sagt Aulas.

Und so kommt der 71 Jahre alte Präsident, der bereits seit 1987 an der Spitze des Vereins steht, in den seltenen Genuss eines Halbfinals in der Königsklasse. Das gelang bisher nur 2010, als die Bayern unter Louis van Gaal Endstation waren. Die Münchner sind ohnehin nicht gerade der Lieblingsgegner der Südfranzosen, gab es doch in acht Spielen nur zwei Siege. 

Einer davon, das 3:0 im Jahr 2001, veranlasste aber den damaligen Bayern-Präsidenten Beckenbauer zu einer legendären Wutrede ("Altherrenfußball" und "Uwe-Seeler-Traditions-Mannschaft"). 

Wenige Monate später gewannen die Münchner die Champions League.

Titelfoto: Franck Fife/Pool AFP/dpa

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