Bayern-Trainer Hansi Flick: "Kann sogenannte Experten nicht mehr hören"

München - Hansi Flick (55) hat nach der Kritik am FC Bayern München und einer Sonderrolle des Fußballs an die Politik appelliert, neue Perspektiven für die Bevölkerung in Corona-Zeiten zu schaffen - und das mit teils deutlichen Worten.

Hansi Flick (55) hat nach Kritik am FC Bayern München und einer Sonderrolle des Fußballs deutliche Worte gefunden.
Hansi Flick (55) hat nach Kritik am FC Bayern München und einer Sonderrolle des Fußballs deutliche Worte gefunden.  © Sven Hoppe/dpa-pool/dpa

Nachdem etwa der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (57) den Rekordmeister zuletzt für die Reise zur Klub-Weltmeisterschaft in Katar mit Kritik bedacht hatte, war für Flick das Fass offenbar voll.

"Der Herr Lauterbach hat zu irgendetwas immer einen Kommentar abzugeben", sagte der Bayern-Übungsleiter auf das Thema angesprochen. "Wenn ich nicht in der Verantwortung stehe und mir nur das Ergebnis anschaue, kann ich das immer leicht bewerten", führte Flick weiter aus. "Wir haben einen Sonderstatus. Ich weiß nicht, wie oft ich getestet wurde, das geht an die 100. Wir sind in einer Blase."

Die Teilnahme an der Klub-WM sei zudem "unser Job, unser Business", erklärte der 55-Jährige weiter. Es sei schlicht eine "Sache, die wir machen müssen".

Man könne in seinen Augen die "sogenannten Experten langsam nicht mehr hören".

"Ich finde, die sogenannten Experten, die Politik sollen sich zusammensetzen und wirklich mal eine Strategie entwickeln, dass man irgendwann mal wieder Licht im Tunnel sieht. Das ist aktuell zu wenig, gerade für die Bevölkerung, für die Bürger, die nicht in der Situation sind wie wir Fußballer", sagte der Trainer am Sonntag in München vor dem Spiel am Montag (20.30 Uhr) gegen Arminia Bielefeld.

Es müsse mal "was Positives" verkündet werden.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (57) erntet von Hansi Flick (55) derzeit wohl maximal Unverständnis.
SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (57) erntet von Hansi Flick (55) derzeit wohl maximal Unverständnis.  © Kay Nietfeld/dpa

Trainer Hansi Flick vom FC Bayern München: Kritik an Bundeskanzlerin Angela Merkel "ganz krass"

Er habe oft das Gefühl, dass viele versuchten, aus der Situation Profit zu schlagen, um bei der nächsten Wahl mehr Prozente zu bekommen, sagte Flick und führte entsprechend deutlich dazu aus: "Das ist weit an dem Thema vorbei, welche Aufgabe sie aktuell haben in der Politik: Wirklich gemeinsam daran zu arbeiten, dass es irgendwann mal wieder zur Normalität kommt."

Lauterbach reagierte postwendend. "'Sogenannte Experten' äußern sich, weil Journalisten sie um Einschätzung bitten. Wenn Hansi Flick anderer Meinung ist, soll er einfach seine Argumente bringen", twitterte Lauterbach am Nachmittag des Sonntags. "Dafür muss er nicht Experte sein. Auch andere Argumente zählen. Aber als Amateur-Sportler sage ich: nicht unfair sein!"

Die Kritik an Bundeskanzlerin Angela Merkel (66, CDU) sei laut Flick indes heftig.

"Sie ist immer vornedran und wird natürlich wie immer auch bewertet, mit allem, was sie macht. Sie ist auch nur ein Mensch, wie wir alle, und wir alle machen Fehler", sagte der Bayern-Coach. "Sie darf auch Fehler machen. Nur wie das bewertet wird von den sogenannten Experten oder Politikerkollegen, ist schon ganz krass."

Man müsse vielmehr ein Miteinander finden, "um möglichst auch den Menschen in Deutschland oder auf der ganzen Welt so ein bisschen Zuversicht für die Zukunft zu geben. Das ist aktuell nicht der Fall", erklärte der 55-Jährige.

Titelfoto: Montage: Sven Hoppe/dpa-pool/dpa, Kay Nietfeld/dpa

Mehr zum Thema FC Bayern München:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0